Der ganz normale Wahnsinn

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Benedikt Stahl über die Premiere von „Pique Dame“

Für diesen kurzen Beitrag überlasse ich die Zusammenfassung der Handlung den Opernführern.
Nur soviel: es geht um Leben und Tod, Verzweiflung, Liebe, Eifersucht, Gier, Glück, Betrug, Enttäuschung, Lust und Leidenschaft. Der ganz normale Wahnsinn also.

Tschaikowski malt für diesen Rausch die facettenreichsten Bilder. Durchdringend, gewaltig, tiefgehend, schön. Alle Sänger und Musiker geben ihr bestes. Wunderbar! Für mich, als Hobbykoch, bleibt da kein Wunsch übrig.
Die Bühne ist fantastisch! Das ist kein Bühnenbild, das ist Bühnenraum! Bärbl Hohmann bespielt mit ihren Ideen die ganze Klaviatur der Raumkunst. Von opulenter Überfülle bis zum beinahe Nichts gelingt ihr ein großer Wurf! Dazu das Licht, gestaltet von Stefan Bolliger, der schon die Maria Stuarda so grandios in Szene gesetzt hat, einfach genial! Die beiden muss man sich merken!
Von den durchgängig sehr guten Darstellern bleiben mir persönlich zwei Personen in besonderer Erinnerung. Hermann, die zentrale Figur im Stück, stark gespielt und gesungen von Sergey Polyakov. Irgendwie eine Art ungepflegter „Nerd“, ein Außenseiter, der sowohl in seiner äußeren Erscheinung wie auch in seinem ganzen Habitus eine Sonderrolle einnimmt. Der Getriebene ist in seiner besinnungslosen Verliebtheit in die etwas dümmlich scheinende Lisa vollkommen außer sich. Zutiefst erschrocken über die unzähmbare Kraft seiner Liebesgier, rast er unaufhaltsam dem Abgrund entgegen. Man ahnt, dass es die Verzweiflung des Komponisten selbst sein muss, die dieser Figur ihre außerordentliche Kraft gibt.
Dann die Gräfin, die Gralshüterin. Vom ersten Moment an wird klar, dass nur sie das große Geheimnis kennt, dass nur sie wirklich etwas versteht von Liebe, Freiheit und Leidenschaft. Hanna Schwarz zeigt mit ihrer wunderbaren Stimme und jeder noch so kleinen Geste die Tiefgründigkeit dieser Figur. Kein Wunder, dass die eigentliche Liebe – nicht das Verliebtsein – zwischen diesen beiden spielt.

Unvergesslich! Riesenapplaus! Reingehen!

Stahl_Benedikt_Foto2_Andreas_EndermannBenedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit: Wie Bild, Musik und Darstellung hier zusammen wirken, fasziniert ihn. Als interdisziplinär denkender Grenzgänger ist er auch an der Alanus Hochschule Bonn-Alfter tätig: Was  Architektur mit Schauspiel, Wirtschaft mit Kunst zu hat – diese Fragestellungen interessieren ihn auch in der Lehre. Nicht nur die Oberfläche, sondern die spannenden Zusammenhänge will er nun als Scout für Oper und Ballett entdecken.

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