Alcina – love is all you need

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Charlotte Kaup über „Alcina“

Alcina – love is all you need
So scheint es zumindest an diesem Abend in der Oper am Rhein. In der Barockoper von Georg Friedrich Händel dreht sich alles um Liebe, Eifersucht, Liebe, Hass, Liebe, Betrug und, achso – hatte ich Liebe erwähnt?

Der etwa dreistündige Opernabend sticht in vielerlei Hinsicht positiv hervor und verzaubert durch seine wunderbaren und historisch anmutenden Klänge der Neuen Düsseldorfer Hofmusik.
Zusätzlich zu bestaunen sind vier hervorragende Sängerinnen in den Hauptrollen, allen voran Jaquelyn Wagner, welche durch ihre Stimme und auch dank ihrer Präsenz eine imposante Alcina verkörpert und Wallis Giunta als Bradamante, die mit ihrem Schauspiel große Lebendigkeit auf die Bühne bringt.
Zentral ist außerdem ein raffiniertes Bühnenbild, welches die Handlung sehr klar untermalt und gleich in der Anfangsszene mit der Musik zu verschmelzen scheint. Üppig, floral und organisch beginnend, bis hin zu einer kühlen geometrischen Dekonstruktion.

In den zweieinhalb Stunden zwischen diesen spektakulären Endpunkten spielt sich jedoch eine für mich etwas quälend elongierte Handlung ab. Getrieben von vordergründiger Liebe, falschen Schwüren und dem wiederholten Missverständnis, bleibt das Stück im anscheinend zeitlosen Sumpf zwischenmenschlicher Seichtigkeit stecken.
Wenngleich in dieser Interpretation die Frauen in der dominanten Rolle auftreten, hängt deren Erfüllung scheinbar davon ab, geliebt zu werden und Macht auszuüben.
Am Ende wird der Narzissmus, die Machtgier zu Einsamkeit und Abhängigkeit.

Positiv zu erwähnen sind in jedem Fall die Statisten, welchen in der Gruppe eine durchaus tragende Rolle als stummes Gegengewicht zu Alcina bilden.
Mal in witzigen, mal bedrückenden Passagen erweitern sie das Stück um eine starke symbolische Bildsprache.

Thematisch sind die Grenzen des Stückes wohl vor fast 300 Jahren gesetzt worden.
Der Rest ist eine sehr sehenswerte, erfrischend andere und grandios inszenierte, gespielte und vertonte Oper.

Charlotte_Kaup

Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf ihre Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern

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