Ein Kessel Buntes

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Michael Langenberger über die Premiere von „Die Fledermaus“

Die Operette “Die Fledermaus” steht auf dem Programm.
Zugang dazu findet man nicht alleine dadurch, dass man die Eingangstür der Oper durchschreitet, sondern sollte auch gleich seine Vorurteile zusammen mit dem Mantel an der Garderobe abgeben. Gar nicht so einfach.
Handelt es sich bei dem Stück von Johann Straus (Sohn), auf Anraten seiner Frau, doch um eine Arbeit, die von vornherein kommerziell angedacht ist. Die weitere Vermarktung durch Funk und Fernsehen in den 1960er/70er Jahren, mit den klischeebehafteten Unterhaltungsgrößen der damaligen Zeit, hinterliessen, zumindest bei mir, tiefe ablehnende Spuren.

Und nun sitze ich im Zuschauerraum der Oper. Die Ouvertüre begrüßt mich gleich mit bekannten Klängen. Der Vorhang hebt sich, um ein monströses Bühnenbild zwischen Traditionellem und Modernem freizugeben.
Es gibt viel zu sehen – und weiterhin bekannte Melodien zu hören. Adele, gespielt von Lavinia Dames, hebt, überrascht durch ein Telefonat auf Ihrem Handy, zu ihren ersten Tönen an. Ein netter Gag, finde ich.
Der Saal goutiert solche Regieeinfälle hier und da mit raunendem Lächeln.
Immer wieder ist den Machern für die Düsseldorfer Inszenierung etwas Unerwartetes und Amüsantes eingefallen, mit dem die Zuschauer überrascht werden. Es wird gesungen und gespielt, was das Zeug hergibt.
Unterhaltung pur, kurzweilig und amüsant obendrein.

Was diese Inszenierung für mich von den für mich klischeebildenden Vorlagen unterscheidet: Jeder Akteur ist wichtig, unterwirft sich der best möglichen Qualität seines Tuns.
Es geht nicht darum sich als einzelner Akteur hervorzutun, sondern fühlt sich dem Werk als Ganzes – ganz unkommerziell – nur dem Besten was man kann und hat verpflichtet. Ob Bühnenbild, Kostüme, Tanzeinlagen, Chorgesänge – egal, jeder unterwirft sich dem Stück und handelt nicht zum eigenen Ruhm.

Um das gesprochene Wort übergangslos mit den Gesängen zu verbinden, muss der Musikgraben weit mehr darauf achten, was auf der Bühne passiert, als das sonst in einer Oper erforderlich ist, wo einzelne Arien zumeist sauber getrennt von rezitierten Worten stehen.
Die übergangslosen Einsätze sind den Düsseldorfer Symphonikern unter Leitung von Benjamin Reiners vorzüglich gelungen.

Wer bis zur Pause noch nicht amüsiert war, nach der Pause wird ein ganzer Kessel Gags über das Publikum ausgeschüttet. Eine Mischung aus Wiener Leichtigkeit und Düsseldorfer Karneval, oft scharf auf der Grenze zum platten Klamauk – hier und da leider jenseits der Grenze…

Alles in allem war es ein bunter Abend leichter Unterhaltung und eingängigen Klängen. Ich meine, wer sich mal (wieder) eine Operette ansehen will bekommt hier etwas richtig Gutes geboten, fernab vom Streben nach Kommerz und Personenkult und einfach nur bester Qualität in allen Gewerken verpflichtet.
Ich bin froh, diese Inszenierung der Fledermaus gesehen zu haben, gehe zur Garderobe, hole meinen Mantel ab und weiss nicht so genau, ob ich meine eingangs abgegeben Vorurteile an der Garderobe liegen lassen soll.

Michael_Langenberger

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

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