Großartige Sänger, plumpe Rollenklischees

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Charlotte Kaup über die Premiere von „Samson et Dalila“

Samson et Dalila – ein starker Auftakt mit einem beeindruckenden Chor, großartige Sänger, plumpe Rollenklischees und recht wenig Handlung und dann wiederum ein fantastisches Bühnenbild und liebevolle Details.
Als Opernneuling hat mich dieser Abend in vielen Momenten begeistert und in anderen wiederum etwas ratlos zurückgelassen.

Zunächst zur Musik: wie wundervoll, etwas so Schönes hier in Düsseldorf erleben zu dürfen!
Ich kannte die Oper zuvor nicht und mir kamen nur ein, zwei Passagen annähernd vertraut vor.
Auch habe ich die Musik nicht als so eingängig erlebt, dass mir einzelne Stücke besonders im Kopf geblieben sind. Beeindruckt hat mich viel mehr die Feinheit und Differenziertheit jedes einzelnen musikalischen Moments und die großartige Leistung der Solisten, des Orchesters und auch des Chors. Hervorzuheben ist sicherlich Ramona Zaharia als Dalila – eine einfach perfekte Besetzung!

In Gegensatz zu der, von mir auf zurückhaltende Art als sehr reichhaltig empfundenen Musik, stand allerdings die Inszenierung.
Bei dem Versuch, das im biblischen Zeitalter terminierte Material in die Jetztzeit zu holen, wurden betont stumpfe und plakative Rollenbilder bedient und undifferenziert flache Personengruppen ohne viel individuellen Rollencharakter erschaffen, die mit unterschiedlichen Mitteln Machtpositionen verteidigten. Das ganze nach dem Prinzip Schere, Stein, Papier.

Als Powerweapons gab es die Kombinationsmöglichkeiten Anzüge, Geld und Waffen, Spitzhacken und Gemeinschaftsgesänge oder Brüste, Kunstpelz und High Heels.
Zunächst machte mich das ziemlich ratlos und ich fand es beinahe frech, solche Rollenbilder auf einer Opernbühne präsentiert zu sehen.
Vielleicht war es aber genau dieser Gegensatz – die oberflächliche und auf überzeichneten Klischees basierende Schaffung von Personenkollektiven und die dezente, individuelle und vielschichtige Charakterisierung über die Musik – der wiederum irgendwie spannend war.

Was ich als besonders positiv hervorheben möchte, waren die Chorpassagen.
Neben der musikalischen Qualität und Bereicherung zu den solistischen Szenen, ergaben sich auch durch die Quantität und Komposition der Akteure sehr abwechslungsreiche visuelle Eindrücke.
Mal eher begleitend im Hintergrund, beinahe mit dem Bühnenbild verschmelzend und mal zentral den gesamten Raum einnehmend, wurden beeindruckende Bilder kreiert.

Alles in allem lässt sich über die Inszenierung sicherlich streiten, aber wenn man es hält wie einer der mich umgebenden Zuschauer, der murmelte „Augen zu, Ohren auf“, ist der Abend in jedem Fall ein Genuss!

Charlotte_Kaup

Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf ihre Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern austauschen zu können.

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