Belcanto – ein wahrhaftig schöner Gesang

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Michael Langenberger über die Premiere von „I puritani“

Wie das Stichwort Belcanto schon sagt: Auf den Gesang kommt es an.

Dass Adela Zaharia das Genre beherrscht wie kaum jemand anderer, hat sie uns schon im vergangen Jahr als Maria Stuarda perfekt demonstriert. So umgarnt sie uns auch dieses Jahr in I puritani als Elvira mit ihren Belcanto-Künsten. Mir gefallen dabei ganz besonders die Passagen, in denen ihre Stimmdynamik – das Laut und Leise – sich z.B. in den Gesang des Chorgesangs einbettet und/oder hervorhebt. Dazu dann auch noch ihre hingebungsvolle Schauspielkunst. Sie allein ist schon ein Kunstwerk.

Gleiches gilt für den Chor der Düsseldorfer Oper. Ein Chor, mit schauspielerischen Qualitäten. Beides auf höchstem Niveau. Wirklich ein Genuss.

Doch auch die männlichen Hauptrollen sind wunderbar besetzt. Bogdan Taloş (Sir Giorgio), Ioan Hotea (Lord Arturo Talbot) und Jorge Espino (Sir Ricardo Forth) liefern, jeder für sich genommen, bestes Belcanto gepaart mit schauspielerischer Hingebung ab.

Liegt es daran, dass man für die musikalische Leitung Antonino Fogliani als Vincenzo Bellinis Landsmann und Spezialist für das Genre das Dirigat übergeben hat? Es kommt offenbar alles musikalisch Gute zusammen. Was hier was oder wen beflügelt, ich vermag es nicht zu sagen. Es geht zu Herzen, was man mit den Ohren hört.

Aufwendig ist das Bühnenbild zwar, doch ist es mir insgesamt zu düster. Sicherlich, zu Puritanern passt ein düsteres, eher schwarz/weisses Bühnenbild. Doch wenn das Auge durch den Auftritt von ein paar wenigen Soldaten in farbigen Uniformen schon Entspannung findet, scheint mir das düstere übertrieben. Die Qualitäten der Beleuchter schafften es oft auch nicht das Bühnenbild spannender zu machen. Außerdem fand ich die zahlreichen Aktivitäten und die Anzahl an Personen auf der Bühne – der gesamte Chor, plus einer enormen Menge an speilenden Statisten, plus die Solisten – unübersichtlich und der Belcanto-Idee abträglich.

Doch insgesamt, eben für den Musikliebhaber, ein tolles Hörerlebnis, was – da bin ich mit den Worten von Rolando Villazón bei der anschließenden Premierenfeier einig – wirklich Weltklasse ist.

Michael_Langenberger

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

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