„Tanz in den unterschiedlichsten Möglichkeiten und Facetten“

Charlotte Kaup über die Premiere „One and others“

Mit „One and Others“ zeigt das Ballett am Rhein einen vielseitigen beeindruckenden Ballettabend, der den Tänzer*innen sowohl körperlich als auch mental eine große Wandelbarkeit abverlangt.

Eröffnet wird der Abend von Christopher Wheeldons „Polyphonia“, einem abstrakten Stück, das vor allem auf klassischen Bewegungen in geometrischen Kompositionen basiert. Inhaltlich scheint es kein festes Thema zu geben – alle Konzentration liegt auf dem Tanz und der Musik, auf Dynamiken und Fluss ohne eindeutige nachhallende Melodie oder emotionale Aufladung. Ich finde es genial, das Stück übt eine hypnotisierende Wirkung auf mich aus. Sowohl der Bühnenraum als auch die Kostüme sind sehr schlicht gehalten und so genieße ich pure Kraft und Linien von Klang und Bewegung. Einzig das Lächeln in den Gesichtern der Tänzer*innen wirkt auf mich zeitweise etwas irritierend. Ein neutraler Ausdruck hätte für meinen Geschmack noch etwas besser zu dem Stück gepasst. Dennoch ein fantastischer Auftakt.

Es folgt das Stück „One and Others“ von Demis Volpi, das dem Abend seinen Namen verleiht. Im Gegensatz zum ersten Stück kreiert Volpi sowohl durch die Musikauswahl (Streichmusik mit Inuit-Gesängen auf stampfenden Maschinengeräuschen) als auch durch die Bewegungssprache einen bildhaften, emotionalen Ausdruck. Mit meist klassischen Bewegungen entstehen kleine Handlungssequenzen, diskret verschleiert hinter einem feinen Netz und in kaltes Licht getaucht. Die Szenen erinnern an gefangene Fische, Vögel oder Robben und an Überleben in einer rauen Welt. Als Zuschauer beobachtet man eine fremd anmutende Szenerie, die doch bis zuletzt ihren eigenen geheimnisvollen Regeln unterliegt. Die Musik ist spannend und kraftvoll und in einigen Sequenzen vielleicht auch etwas theatralisch. Insgesamt ein sehr fein abgestimmtes Werk.

Das letzte Stück „Salt Womb“ von Sharon Eyal besticht durch die Kraft und den Rausch der Gruppe. Musik und Choreografie sind repetitiv, rhythmisch, voller Energie und Anstrengung. Die Bewegungen sind nicht elegant oder grazil, sondern schwer, instinktiv und animalisch. Die Bühne wird zur Höhle, zur Wüste, zur Feuerstelle. Eyal packt uns Zuschauer und nimmt uns mit auf einen pulsierenden Trip voller Ekstase.

Ein abwechslungsreicher und gleichzeitig runder Tanzabend, der die Freude an Bewegung in ihren unterschiedlichen Möglichkeiten und Facetten zelebriert und für jeden Geschmack und jede Stimmung etwas bereithält.

Charlotte Kaup
Ärztin in der Radiologie

Vor kurzem hat die junge Ärztin eine Stelle in Mönchen Gladbach angetreten. Vorher arbeitete sie einige Jahre als Ballettlehrerin beim Hochschulsport. Sie ist Regelmäßige Besucherin der Ballettinszenierungen der Deutschen Oper am Rhein und ist sehr begeistert von der Vielfalt des Repertoires.
Bezüglich der Oper ist sie ein Neuling, möchte dies aber gerne ändern und freut sich deshalb auf eine weitere Zeit als Scout und die Möglichkeit sich mit Opernliebhabern austauschen zu können.

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