Was will man mehr?

Markus Wendel über die Premiere „Der Nussknacker“

Alles beginnt wie eine Weihnachtserinnerung aus Kindertagen. Das Wohnzimmer ist abgeschlossen, durch die milchige Scheibe in der Tür erscheint die Silhouette des Weihnachtsbaums. Dahinter geschäftiges Treiben der Familie. Der Baum wird geschmückt, es wird angestoßen und Geschenke werden platziert.

Es dauert nur wenige Minuten, dann hat mich Demis Volpi’s Inszenierung von „Der Nussknacker“ gepackt. Erinnert an die eigene Kindheit rund um die Feiertage lehne ich mich entspannt zurück.
Es folgen zwei wunderbare Stunden mit vielen Ideen, einer kreativen Ausstattung und – einem seit langer Zeit endlich wieder voll besetzten Orchester. Die Dirigentin Marie Jacquot packt ordentlich zu. Von ruhig bis kraftvoll leitet sie das Orchester durch ein breites Spektrum von Emotionen.
Das Ballett-Ensemble wirkt wie aus einem Guss und zeigt große Spielfreude. Gerade in den lustigen Szenen spürt man dazu eine ganz wunderbare Leichtigkeit.
Einige der Tänze wurden von jungen Choreographinnen und Choreographen verantwortet. Wie ich finde absolut gelungen. Hier werden – nicht nur kostümlich – ganz besondere Ausrufezeichen gesetzt. An die Bilder der Leuchtkugeln, Rosen und Cupcakes werde ich mich wohl noch eine ganze Weile erinnern.
Und da sind wir an einem für mich ganz wesentlichen Punkt: An diesem Abend wird bewusst auf Experimente verzichtet. Eingängigkeit und Wohlfühlen ist angesagt. Zwei Dinge, die ich in den letzten Jahren regelmäßig vermisst habe beim Ballett am Rhein.

Mit einer großen Portion an Ohrwürmern geht es nach ca. 2 ½ Stunden wieder nach Hause. Und ich frage mich: Was will man eigentlich mehr? Mir fällt nichts ein – außer einem riesigen Dankeschön für einen wirklich gelungenen Abend.

Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“.

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