So muss man es machen

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Michael Langenberger über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Das erste Lob gehört dem Generalintendanten der Düsseldorfer Oper. Prof. Christoph Meyer vertraut die Inszenierung dieses großen Werkes Philipp Westerbarkei an, ein Eigengewächs der Düsseldorfer Oper. Der wiederum kooperiert mit Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühne und Kostüme, im besten Sinne wie ein Start-Up in agiler Arbeitsweise, indem beide Ihr Know-How so verzahnen, das ein grandioses Bühnenwerk entsteht. Wer sehen will, welche Special-Effects eine renovierungsbedürftige Operntechnik in der Lage ist zu liefern, der sollte sich diese Oper ansehen und genießen.

Es sind diese Lichteffekte, die beispielsweise Luiza Fatyol als Juliette im silbern glitzernden Kleid zu einem grandiosen Auftritt erheben oder die Bühne in Sekundenschnelle zu einem Kirchenraum wandeln. Oder habe Sie schon einmal minutenlangen Regen auf der Bühne erlebt? Ja, es war wirklich nasser Regen. So ist dann auch ein steinerner Fels eben nicht nur Bühnenbild, sondern hilft auch bei der Visualisierung der bizarren Formen von Gewitterblitzen.

Immer wieder mal erscheinen Maria Sauckel-Plock und Egor Reider als ihr jeweils jüngeres Ich von Roméo und Juliette. Man hört – intoniert – deren Herzen höher schlagen. Die beiden zwar nicht singend, doch als blutjunge Mimen, die Liebe und Verrücktheiten junger, frischer Verliebter verkörpernd, quasi pantomimisch darstellend. So geht das Schauspiel vor dem abgesenkten Vorhang während des Bühnenumbaus kurzweilig weiter, hält den Zuschauer emotional gefangen und löst sich fließend, schauspielerisch im folgenden Bühnenbild wieder auf.

Übrigens, wer einmal einen riesigen Chor tanzen sehen will oder ebenso viele Anregungen zu fantasievollen Kleidern und Kostümen, wie der Chor Mitglieder hat, sehen will, sollte die vielen unterschiedlichen Auftritte des Chors nicht versäumen.

Gerade zu Beginn verbinde ich mit dem Auftritt des Chors einige Szenen mit Leonard Bernsteins “West Side Story”. Wenn dieses Musical damals als die moderne Form des Dramas Romeo und Julia galt, dann haben wir jetzt bei der Premiere von „Roméo et Juliette“ die Fusion von spektakulärem Opern-Schauspiel mit highly sophisticated Animation gesehen.

War das jetzt z.B. auch die Bewerbung der Oper Düsseldorf für einen Opernhaus-Neubau auf Weltniveau? In Zeiten, wo Opernhaus-Neubau zur bloßen Auseinandersetzung auf Standort und Geld reduziert wird, ist es gerade jetzt wichtig mit dem oft gespielten Stück „Roméo et Juliette“ durch performative Leistung zu glänzen, auch Grenzen auszutesten. Denn welches Opernhaus kann schon mit einem Sänger (und Tänzer-) Ensemble glänzen, das selbst bei komplexen Besetzungen, nahezu alle Rollen selbst besetzen kann und damit gleichzeitig Talentschmiede der internationalen Opern- und Ballettwelt ist? Welches Opernhaus ermöglicht eigenen, jungen Talenten die Verantwortung für Regie und Ausstattung zu übernehmen? Welch anderes Opernhaus liefert in steter Regelmäßigkeit Award-Qualitäten ab? Hätte es ein solches Opernhaus nicht auch verdient, mit perfekter Technik – einschließlich der für Liveübertragungen – den Rest der Welt an seinen Ideenreichtum und moderner Arbeits- und Management-Leistung teilhaben zu lassen?

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im Tanzhaus NRW, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

 

 

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