…für jeden etwas dabei.

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Michael Langenberger über die Premiere von „b.41“

Vorab: Wie auch einige Male zuvor, habe ich sehr von der “Opernwerkstatt“, die einige Tage vor einer Premiere von der Oper angeboten wird, profitiert. Dort bekommt man einiges, dann natürlich noch ohne die Kostüm-und Bühnenausstattung, sondern sehr auf die wesentlichen Elemente der verschiedensten Stücke konzentriert, über die kommende Aufführung gezeigt und erläutert.

Gleich bei „Forgotten Land“ von Jirí Kylián war mir klar, das wird ein vergnüglicher Ballettabend. Tänzerische Macht durch sehr vielfältige Bilder und Bewegungen. Paarweise in großer Präzision und Ausdrucksstärke, als Gruppe oft in Wellenbewegungen, die ganze Bühne einbeziehend, raumgreifend. All das mit traumhaft schönen, farblich perfekt aufeinander abgestimmten Kostümen, langen Kleidern. Einfach mitreißend. Ein Knaller als Auftakt!

Danach dann “Lamentation” und „Steps in the Street” von Martha Graham, eine der Protagonistinnen des zeitgenössischen Tanzes und revolutionär zu Ihrer Zeit in der 1930er Jahren.

Tanz auf einer Bank sitzend – geht nicht? Irrtum, diese Idee bezieht alle drei Dimensionen ein, ohne dass die Person sich auf der Bühne vom Fleck bewegt. Wenn Sie sich dann noch ein Stoffschlauch-Kostüm vorstellen, das die Tänzerin von innen her zu immer neuen Formen und Ausdrücken verbindet – faszinierend!

Die „Steps in the Street” – eine Choreographie, die in meinen Augen von der präzisen Harmonie der Tänzerinnen und Tänzer lebt. Sobald sich das Ensemble zu Linien oder Carrés formiert, geht es darum seine tänzerische Individualität den z.T. hart getakteten Bewegungen der Gruppe zu unterwerfen. Ein bisschen “West Side Story”- Flair. Lösen sich die Gruppen auf, spielt die individuelle Qualität eines jeden Ensemble-Mitglieds die entscheidende Rolle.

Martin Schläpfers Idee, seine letzte Uraufführung mit einer Choreographie für sein gesamtes Düsseldorfer Ensemble zu dem 2.Cellokonzert von Schostakowitsch zu gestalten, ist sicherlich vielschichtig zu verstehen. So wie dieses Konzert eines der letzten Kompositionen von Schostakowitsch war, könnte man die Choreographie als Martin Schläpfers Abschiedswerk von dem Düsseldorfer Ballettensemble und -Publikum verstehen. In jedem Fall wird dem Zuschauer einiges abverlangt. Das gesamte Ballettensemble, alle auf einmal auf der Bühne, entfaltet schon eine Wucht und Dynamik an sich. In sehr unterschiedlich schnellen tänzerischen Einzeleinlagen, mal raumgreifend, mal punktuell, lässt Schläpfer seine Truppe noch einmal zeigen, was in Ihnen steckt. Man darf sagen, nicht umsonst zählen die hier versammelten Tänzer zu den Besten.

Einzig – Schostakowitschs Kompositionen zählen insgesamt nicht wirklich zu den musikalisch eingängigsten Klängen. Das 2. Cellokonzert ist wirklich schwere Kost.

Alles in allem, mit den unterschiedlichen, zumeist recht zurückhaltenden Bühnenbildern, wieder einer perfekten Beleuchtung, virtuos gespielter Musik – ganz so, wie erwartet, ein wunderschöner und mitreißender Ballettabend. Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten!

Michael_Langenberger

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

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