Was für ein Schauspiel-Spektakel, zu lyrischer Musik!

Romeo_et_Juliette_01_FOTO_Hans_Joerg_MichelHubert Kolb über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Die erste große Arbeit des Jung-Regisseurs Philipp Westerbarkei, zusammen mit Tatjana Ivschina (Bühne und Kostüme): Sie wollen es uns zeigen: so gehört eine alte Oper auf modern! Abgesehen von einigen Übertreibungen der Regiearbeit war es ein Abend, der in Erinnerung bleibt.
Zum Vorspiel gibt es gleich eine Ballett-artige Choreographie für den Chor, das bedurfte sicher einiger Übung. Dann teilt er sich sinnbildhaft in die beiden feindlichen Familien auf. Die Emotion wird durch leisen Herzschlag aus Lautsprechern zwischen den Bildern verstärkt, wie auch durch eine stumm tanzende, eher Shakespeare entsprechende junge Version des Liebespaares. Fast immer sind alle Protagonisten in Bewegung, oder singen im Dunkeln hinter der Festgesellschaft in Glitzerkostümen. Mal rauchen viele auf der Bühne. Spezielle Lichteffekte. Es gibt so vieles Ungewohntes auf der Bühne zu sehen, manches verpasst man, da oft mehrere Handlungen an verschiedenen Orten der Bühne parallel laufen, manches versteht man nicht. Eine tolle Idee, das Brautkleid der Juliette als scheintoter Körper wirken zu lassen, während Juliette als Geist im Hintergrund der Bühne die Vorgänge beobachtet. Man bleibt wach, um nichts zu verpassen.

Für mich unbefriedigend war der gewollt ungewöhnliche Schluss: Juliette überlebt (oder ist es ihr Geist?) und vermählt sich mit dem zuvor abgelehnten Grafen Pâris. Der tote Roméo bleibt als letztlich Betrogener zurück. So ist das Leben…

Die Musik ist lyrisch-schön. Roméo (Ovidiu Purcel) und Juliette (Luiza Fatyol) sind am Anfang etwas laut-hart in der Stimme, dann setzt sich aber der italienische Schmelz beim Tenor und das Lyrische beim Sopran herrlich durch. Mehrere weitere Stimmen waren überzeugend, einige aber nicht. Gegenüber der Probe bei der Opernwerkstatt hatte der Dirigent David Crescenzi die Düsseldorfer Symphoniker wesentlich besser im Griff.

Vielleicht sollte ich eine weitere Vorführung besuchen, um noch mehr von dieser Inszenierung wahrzunehmen.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt

 

 

 

 

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