Quintessenz der Liebesgeschichte

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Hilli Hassemer über die Premiere von „Roméo et Juliette“

love is a losing game

erscheint in Leuchtschrift  (nach einem tollen Song von Amy Winehouse), als Quintessenz der Liebesgeschichte zwischen Roméo und Juliette.

Um es vorweg zu nehmen, Juliette verliert zwar auch irgendwie das Spiel, aber sie stirbt nicht. Nach dem Motto der Stadtmusikanten „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“  entscheidet sie sich für das Leben und dies dann eben mit dem ungeliebten
Paris.
Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel, als Roméo und Juliette glänzen gesanglich und es ist ergötzend, den beiden zu lauschen. Genauso beglückt mich der Opernchor, der zudem noch Tanzeinlagen zum Besten gibt, welche schweißtreibendes
Training erahnen lassen.
Maria Boikos Auftritte als Stéphano, so kurz sie sind, finde ich sehr stark. Sie groovt in hippen schlaksigen Bewegungen über die Bühne und überrascht mich aus dieser Lässigkeit heraus umso mehr mit ihrer wunderbaren Stimme.
Auf die Düsseldorfer Sänger und Musiker ist einfach Verlass, denke ich immer wieder, nicht ohne Stolz.
Ein Lob an das Licht! Dramatisch gut beleuchtet, sind besonders die großen Chor-Tanzszenen. Die singenden Akteure sind mit rot-grün Spots angestrahlt und man möchte eigentlich an diesen 2-Kanal Licht-Stellen eine 3 D Brille zu Hand haben, um die räumliche Tiefenwirkung noch zu verstärken.
Mich strapazieren die Szenen, in denen Juliette auf rätselhafte Stuhlstapeltürme klettern und aus überhöhter Position ihre Arien singen muss. Sicher sind diese Gebilde gut fixiert und stabiler, als sie aussehen, aber was ist, wenn es Juliette schwindelt oder sich ihr langes Kleid verfängt oder … meine Sorge um die Sängerin überwiegt und überschattet den Genuss der musikalischen Darbietung.
Was die Inszenierung betrifft, so spricht Westerbarkei für mich in Rätseln. Da gibt es dieses jüngere stumme alter Ego Roméo-und-Juliette Paar, welches von Szene zu Szene auftaucht und sich in übertriebenen Gesten liebt und rauft und liebt und rauft. Sind sie ein Traum, oder vielleicht die echten und
zeitgenössischen Romeo und Julia Akteure?
Dann die seltsame Grotte im Hintergrund, – auch als Kletterfelsen für gewagte Stunts genutzt, – sie ist der Hort für eine an Lourdes erinnernde Muttergottes Statue. Sie leuchtet still und irgendwie religiös und erschließt sich mir nicht. Die schwarzwelligen Bühnenelemente in den letzten Akten, sind sie Meeresküste?
Nachtschattengewächse?
Zum Kern aber: die Verbundenheit, diese weltberühmte tragische große LIEBE zwischen den beiden Hauptdarstellern, die sich gegen ihre Familien, gegen die Gesellschaft und den Rest der Welt stellen, – sie erschließt sich mir aus diesem Spiel nicht. Auch bei den innigen Liebesarien agieren die beiden auf Distanz, – besonders, wenn Julia auf einem ihrer, bereits erwähnten,  Stuhltürme steht, kniet, sich windet (und ich Blut und Wasser schwitze) .

So ist es fast eine logische Konsequenz, dass Juliette ihrem fernen Roméo nicht in den Tod folgt.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Hessemer_Hilli_Foto2_Andreas_EndermannHilli Hassemer
Bildende Künstlerin

Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Klassische und auch Opernmusik sind elementare Einflüsse in ihrer Arbeit. Das erste Jahr als Opernscout hat sie mit heller Freude erlebt. Die Vielfalt und Qualität der Düsseldorfer Opern und Ballettkultur zu erleben, war für sie eine neu prägende Seh- und Hörschule. Eine Sinn-schärfende Bereicherung, die sie nicht mehr missen möchte. So freut sie sich auf die zweite Spielzeit, auf die neuen Ballett und Opernwelten, die sich ihr eröffnen werden und für die sie Worte finden muss. Der Bleistift ist gespitzt….

 

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