Langweilige Barockoper? Musik- und Bühnengenuss!!

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Hubert Kolb über die Premiere von „Alcina“

Manchmal etwas anspruchsvoll und vermutlich langweilig, so hatte ich mir Opern von Händel vorgestellt. Immerhin hat er über fünfzig Opern komponiert, immer mit Blick auf kommerziellen Erfolg in London.
Welche Überraschung war dann der genussvolle Abend in der Oper am Rhein!

Drei Punkte waren hierfür verantwortlich:

  1. Als Klangkörper diente die Neue Düsseldorfer Hofmusik, welche auf alten oder nachgebauten Instrumenten im halb hochgehobenen Orchestergraben spielte. Dirigent GMD Axel Kober erreichte ein technisch und musikalisch hohes Niveau. Instrumentalmusik und Gesang waren eine bemerkenswerte Einheit, mit angenehmer Dynamik.
  2. Die Stimmen der vier weiblichen Hauptpersonen waren in der Klangfarbe gut auf einander abgestimmt, Gesang und Spiel auf der Bühne waren eindrucksvoll. Bemerkenswert war dabei die Leistung der aus Wiesbaden aus Krankheitsgründen eingesprungenen israelischen Sopranistin Shira Patchornik in der Rolle der Morgana.
    Passend zur Rolle der Inselherrscherin Alcina hatte Jacquelyn Wagner eine dominante Präsenz auf der Bühne.
    „Unsere“ Maria Kataeva spielte die Hosenrolle des Ruggiero perfekt.
    Wallis Giunta als Bradamante war ebenfalls überzeugend, mit enormer körperlicher Lebendigkeit.
    Die beiden Solisten für die „echten“ Männer waren nicht so gut gewählt.
    Und es gab so viele melancholisch-schöne Arien der Sängerinnen, mit barockgemäßer Wiederholung der unerwartet eingängigen Melodien.
    Dass an einigen Stellen gekürzt wurde, war dennoch gut.
  3. Die Inszenierung, die Bühne, die Kostüme, das Licht und die Personenregie waren eine gelungene Gesamtkomposition.
    Das Geschehen um die Zauberin Alcina, welche Männer zu ihrem Eigengenuss verhext und später durch deren Verwandlung in Tiere oder Steine loswird, wurde in die heutige Zeit transponiert, etwas „me too“ anders herum.
    Die Bühne wirkte wie ein Wellness-Resort auf einer Insel.
    Nach dem Bruch des Zaubers und dem Happy-End für Alcinas Opfer (aber nicht für sie selbst), verwandelte sich alles in eine kahle Umwelt.
    Der Paradiesgarten, die Kostüme und das schöne Licht waren nur Genuss-orientierte Zauberei.

Fazit: Die Inszenierung von Lotte de Beer und die musikalische Interpretation durch Axel Kober gaben dieser Oper etwas schwungvoll Modernes. Dazu kam der Genuss herrlicher barocker Arien im großartigen Zusammenspiel mit dem Barockorchester. Langer Beifall, der in Standing Ovations mündete.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

Eine musikalisch-lyrische Zeitreise

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Annette Hausmann über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Mit dem ersten Auftakt der dramatischen Oper „Roméo et Juliette“, die Charles Gounod 1867 auf der Grundlage von Shakespeares gleichnamiger und weltbekannter Tragödie schuf, begebe ich mich auf eine musikalisch-lyrische Zeitreise quer durch Europa.
Als „Reiseführer“ hätte kein Geeigneterer als der Regisseur Philipp Westerbarkei ausgewählt werden können.
Tiefsinnig und mit der nötigen Portion Provokation ist ihm die Adaption seiner Operninszenierung in die heutige Zeit perfekt gelungen.

Der Vorhang hebt sich und gleich zu Beginn erwartet einen eine Bühnenkulisse, die wenig südländischen Flair „versprüht“ und nur mit viel Phantasie eine italienische Piazza erkennen lässt. Der Bühnenboden ist mit einer Folie überzogen, die Assoziationen von „Glanz und Gloria“, „Kälte und Glätte“ hervorruft und in der sich alle Bewegungshandlungen der Protagonisten widerspiegeln.
Am Ende der Bühne, auf der sich übereinander gestapelte Stühle befinden, ragt ein riesiger Felsen mit einer beleuchteten Madonna hervor.
Schnell wird dieser düster wirkende Bühnenraum durch die hervorragenden Stimmen und schauspielerischen Leistungen des Opernchors mit Leben und Volumen gefüllt.
In ihren bunten, glitzernden Kostümen verkörpern sie in Zeitlupe Macarena tanzend die vermeintlich lustige, ausgelassene Gesellschaft, die Capulet am Abend des Ferragostos anlässlich der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter Juliette mit Pâris zur Party eingeladen hat.
Inmitten dieses Treibens treffen Roméo und Juliette aufeinander und ihr Schicksal durch die gesellschaftliche Vergiftung nimmt schleichend seinen Lauf. Ausdrucksstark wird dies sinnbildlich durch die rauchende und Juliette kreisförmig umschließende Gesellschaft dargestellt.
Juliette, gesungen von Sylvia Hamvasi, strahlt nur äußerlich durch ihr silberfarbenes Glitzerkleid; innerlich sträubt sie sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge.
In ihren anspruchsvollen Arien singt sie von ihrer ersehnten Freiheit und ihrem Wunsch, träumen und leben zu dürfen (-„Je veux vivre dans le rêve, qui m’enivre…“).
Sie bricht regelrecht aus ihrer Rolle aus, steigt auf immer höher aufeinander gestapelte Stühle und verleiht auf diese Weise ihrem Bestreben, „frei zu sein wie ein Vogel, der zum Himmel fliegt“, noch mehr Ausdruckskraft.
Für Roméo, solide dargestellt und gesungen von Gustavo de Gennaro, scheint Juliette von Anfang an unerreichbar zu sein.

Im Verlauf der Inszenierung wird das Bühnenbild (Tatjana Ivschina) und die Lichttechnik (Volker Weinhart) zunehmend beeindruckender.
Die quadratisch angeordnete Beleuchtung wird abgesenkt und erscheint wie ein abgegrenztes Lichtermeer oder gar Lichterlabyrinth, in dem Roméo und Juliette im unruhigen Schein der „süßen Nacht der Liebe“ ihre innige Verbundenheit besingen und gleichzeitig ihrer „Gedankenflut“ freien Lauf lassen. Einfach genial!
Gleichzeitig wird die Bühne zum Kirchenraum, in dem die Hochzeitszeremonie stattfindet, zu der ein gewaltiges Orgelpräludium erklingt und der Chor einen weiteren starken Auftritt hat, der „unter die Haut“ geht.
Parallel zum tragischen Ende der Oper hebt sich langsam ein Bühnenelement, unter dem „love is a losing game“ zu lesen ist. Anfänglich irritiert es mich, doch es entspricht genau Westerbarkeis Fazit von einer sich selbst und andere vergiftenden Gesellschaft, in der das „individuelle Glück“ und das „Andersdenken“ nicht akzeptiert wird, sodass nur der Freitod der einzige Ausweg zur ersehnten Freiheit ist.

