Täubchen, holdes Täubchen mein

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Markus Wendel über die Premiere von „Die Fledermaus“

Der vergangenen Premiere von „Die Fledermaus“ bin ich ehrlicherweise mit gemischten Gefühlen entgegengetreten. Ich mag keine Operetten und ich mag auch keine klamaukigen Verwechslungskomödien.
Im Ergebnis, und das möchte ich vorwegnehmen, fühlte ich mich dennoch ganz wunderbar unterhalten.

Die „Fledermaus“ bedient in der Düsseldorfer Inszenierung alles, was Kitsch und Klischee so hergeben können: quietschbunte Farben, Glitzer, Federn und halbnackte Tänzerinnen. Alles mit großer Lebendigkeit.
Einige der Szenen könnten unverändert ihren Weg in Richtung Friedrichstadtpalast antreten. Die wahrscheinlich jedem bekannte Musik ist eingängig, und der hierdurch induzierte Bewegungsdrang bei vielen im Publikum nicht zu unterdrücken.

Ich bin von mir selbst überrascht, denn ich gehe wirklich mit dem Stück mit. Selbst die Verortung nach Düsseldorf und Anspielungen auf einen ehemaligen Oberbürgermeister stören mich nicht (bei der aktuellen Götterdämmerung ist das anders).
Auch der Humor, der sich anfühlt wie die alten Fernsehfilme mit Uschi Glas und Theo Lingen, ist aufgrund der schauspielerischen Leistungen überzeugend und kommt an. Erst als auf der Bühne mit Federn geschmückte rosa Astronautinnen auftreten, ist auch bei mir eine Grenze erreicht.

Lavinia Dames in der Rolle der Adele darf für ihren Gesang und ihre wahnsinnig gute schauspielerische Performance verdient den größten Applaus ernten.
Ebenso ist der überwiegend schauspielerische Part des „Frosch“, verkörpert von Wolfgang Reinbacher ein wahrhaftes Erlebnis.

Mein Ausflug in die Welt der Operette wird dennoch binnen der kommenden Jahrzehnte wahrscheinlich auf den vergangenen Abend begrenzt bleiben.
Nicht, weil es nicht gut war, sondern schlichtweg, weil es wirklich nicht meinen Musikgeschmack trifft.
In diesem Sinne: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“

Markus_Wendel

Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

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