„Ein besonderes Opernerlebnis!“

Isabel Fedrizzi über die Premiere „Katja Kabanova“

Ein besonderes Opernerlebnis, das berührt, nachklingt, begeistert und gemischte Gefühle heraufbeschwört… so könnte man die Aufführung von Leoš Janáčeks Oper Katja Kabanova beschreiben, die jetzt im Theater Duisburg  Premiere feierte. Die Regisseurin Tatjana Gürbaca hat den ernsten und bedrückenden Stoff (Der auf dem Schauspiel „Das Gewitter“ von Alexander Ostrowsky beruht), und eher selten auf der Bühne zu erleben ist, klug und zeitgemäß inszeniert. Katja, unglücklich verheiratet mit einem charakterschwachen Mann, lebt mit ihm und ihrer eifersüchtigen und kleingeistigen Schwiegermutter unter einem Dach in einer Kleinstadt an der Wolga – weder dort noch unter der grausamen Knute der Hausherrin will und kann sie leben. In der  Abwesenheit ihres Mannes lebt sie eine Affäre, die ihr solche Skrupel bereitet, dass sie nicht nur alles öffentlich gesteht, sondern ihrem Leben schließlich ein Ende setzt.

Das optisch  ansprechende und vielseitige Bühnenbild, das im  Guckkasten-Prinzip einen großen Vordergrund und einen kleineren, entfernteren Hintergrund kombiniert, eröffnet viele Möglichkeiten, die Szenerie in diverse Schauplätze wie Haus der Kabanovs, Kirche, Garten, Flussufer zu verlegen, ohne einen einzigen Umbau.
Der Boden des Guckkastens ist eine große nach vorn abfallende Schräge – auch das symbolisch zu verstehen? Überhaupt wird gekonnt mit viel Symbolik gearbeitet, was dem Zuschauer viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Gelungen sind auch die Kostüme, die das Volkstümliche  betonen und dennoch mit etwas modischem Look in diese Zeit passen.

Der Zuhörer mag mit gemischten Erwartungen in eine Oper in tschechischer Sprache gehen: er wird keinesfalls enttäuscht! Zwar führen die Obertitel durch das Geschehen, aber die SängerInnen des Abends besitzen allesamt eine so große stimmliche und mimische Ausdruckskraft, dass alle Sehnsüchte, Trauer, Boshaftigkeiten, Ängste, also alle Gefühlswirren durch hörbar und sichtbar werden…
Katja selbst ist mit Sopranistin Sylvia Hamvasi perfekt besetzt, Anna Harvey als Varvara ist ihr ebenbürtig. Zwei „starke Frauen“ im Stück mit zwei ebenso starken und schönen Stimmen. Daniel Frank hat eine passende klangvolle Tenorstimme für den Gebliebten Boris. Und Sami Luttinen gibt überzeugend den ganovenhaften Trunkenbold Dikoj. Die Duisburger Philharmoniker unter Axel Kober bilden dazu eine ebenso solide wie unentbehrliche musikalische Grundlage – untermalend und nicht überdeckend mischten sich Stimmen und Instrumente schön ausbalanciert. Wichtig ist das, ist doch Janáčeks Musik auf das Notwendigste reduziert: seine Musik zeichnet die Gefühlslage nach, spiegelt Angst oder Freude, lässt das Gewitter, Verzweiflung oder freudige Erregung lautmalerisch aufleben. Harmonisch modern und zukunftsweisend ohne dissonant zu sein: großartig!

Unbedingt anhören und –sehen!

Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Nach den Premieren schätzt sie die Gespräche mit den anderen Scouts, die den eigenen Blickwinkel erweitern.

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