Mit „Roméo et Juliette“ schafft Westerbarkei eine großartige, vielschichtige und sehenswerte Oper.
Dabei besitzt er den Mut, das Rädchen der traditionellen Operntragödie zeitgemäß weiterzudrehen, sodass die Geschichte von „Romeo und Julia“ weiterhin unsterblich bleibt.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an einer Montessori-Grundschule in Duisburg-Bissingheim, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Der Austausch zwischen den Opernscouts schaffe „eine andere Wahrnehmung von Oper und Ballett“. In ihrer ersten Spielzeit begeistert sie ganz besonders  Martin Schläpfers Ballett „Schwanensee“: „Mit seiner Kraft und Ausdrucksstärke war es eine der genialsten Vorstellungen meines Lebens“.

Nicht nur für Shakespeare-Fans!

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Die Liebesgeschichte von Romeo und Julia erzählt die wohl  berühmteste Tragödie der Literaturgeschichte… auch der französische Romantiker Charles Gounod hat sich des Sujets angenommen und das Libretto von Jules Barbier und Michel Carré als Grundlage für seine lyrische, dreistündige epische Oper gewählt.
Bei der Premiere in Duisburg war seine romantische Musik bei den hervorragenden Duisburger Philharmonikern in besten Händen – maßgeblich dafür verantwortlich war auch die neue erste Kapellmeisterin der Oper Marie Jacquot, unter deren wacher und engagierter musikalischer Leitung sich das Orchester in Bestform zeigte und den Facetten- und Farbenreichtum der Partitur wunderschön zum Klingen brachte.
Auch der Chor, der eine größere Rolle in der Oper spielte, glänzte mit epischen Chören und homogenem Ton.

Die Kulissen auf der Bühne, ein großer Felsen mit beleuchteter Madonnenfigur, erwiesen sich als wandelbar und einfallsreich. Mit wenigen aber effektiven Mitteln (Regen) und passenden Requisiten bot der Bühnenaufbau den Sängern einen ebenso passenden wie auch herausfordernden Hintergrund (auf Stuhlberge steigen, im Liegen und Bücken singen) für ihre dramatisch-tragische Geschichte.
Viel Atmosphäre schuf auch das oft fahle, schummrige Licht, das ebenso als Spiegelbild des „düsteren Innenlebens“ der Akteure wie auch als Nacht-Stimmung zu sehen sein konnte.
Die Regie der Oper führte Philipp Westerbarkei, ebenfalls an der Rheinoper mit La Bohème zu sehen.
Er taucht seine Love story in ein schrilles, zeitgenössisch geprägtes Licht: bunte Kostüme von Mini-Mode, leuchtfarbigen Anzügen  bis zu Glitzer- und Pailettenkleidern, Zigaretten rauchende Akteure sowie ein Macarena-tanzender Chor… assoziativ und mutig ist seine Herangehensweise in jedem Fall – passend oder stimmig erschien manches aber nicht.
Geteilter Meinung darf man vor allem über seine Quintessenz „LOVE IS A LOSING GAME“ sein, die am Ende der Oper als Leuchtschrift auf der Unterseite einer Wand erscheint, die ins Bühnenhaus hochgezogen wird… für mich kein schlüssiges Fazit der Aufführung.
Einen wesentlichen Bruch mit der Geschichte führt Philipp Westerbarkeit am Ende sowieso herbei: Juliette tötet sich nicht selbst, nachdem sie Roméos Sterben miterleben musste, sondern wird resigniert zu ihrer bevorstehenden „Zwangs-Hochzeit“ mit Paris getragen.
Hier gefiele mir eine Vorlagentreue besser… Die Sänger darf man loben: Sylvia Hamvasi als Juliette sang sich nach kleiner Anlaufphase gut in ihre Rolle hinein, überzeugte mit einer gut geführten Stimme bis in die Koloraturen hinein. Von ihrer lodernden Liebesglut zu Roméo konnte sie das Publikum allerdings weniger überzeugen.
Gustavo de Gennaro bot einen solide gesungenen und gespielten Roméo.
Vor allem aus musikalischer Sicht ein wirklich genussvoller Abend (denn Gounods üppiger romantischer und harmonieseliger Tonfall funktioniert im Ernstfall kurzzeitig auch mit geschlossenen Augen).
Trotz Meinungsverschiedenheiten über einzelne Regieideen ist diese Oper unbedingt lohnend – nicht nur für Shakespeare-Fans!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Nach den Premieren schätzt sie die Gespräche mit den anderen Scouts, die den eigenen Blickwinkel erweitern.

Kultverdächtig!

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Mila Langbehn über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Das Ende, das nehme ich gleich vorweg, das Ende finde ich richtig gut. Juliette will sich erdolchen, als ihr geliebter Roméo tot vor ihr liegt. Aber es kommt ganz anders: Ein starker Mann, Pâris, trägt sie von Roméo weg – zur Trauung!
Ich finde, das ist eine interessante Variante, die gute Denkanstöße gibt.

Leider ist der Rest der Inszenierung weniger erfreulich, denn leider wird an diesem Abend nicht nur Juliette zwangsvermählt.

Auf der einen Seite ist da die Oper von Charles Gounod.
Ich kannte Gounods Werke noch nicht und bin überrascht wie sehr er mich begeistert! Die neue Dirigentin, Marie Jacquot, hat diese Oper mit den Duisburger Philharmonikern großartig umgesetzt. Das ist Samt und Seide für die Ohren!
Ich bin hin und weg, wiege mich in Wohlklängen und genieße dank der Übersetzung in den Übertiteln feinste Lyrik der Extraklasse.
Die Stimmen der Solist*innen gefallen mir alle sehr.
Und der Chor! Gänsehaut pur.

Auf der anderen Seite ist da die Inszenierung von Westerbarkei.
Nun ja, für meine Ohren war’s wunderschön. Für meine Augen war’s schön, als der Schmerz nachließ.
Im Nachklang allerdings, da wurde mir klar: Das Stück ist schwer kultverdächtig!
Es enthält einfach alles, was ein echtes B-Movie ausmacht, das etwa 20 Jahre später Kult wird: billige Pappmaché-Kulissen (großer Felsen auf Rädern), Zaunpfähle, die nicht winken, sondern erschlagen (eine monströse Leuchtschrift), hölzerne Schauspielerei, einen Zombie (der Geist Tybalts), böse Beleuchtung in Liebesszenen (OP-Tisch-tauglich), übles Outfit (Julia in den ersten Akten), sinnlose Gewalt (zu den Morden musste noch eine Vergewaltigung mit rein), plumpe Kopien und peinliche Zitate … ja, und zwischendrin vereinzelt – quasi als das Salz in der Suppe – wirklich gute Szenen!

Diese unglaubliche Mischung, das muss ihm mal einer nachmachen, diesem Westerbarkei.
Das ist kultverdächtig!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Mila Langbehn
Landart-Künstlerin

Die selbstständige Landart-Künstlerin hat als Amateur-Tänzerin mit klassischer Ausbildung selbst öfter auf der Bühne gestanden. Heute beschäftigt sie sich mit Landschaftskunst. Kunstaustellungen. Beim Theatererlebnis fasziniert sie insbesondere das Zusammenspiel aus den verschiedenen Komponenten Musik, Kostüm, Bühnenbild und Gesang. Besuche im Theater sind für sie ein angenehmer Gegensatz zum alltäglichen Leben und aus den Vorstellungen zieht sie oft auch Inspiration und Vergleicht diese mit ihrer eigenen Arbeit.

