Schöne Momente, aber wenig Weihnachtsstimmung

Charlotte Kaup über die Premiere „Weihnachtsoratorium“

Etwas müde und ratlos hat es mich zurückgelassen, dieses Düsseldorfer Weihnachtsoratorium und so fällt es mir nicht leicht, meine Eindrücke in Worte zu fassen. Das fast dreistündige Werk erzählt die Weihnachtsgeschichte – eine bekannte Handlung, die alljährlich rituell rezitiert wird. Bachs Oratorium, eine Abfolge von Chorälen, Bibeltexten und Lobgesängen, sticht denn auch weniger durch Handlung als durch musikalische Gestaltung hervor.

Insofern hat sich die Oper am Rhein Großes vorgenommen: ein Vokalwerk mit spirituellem Charakter soll den Erzählgewohnheiten der Gegenwart angepasst werden.
In einem raffinierten rotierenden Bühnenbild werden viele kleine Episoden erzählt. Zahlreiche Klischeecharaktere versuchen, die großen Fragen unserer Zeit anzureißen, ohne dabei die Musik aus dem Fokus zu verlieren. Das Ganze ist garniert mit teils drastisch expliziten Bildern. In poppigen Farben wird auf der Bühne geboren und gestorben und natürlich opernhaft gestritten und vertragen. Das Bühnengeschehen kontrastiert die gleichförmig repetitiven und abstrakt sakralen Texte des Oratoriums und es entsteht gelegentlich gar Situationskomik. Es ist ein aufwändiger und auch mutiger Umsetzungsversuch bei dem die vielen Mitwirkenden – ob Solisten oder Chormitglieder – hingebungsvoll ihre individuellen Rollen interpretieren.

Meinen persönlichen Geschmack trifft die Inszenierung eher nicht. Ich empfinde sie als zu wuselig, ablenkend von den Feinheiten und der Erhabenheit der Musik und trotz allem Drama eher oberflächlich. Teile der zweiten Hälfte verbringe ich deshalb mit geschlossenen Augen, um mich mehr auf die Musik zu konzentrieren. Hier gibt es einige wunderbare Passagen von Klarinette und Oboe, welche dem Stück wieder etwas Zartheit verleihen. Musikalisch herausragend sind außerdem Countertenor Terry Wey – mit der „Schlafe“-Arie ein Höhepunkt des Abends, die Sopranistin Anke Krabbe und die Tenöre Andrés Sulbarán und Cornel Frey.

Mein Gesamtfazit: Ein Abend mit schönen Momenten, musikalischen Highlights und überwältigendem schauspielerischen Engagement aller Mitwirkenden aber auch einigen Längen und eher wenig besinnlicher Weihnachtsstimmung.

Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Bevor die junge Ärztin ihre Stelle in Mönchengladbach antrat, war sie als Ballettlehrerin im Hochschulsport tätig. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires. Durch ihre Teilnahme am Opernscout-Projekt entdeckte sie auch ihre Leidenschaft für die Oper. Vor allem gefällt ihr als Scout die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern austauschen zu können.

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