Feuerwerk der Farben und Formen

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von Johann Strauss‘ „Fledermaus“

Die Fledermaus – eine der wohl bekanntesten Operetten überhaupt – hat in Duisburg Premiere gefeiert: Ein rauschendes Fest der Farben, ein bunter Strauß berühmter Melodien, ein Feuerwerk an schrillen Ideen bei den Kostümen und den Requisiten, ein unfassbar aufwendiges und vielschichtiges Bühnenbild. Das Wichtigste – diese unsterbliche Musik von Johann Strauss – lag und liegt bei den Duisburger Philharmonikern unter dem Taktstock von Benjamin Reiners in allerbesten Händen. Das Orchester spielt mitreißend, hervorragend, schon nach der Ouvertüre hat man sich musikalisch eingelassen auf den Unfug, der da kommt und ist auf die Skurrilitäten des Genres eingestimmt…
Trotz des Salonhaften und aller „Gassenhauerqualität“ der Lieder, die viel Spielfreude verraten, klingen die Duisburger frisch und lustig, Ironie, Launenhaftigkeit oder Tänzerisches sind stets gut dosiert.

Stimmlich knüpft die Premierenbesetzung nahtlos an diese Qualität an – durchweg zur Rolle passende Stimmen mit viel Lust und Sauberkeit paaren sich mit starken schauspielerischen Leistungen aller Akteure und bereiten dem Zuschauer einen Augen- und Ohrenschmaus.

Das Bühnenbild provoziert im Moment des „Vorhang auf“ tatsächlich ein „Aaahhh“: ein in drei Ebenen hintereinander aufgeteilter „Lebensraum“ im Stadthaus des Ehepaars von Eisenstein, ausgestattet mit einer Mixtur aus Pomp und Perversitäten: Sofa und Tapeten im Zebralook, Tür und Wand in rosa Rosenoptik, rote Rautenwände mit Beleuchtung – eingefasst in dickste barocke Goldrahmen mit üppigen Ornamenten… Der Kaktus auf der Fensterbank und maigrüne Swinger am Tisch vollenden die schräge Absurdität des Raums. Aber mit Freitreppe, Loungemöbeln und Discokugeln an der Decke funktioniert die Bühne gleichermaßen als Ballsaal des Grafen Orlowski und mit Eisengittern als Gefängnis. Dorthinein schießt – für meinen Geschmack unnötig quer – der Duisburger Lokalbezug verquickt mit dem Grafen-Traum von der Raumfahrt, eine Rakete auf der Bühne, Duisburg als Bahnhofsstandort für den Weltraumtourismus… Bei allem Bizarren, das diese Operette sowieso schon bietet, ist das übers Ziel hinausgeschossen.
Tanzmusik, ein Ball beim Grafen: hier darf der Tanz nicht fehlen: eine Gruppe Tänzerinnen in Fernsehballet-Optik verleiht dem Souper des Orlofsky und dem Czardas-Vortrag Rosalindes den endgültig schräg-witzigen Kick.

Eingebunden in diese Skandalgeschichte der „feinen Gesellschaft“ sind weitere zahlreiche feine gelungene Details bei der Farbgebung, den Kostümen, Frisuren, Requisiten oder beim Wortwitz… Manches vielleicht einen Hauch zu dick aufgetragen, und in der Frequenz zu häufig, und doch bleibt am Ende ein Schmunzeln übrig und verlässt den Saal mit einem amüsierten Kopfschütteln.

Insgesamt eine gelungene Fledermaus: ein unterhaltsamer, beschwingter und lohnender Abend.

Fedrizzi_Isabel_FOTO_Tanja_BrillIsabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

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