„Es ist die Eifersucht. Die Gewalt der Liebe“

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Karolina Wais über die Premiere von „Alcina“

Es gibt ihn, es gibt tatsächlich diesen Augenblick in der Oper, der einen zu Tränen rühren kann. Ich habe ihn an diesem Abend erlebt.

Es ist der Moment am Ende des zweiten Aktes als sich die Bühne teilt.
Ein übergroßer Schatten Alcinas wird auf die Bühne projiziert. Alcina singt zerrissenen Herzens ihre jüngere und die ältere Version herbei.
Es wird mir bewusst, dass ich mich in Augenblicken voller Verzweiflung oft an meine Kindheit erinnere, um mich darauf zu besinnen, was mir in schwierigen Situationen Halt gegeben hat.
Gleichzeitig denke ich an mein zukünftiges, weiseres Ich, welches sich über die Vergänglichkeit dieser Augenblicke bewusst ist.

Dann legt sich die junge Alcina in der Embryonalstellung hin, die gegenwärtige Alcina tut es ihr nach. Sie verschmelzen förmlich in einer Umarmung. Der Körper erinnert die Psyche an die Zeit, zu welcher alle Bedürfnisse erfüllt sind, die Zeit im Bauch der Mutter.
Der Mensch ist hier geschützt, umarmt, gewogen, unbeschwert, geliebt…
So kann man sich über die Verzweiflung erheben.

Eigentlich wäre meine Rezension jetzt fertig, ich möchte aber noch erwähnen wie beeindruckend ich das Bühnenbild fand.
Es hat raffiniert, durch den perspektivischen Einsatz von mehreren Balkenelementen und Lichteffekten, eine Insel angedeutet. Ich hatte den Eindruck, hinter dem Bühnenbild fängt das Meer an.

Die Inszenierung tragen vier Frauen als Hauptrollen, sie sind hervorragend.
Maria Kataeva (Ruggiero) spielt authentisch ihre männliche Rolle.
Shira Patchornik, die Zweitbesetzung an diesem Abend singt/spielt voller Leichtigkeit und Anmut. Ich schaue und höre ihr gerne zu.
Jacquelyn Wagner (Alcina) und Wallis Giunta (Bradamante) können mithalten und sorgen für einen mich sehr berührenden Abend.
Vielen Dank dafür.

Karolina_Wais

Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

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