Tis pity she’s a whore

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Markus Wendel über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Das Opernscout-Jahr beginnt mit etwas ganz Besonderem, nämlich der Welt-Uraufführung einer aktuellen Opern-Komposition. Das wird mir schon bei der Opernwerkstatt klar, denn wann erlebt man es schon mal, dass sich ein Dirigent mit dem Komponisten unterhält, ganz locker über die Brüstung des Orchestergrabens hinweg. Anno Schreier heißt der Musik-Schaffende, und einige Tage vor der Premiere verspricht er uns in erster Linie einen Abend voller Unterhaltung.

Die Handlung ist bereits einige hundert Jahre alt, und erzählt ein schauriges Drama rund um ein sich liebendes Geschwisterpaar. Inzest, Macht, Gier und Blut. Mich erinnert es irgendwie an eine verschärfte Variante von Romeo und Julia.

Zu dieser blutigen, und nicht gut ausgehenden Geschichte, serviert uns Anno Schreier ein Potpourri quer durch die Geschichte der Musik. Walzer, Schlager, asiatische Klänge, Barock, Filmmusik, manchmal wie Verdi, und dann höchst romantische Streicher-Klänge, wie im ausklingenden neunzehnten Jahrhundert. Alles ist dabei. Ausgedehnte Wohlfühl-Momente werden allerdings nicht zugelassen. Es gibt immer wieder harte Brüche, und unerwartete Überraschungen, die aber auch von der Handlung vorgegeben werden. David Hermann setzt diese in bemerkenswerter Gradlinigkeit, straffem Tempo, und einigen sehr humoristischen Einlagen, in Szene. In Kombination mit dem sehr derben Libretto muss ich mich streckenweise echt am Riemen reißen, nicht minutenlang laut loszulachen. Nach der Pause bleibt einem das Lachen allerdings im Halse stecken, denn vor allem im zweiten Teil verschmelzen Dramatik und atmosphärische Dichte zu einem wirklich ernstzunehmenden und hochdramatischen Gesamtwerk.

Ich hatte einen ganz hervorragenden Abend, der Oper wirklich in einer ganz anderen Art und Weise erlebbar macht. Mir bleibt nichts anderes, als diese Aufführung dringend zu empfehlen, und ich bin sehr gespannt, ob ‚Schade‘ den Sprung ins Repertoire der Deutschen Oper am Rhein schaffen wird. Meiner Meinung nach wäre das hochverdient!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_EndermannMarkus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

 

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