Vielversprechender Beginn

Steps on the streetch: Martha Graham
Steps on the street ch: Martha Graham

Stefanie Hüber über die Premiere von „b.41“

Mein erster Abend als Opernscout beginnt sehr vielversprechend mit dem Stück „Forgotten Land“ von Jiří Kylián. Schon die ersten Klänge der Düsseldorfer Symphoniker ziehen mich in ihren Bann, zumal ich ein großer Fan Benjamin Brittens „Synfonia da Requiem“ bin.
Die Tänzer, die sich langsam, wie gegen einen Widerstand kämpfend, in Richtung Bühnenbild bewegen, erinnern mich an eine Gruppe von Lemmingen. Die Bewegungen der in Einklang mit dem Bühnenbild gekleideten Tänzer sind zeitweise entschlossen, zeitweise aufbegehrend mit Gesten, die an Wellen oder Vögel erinnern.
Doch auch folkloristische Tanzelemente meine ich zu erkennen.
Insgesamt empfinde ich die Inszenierung als sehr stimmig und sogartig und sie bewegt mich sehr.

Das darauffolgende Tanzsolo “ Lamentation“ von Martha Graham berührt in seiner Schlichtheit mit nur einer Tänzerin, die in ein lila Stretchröhrenkostüm gehüllt ist. Das Stück wird nur von Klaviermusik begleitet und erinnert dadurch an die Stummfilme der 20er-Jahre.
Die Beengtheit der Tänzerin in ihrem Schlauch erweckt in mir klaustrophobische Gefühle, so dass ich erleichtert bin, dass „Lamentation“ schon nach wenigen Minuten endet.
Die kraftvollen, energetischen Bewegungen vom darauffolgenden „Steps in the Street“ stellen für mich einen wohltuenden Kontrast da und sind für mich ein Sinnbild des getanzten Feminismus, zumal der teilweise archaisch anmutende Tanzstil  mich an Amazonen erinnert.
Insgesamt wird mir Martha Graham in positiver Erinnerung bleiben, wogegen mich „Cellokonzert“ von Martin Schläpfer enttäuscht und sehr anstrengt.

Schostakowitschs Cellokonzert finde ich furchtbar!

Die dazu gelieferte Tanzperformance empfinde ich als anstrengend und überfrachtet, die Kostüme gefallen mir auch nicht.
Ich finde insgesamt keinen Zugang,was mich traurig stimmt, da es Schläpfers letzte Inszenierung in Düsseldorf ist und er mir schon viele großartige Abende beschert hat…

Stefanie_Hüber

Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

 

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