Rodolfos tote Scheinwelt

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von „La Bohème“

Die Oper „La Bohème“ von Giacomo Puccini zählt zu den am meisten gespielten Opern. Alle Besucher wissen, dass es kein Happy End gibt. Die aktuelle Duisburger Inszenierung steht unter dem Motto „Erinnerung an eine Liebe“ und zeigt den Dichter Rodolfo „gefangen in der zerstörerischen Druckkammer seiner eigenen Psyche“, wie es so schön im Programmheft heißt.

Die Armut, der auf der Bühne dargestellten Künstler in ihrem edlen Zwirn, kaufe ich nicht ab. Überhaupt übertreffen sich alle in ihrer albernen Coolness wie etwa der um sich boxende Musiker Schaunard.
Als der Dichter Rodolfo angeberisch aufopfernd sein Manuskript verbrennt und alles verqualmt, kommt mir die „Erinnerung an eine Sprinkleranlage“. Bei der Weihnachtsmarkt-Szene ist offensichtlich, dass sich Rodolfo in einer toten Scheinwelt befindet. Diese ist mit Chor, Kinderchor und Statisterie sehr aufwändig und steckt voller Details. Großes Lob an Kostüm und Maske.
Musetta erinnert mich nicht nur wegen ihres eleganten französischen Bob-Haarschnitts an „Lulu“, der Femme fatale. Musetta nutzt ihren reichen Liebhaber aus und findet zu Marcello zurück. So selbstbewusst ist die kranke Mimì nicht, auch wenn sie fast genauso aussieht.
In der zweiten Hälfte ist das Bühnenbild noch düsterer und bedrückender. Ganz unten gibt es kein Entkommen mehr aus Rodolfos Gefühlskälte. Vielleicht muss man es so verstehen: Rodolfo ist zu feige, Mimì beim Sterben zu begleiten und trennt sich lieber von ihr. Stattdessen gibt es große Sprüche, und er albert mit seinen Freunden herum. Seine Gedanken spielen verrückt, als Mimì – und somit seine Muse – stirbt…

Klasse Darsteller, sehr gut gespielt und gesungen – und alle aus dem Rheinoper-Ensemble. Puccinis Musik entfaltet ihre Magie, und die Duisburger Philharmoniker spielen wie immer in der ersten Liga.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Jürgen Ingenhaag
Fachkraft für Arbeitssicherheit

Als Vorstandsmitglied der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg organisiert Jürgen Ingenhaag klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Als Opernscout versteht er sich als „Botschafter für das Theater Duisburg“. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge“. Seine Leidenschaft für Rock- und Popmusik hat ihn nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden.

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