Einzigartig und besonders…

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Michael Menge über die Premiere von Richard Wagners „Siegfried“

Angst ist es, was einem vor einer Aufführung von Wagner gemacht wird. Aber warum ich habe es auch nach der Premiere nicht verstanden. Wer Serien auf Netflix binge-watched kann ohne Hemmungen und Berührungsangst in eine Aufführung des Nibelungen Rings von Richard Wagner gehen.
Das Einzige was dieses Stück für einen ungeübten Zuschauer anstrengend macht, ist die ungewohnte Verteilung von Informationen. Man ist es von Filmen oder Serien gewohnt, sehr schnell in eine Handlung geworfen zu werden, die sich rasant weiterentwickelt und es keine Pause gibt bevor dem Protagonisten das nächste unmögliche im Plot widerfährt. Dabei gibt es keine Zeit für die kleinen und leisen Dinge, die sich nur langsam entwickeln und ihre Schönheit durch Zeit offenbaren.

Ganz anders beim Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Die Handlung entwickelt sich langsam und wird imposant von dem Orchester begleitet und pointiert. Die Musik ist nicht so komplex, wie bei Mahler aber sie beschreibt in einer kraftvollen Weise die Handlung und Charaktere des Stücks. Man bekommt den Eindruck das jedes Gefühl, jede Handlung und jeder Darsteller seine eigene sich wiederholende Melodie bekommt, die einen durch die Aufführung begleitet.

Im ersten Aufzug kann man sich die Zeit nehmen auf eine poetische Weise nach zu empfinden, wie man sich fühlt, wenn jemand erkennt, dass er nicht in die eigenen Familie passt. Das man sich aus unerklärlichen Grund anders fühlt. Man erlebt, wie sich Siegfried in einem inneren Konflikt befindet und sich mühsam die Erkenntnis seiner Herkunft mit Hilfe von Beispielen aus der Natur erarbeitet bis diese in ihm zu einer unumstößlichen Wahrheit wird.
Im dritten und letzten Aufzug wird einem gezeigt, was es bedeutet, 33 Jahre nur mit einem männlichen Zwerg verbracht zu haben und wie sich das auf den ersten Kontakt zu einer Frau auswirkt. Ich finde, mit diesem Hintergrund, dass sich Siegfried und Brünnhilde doch sehr schnell aufeinander eingelassen haben.

Bei der Premiere war Siegfried dargestellt von Corby Welch, krank und konnte demnach nicht mit seiner gewohnte Stimmkraft die Rolle ausfüllen. Hat das die Premiere schlechter gemacht? Ich finde nicht, es hat die Premiere zu einem einzigartigen Stück gemacht, was man nur erleben konnte, wenn man dort war und das macht für mich den Zauber der Oper und des Balletts aus. Auch wenn man nach Perfektion strebt, machen vermeintliche Schwächen und Fehler einen Moment zu etwas Einzigartigem und Besonderen.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Michael Menge
Selbstständiger Grafikdesigner

Michael Menge ist Inhaber der Design Agentur „Oppa Franz“ aus Duisburg. Im Dialog mit seinen Kunden schaut der freie Art Direktor und Designer genau hin: „Es geht uns um den ganzheitlichen Charakter eines Unternehmens. Denn interessante Persönlichkeiten sind nicht perfekt – und spannende Marken auch nicht.“ Genau hinschauen möchte er jetzt auch als Scout für Oper und Ballett in Duisburg. Er ist sehr neugierig auf das Projekt, da er bisher wenig Berührung mit Oper oder Ballett hatte und freut sich darauf, diese Art der Darstellung und des Ausdruckes besser verstehen zu lernen.

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