Jugendlicher Leichtsinn und Übermut

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Shakespeares „Romeo und Julia“ als Musiktheater kenne ich nur als „Westside Story“ von Leonard Bernstein, deshalb freut es mich ganz besonders, an der Rheinoper Charles Gounods selten gespieltes Musikdrama „Roméo et Juliette“ erleben zu dürfen.
Philipp Westerbarkei inszeniert hier einen „Sommernachtsalbtraum“ mit der (nur aus dem Parkett heraus lesbaren) Schlusserkenntnis „love is a loosing game“.
Da lässt sich „too much love will kill you“ hinzufügen oder die große traurige Erkenntnis, dass es „keine Liebe mehr unter den Menschen gibt“.

Roméo verfällt der Liebe auf den ersten Blick, und ihn kümmert es auch nicht, als „Feigling“ bezeichnet zu werden solange er seiner „Flamme“ nah sein darf.
Juliette kommt Roméos Flirt sehr entgegen, will sie doch ihrer strengen Familie entfliehen und singt ihre Freiheits-Arie auf einem Berg aus Stühlen (wo man als Sicherheitsfreund kaum hinschauen mag).
Auch die Trauungszeremonie wird szenisch und optisch auf einem künstlichen Felsen in die Höhe getrieben, ehe das Paar zu Klippenspringern wird und den „Sprung ins kalte Wasser“ einer verbotenen Ehe wagt. Das ist doch mal eine gelungene Darstellung von jugendlichem Leichtsinn und Übermut!

Neben Roméo und Juliette brilliert der Chor als dritter „Hauptdarsteller“.
Der darf als Partygesellschaft tanzen und zanken, als lästige Nachbarn rauchen, saufen und Juliette Capulet bloßstellen.
Das ist großes Theater, und vor allem die Schluss-Szene des dritten Akts mit „Tag der Trauer…“ ist rührselig und mit dem einsetzenden Regen passend und beeindruckend inszeniert.
An dieser Stelle muss ich vor allem die Blechbläser der Duisburger Philharmoniker loben, die wohlklingend eine feierliche Atmosphäre erzeugen und wunderschöne Musik spielen.

Teilweise empfinde ich Szene und Text als nicht ganz stimmig (die Erscheinung des toten Tybalt im vierten Akt ist viel zu lang und lästig).
Gerne werde ich diese Oper ein weiteres Mal besuchen, um weitere Inszenierungsdetails zu entdecken und Gounods schöne Melodien zu genießen!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Jürgen Ingenhaag
Fachkraft für Arbeitssicherheit

Als Vorstandsmitglied der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg organisiert Jürgen Ingenhaag klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Als Opernscout versteht er sich als „Botschafter für das Theater Duisburg“. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge“. Seine Leidenschaft für Rock- und Popmusik hat ihn nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden.

Eine Fülle von Augen-und Ohrenreizen

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Dagmar Ohlwein über die Premiere von „Roméo et Juliette“

„Roméo et Juliette“ von Charles Gounod ist ein Meisterwerk der französischen Opernromantik.
Um Romantik und das Schwelgen in berührenden, leidenschaftlichen Gesangsszenen geht es Philipp Westerbarkai in dieser Inszenierung in erster Linie, meiner Einschätzung nach, nicht.
Wie schon in anderen Opernaufführungen gelingt es ihm „Roméo et Juliette“, diese dramatische Liebesgeschichte zunächst von William Shakespeare auf die Bühne gebracht, in hervorragender Weise so modern und zeitgemäß zu gestalten, dass dieser Opernabend einmal mehr spannend, nachdenkenswert und inspirierend für mich wurde.

Schon mit den Kostümen, die im Stil der 50er Jahre gestaltet sind, bietet sich dem Zuschauer ein buntes, aufregendes Bild auf einer nächtlichen Piazza von Verona.
Das Bühnenbild und der großartige Gesang des Chores der Deutschen Oper am Rhein lässt den Zuschauer eintauchen in eine heiße Sommernacht und in die Partygesellschaft der Familie Capulet.
Es ist Ferragosto, die Protagonisten, Juliette dargestellt von Sylvia Hamvasi und Gustavo de Gennaro als Roméo, der Sohn der verfeindeten Familie Montague, begegnen sich. Sowohl die Schauspielkunst als auch die gesangliche Leistung des Chores sind hervorragend.
Die Stimmen von Sylvia Hamvasi und auch Gustavo de Gennaro stechen für mich nicht besonders hervor.

Das Liebesdrama nimmt in bekannter Weise seinen Lauf.
Dabei wurde mein Blick mehr auf die einzelnen Darsteller gelenkt.
Da ist Juliette, die in meinen Augen um Freiheit, im weitesten Sinn Emanzipation kämpft.
Will Roméo vielleicht den Schmerz um eine verlorene Liebe mit einer neuen, der vermeintlich größten Liebe seines Lebens, Juliette, vergessen? Wie tief und innig die Liebe dieses weltberühmten Liebespaares während eines langen Lebens sich entwickelt hätte, bleibt für immer und ewig, typisch für solche Liebesdramen, offen.
Tybalt, der Cousin Juliettes, wird zum Mörder und durch Roméo zum Gemordeten.
Er bleibt auch als schon Getöteter präsent auf der Bühne. Sein durchgehender Auftritt als Gemordeter hat mich hin und wieder ein wenig irritiert .
Er, wie auch Mercutio, der ermordete Freund Roméos, und das berühmteste Liebespaar aller Zeiten sind Opfer einer hasserfüllten, blutigen Feindschaft zweier Familien.

Diese Tragödie hat Philipp Westerbarkei in großartiger Weise neu auf die Bühne gebracht. Applaus und große Anerkennung für die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Anspielungen, Hinweise und Andeutungen zu Westerbarkais und vielleicht auch Gounods Gedanken zu dem Thema sind zahlreich in der Inszenierung zu finden: eine „instabile“ Stuhlkonstruktion auf der sich die Juliette häufig bewegt, die eventuell aufzeigen möchte, dass nichts im Leben stabil ist, wir uns immer auf unsicherem Grund bewegen.
„Je veux vivre“ singt sie in einer Arie, löst ihre bis dahin aufgesteckten Haare, entledigt sich ihrer Schuhe. Sie möchte raus aus ihren Familienzwängen, frei leben und entscheiden.

Ein Schauspiel/Ballettpaar, Maria Sauckel-Plock und Egor Reider, das in den Pausen zwischen dem 1. und 2., 2. und 3. Akt auftritt, soll vielleicht auf sehr subtile, feine Weise den Fokus auf die Befindlichkeiten zweier frisch verliebter Menschen richten. Eine Fülle von Augen-und Ohrenreizen.
Nicht unerwähnt möchte ich noch das phantastische Dirigat von Marie Jacquot lassen. Mein Fazit: Ein interessanter, belebender, erfrischender Opernabend.

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Dagmar Ohlwein
Rentnerin

Die Physiotherapeutin ist gerade im Ruhestand angekommen und widmet nun einen großen Teil ihrer Zeit der Kultur. Das heißt für sie regelmäßig diverse Kulturangebote warzunehmen. Als Jugendliche hat sie „direkt um die Ecke“ vom Theater Duisburg gelebt und so schon immer viel Kontakt zur Kunst gehabt. Sie ist sehr gespannt auf ihr erstes Jahr als Duisburger Opern- und Ballettscout und freut sich auf die Saison 2019/20.

