„Was für ein Abend!“

Markus Wendel über die Premiere „One and others“

Wow, was für ein Abend

Wenn es einen roten Faden gibt, der sich durch die Spielzeiten der Deutschen Oper am Rhein zieht, ist es wohl diese Feststellung: Die größten Überraschungen bietet anscheinend immer das Ballett. So auch am vergangenen Samstag zur Premiere von „One and Others“.

Ganz leise und intim geht es los. In „Polyphonia“ werden zehn Tänze gezeigt, begleitet von einer Pianistin. Berührt bin ich von der Wärme und dem Wohlklang der Musik. Erst später – am Ende des Abends – wird mir klar, dass dieses tänzerisch etwas kühl und technisch wirkende Stück mit Bedacht gewählt wurde und einen guten Gegenpol setzt zum Rest des Abends.

Mitreißend wird es zum zweiten und titelgebenden Stück in der Choreographie von Demis Volpi. Es passt einfach alles. Spannung, Bildsprache, Tanz – wirklich herausragend. Das um die Kehlkopfgesänge kanadischer Inuit ergänzte Streichquartett trägt die Szene mit der Anmutung eines Film-Soundtracks. Auch die Geräusche fahrender Lokomotiven werden in die Klanglandschaften eingebettet. In den vom Licht geschaffenen Räumen suchen und finden sich die Tänzerinnen und Tänzer. Alles im Wandel zwischen Geborgenheit, Verlust und einer Suche nach Orientierung. Erschaffen wird eine solch unmittelbare Emotionalität, die mich bis hin zu tiefster Traurigkeit einiges durchleben lässt. In die Pause gehe ich ergriffen und nachdenklich. Und überaus dankbar.

Mit „Salt Womb“ wird es wirklich krass. Wie der Schlag eines Herzens pulsiert die Musik. Die extreme Lautstärke der Elektro-Sounds bringt die Lautsprecher des Saals an ihre Grenzen und ist körperlich spürbar. Für die Darstellung an der Deutschen Oper am Rhein wurde das ursprüngliche Ensemble auf 17 Tänzerinnen und Tänzer erweitert. Im Vordergrund steht die absolute Dynamik der Gruppe. Hart und bis zur völligen Verausgabung. Der umherfliegende Schweiß und die Beleuchtung erschaffen Atmosphären zwischen dem Berliner Berghain und dem Innern eines Stahlwerks. Eine unfassbare Performance.

Beide Daumen hoch – absolut empfehlenswert!

Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“.

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