Es ist ein Abschied aber kein dramatischer

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Karolina Wais über „b.41“

FORGOTTEN LAND von Jiří Kylián
Das Bühnenbild begeistert mich. Es ist das Meer, je nach Beleuchtung wütend und kraftvoll oder still und delikat. Anfangs ist es ganz still als die Tänzer zu tanzen beginnen, so dass der Tanz förmlich zu hören ist. Die Kostüme sind aus fließenden Stoffen gefertigt. Ich bin hingerissen von der Stimmigkeit der ganzen Aufführung. Das Bühnenbild, die Kostüme, die Musik und der Tanz stehen einzeln für das Meer, für dessen Wucht und Ruhe. Zusammen ergeben sie eine perfekte Darstellung des Meeres und dessen Kraft.
Ich erinnere mich wie gerne ich das Meer in all seinen Facetten betrachte.

LAMENTATION / STEPS IN THE STREET von Marta Graham
Kantig. Das kommt mir in den Sinn. Eine Wehklage aber darf und muss kantig sein. Die Tänzerin trägt ein schlauchförmiges Kleid, das jede ihrer Bewegungen unterstreicht. Sie wiegt sich hin und her, ist wie in ihrem Kleid gefangen, versucht sich zu befreien. Sie lamentiert tanzend und das so gut, dass ich das Gefühl habe sie zeigt ihren inneren Kampf. Die Musik unterstreicht diese Zerrissenheit perfekt.

Wieder Stille, die Tänzerinnen bewegen sich langsam, mit gekreuzten Armen rückwärts auf der Bühne bis eine übrig bleibt. Ich höre den Tanz ohne Musik so gerne. Gemeinsam tanzen sie einen imaginären Kampf, der von der Musik perfekt unterstrichen wird. Ich bin ein Fan von Martha Graham.

CELLOKONZERT von Martin Schläpfer
Alle Kostüme sind delikat im gleichen Ton gehalten, doch niemand trägt das gleiche Kostüm. Das Bühnenbild finde ich unruhig, was in mir zu Anfang auch etwas Unruhe auslöst. Ich weiß nicht wo ich hinblicken und wohin ich meine Konzentration lenken soll.
Im Verlauf des Stückes findet die komplette Kompanie zeitweilig Platz auf der Bühne und es finden verschiedene Tänze in verschiedenen Gruppierungen statt. Am Ende verlassen Einzelne die Bühne, manche zögernd, manche entschlossen, ein Rest bleibt.
Ich erinnere mich an ein Interview mit Martin Schläpfer in dem er sagt, es ginge um Abschied aber keinen dramatischen. So finde ich für mich einen Bezug zu dem Stück. Eine Kompanie erschafft erst gemeinsam getragen von einzelnen Tänzern ein gesamtes Stück. Über die Jahre hinweg sind viele verschiedene Stücke in verschiedenen Konstellationen der Mitglieder entstanden und aufgeführt worden. Und jetzt trennen sich ihre Wege. Es ist ein Abschied aber kein dramatischer.

Insgesamt ist es ein hinreißender Ballettabend.

Karolina_Wais

Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

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