„Sehens- und unbedingt hörenswert!“

Dagmar Ohlwein über die Premiere „Katja Kabanova“

Das war ein weiterer sehr gelungener Opernabend für mich als Duisburger Opernscout. Immer wieder bereichernd ist der wunderbare Austausch mit den anderen Opernscouts im Anschluss an die jeweilige Premierenaufführung.

Die Arbeit der Regisseurin, Tatjana Gürbaca, an der für mich unbekannten und erstmalig erlebten Oper von Leos Janacek ist großartig. Ihr, zusammen mit den Protagonisten, Bühnen-und  Kostümgestaltern ist die Inszenierung außergewöhnlich gut gelungen.
Die schauspielerische und sängerische Leistung von Sylvia Hamvasi hebt sich in meinen Augen als sehr hohe Kunst hervor. Von Anfang an gelingt es ihr, die Rolle als eine Frau, gefangen in einer engen dörflichen Gemeinschaft und einer fast unmenschlichen Familie mit großer Überzeugungskraft darzustellen. Ihre Verzweiflung, ihr „einfrieren“ in der Kälte ihrer Familie ist nahezu spürbar, auf jeden Fall hörbar. Ihre Sehnsucht nach Liebe und Freiheit findet Ausdruck in: „Warum fliegen Menschen nicht? Und was für Träume ich träumte, was für Träume.“ 1. Akt., hinreißend vorgetragen.
Boris Grigorjewitsch, dargestellt von Daniel Frank ist für mich stimmlich und schauspielerisch die perfekte Besetzung von Katjas Liebhaber. Im ersten Moment erscheint dieser Liebhaber samt Kleidung und Frisur gewöhnungsbedürftig. Könnte aber in meinen Augen nicht besser besetzt werden, großartig. Nicht unerwähnt, weil auch hier erkennbar vollkommen aufgehend in ihren jeweiligen Rollen, empfand ich die Kabanicha, die böse Schwiegermutter von Katja, dargestellt von Eva Urbanova und desgleichen ihres schmerzenreichen „Muttersöhnchens“, Tichon Kabanov. Varvara, die Pflegetochter im Hause Kabanow, ist ein Gegenwicht zur ausweglosen, verzweifelten und hilflosen Stimmung des gesamten Werkes und ihrer Darsteller von L. Janaceks. Anna Harvey begeisterte mich mit ihrer Leichtigkeit und Unvoreingenommenheit während der gesamten Vorstellung.

Perfekt abgerundet wurde dieser Opernabend einmal mehr von den exzellenten Duisburger Philharmonikern unter Axel Kober. Danke für dieses und andere großartige Musikerlebnisse.

Zum Schluss gebührt dem Bühnenbild von Henrik Ahr ein großes Lob. In meinen Augen eine perfekte Bühne mit zahlreichen Ergänzungen und Verstärkungen der gesamten Stimmung dieser sehenswerten und unbedingt hörenswerten Oper.

Dagmar Ohlwein
Rentnerin

Die Physiotherapeutin im Ruhestand nimmt sich Zeit für Kultur. Als Jugendliche lebte sie „direkt um die Ecke“ des Theaters Duisburg und hatte so schon immer viel Kontakt zur Kunst. Die Saison 2021/22 ist bereits ihre dritte Spielzeit als Opern- und Ballettscout.

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