Hiphopmäßig?

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„Sag mal, hast Du Lust mit mir in die Oper zu gehen?“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Was gibt’s denn?“
„Die Fledermaus.“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Worum gehts denn da?“
„Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr so genau und ist, glaube ich, auch gar nicht so wichtig. Verdrehtes Zeug. Irgendwas mit Sex and Drugs and Rock´n Roll.“
„Echt? Klingt ja fast hiphopmäßig.“
„Ja, ist vielleicht gar nicht so weit davon weg. Vielleicht ein etwas anderes Publikum, aber wenn ich mir das genau überlege, auch nicht so ganz viel anders. Außerdem ists viel wienerischer, eher sowas wie: Erotik, an Schnapserl und Walzer“
„Mmmh.“
„Heißt?“
„Okay, warum eigentlich nicht.“

So in etwa hat es sich zugetragen, als ich meinen 19-jährigen Sohn gefragt habe, ob er mit mir in die Freundeskreis-Vorstellung gehen will und ich muss gestehen: wir hatten unseren Spaß!
Das goldgerahmte Bühnenbild ist voll cool. Erst recht, wenn man oben im Rang und damit auf Augenhöhe der Bildmitte sitzt.
Glitzer, Glamour, Übertreibungen, Kitsch, schräge Farb- und Materialkompositionen: nix passt zueinander und damit passt alles.
Die lebendige Musik nimmt einen mit, die Sängerinnen und Sänger singen fantastisch (Anke Krabbe als Rosalinde ist wunderbar!), Chor und Orchester sind einfach klasse!

Die beiden Akte vor der Pause geraten zwar ein bisschen lang aber danach wird’s mit dem super von Wolfgang Reinbacher gespielten Frosch wunderbar quatschig und amüsant und im Nu ist der ganze Spaß vorbei.

Unser Rezept für den Besuch: Allen Ernst zuhause lassen, auf Durchzug schalten und einfach nur die üppig bunten Bilder mit Wiener Musik genießen! Dann wird’s ein schöner lustvoller Abend.
Irgendwie hiphopmäßig eben.

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Vergnügliches und nachdenkliches Wiedererkennen

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Sassa von Roehl über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich nährte mich dem Genre Operette mit einer großen Portion Vorurteilen.
Hätte ich nicht die Ehre Opernscout sein zu dürfen, wäre mir bestimmt nicht eingefallen Karten für eine Aufführung der „Fledermaus“ zu besorgen.
Zu oberflächlich, zu kitschig und zu gestrig waren meine Erwartungen.

Doch es kam anders: gleich die ersten Töne klangen wohlig vertraut in meinen Ohren und nach kurzer Zeit sah ich mich als Fünfjährige vor dem für mich äußerst aufregenden Musikschrank meiner Oma sitzen, erwartungsvoll  die leicht quietschenden Schiebetüren öffnen und in den ordentlich nach Nummern einsortierten Schallplatten kramen.
Anneliese Rothenberger und Rudolf Schock hießen damals Omas Lieblingsinterpreten und oft legte sie die „Fledermaus“ auf. So ließ ich mich versöhnt ein in den knallbunten, ironischen Spaß einer modernen Inszenierung und fühlte mich in weiten Teilen gut und mit einem Augenzwinkern unterhalten.
Die Texte schrammten zwar vor allem im dritten Akt haarscharf an Kalauern und Plattitüden vorbei und trafen nicht immer meinen Geschmack, aber Bühnenbild und Musik entführten mich in die Welt der Illusion mit der Botschaft nicht alles so ernst zu nehmen.
Bei der Ausstattung und den Kostümen fiel mir vor allem die Liebe zum Detail positiv auf, wie zum Beispiel die roten Perücken, Glitzerstiefelchen und pink-silbernen Weltraumrucksäcke der Tänzerinnen.
Die verschieden großen Rahmen, in der die Handlung stattfand lösten den Gedanken aus, dass wir wohl alle eine eigene, kleinere oder größere Bühne brauchen, um uns bei unseren Mitmenschen sichtbar zu machen.

So ging ich leicht beschwingt nach Hause und verstand  zum ersten Mal, warum diese Operette mit dem berühmten zentralen Satz „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist“ zu den Lieblingsstücken meiner unter härtesten Bedingungen aus dem Osten geflohenen Oma zählte: Ich erlebte sie als Kind stets als heitere Frau, die immer zu lustigen Späßen mit mir aufgelegt war.
Und für diese unverhoffte Erkenntnis bin ich richtig dankbar, diese Operette erlebt zu haben.

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Dr. Sassa von Roehl
Social Campaining / Dozentin an der Heinrich-Heine-Universität

Dr. Sassa von Roehl engagiert sich für Zivilcourage und berät Gemeinnützige Projekte im Bereich PR. Als kulturinteressierte besucht sie oft das Theater Duisburg. Sie ist großer Martin Schläpfer Fan, im Bereich Oper allerdings eher ein „interessierter Neuling“. Gespannt startet sie nun in ihre erste Spielzeit als Scout für Oper und Ballett in Düsseldorf.

Abgespaced

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Stefanie Hüber über die Premiere von „Die Fledermaus“

Auch ich bin mit Vorbehalten zu dieser Vorstellung gegangen, da Operettenmusik eigentlich so gar nicht meinem Geschmack entspricht.

Die Fledermaus hatte ich vor vielen Jahren schon mal gehört und gesehen.
Mag es daran gelegen haben oder auch einfach an der Bekanntheit der Melodien, ich glaube, ich kannte sie alle!!!
Obwohl ich auch diesmal die Musik als relativ nichtssagend empfand, so gab es doch ein paar ganz ansprechende Melodien.
Hübsch fand ich das Duett  des Ehepaars Eisenstein im 1. Akt und sehr gut gefiel mir auch die Arie „Brüderlein und Schwesterlein“, gesungen von Dr. Frank bzw. der dazu ausgeführte Zeitlupentanz.

Lavinia Dames Gesang (Adele) hörte ich anfangs mit gemischten Gefühlen zu, da sie im 1. Akt nach meinem Empfinden nicht immer sauber gesungen hat, doch später war ich ganz begeistert von ihrem hellen Sopran.
Die Inszenierung fand ich größtenteils sehr gelungen, super das spacige Bühnenbild im 2. Akt mit all seinem Glamour und Glitter.
Der 3. Akt war äußerst langatmig, so dass ich erleichtert war, als er endete.

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Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.

Amüsant, voller Glanz und Glamour

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Karolina Wais über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wenn man im Internet das Stichwort „Operette“ eintippt, erfährt man, dass es sich dabei um ein musikalisches Bühnenwerk mit gesprochenen Dialogen, heiterer Handlung und leichter, eingehender Musik handelt.
Die Musik „Der Fledermaus“ kennt jeder, denn es ist ein Walzer voller Leichtigkeit, der zum Tanzen regelrecht verlockt.

So entstehen schon ein paar Erwartungen an diesen Premierenabend. Als großer Theaterfan freue ich mich zudem sehr auf Wolfgang Reinbacher, der einen Teil der gesprochenen Dialoge übernimmt.

