Liebt Juliette ihren Roméo wirklich?

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Susanne Bunka über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Ein musikalisch wunderbarer Abend mit tollen Stimmen; besonders Ovidiu Purcel mit seinem strahlenden, mühelosen Sopran hat mich begeistert. Auch Luiza Fatyol als Juliette und Bogdan Talos in der Rolle des Bruder Laurent
überzeugten stimmlich!
Der Chor sang wunderbar; das Orchester tat, was es tuen soll…..es begleitete Solisten und Chorsänger professionell wohlklingend.
Das Bühnenbild erschien zeitweise deprimierend dunkel, aber das passte zum wirklich nicht lustigen Thema…..ein liebendes Paar darf nicht zueinander finden, denn dies würde alten, festgezurrten Regeln und Bestimmungen widersprechen.
Philipp Westerbarkei hat in dieser Inszenierung mehr das Verlogene, Patriachaische, Konservative der Gesellschaft herausgestellt, als die Liebesgeschichte selbst……denn liebt Juliette ihren Roméo wirklich? Oder ist er mehr eine Option ihrem goldenen Käfig zu entfliehen.
In dieser Aufführung scheint Roméo der große und einzige wirkliche Verlierer zu sein; seine Liebe erscheint echt und tief….er ist ja auch derjenige, der am Ende stirbt. Juliette entscheidet sich doch für ihren Käfig und folgt Paris; diese Möglichkeit scheint doch angenehmer zu sein als der Tod. Sie ist halt doch die Tochter ihres „Dandyvaters“ und Anhängerin des opulenten, angenehmen Lebens; einen Versuch war es aber wohl wert…..
Ein wenig verwirrend erschien mir das „verliebte Paar“, das stimmlos seine verspielte, jugendliche Zuneigung zeigte. Waren es die Protagonisten in ihrer Jugend oder Wunschträume, die nicht ausgelebt werden durften? Für mich waren sie überflüssig!
Überflüssig erschien mir auch das Stuhlkonstrukt, auf dem Juliette mehrmals akrobatisch bewundernswert singen musste. Dass es ggfs. der berühmte Balkon sein sollte, wurde mir erst später klar; ein italienischer Brauch, Bräute auf Stühle zu stellen, existiert auch. Ich hätte auf diesen „Nervenkitzel“ verzichten können.

Romeo und Julia sind hier also nicht nur das liebende, sich nacheinander verzehrende Paar, sondern zwei Menschen, die versuchen, bestmöglich ihr Leben zu leben, auch auf die Gefahr hin, durch Egoismus zu verletzen.

Bunka_Susanne_Foto2_Andreas_EndermannSusanne Bunka
Inhaberin des Angercafés in Urdenbach

Vor drei Jahren hat sich die ehemalige Kinderkrankenschwester Susanne Bunka einen Traum erfüllt: Zusammen mit ihrer Tochter betreibt sie das Angercafé in Urdenbach – ein Treffpunkt für alle Generationen, in dem auch Lesungen und kleine Konzerte und Chorproben stattfinden. Sie liebt die großen Opernklassiker, ist gleichermaßen offen für zeitgenössisches Musiktheater und Ballett und freut sich darauf, Ihre Eindrücke auch in ihrer zweiten Spielzeit als Opernscout im Gespräch zu vertiefen.

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