Orpheus in der Unterwelt

Karolina Wais über die Premiere „Orpheus in der Unterwelt“

Die Operette beginnt mit der Erklärung der Öffentlichen Meinung, dargestellt von Susan Maclean, deren Moralvorstellungen allerdings von Max Hopp für das Publikum übersetzt werden mussten. So erfährt der Zuschauer von Anfang an welchen Stellenwert die Öffentliche Meinung in der Inszenierung hat. Die männlichen Protagonisten geben im Laufe des Stücks der Öffentlichen Meinung nach, aus Angst ihre Reputation zu verlieren.

Die Operette setzt sich aus zwei Akten und vier Bildern zusammen. Die ersten drei Bilder haben ihren Ursprung in einer völligen Langeweile, die aber für den Zuschauer gar nicht langweilig dargestellt wird, ob Eurydike und Orpheus in ihrer Ehe, Jupiter im Olymp oder Eurydike bei Pluto in der Unterwelt. Diese Langeweile dauert aber nicht lange an, sie ist ein Sprungbrett in drei bunte, witzige und schrille Akte.
Die Opernsänger*innen, der Chor, die Tänzer*innen geben dabei stets ein stimmiges Bild ab, es ist eine Wonne dem zuzuschauen. Alle sind aufeinander abgestimmt und geben eine Glanzleistung ab. Elena Sancho Pereg imponiert mir sehr in ihrer Rolle als Eurydike, weil sie die Stärke von Eurydike sehr gut verkörpert. Das Bühnenbild gefällt mir sehr, es ist wandelbar und ganz und gar nicht langweilig. Die Kostüme sind sehr aufwendig gearbeitet, so es entsteht zum Beispiel im zweiten Akt visuell eine pastellfarbene Revolte. Das vierte Bild im zweiten Akt endet mit einem imposanten Fest. Die Fülle, die das Stück über auf der Bühne entsteht, lässt allerdings die Musik etwas verblassen. Es ist kaum eine Pause da, die es zulässt die Augen zu schließen, um die Musik zu erfahren, aus Angst das Geschehen auf der Bühne zu verpassen.

Mir gefällt die Idee, dass Max Hopp die Sprechpartien aller Sänger übernimmt. Das ist ein sehr kluger Schachzug, der sehr viele witzige Momente geschehen lässt. Das gefällt mir so sehr, dass es mich irritiert, als Max Hopp im dritten Bild John Styx, den Fährmann des Todes, verkörpert.

Das Stück erhält einen langen, stehenden Applaus und das völlig zu Recht. Insgesamt ist die Inszenierung sehr sehens/- und erlebenswert.

Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre zweite Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett weiter kennenzulernen.

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