Diese Inszenierung „Der Fledermaus“ ist eine moderne, das erfährt der Zuschauer ziemlich schnell, als der Vorhang eine Szenerie an einer Straßenlaterne mit Prostituierten lüftet.
Der Ort des Geschehens wird sogar komplett nach Düsseldorf geholt und zwar dann in ein grell schreiendes und luxuriöses Wohnzimmer.

Die Opernsäger*innen meistern Sprechpartien hervorragend und glänzen mit schauspielerischer Leistung. Anke Krabbe (Rosalinde) und Lavinia Dames (Adele) begeistern mich auch gesanglich von Anfang an.

Die Party ist Schauplatz der Intrige und findet in einer glamourösen mit tausend Lichtern ausgekleideten Atmosphäre statt. Die Kostüme sind wunderbar glamourös. Das glitzernde, grüne Kleid von Rosalinde sticht hervor und lässt Anke Krabbe dank der Beleuchtung noch mehr erstrahlen.

Die knappen Outfits der Tänzerinnen passen meiner Meinung nach so gar nicht zu der Abendgarderobe der Gäste. Diese, fast in Bikinis um eine phallusartige Rakete tanzend, werten die festliche Stimmung auf der Bühne ab und hinterlassen einen billigen Nachgeschmack.
Ich denke an diesem Punkt wurde es schlichtweg verpasst, die Inszenierung tatsächlich in das heutige moderne Düsseldorf zu holen, es vielleicht sogar politisch werden zu lassen.  Zumindest hätte ich mir mehr Gleichberechtigung gewünscht: Warum treten nur halbnackte Tänzerinnen, aber keine Tänzer auf?“

Die, förmlich aus dem Rahmen gefallene, letzte Szene ist der große Auftritt von Herrn Frosch, gespielt von Wolfgang Reinbacher. Er ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein hervorragender Komiker, trotz der meiner Meinung nach teilweise flachen Witzen.

Wer das Genre der Operette mag und einen bunten, heiteren Abend mit Witz und Humor erleben will, wird von der Inszenierung von Axel Köhler nicht enttäuscht.

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Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Amüsant und unterhaltsam

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Helma Kremer über die Premiere von „Die Fledermaus“

Wie meine geschätzten Kolleg/ -innen, die anderen Düsseldorfer Opern- und Ballettscouts, bin auch ich weit davon entfernt, ein Operetten-Fan zu sein.
Obwohl es viele Operetten-Arien gibt, die ich wunderschön finde: „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem „Land des Lächelns“ von Franz Léhar, „Komm in die Gondel“ aus „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss (Sohn) und allen voran „La Barcarolle“ aus „Les Contes d’Hoffmann“, eine Arie, die mir  – an besonders plümeranten Tagen – die Tränen in die Augen treibt.
Aber eigentlich ist „Les Contes d’Hoffmann“ eine Phantastische Oper. Das zählt dann wohl nicht… Wie auch immer, eine Operetten-Arie hier und da: Immer gerne – aber so eine ganze Operette am Stück, das wird hart, denke ich mir.

Zunächst bin ich angenehm überrascht. Das schillernde Bühnenbild im 1. Akt gefällt mir. Ziemlich overloaded, aber für einen Abend – oder eine Nacht – geht das schon. Erinnert mich ein wenig an die Zimmer des „Sir & Lady Astor“-Hotels, welches internationale Kulturjournalisten, die wir dort zuweilen, im Rahmen von Pressereisen zum Thema „Kunst in Düsseldorf“ unterbringen, sehr schätzen.

Auch die Besetzung finde ich großartig, besonders Lavinia Dames als Adele, deren Stimme und Gesang mir am besten von allen gefallen, und Anke Krabbe als Rosalinde.
Christoph Filler als Dr. Falk könnte der Sohn von Peter Alexander sein und ist das ideale Schlitzohr.
Nicht zu toppen ist Norbert Ernst als schmieriger Eisenstein.
Die Verpflanzung der Story in die Düsseldorfer Schicki-Micki-Szene ist etwas platt und passt auch einfach nicht zu den schönen Walzer-Klängen.
Die gefallen mir übrigens noch besser als erwartet und lassen auch bei mir Stimmung aufkommen. Vor allem habe ich sie alle irgendwann schon einmal gehört.

Was wiederum gut passt, ist der Bezug zum rheinischen Karneval, der im 2. Akt durch ein Bühnenbild mit noch mehr Glitzer, Flimmer und Bling Bling  im gleich doppelt barocken Bilderrahmen seine Vollendung findet.
Auch die „Kostüme“ halten mit: Die Tänzerinnen sind fast nackt und drängen sich um eine riesige Rakete, frivoler geht es nicht, eine Prise brasilianischer Karneval und Moulin Rouge inklusive.

Im 3. Akt ist dann leider meine Geduld zu Ende, und zwar lange vor Schluss.
Die Handlung spielt im Gefängnis: Das Bühnenbild gleicht als Schauplatz der Kulisse einer abgerockten Party, das wiederum gefällt mir.
Aber sie zieht sich wie Kaugummi, die Handlung. Ich werde wibbelig. Obwohl ich mich wirklich über Wolfgang Reinbacher als Frosch freue, weil ich ihn in früheren Jahren oft im Düsseldorfer Schauspielhaus bewundert habe.
Und flache Witze mag ich auch, in Maßen.

Fazit: Amüsant und unterhaltsam, und ja: irgendwie auch ein Feuerwerk für die Sinne – aber eine solche Art der Unterhaltung löst bei mir, spätestens nach zweieinhalb Stunden, ein Gefühl der Leere aus.
Meine letzte Operette? Nein: Gerade heute habe ich einen heißen Tipp bekommen. Ein echter Opern-Insider empfiehlt mir die Berliner Operette. Zum Beispiel „Der Vetter aus Dingsda“. Viel rustikaler, der Witz intelligenter.
Nun denn, einen Versuch werde ich noch wagen.

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Helma Kremer
Leiterin „Market Development“ bei der Düsseldorf Tourismus GmbH

Helma Kremer arbeitete nach ihrem Studium an der Heinrich-Heine-Universität zunächst an der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Nach einem. Voluntariat im Bereich „Marketing/Presse“ beim Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm sie 2006 den Bereich „Kulturmarketing“bei der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH. Durch ihre Großeltern kam sie bereits als Kind mit der Oper in Kontakt, ihre erste Aufführung im Opernhaus war „Hänsel und Gretel“. Dennoch interessiert sie sich eigentlich eher fürs Ballett, als für die Oper. Sie freut sich in ihrer ersten Spielzeit als Opern- und Ballettscout auf die regelmäßigen Theaterbesuche

Kontrastreich – wunderbar – auf höchstem Niveau!

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Annette Hausmann über die Premiere von „b.42“

Im Vorfeld hatte ich mich bereits aufgrund der hervorragenden Ballettinszenierungen im vergangenen Jahr auf die Premiere „b.42“ gefreut…- und ich muss sagen: ich wurde in keinster Weise enttäuscht!

