Eine originelle rasante Show, mit etwas musikalischer Unterstützung

Dr. Hubert Kolb über die Premiere „Orpheus in der Unterwelt“

Nach mehrfach verschobenen Terminen endlich die Premiere von Barrie Koskys Version der „weltweit ersten Operette“. Das Stück hatte als Koproduktion schon bei den Salzburger Festspielen und in der Komischen Oper Berlin Begeisterung im Publikum ausgelöst. So war es auch hier.

Trotz allen Vergnügens ob der fast endlosen Folge von originellen oder auch platten (dann Sex-betonten) Gags auf der Bühne blieb meine Reaktion zwiespältig. Wo blieb Jacques Offenbachs Werk als musikalisches Kunststück, es ist ja doch weitaus mehr als schmissiger Cancan mit hochfliegenden Röcken? Aber auch Koskys unglaublich erfolgreiche Inszenierung der Zauberflöte als auf eine Wand projizierter Comic mit Gesang sprach mich nicht an.
Das Gesamtkonzept mit einem Sprecher (Max Hopp), der alle Texte für die Protagonisten und Protagonistinnen mit verschiedenen Stimmen sprach und Körperbewegungen mit lustigen Geräuschen synchronisierte, war höchst originell und erheiterte uns alle. Viele der Tänze von Chor und Tänzern in überzeugenden Kostümen waren mitreißend, wobei simulierte Kopulationsszenen und zwischen den Beinen montierte männliche Pseudo-Geschlechtsteile doch zu deftiger Humor waren.

Die Choreographie war bis ins kleinste Detail einstudiert und Alle auf der Bühne waren sichtlich mit Spaß dabei, und ihre Begeisterung schwappte über ins Publikum. Insbesondere die Spielfreude von Elena Sancho Pereg als Eurydike war eine Augenweide. Das von Kosky modifizierte Ende war eine sinnvolle Verbeugung vor dem aktuellen Zeitgeist. Eurydike weigert sich, als Gespielin Gott Jupiter oder Ehemann Orpheus aus der Unterwelt zu folgen, oder dem Unterwelt-Chef Pluto weiter zu Diensten zu sein. Sie hat sich emanzipiert und will als Bacchantin ihr eigenständiges gutes Leben in der Unterwelt genießen. Dass diese errungene Eigenständigkeit mit einem angehefteten übergroßen männlichen Gemächt symbolisiert wurde, fand ich misslungen.

Unsere Wahrnehmung, dass wir in ernsten Zeiten Vergnügungen erleben, wurde durch die Präsentation eines großen regenbogenfarbigen Tuchs mit der Aufschrift PEACE beim Schlussapplaus besänftigt. Danke.

Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen.

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