Musikalischer Genuss mit eindrucksvollen Stimmen

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Samson et Dalila“

Etwas aufgeregt saß ich in der ersten Premiere meiner Zeit als Opernscout im Zuschauersaal und wurde schon gleich zu Beginn vom oratorienhaften Gesang des Chors und  der mystischen Atmosphäre düsterer Rauchschwaden in den Bann von Saint-Saens Oper Samson et Dalila gezogen. Die Chor-Sänger kamen als Hebräer und versklavte Bergarbeiter mit Stirnlampen langsam von „unter Tage“ auf die Bühne. Doch schnell erhellte sich die Szene und zeigte durchgängig ein für mich eher nichtssagendes Bühnenbild. Die Stimmung wechselte zum aggressiven Kampf gegen die als geldgierige Manager gezeigten Philister, von denen der Held Samson die Unterdrückten befreit. Die schöne Philisterin Dalila umgarnt Samson, der auf ihre Verführungskünste hereinfällt und ihr das Geheimnis seiner Kraft verrät. Im Sinne eines modernen Frauenbildes hätte ich mir Dalila als starke, unabhängige Priesterin gewünscht und nicht als Prostituierte im Glitzerfummel und Highheels. Ihr übertriebenes Outfit empfand ich eher nervig als passend. Es stand für mich beinah im Gegensatz zur beeindruckenden Stimme Ramona Zaharias. Ähnlich bei Michael Weinius, bei dessen  „Delila – je t´aime“ ich dahinschmolz, solange ich die Augen schloss. Für meinen – zugeben etwas romantischen – Geschmack hätten Samson dicke, schwarze Haarlocken zieren können, wo doch all seine Kraft genau darin liegt.  Wenigstens ein Hemd statt eines ausgeleierte T-Shirts  hätte ihm gut zu Gesicht gestanden, um seiner aufgetakelten Gegenspielerin äußerlich halbwegs ebenbürtig zu sein. Für mich wurde der Gegensatz Arm gegen Reich zu eindimensional und plakativ dargestellt. Die Inszenierung bemüht dabei viele Klischees, die Themen Geld und Bestechung wurden reichlich überstrapaziert.

Die Saint-Saëns Oper war für mich ein musikalischer Genuss mit eindrucksvollen Stimmen, aber als Kapitalismuskritik weniger geeignet.

Sassa_von_Roehl

Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

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