Square Dance
Wohl überlegt und passend gewählt beginnt der Ballettabend mit Balanchines neoklassischem Stück „Square Dance“.
Auf den ersten Blick ist es Ballett in seiner „Reinform“.
Sechs Tänzerpaare tanzen geordnet auf einer „requisitenlosen“ Bühne, deren Wand türkis beleuchtet ist. Bekleidet sind sie entsprechend ihrer traditionellen, geschlechterspezifischen Rollen mit körperbetonten Trikots in Form von Röcken bzw. Hosen.
Durch Balanchines bewusste Reduzierung auf das Wesentliche tritt die Handlung in den Hintergrund. Stattdessen wird ein Freiraum geschaffen für das rein Visuell-Auditive, für den Tanz und die wundervolle barocke Musik von Vivaldi und Corelli.
Erst dadurch nehme ich die im Verlauf der Inszenierung mit eingeflossenen Elemente des amerikanischen Volkstanzes „Square Dance“ wahr.
So schweben die Tänzer nicht nur mit einer scheinbar sinnlichen Leichtigkeit über die Bühne, sondern zeigen im nächsten Moment ausdrucksstark und mit einer unglaublichen Schnelligkeit Tanzschritte, Figuren und Formationen, die ich in dieser Kombination bislang noch in keiner Ballettaufführung zu sehen bekommen habe. Insbesondere die expressive Beinarbeit fasziniert mich und mein Blick wird magisch davon angezogen.
Die beiden Solotänze von Sonja Dvorak und Orazio Di Bella, die ebenfalls der ehemalige amerikanische Startänzer Bart Cook einstudiert hat, machen deutlich, wieviel an Disziplin, Präzision, Ausdauer und Kraft von den Tänzern abverlangt wird, um Ballettkunst auf höchstem Niveau präsentieren zu können.

Symphonic Poem
Stille… – Dunkelheit…
So beginnt Remus Şucheanăs Uraufführung „Symphonic Poem“, zu der er sich durch die Komposition „Metacosmos“ der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir hat inspirieren lassen.
Inmitten dieser angespannten Stille erwachen die ersten Tänzer und beginnen sich wie tanzende Schatten über weiche fließende Bewegungen aus ihrer Kauerstellung zu befreien.
Mit Einsetzen der „metacosmischen“ Klänge werden für den Zuschauer allmählich die außergewöhnlichen und bunten Kostüme sichtbar, die an Kobolde oder Fabelwesen erinnern. Anfänglich scheinen die Klänge die Körper dieser Wesen in Bewegung zu setzen, doch im Verlauf der sich entfaltenden Klangwelt werden sie mittels ihrer weichen, leisen und oftmals synchronen Bewegungen eins mit dieser Musik und den dargestellten Naturphänomenen.
Es ist ein Geben und Nehmen, ein Kommen und Gehen…

Şucheană ist es auf geniale Weise gelungen, seine Ballettinszenierung auf drei Ebenen (Orchestergraben, Bühne und über den Tänzern schwebende Schlagzeuger-Podeste) „spielen“ zu lassen, um so den Untergrund, die Erde und den Himmel darzustellen. Chapeau!

Reformationssymphonie
Mit Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ ist der Spannungsbogen des Ballettabends „b.42“ vollendet. Wieviel Tiefgründiges, Sinnliches und zugleich aufwühlend Nachdenkliches in einer Choreographie „stecken“ kann, die eine historische, lutherbezogene Geschichte vom Glauben und (Ver-)Zweifeln erzählt, hat Schläpfer wieder einmal bewiesen.

Gleich zu Beginn werde ich mit Gegensätzen und Kontrasten konfrontiert, die mich spüren lassen, dass ich keine Zeit zum Träumen habe, sondern gesellschaftskritisch mitdenken und konzentriert sein muss.
Wie aus dem dunklen Schein der Nacht treten die Tänzer tippelnd, dynamisch in einheitlichen, enganliegenden schwarzen Trikots auf die Bühne. Die traditionellen Geschlechterrollen verschwimmen… – Männer, die anmutig im Duett miteinander tanzen oder Frauen, die sich impulsiv und lautstark mit schwarzen Spitzenschuhen „Gehör“ verschaffen. Ausgelöst durch diese Art der Inszenierung und die dazu passende, ausdrucksstarke Musik von Mendelssohn-Bartholdy lassen mich die Gedanken vom Drang nach Freiheit, aber gleichzeitigem Gefangensein, von der Individualität und Gleichheit eines jeden Menschen und dem Wunsch nach Harmonie trotz immerwährender Kämpfe nicht los und beschäftigen mich noch nachhaltig.

„b.42“ ist absolut empfehlenswert: kontrastreich – wunderbar – auf höchstem Niveau!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an einer Montessori-Grundschule in Duisburg-Bissingheim, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Der Austausch zwischen den Opernscouts schaffe „eine andere Wahrnehmung von Oper und Ballett“. In ihrer ersten Spielzeit begeistert sie ganz besonders  Martin Schläpfers Ballett „Schwanensee“: „Mit seiner Kraft und Ausdrucksstärke war es eine der genialsten Vorstellungen meines Lebens“.

 

Einfach Grandios

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Stefan Pütz über die Premiere von “ I puritani“

Rolando Villazón hat diese klassische Oper im“ Belcanto“ mit einem hervorragenden Orchester, großer schauspielerischer Qualität und allen Facetten des Liebesdramas inszeniert.
Ein großartiges passendes Bühnenbild, starke Chöre, passende „puritanische“ Kostüme,  phantastische Musik und eine hervorragende Besetzung konnten mich absolut überzeugen.
Die Handlung des Stücks ist „mager“ und sehr überschaubar – kann aber vernachlässigt werden… Adela Zaharia spielte die verwirrte, liebeskranke, verstörte Elvira, die Wandlungen und  Veränderungen nicht verstehen kann und dem Wahnsinn verfällt. Der Onkel  (Bogdan Talos), aber auch der junge Geliebte (Tenor Ioan Hotea) konnten mich auch an mancher Stelle gesanglich überzeugen.
Adela Zaharia ist jedoch für mich unschlagbar und jeder Freund der klassischen Oper sollte sie sehen  und hören wollen! Villazón ließ sich einige interessante Dinge einfallen, die eine bereichernde Ergänzung zu der doch sehr überschaubaren Handlung darstellten

… ein wirklich grandioser Abend!!

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Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Ein Kessel Buntes

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Michael Langenberger über die Premiere von „Die Fledermaus“

Die Operette “Die Fledermaus” steht auf dem Programm.
Zugang dazu findet man nicht alleine dadurch, dass man die Eingangstür der Oper durchschreitet, sondern sollte auch gleich seine Vorurteile zusammen mit dem Mantel an der Garderobe abgeben. Gar nicht so einfach.
Handelt es sich bei dem Stück von Johann Straus (Sohn), auf Anraten seiner Frau, doch um eine Arbeit, die von vornherein kommerziell angedacht ist. Die weitere Vermarktung durch Funk und Fernsehen in den 1960er/70er Jahren, mit den klischeebehafteten Unterhaltungsgrößen der damaligen Zeit, hinterliessen, zumindest bei mir, tiefe ablehnende Spuren.

