Schluss mit den Vorurteilen!!!

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Stefanie Hüber über die Premiere von „Alcina“

Richtig gefreut hatte ich mich auf „ Alcina“ nicht, da ich mir eine barocke Oper nicht wirklich spannend vorstellen konnte.
Barocke Musik empfinde ich als langweilig, und ehrlich gesagt, wusste ich ,bevor ich mich jetzt mit diesem Thema auseinandersetzte, gar nicht dass es soooo viele Barockopern gibt, allein von Händel um die 60!!!

Um so toller war dann der Abend:
Zunächst mal dieses Superorchester. Eine interessante Besetzung, die ich so nicht kannte und deren Instrumente mir nicht alle bekannt waren.
Da gab es noch die gute alte Blockflöte als Vorstufe zu der bis dahin noch nicht erfundenen Klarinette. Insgesamt empfand ich das komplette Instrumentenspiel von der Intonation und Dynamik her als nahezu perfekt.
Die Musik war für mich unerwartet dramatisch und dynamisch und unterstützte dadurch die Handlung, damit hätte ich, wie vorher schon zugegeben, nie gerechnet.
Es gab wunderbare Arien, von allen Sängern wunderschön vorgetragen, wobei mir persönlich Alcinas Gesang (Jacqueline Wagner) am besten gefiel.
Die Bühneninstallation war großartig, sie ließ ohne große Umbauten viele unterschiedliche Varianten zu, und auch Beleuchtung und Mobiliar passten perfekt dazu.
Zeitlich empfand ich die Inszenierung als eine Mischung aus den 20er und 50er Jahren. Ein bisschen Great Gatsby-Athmo (Alkohol,Sex und sinnlos die Zeit totschlagen) kombiniert mit dem Gesellschaftsbild der 50er.
Zwar war Alcina die männerfressende Amazone, doch die anderen Frauen auf der Insel waren doch eher sehr angepasst und trugen Petticoats und Frisuren aus jener Zeit, als Frauen vorrangig hübsches Beiwerk zu sein hatten.
Super gefallen hat mir die Szene von Bradamantes Verwandlung von Mann zu Frau, wie sie ihre Mütze auszieht und die lange rothaarige Mähne schüttelt, könnte man glatt zur Shampooreklame umfungieren!!!
Zu langweilig empfand ich die Darstellung von Alcina als alte Frau.
Nachdem ich endlich geschnallt hab, wer das sein soll, hätte ich mehr erwartet, vielleicht dass sie als offensichtlich verhärmter und vielleicht auch ausgemergelter dargestellt worden wäre.

Alles in allem war es ein berauschender Opernabend, und ich bin sicher ,dass ich durch diese positive Überraschung demnächst offener für neue Erlebnisse sein werde, Schluss mit den Vorurteilen!!!

Stefanie_Hüber

Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

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