„Eine wunderschöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit“

Isabel Fedrizzi über die Premiere „Der Nussknacker“ in Duisburg

Peter Tschaikowskys „Nussknacker“ ist ein Klassiker zur Weihnachtszeit… die romantische Traumwelt Claras am Heiligabend basiert auf Alexandre Dumas‘ Version der Geschichte „Nussknacker und Mäusekönig“ von E.T.A. Hoffmann und erlebte am 18. Dezember 1892 seine Uraufführung. Am 17. Dezember 2021 durfte Demis Volpis Nussknacker nun in Duisburg Premiere feiern: dabei entführt federführend der Chef der Ballettcompagnie (jedoch in Zusammenarbeit mit drei weiteren jungen Choreographen*innen, die auch einzelne Nummern in Szene gesetzt haben) in die wunderschöne romantisch-zauberhafte Märchengeschichte des Nussknackers.

Gleich zu Beginn wird der Zuschauer durch die Silhouetten hinter einer großen transparenten Flügeltür Zeuge eifriger Vorbereitungen auf den Heiligen Abend im Hintergrund der Bühne, die Clara und ihr Bruder ungeduldig mit Spielen vor dieser Tür im Vordergrund überbrücken. Als endlich die große Wohnzimmertür den Blick freigibt, tritt man ein in die bunte, trubelige und fröhliche Atmosphäre des Weihnachtsabends der Familie und fühlt sich gleich zuhause inmitten der schönen Kulissen, der freudig beschäftigten Familienmitglieder, des riesigen Tannenbaums… Beinahe mit dem Durchblättern eines klassisch und üppig illustrierten Märchenbuchs zu vergleichen ist dann das Eintauchen in die romantische Geschichte: der Patenonkel bringt Clara den Nussknacker als Geschenk mit, das Mädchen ist nachhaltig fasziniert. Es zieht sie nächtlich wieder ins Wohnzimmer zu ihrem Geschenk und sie erlebt gemeinsam mit ihrem seltsamen Gefährten die abenteuerlichen Traumepisoden mit Schneeflocken, Cupcakes, tanzenden Blumen und glitzernden Lichterketten. Diese einzelnen Episoden sind faszinierend umgesetzt von vier jungen Choreographen aus den Reihen der Compagnie und gänzlich passend in das Gesamtwerk eingeflochten.

Aufwendigste Kostüme wie riesenhafte Röcke und vor allem kunstvoller Kopfschmuck der süßen Zuckertörtchen, ebenso der weiß-kristallinen Schneeflocken und der üppigen Blumen, realistisch gestaltete Mäuseköpfe und –Füße u.v.m. geben dem Auge ständig neue beeindruckende Impulse. Es fehlt auch nicht an humorigem Augenzwinkern, wenn z.B. die große Cupcake-„Mutter“ ihre Törtchen mit einem riesenhaften Kochlöffel probiert und ein ängstliches Cupcake-Kind davor zu fliehen versucht. Ein wunderschöner Moment auch, wenn schwarz gekleidete Tänzer auf dunkler Bühne ihre Mützen aus Lichterketten ein- und ausschalten und schöne Bilder mit  überraschenden Lichtspielen entstehen lassen.

Dieser Abend lebt von seinem Facettenreichtum – im Tanz, bei den Kostümen, den Kulissen, dem Licht: abwechslungsreich, variabel,  „traumhaft“ – er entführt ein bisschen in die Welt der Phantasie und ist  eine wunderschöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit!

Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Nach den Premieren schätzt sie die Gespräche mit den anderen Scouts, die den eigenen Blickwinkel erweitern.

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