Von der Nähe in der Ferne

Charlotte Kaup über die Premiere „Far and near are all around“

Unter herausfordernden Bedingungen gelingt es der Oper am Rhein eine Bühne zu schaffen für eine Ausdrucksform, welche in der menschlichen Kultur verwurzelt ist, es schafft Grenzen zu überwinden,  die schafft auszudrücken wofür es keine Worte gibt – einen Raum für Tanz.

Juanjo Arqués eröffnet den Abend mit einer hoffnungsvollen Arbeit zum Thema Einsamkeit und Vereinzelung.

Ein klares Bühnenbild mit beeindruckender Tiefenwirkung lässt immer neue Räume entstehen und schafft in Kombination mit minimalistischer Streichmusik eine harmonische, unaufdringliche Atmosphäre.

Davor strahlen die Tänzer mit bunten Kostümen und geschmeidigen, organischen Bewegungen, die jeden einzelnen besonders hervorheben und gleichzeitig trotz Distanz in Gemeinschaft leuchten. Für mich ein wunderschönes, bewegendes und perfekt ausgewogenes Stück mit überraschend positiver, nahezu träumerischer Strahlkraft.

Das folgende Stück von Demis Volpi setzt einen starken Kontrast. Das Bühnenbild ist gewaltig, ebenfalls sehr ästhetisch, jedoch schafft es einen geschlossenen, düsteren Raum – beinahe eine Art Käfig. Passend hierzu tragen die Tänzer einheitliche, schwere Kostüme.

Musik und Tanz verschmelzen zu einer abgestimmten Einheit aus Geometrie und Repetition, die im Verlauf eine nahezu hypnotische Wirkung ausüben. Auch wenn hier zwischen den Tänzern keine Berührung stattfindet, so entsteht doch ein starker Eindruck von Gemeinschaft und lauter Stimmgewalt die den begrenzten Raum zu durchbrechen scheinen. Klassischer Tanz frisch, clever und drastisch.

Mit diesen zwei sehr unterschiedlichen Stücken bietet „Far and near are all around“ spannende Sicht- und Verarbeitungsweisen der aktuellen Situation, ohne sich jedoch davon dominieren zu lassen, denn im Mittelpunkt steht eine große, mutige Leidenschaft für Bewegung. Vielen Dank!

Charlotte_Kaup

Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf eine weitere Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern austauschen zu können.

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