Beschwingte Unterhaltung – aber banal und seicht

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Hubert Kolb über die Premiere von „Die Fledermaus“

Operette muss man mögen heißt es, ich mag sie nicht. Klischeehafte Charaktere, oberflächliche Texte die zu banal sind, um wirklich lustig zu sein, und billige Situationskomik. Immerhin kenne ich jetzt dieses früher sehr beliebte Werk.

Was hat mir gefallen? Eine Augenweide waren die von einem barocken Bilderrahmen eingefasste Bühne, die bunten Kostüme, die Personenregie und Choreographie. Da war Schwung drin. Regisseur Axel Köhler versuchte eine Auffrischung des Stückes durch viele aktuelle und lokale Bezüge, und durch eine ironische Überhöhung des Geschehens. Oft war das nicht überzeugend. Die Abfolge weithin bekannte „Wiener“ Melodien regte zunächst an, begann dann aber zu ermüden. Dirigent Benjamin Reiners vermied den schmalzigen Klang und brachte viel erfrischende Dynamik in die Musik. Die Singstimmen waren fast allesamt herrlich anzuhören und passten in der Klangfarbe gut zusammen. Adele (Lavinia Dames) erhielt mit Recht den stärksten Applaus, abgesehen vom Interpreten der Sprechrolle des Gefängniswärters Frosch, dem 81-jährigen Wolfgang Reinbacher vom D’Haus. Leider waren viele seiner Bemerkungen etwas seicht und von vordergründigem Humor. In dieser Phase ging der Schwung der Aufführung verloren, und man wartete auf ein Ende des letzten Aktes. Zum Schlussgeschehen viel dem Regisseur leider nichts Originelles oder wenigstens Belebendes ein.

Fazit: Der schwungvolle Beginn, die Bühne, Kostüme und fröhliche Musik regen an, dann aber geht Vieles in Klamauk, Banalität und spannungsarmer Handlung unter.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

 

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