Sehens- und hörenswert!

Otello

Christiane Hain über die Premiere von Verdis „Otello“

Was wusste ich über diese Oper, bevor ich sie mir angeschaut habe?
Es ist eine, wenn nicht, die dunkelste Oper der Musikgeschichte, es basiert auf der Geschichte von Shakespeares Drama Othello, es ist einer der letzten Opern des weltbekannten Komponisten Verdi und die Inszenierung in Duisburg erfolgt durch den bekannten Schauspielregisseur Michael Thalheimer.
Ich war sehr gespannt, was mich erwartet und wie es mir gefällt.
Um es vorweg zu nehmen. Die Inszenierung und die Oper haben mich beeindruckt. Die ersten beiden Akten habe ich für den Einstieg in die Welt von Otello benötigt und in den beiden letzten Akten war ich mitten drin im Drama um Otello und Desdemona, gestützt durch die fantastische Musik von Verdi.
Das Bühnenbild besteht nur aus einem schwarzen Kubus in dem ein Fenster zeitweise vorhanden ist. Die Wände und die Bühne sind durch große Vierecke uneben. Alle Sänger sind in schwarz gekleidet und diese Kombination führt einen von Anfang an in die düstere Welt von Otello und seinem Konkurrent Jago, der in durch einen listigen Plan geschickt in den Wahnsinn und zur Tötung seiner geliebten Desdemona treibt.
Die Hauptcharaktere Otello – der Außenseiter und Machthungrige, Desdemona, die Perfekte und Jago, der Nihilist werden langsam in den 4 Akten kontinuierlich entwickelt.
Besonders gelungen finde ich die Inszenierung des Auftritts von Desdemona im 1. und 2. Akt. Sie erscheint immer in einem Fenster – präsentiert wie ein Standbild – leicht erhöht, so das alle handelnden Personen auf der Bühne zu ihr aufschauen. Alle Personen bewundern diese schöne liebenswerte Frau von Otello. Sie steht über allem. In den letzten beiden Akten kommt sie auch nur noch durch eine Tür auf die Bühne, was auch symbolisch ihren Fall unterstreicht. Desdemona erfährt eine tolle charakterliche Entwicklung – anfänglich nur eindimensional schön und kurz vor ihrer Tötung wird ihre Liebe, ihre Kraft deutlich. Wundervoll die Szene als sie das Lied vom Baum singt. Sie erkennt ihr Schicksal und wird immer stärker, obwohl sie den Grund der Abweisung und Otellos Zweifel an ihrer Liebe nicht kennt.
Fasziniert hat mich auch die Figur des Jago, der die Bösartigkeit so gut auf die Bühne bringt, dass man versucht ist ihn aufhalten zu wollen.
Der Auftritt des Chors der deutschen Oper am Rhein ist auch immer sehens- und hörenswert und verstärkt nochmal die musikalische Wucht in jeder Szene. Großartig.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout.

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