Und nun sitze ich im Zuschauerraum der Oper. Die Ouvertüre begrüßt mich gleich mit bekannten Klängen. Der Vorhang hebt sich, um ein monströses Bühnenbild zwischen Traditionellem und Modernem freizugeben.
Es gibt viel zu sehen – und weiterhin bekannte Melodien zu hören. Adele, gespielt von Lavinia Dames, hebt, überrascht durch ein Telefonat auf Ihrem Handy, zu ihren ersten Tönen an. Ein netter Gag, finde ich.
Der Saal goutiert solche Regieeinfälle hier und da mit raunendem Lächeln.
Immer wieder ist den Machern für die Düsseldorfer Inszenierung etwas Unerwartetes und Amüsantes eingefallen, mit dem die Zuschauer überrascht werden. Es wird gesungen und gespielt, was das Zeug hergibt.
Unterhaltung pur, kurzweilig und amüsant obendrein.

Was diese Inszenierung für mich von den für mich klischeebildenden Vorlagen unterscheidet: Jeder Akteur ist wichtig, unterwirft sich der best möglichen Qualität seines Tuns.
Es geht nicht darum sich als einzelner Akteur hervorzutun, sondern fühlt sich dem Werk als Ganzes – ganz unkommerziell – nur dem Besten was man kann und hat verpflichtet. Ob Bühnenbild, Kostüme, Tanzeinlagen, Chorgesänge – egal, jeder unterwirft sich dem Stück und handelt nicht zum eigenen Ruhm.

Um das gesprochene Wort übergangslos mit den Gesängen zu verbinden, muss der Musikgraben weit mehr darauf achten, was auf der Bühne passiert, als das sonst in einer Oper erforderlich ist, wo einzelne Arien zumeist sauber getrennt von rezitierten Worten stehen.
Die übergangslosen Einsätze sind den Düsseldorfer Symphonikern unter Leitung von Benjamin Reiners vorzüglich gelungen.

Wer bis zur Pause noch nicht amüsiert war, nach der Pause wird ein ganzer Kessel Gags über das Publikum ausgeschüttet. Eine Mischung aus Wiener Leichtigkeit und Düsseldorfer Karneval, oft scharf auf der Grenze zum platten Klamauk – hier und da leider jenseits der Grenze…

Alles in allem war es ein bunter Abend leichter Unterhaltung und eingängigen Klängen. Ich meine, wer sich mal (wieder) eine Operette ansehen will bekommt hier etwas richtig Gutes geboten, fernab vom Streben nach Kommerz und Personenkult und einfach nur bester Qualität in allen Gewerken verpflichtet.
Ich bin froh, diese Inszenierung der Fledermaus gesehen zu haben, gehe zur Garderobe, hole meinen Mantel ab und weiss nicht so genau, ob ich meine eingangs abgegeben Vorurteile an der Garderobe liegen lassen soll.

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Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt Standard, Latein, Salsa und Modern Contemporary. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze. Bei der Bewertungen von Inszenierung versteht er sich nicht als „visuellen“ sondern als „akustischen Menschen“.

Täubchen, holdes Täubchen mein

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Markus Wendel über die Premiere von „Die Fledermaus“

Der vergangenen Premiere von „Die Fledermaus“ bin ich ehrlicherweise mit gemischten Gefühlen entgegengetreten. Ich mag keine Operetten und ich mag auch keine klamaukigen Verwechslungskomödien.
Im Ergebnis, und das möchte ich vorwegnehmen, fühlte ich mich dennoch ganz wunderbar unterhalten.

Die „Fledermaus“ bedient in der Düsseldorfer Inszenierung alles, was Kitsch und Klischee so hergeben können: quietschbunte Farben, Glitzer, Federn und halbnackte Tänzerinnen. Alles mit großer Lebendigkeit.
Einige der Szenen könnten unverändert ihren Weg in Richtung Friedrichstadtpalast antreten. Die wahrscheinlich jedem bekannte Musik ist eingängig, und der hierdurch induzierte Bewegungsdrang bei vielen im Publikum nicht zu unterdrücken.

Ich bin von mir selbst überrascht, denn ich gehe wirklich mit dem Stück mit. Selbst die Verortung nach Düsseldorf und Anspielungen auf einen ehemaligen Oberbürgermeister stören mich nicht (bei der aktuellen Götterdämmerung ist das anders).
Auch der Humor, der sich anfühlt wie die alten Fernsehfilme mit Uschi Glas und Theo Lingen, ist aufgrund der schauspielerischen Leistungen überzeugend und kommt an. Erst als auf der Bühne mit Federn geschmückte rosa Astronautinnen auftreten, ist auch bei mir eine Grenze erreicht.

Lavinia Dames in der Rolle der Adele darf für ihren Gesang und ihre wahnsinnig gute schauspielerische Performance verdient den größten Applaus ernten.
Ebenso ist der überwiegend schauspielerische Part des „Frosch“, verkörpert von Wolfgang Reinbacher ein wahrhaftes Erlebnis.

Mein Ausflug in die Welt der Operette wird dennoch binnen der kommenden Jahrzehnte wahrscheinlich auf den vergangenen Abend begrenzt bleiben.
Nicht, weil es nicht gut war, sondern schlichtweg, weil es wirklich nicht meinen Musikgeschmack trifft.
In diesem Sinne: „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“

Markus_Wendel

Markus Wendel
Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz

Markus Wendel ist schon seit langem Opernfan. Seine erste Begegnung mit Wagners „Götterdämmerung“ hatte er im Jahr 2003 im Düsseldorfer Opernhaus und war sehr begeistert.
Durch die vergangene Spielzeit als Opernscout haben sich sein „Horizont und Empfinden erweitert“. Überrascht war er davon, dass die Ballettinszenierungen 2018/19 ihn sogar mehr faszinierten als die Operninszenierungen.

Ein sehr abwechslungsreicher Ballettabend

Cellokonzertch:Martin Schläpfer
Cellokonzert ch:Martin Schläpfer

Stefan Pütz über die Premiere von „b.41“

„Forgotten Land“ von Jiri Kiliáns mit der Sinfonia da Requiem von Benjamin Britten:
Ein phantastisches Bühnenbild, passende Kostüme, bei grandioser Musik:
Sechs Paare tanzen vor einer beeindruckenden, düsteren Meereslandschaft – ein toller Anfang!

Lamentation” und „Steps in the Street” von Martha Graham:
Nun folgt mit Martha Grahams Lamentation ein Stück strenger Konzentration, reduziert auf puristische Kostüme und wenige kraftvolle Gesten.
Auch das zweite Stück Grahams, Steps in the Street, besticht durch klare und drastische Formsprache.
Das Stück wirkt modern und mitreißend und regt zur Diskussion an.

Nach der zweiten Pause kam dann Schläpfers neuestes Werk,zur Musik des zweiten Cellokonzertes von Schostakowitsch:
Wieder einmal wird eine große Geschichte mit enormer Besetzung erzählt, die meines Erachtens nicht zu Ende erzählt wird.
Ein lebendiges Treibens, bunte Kostüme, sehr viele Aktionen und  viele parallel verlaufende Geschichten, aber kein wirklicher Erzählstrang …
Einen roten Faden konnte ich nicht erkennen aber das ist nicht immer wichtig …

Da dieses Stück einen starken Kontrapunkt zu den vorherigen „strengen“ Stücken bildete, war der Abend für mich ein großer Genuss …

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Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Weltraumdschungelkönige

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Sandra Christmann über die Premiere von „Die Fledermaus“

Hatte das Johann Strauss im Sinn?

