Musikalischer Genuss, unpassende Action auf der Bühne

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Hubert Kolb über die Premiere von “ I puritani“

Rolando Villazón als Opernregisseur steht für perfekte Unterhaltung, das war meine Erinnerung an Villazóns erste Regiearbeit an der Düsseldorfer Oper, Don Pasquale.

Da muss „I puritani“ eine echte Herausforderung gewesen sein: I puritani steht für schöne Belcanto-Arien (oder ein Duett), aber fast ohne Handlung auf der Bühne. Also erfand der Regisseur zusätzliche Aktionen auf der Bühne. Dieser war ein Kirchen/Parlaments/Burginnenraum (von Dieter Richter) mit unzähligen Türen, damit der Chor schnell einströmen konnte, oder Einzelpersonen hier auftauchen und da verschwinden konnten. Dazu eine Auspeitschung, ein fahrbarer Pranger, ein fahrbares Gestell für Maschinengewehre und mehr. Vieles passte nicht zum Text, manchmal war es dennoch kurzweilig, dann aber wieder ablenkend.

Ansonsten zeigten sich das Ensemble und die Gäste von ihrer besten Seite. Der Chor war großartig. Adela Zaharia als Elvira ab dem zweiten Akt ebenfalls großartig, mit tollem Körperausdruck und passender Personenregie, der Belcanto-Tenor Ioan Hotea fast fehlerfrei. Der Bass von Bogdan Taloş als Sir Giorgio eine Ohrenweide. Der Zusammenklang mit den sehr gut kontrollierten Duisburger Philharmonikern unter Antonino Fogliani gelang ganz außergewöhnlich gut.

Fazit: Rolando Villazon steht für Entertainment auf hohem Niveau, und das war hier einschließlich der musikalischen Leistung wirklich so. Da war man bereit, die Übertreibungen an Bühnenhandlung zu akzeptieren, und auch den ungewöhnlichen Schluss, der das Hollywood-Happyend verdarb. Dieser Schluss erinnerte an eine ähnlich unerwartete Schlussszene von Roméo et Juliette, damals ausgedacht von Regisseur Philipp Westerbarkei.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

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