Verworrene Inszenierung

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Helma Kremer über die Premiere von „Samson et Dalila“

Von Camille Saint-Saëns kannte ich mehrere Werke, darunter Werke für Klavier und Violine sowie einige Sinfonien und den „Karneval der Tiere“. Aus der Oper „Samson et Dalila“ kannte ich lediglich die berühmte Arie „Mon coeur s’ouvre à ta voix“. Entsprechend hatte ich keinerlei Erwartungen und auch keine Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Inszenierungen. Zunächst blieb ich verhalten und behielt bis in den II. Akt eine gewisse Distanz. Der Stoff konnte mich nicht wirklich packen und die Inszenierung mit Transfer in die Gegenwart erschien mir ziemlich verworren (Philister = Manager, Hebräer = Minenarbeiter/ Kumpel??, Philisterinnen = Prostituierte / Managerinnen). Als großer Fan werkgetreuer und historischer Inszenierungen, nicht nur bei der filmischen Umsetzung literarischer Werke, sondern auch auf der Bühne, ist es ohnehin schwer, mich mit zeitgenössischen Interpretationen zu begeistern – in dieser Hinsicht bin ich hoffnungslos konservativ. Das Bühnenbild erschien mir dagegen, zumindest im I. und II. Akt, wohltuend minimalistisch.

Die Sänger beindruckten mich jedoch von Beginn an: Luke Stoker als Abimélech gefiel mir so gut, dass ich Abimélechs frühen Tod außerordentlich bedauerte. Aber auch Michael Weinius sang sehr gut, ebenso Simon Neal als Oberpriester Dagon und Sami Luttinen als alter Hebräer. Ramona Zaharia war der Star des Abends: Nicht nur gesanglich überzeugte sie voll und ganz, sondern auch darstellerisch. Allerdings stand ihr Simon Neal kaum nach; seine Grausamkeit ließ einem das Blut in den Adern gefrieren. Dalilas Aufmachung erinnerte an die einer Mafiosi-Braut und da Samson mit seinem etwas spärlichen Haar und auch hinsichtlich Statur und Kostüm eine starke Ähnlichkeit mit Meat Loaf zeigte, erschienen die beiden mir als doch eher ungewöhnliches Paar. Dem wundervollen Gesang tat das allerdings keinen Abbruch.  Bei der berühmten Verführungs-Arie „Mon coeur s’ouvre à ta voix“, die ich bereits seit Kindertagen kenne, und als großer Fan von Maria Callas, gemeinsam mit anderen berühmten Callas-Arien Ende der 90er Jahre auf CD rauf und runter hörte, schmolz ich wie Samson dahin. Spätestens dann war das Eis gebrochen und auch der Stoff packte mich zunehmend. Seit dem Premieren-Besuch habe ich mir diese Arie mehrmals angehört, von Maria Callas über Jessye Norman bis zu Elina Garanca sah ich verschiedene Präsentationen auf Youtube. Und ich finde, dass Ramona Zaharias Vortrag mit in die Reihe der ganz Großen gehört.

Helma_Kremer

Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

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