What if god is one of us?

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von Richard Wagners „Siegfried“

„Siegfried“ würde ich nicht unbedingt als Einsteiger-Oper empfehlen, aber in Richard Wagners „Ring“-Zyklus ist dieses 4 1/2-stündige Werk immerhin das humoristische Intermezzo. Amüsante Aspekte hat auch unsere Rheinopern-Inszenierung von Dietrich Hilsdorf zu bieten. So startet bereits die Show vor dem eigentlichen Stück, indem ein vermeintlicher Stadtstreicher mit altem Fahrrad vor dem Theater und später im Foyer und Zuschauerraum herumwandert. „What if god is one of us?“ – Der gefallene Gott Wotan war also dieser Stadtstreicher und besucht in der Mitte des ersten Aufzugs den Zwerg Mime. Dieser verwettet übermütig seinen Kopf und albert tänzelnd um diesen „Wanderer“ herum. Cornel Frey als Mime singt und schauspielert hervorragend und erntet dafür zu Recht Bravo-Rufe. Mimes Ziehsohn Siegfried ist ein Trotzkopf und wird bekanntlich zum Helden, der das Schwert „Nothung“ neu schmiedet. Der erkrankte Hauptdarsteller Corby Welch sang diese anspruchsvolle Partie und rettete durch diesen selbstlosen Einsatz die Duisburger Premiere.

Bei Wagners Musik fliegt einem das Blech weg. Unsere Duisburger Philharmonikerin Magdalena Ernst spielt im zweiten Aufzug unsichtbar seitlich der Bühne virtuos das Horn. Zuvor imitiert Siegfried wunderbar komisch die Vogelstimmen. Dann erscheint Fafner, der Furcht erregende Wurm – hier die Dampfmaschine! Diese Szene hat mich angenehm überrascht, habe ich mir doch sonst eher einen Drachen gewünscht. Doch die Industrie-/ Kapitalismuskritik sei gestattet und ist vom Autor auch erwünscht.

Im dritten Aufzug wird Siegfried, der Drachentöter, nicht gerade zum (Frauen-)Held. Er lernt das Fürchten, als er sein Dornröschen wachküsst. Richard Wagner legt Brünnhilde warnende Worte in den Mund: „Liebe Dich und lasse von mir: Vernichte Dein Eigen nicht!“ Und dann auf einmal „Dein war ich von je! Dein werd´ ich ewig sein!“ Verstehe einer die Frauen. Happy End?! Jedenfalls werde ich mir „Siegfried“ noch mal ansehen, so wie sich andere mehrfach an einem „Herr der Ringe“-Teil erfreuen.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstandsmitglied der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien qualifiziert sich zurzeit zur Fachkraft für Arbeitssicherheit. Im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg organisiert klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar auch die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

 

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