„Ein spannender und sehr inspirierender Ballettabend“

Stefanie Hüber über die Premiere „One and others“

Die Premiere des Ballettabends mit 3 unterschiedlichen Choreographien umfasste eine grosse Spannbreite dessen, was Ballett heutzutage zu präsentieren und vermitteln vermag

Das 1. Stück namens „Polyphonia“ wurde von einem Pianisten begleitet. Die zehn Klavierstücke des Komponisten György Ligeti sind teilweise sehr dissonant. Es befinden sich dabei zwischen 2 und 8 Tänzern auf der Bühne, die vor allem klassische Ballettfiguren zeigen. Sowohl Bühnenbild als auch Kostüme sind sehr schlicht gehalten und vermitteln Stringenz und Minimalismus. Gut getanzt, jedoch meines Erachtens nicht perfekt. Es war schön anzusehen, hat mich allerdings nicht wirklich berührt.

Das 2. Stück war eine Choreographie von Demis Volpi. So wie alles von ihm bisher gesehene hat es mich sehr beeindruckt. Die dazu abgespielte Musik war ein Kammermusikstück für Streicher und erinnerte teilweise an Filmmusik. Vor allem die Cellosoli berührten mich sehr und unterstrichen die schwermütige Stimmung der Darbietung, welche sich thematisch mit der zunehmenden Suizidrate der Inuits in Kanada auseinandersetzt. Nebst der Musik gab es eingespielte Klopfgeräusche und Kehlkopfgesänge, die den archaischen Charakter unterstrichen und in krassem Widerspruch dazu standen, dass sehr viel auf Spitze getanzt wurde, was für mich wiederum für die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit stand. Vor der Bühne hing ein dünner Gazevorhang, was man auf den 1. Blick nicht sah, und das  Bühnenbild und die Tänzer leicht verschwommen erscheinen ließ. Auch das war eine großartige Lösung ,den vergänglichen, schwindenden Charakter der Atmosphäre zu unterstreichen. Der Tanz war voller Emotion und stand dadurch für mich im krassen Gegensatz zu „Polyphonia“.

Stück Nr. 3 hieß „Salt Womb“. 17 Tänzer bewegten sich meist synchron zu harter maschinenartiger Musik. Manchmal durchbrach einer der Tänzer die Synchronizität durch ein Solo, welches jedoch in der Enge der Menge stattfand, aus beispielsweise zuckenden oder wurmförmigen Bewegungen bestand, und mitnichten den befreienden Charakter hatte, den man häufig mit Soli assoziiert. Das Stück wurde ursprünglich für das „Netherlands Dance Thatre“ geschrieben. Ich habe schon einige Aufführungen diese in Den Haag ansässigen Tanzkompanie besucht und war immer beeindruckt vom deren Können und Kreativität. „Salt Womb“ war meines Erachtens wie gemacht für sie, aber auch das Ballettensemble der Deutschen Oper am Rhein performte großartig und riss fast das komplette Publikum nach dem letzten Schlussklang ekstatisch klatschend aus den Stühlen.

Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

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