“…nicht von der Stange” – ein gelungener Saisonauftakt

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Michael Langenberger über die Premiere von „Samson et Dalila“

Die Düsseldorfer Inszenierung schließt, wenn man so will, an die verwirrende Entwicklungsgeschichte dieses Werkes an. War es von Saint-Saëns ursprünglich doch gar nicht als Opernwerk geplant. Und wer hätte gedacht, dass die Uraufführung in Weimar und dann auch noch in deutscher Sprache war? Ein ziemliches Durcheinander. Genau hierzu passen die erheblich überzeichneten Rollenbilder in der Düsseldorfer Inszenierung. Die z. T. weit über das platte Klischee hinaus gespielten Rollen, machen das Stück nicht nur lebendig und abwechslungsreich. Es bietet auch genügend Ansatzpunkte sich nach der Aufführung mit den verschiedenen Blickwinkeln und deren Bezug auf unser heutiges Leben auseinanderzusetzen.

Doch im Opernsessel, Vorort und live ist es ein Genuss, wie einem mit Bildern und Klang ein Schauspiel dargeboten, wenn Tonkunst nicht nur als perfekt gespielte und gesungene Musik verstanden wird. Besonders beeindruckend, wie der Chor unsichtbar, seitlich hinter der Bühne stehend die Breite der Bühne um viele Meter vergrößert.
Der Chor aus dem Off, einige unglaublich gefühlvoll gespielte Bläserpassagen lassen mein Musik-Herz genauso höher schlagen, wie die kraftvollen, monumental gespielten Einsätze der Düsseldorfer Symphoniker. Es war schön, zu sehen, wie Axel Kober seinen Spaß dabei hatte, Orchester, Chor und Solisten, so gut es nur geht in Szene zu setzen.

Womit wir dann bei Romana Zaharia, der Dalila wären. Ich hätte keine Idee, was sie hätte besser machen können. Wann bekommt man schon mal zauberhaften Gesang mit einer großartigen schauspielerischen Leistung, bei wahrhaftig ganzem Körpereinsatz, geboten? War Dalila auf der Bühne, schien sie mit ihrer Präsenz alle anderen zu erdrücken; schien Samson eher schwach. Was er m. E. überhaupt nicht war. Doch genau solche, unausgesprochenen Erwartung des Zuschauers (z. B. Männerstimme müsste kraftvoller als eine Frauenstimme sein), korrelieren mit den eingangs erwähnten Überzeichnungen der Rollenbilder.

Da passt eins ins andere. Ein wirklich gelungener Auftakt der neuen Spielzeit.

 

Michael_Langenberger

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach
Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

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