Große Erwartungen

Markus Wendel über die Premiere „Weihnachtsoratorium – Szenen einer schlaflosen Nacht“

Bei und nach dieser Vorstellung habe ich etwas erlebt, was mir in dieser Form noch nicht passiert war in der Düsseldorfer Oper. Ich habe mich geärgert. Und zwar richtig. Geärgert über eine Inszenierung und eine immer wiederkehrende Frage: wer um Himmels Willen konnte so etwas zulassen?

Das Bach’sche Weihnachtsoratorium ist schon ein Schwergewicht in der Musikgeschichte. Teile davon kenne ich seit vielen Jahren. Und ich war wirklich neugierig, welche Form von Inszenierung man diesem andächtigen und christlichen Werk angedeihen lassen würde. Leider war es genau dies, wozu ich keinen Zugang finden konnte.
Dabei war die Musik wirklich großartig! Axel Kober ist in gewohnt zügigem Tempo durch die Partitur, der er damit eine wahre Frischzellenkur einverleibt hat. Die Düsseldorfer Symphoniker haben so klar und akzentuiert musiziert, dass ich auch in Reihe 13 das Gefühl hatte, direkt am Orchestergraben zu sitzen. Der Chor hatte eine Durchschlagskraft, die wahrscheinlich noch die eine oder andere geschlossene Tür hat überwinden können. Und auch die insgesamt vierzehn Solistinnen und Solisten haben haben mich auf voller Linie überzeugt.
Die Inszenierung und die zum Bach’schen Werk hinzugefügten Textpassagen klammere ich dennoch aus, ich möchte wirklich keinem auf die Füße treten. Bilder und Videos kann man sich auf der Seite der Rheinoper anschauen. Kunst hat viele Gesichter und am Ende werde ich nicht böse sein, weil mich mal etwas nicht erreicht hat.

Ein paar Tage später schreibe ich nun diesen Text. Und der Abend der Vorstellung hat mich immer noch nicht ganz losgelassen. Wenn ich die Augen schließe, höre ich noch immer die Musik. Und mit dieser ist da ein Gefühl. Ganz warm und vertraut. Weihnachten steht vor der Tür.

Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s