Ganz große Gesangskunst

Jürgen Ingenhaag über die Premiere „Comedian Harmonists in Concert“

„Dich, teure Halle, grüß´ ich wieder“, denke ich unwillkürlich, als ich nach einer gefühlten Ewigkeit in unser geliebtes Duisburger Stadttheater gehe. „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“ klingt es mir später von der Bühne zurück.
Statt große Oper singen unsere Rheinopern-Stars nunmehr Schlager jener alten „Boygroup“, die doch irgendwie jeder gerne mag: von den „Comedian Harmonists“!
Und manche Frauen bekommen prompt ihr Ständchen geliefert: Veronika, Isabella oder Johanna, die mehr als nur pfeifen kann. Ein Conférencier erzählt zwischen den 15 Evergreens des Ensembles dessen kurze beispiellose Geschichte, die zwischen 1927 und 1935 spielt.

Das ist ganz große Gesangskunst, was die Sänger da von der ersten Nummer an abliefern. Dabei wäre es bestimmt eine interessante Studie gewesen, wie es sich wohl angehört hätte, wenn sich die verschiedenen Stimmen erst einmal „austerzen“ müssen, um dann ihren Harmonie-Stil zu finden. So gibt beispielsweise der „Graf“ Günes Gürle den Bassisten Robert Biberti, Wagner-„Mime“ Cornel Frey mimt den ersten Tenor Ari Leschnikoff und hat auch einige Arrangements ergänzt. Sowas finde ich sehr spannend, denn es muss live anders (und dynamischer) klingen als von Platte.
Die emotionale Nummer „Irgendwo auf der Welt“ habe ich allerdings nicht so früh erwartet. Statt des kargen weißen Bühnenhintergrunds hätte ich mir hier und da zeitgenössische (Publikums-)Bilder aus Berlin oder New York gewünscht, aber egal.

Nicht egal sind die Corona-Abstandsregeln, weil eben unvermeidlich. Immerhin sitzt kein Riese mehr direkt vor einem kleinen Menschen, und es hustet einem auch niemand in den Nacken. Als im Stück vom Berufsverbot der drei jüdischen Musiker zur Nazizeit die Rede war, kam mir der Gedanke, wie schwierig die Lockdown-Zeit für all unsere Musiker gewesen sein muss.
Zum Glück darf wieder gespielt werden, und ein großes Lob und Dankeschön gilt auch dem freundlichen Service-Personal im Haus.

Duisburg, Opernscouts

Jürgen Ingenhaag
Fachkraft für Arbeitssicherheit

Als Vorstandsmitglied der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg organisiert Jürgen Ingenhaag klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Als Opernscout versteht er sich als „Botschafter für das Theater Duisburg“. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge“. Seine Leidenschaft für Rock- und Popmusik hat ihn nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden.

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