Hier passt einfach alles

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Benedikt Stahl schreibt an seine „Opernfreundin“  Hilli Hassemer und nimmt Bezug auf die Premiere von „Maria Stuarda“

Zu Recht, liebe Hilli, vergibst Du alle Sterne an die wunderbare Aufführung der Maria Stuarda. Ich teile Deine Begeisterung voll und ganz! Hier passt einfach alles, Musik, Sängerinnen (!!), Chor, Orchester, die Regie, die Bühne, die Bilder, Kostüme, Farben, Licht, alles erstklassig. Diese Inszenierung ist große Kunst!

Dank und Glückwünsche an dieser Stelle an Guy Joosten, der diesem Anspruch mehr als gerecht wird. Mit dem flämischen Bühnenbildner Roel van Berckelaer, der Kostümbildnerin Eva Krämer und dem Lichtdesigner Stefan Bolliger scheint sich dabei ein Team gefunden zu haben, deren Werke wir hoffentlich noch ganz oft zu sehen bekommen. Die meisterlich erzeugten Raumtiefen ziehen den Betrachter magisch an, Farben und Schnitte der Kleider sind sinnlich berührend und der Aufbau der Lichtregie ist wirklich sternstundenreif. Ich habe noch sehr deutlich die Szene vor Augen, in der Elisabetta das Todesurteil unterschreibt. Die Tiefsinnigkeit, diesen Akt in einen Raum zu verlegen, in dem wohl wie in keinem anderen Ränke geschmiedet und Untergänge geplant werden, lebt vor allem durch das Lichtbild. Erinnerst Du Dich auch noch daran? Das schräg von links oben, durch ein Seitenfenster einfallende gleißende Weiß, die einzelne warm strahlende Glühbirne über dem Tisch, das gekonnte Spiel mit Vorder- und Hintergrund. Selbst der Getränkeautomat wird für mich in diesem Kontext zu einem Lichtobjekt. Hier und in beinahe jeder Szene verschmelzen Sichtbares und Unsichtbares mit der Dramatik des Inhalts und der dazu gehörigen Musik zu einer einzigartigen Gesamtkomposition, das ist Oper pur!

Der Abend lässt uns lange nicht los. Judith und ich haben uns noch viel darüber unterhalten. Besonders berührt hat uns die Person der Maria Stuarda, die es schafft trotz des Wissens um ihr Todesurteil, mit solcher Anmut und in sich ruhend ihrer letzten Stunde entgegen zu gehen. Eine Frage des Lebens, die unsere Besinnlichkeit zur Weihnachtszeit begleitet.
Mit diesen Gedanken zum Ende des Jahres grüße ich Dich sehr herzlich, wünsche Dir ein schönes Neujahrsfest und freue mich auf hoffentlich viele weitere gemeinsame Opernkunstwerke!
Dein Bene                                                    PS: bring bitte nächstes Mal den Peter wieder mit!

Stahl_Benedikt_Foto2_Andreas_EndermannBenedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit: Wie Bild, Musik und Darstellung hier zusammen wirken, fasziniert ihn. Als interdisziplinär denkender Grenzgänger ist er auch an der Alanus Hochschule Bonn-Alfter tätig: Was  Architektur mit Schauspiel, Wirtschaft mit Kunst zu hat – diese Fragestellungen interessieren ihn auch in der Lehre. Nicht nur die Oberfläche, sondern die spannenden Zusammenhänge will er nun als Scout für Oper und Ballett entdecken.

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