Isch weiss nich’…

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Michael Langenberger über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Noch nie ist es mir so schwer gefallen, über eine Premiere zu schreiben, wie dieses Mal. In der Opernkritik der Rheinischen Post finde ich einen Teil meiner Zerrissenheit wieder.

Fest steht für mich, dass alle Akteure, wie gewohnt, ihr Handwerk in wirklich hervorragender Qualität zelebrierten. Man muss sogar sagen, es bedarf äußersten Könnens, eine komplette Oper lang, in sowohl orchestralen und stimmlichen Klängen, nahezu alles ausschließlich in Dissonanzen zu meistern. Meine Ohren waren darauf allerdings nicht wirklich eingestellt und ich empfand es zeitweise als wirklich anstrengend. Wer eine Vielzahl unterschiedlicher Rhythmen liebt, kommt in fragmentierter Form bestens auf seine Kosten.

In der Pause unterhielt ich mich mit einem mir unbekannten, anderen Zuschauer. Er fand es ganz lustig, ein Bühnenbild während einer Oper eben nicht nur von seiner Schokoladenseite, sondern auch mal von seiner Rückseite zu sehen. Sicher, das ist mal etwas anderes. Also wer derartige Verschiebe-Aktionen und den Kulissenbau würdigen will, hier wäre eine Gelegenheit.

In dem Nachgespräch, direkt nach Ende der Vorführung, habe ich gelernt, dass der Gesangstext der Theatervorlage relativ nahekommt. Hmm, auch hier ist mir einiges fremd geblieben.

Eine meiner Töchter erinnerte mich dann daran – nach meinem kurzen Bericht über diese Opernaufführung – dass ich Ende der 70er Jahre eines der ersten Police-Konzerte überhaupt gesehen hatte. Wegen der völlig ungewöhnlichen, total neuen und ungewohnten Rhythmen waren wir Jugendliche dann kurz nach der Pause nach Hause gegangen. Damals, weil wir es einfach nicht mehr ertragen konnten… Und heute würde ich sofort eine Eintrittskarte kaufen und bis nach der Zugabe bleiben.

Ob es mit diesem Opernwerk genauso geht? War ich vielleicht bei der Uraufführung eines Werkes, was zukünftig die Welt begeistert und nur ich habe es jetzt und hier nicht verstanden?

Machen Sie sich Ihr eigenes Bild.

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im tanzhaus nrw, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

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