Ich bin für Blödsinnigkeit durchaus zu haben – diese hat Axel Köhler vollends ausgeschöpft.

Dank Frank Philipp Schlössmann konnten wir doch noch einen Blick in das Wohnzimmer von Gianni Versace werfen – imponierend! Direkt gefolgt von dem „kleinen“ Gatsby Arrangement in der Big Bang Theorie Raketenstation. All das im goldenen Rahmen, wie wir ihn zu Großmutters Zeiten kennen, barock, prunkvoll und nur für Jagdszenen zu verwenden. Das Ganze mit  80er Jahre Lichtinstallationen einer Roller Blade Disco aus Wisconsin verhübscht.

Überraschend, voll ausgetobt, aber exzellent im Detail und somit eine der Disziplinen, die den Abend bereichert haben.

In gleicher Manier die Köstüme. Pornös:
Biene Maja im Weltraumglitzer-Suit, Lack, Plastik-Glamour, Leopardenprints, Negligees, Hotpants, bedruckte Männerslips, Table Dance Schürzen-Outfits – ein Fest.
Ein bunter Mix aus galaktischem Holiday on Ice Trash und Altweiber auf der Ratinger nach 20.00 Uhr.

Gesanglich war ganz klar Adele, gesungen von Lavinia Dames meine Favoritin – raumgreifend, durchdringend und auch schauspielerisch überzeugend. Bezaubernd.
Und natürlich hat Wolfgang Reinbacher den Frosch einverleibt und mit den ihm nun mal vorgegeben textlichen Plattheiten charmant performed.

Soweit: Und doch schmeckt die Inszenierung nach an einem großen Eintopf aus Klimbim, Ohnsorgtheater und Zirkusdirektorenauftritte mit einer Priese Peinlichkeit…
Es tat auch punktuell weh.

Wir haben durchaus viel gelacht, keine Frage, Sie kennen das, wenn es kippt, wenn es so plakativ grotesk schreit, dass man lachen muss.

Die Musik passte tatsächlich, der fröhliche Walzer  –  hätte aber durchaus im österreichischen Kontext bestehen bleiben können – die Inszenierung ins NRW Gefüge , dem Düsseldorfer Politklüngel und der Steigenbergerhäme zu setzen, erinnerte ein bisschen an die Frankenheimkiste der Götterdämmerung vor 1 Jahr. Und war nur angetriggert, somit nicht überzeugend.

Meine erste und letzte Operette?: Absolut Ja!

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Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Ein grandioses Werk

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Stefan Pütz über die Premiere von „Samson et Dalila“

„Samson et Dalila“ – ein grandioses Werk von Camille Saint-Saëns

Schon der Beginn der aus dem Untergrund hochfahrende Chor der Bauarbeitersklaven, die mit ihren Stirnlampen das Publikum blenden ist beeindruckend. In dieser Aufführung sind alle Elemente der klassischen Oper enthalten: Kampf, Widerstand, Rache, Gier, Liebe, Eifersucht, Verzweiflung, Intrige, Mordlust, Verrat, Größenwahn und der unausweichliche Untergang.
Gesanglich und schauspielerisch ist Ramona Zaharia als Dalila dominant – eine „Wucht“. Sie ist in ihrer mit ihrer Stimme immer präsent und verführerisch. Der Höhepunkt ist ihre Arie, „Mon cœur s’ouvre à ta voix“ mit Samson.
Auch Michael Weinius als Samson überzeugt ebenso stimmlich, doch schauspielerisch „fehlt da ein wenig“.
Der Oberpriester Dagon, super gut gespielt und gesungen von Simon Neal gefiel mir auch sehr. Besonders die Chöre, Dalila und das große Orchester unter der Leitung von Marie Jacquot, konnten an diesem Abend gefallen.

Ein toller Abend!

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Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung in Unterbilk. Bei Kulturveranstaltungen ist er gern mit einem Büchertisch präsent, denn direkter Kontakt zu Kunden und persönliche Beratung sind ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett. Wagner Inszenierungen findet er grundsätzlich nicht sonderlich unterhaltsam, vom Ring am Rhein war er allerdings hellauf begeistert. Die Wagner Inszenierungen der Deutschen Oper am Rhein sind „besser als anderswo“.

Beschwingte Unterhaltung – aber banal und seicht

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Hubert Kolb über die Premiere von „Die Fledermaus“

Operette muss man mögen heißt es, ich mag sie nicht. Klischeehafte Charaktere, oberflächliche Texte die zu banal sind, um wirklich lustig zu sein, und billige Situationskomik. Immerhin kenne ich jetzt dieses früher sehr beliebte Werk.

Was hat mir gefallen? Eine Augenweide waren die von einem barocken Bilderrahmen eingefasste Bühne, die bunten Kostüme, die Personenregie und Choreographie. Da war Schwung drin. Regisseur Axel Köhler versuchte eine Auffrischung des Stückes durch viele aktuelle und lokale Bezüge, und durch eine ironische Überhöhung des Geschehens. Oft war das nicht überzeugend. Die Abfolge weithin bekannte „Wiener“ Melodien regte zunächst an, begann dann aber zu ermüden. Dirigent Benjamin Reiners vermied den schmalzigen Klang und brachte viel erfrischende Dynamik in die Musik. Die Singstimmen waren fast allesamt herrlich anzuhören und passten in der Klangfarbe gut zusammen. Adele (Lavinia Dames) erhielt mit Recht den stärksten Applaus, abgesehen vom Interpreten der Sprechrolle des Gefängniswärters Frosch, dem 81-jährigen Wolfgang Reinbacher vom D’Haus. Leider waren viele seiner Bemerkungen etwas seicht und von vordergründigem Humor. In dieser Phase ging der Schwung der Aufführung verloren, und man wartete auf ein Ende des letzten Aktes. Zum Schlussgeschehen viel dem Regisseur leider nichts Originelles oder wenigstens Belebendes ein.

Fazit: Der schwungvolle Beginn, die Bühne, Kostüme und fröhliche Musik regen an, dann aber geht Vieles in Klamauk, Banalität und spannungsarmer Handlung unter.

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Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.

 

Ein großartiger Ballettabend

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Michael Menge über die Premiere von „b.42“

Ein Premierenabend, von dem der Klang der Bewegungen in mir lange nachhallen wird.

Blau, Grau und klar beginnt die Vorstellung mit einem Ballett von George Balanchine, das durch die Reduktion auf den absoluten Ausdruck des Körpers die Musik für das Publikum sichtbar werden lässt. Die klassische Choreografie die ihre beeindruckende Tiefe durch Präzision erzeugt, wird durch witzige und lebendige Elemente die die naive Freude an der Bewegung ausdrücken überraschend nahbar. Man bekommt den Eindruck, dass dem Betrachter*in ein leichterer Zugang geschenkt wird, da er/sie sich in seiner/ihrer fehlerhaften Menschlichkeit wieder erkennt.

Natur, Glitzer und Weiblichkeit bestimmen die zweite Choreografie des Abends zu der Musik von Anna Thorvaldsdottir die einen zu Beginn erst mal mit einer endlosen Stille alleine lässt.
Die Basis der ersten Ballett-Aufführung bestand aus einer klaren Struktur zwischen den Geschlechtern, der Reduktion auf den Menschen und der Visualisierung von Musik. Die Ballettchoreografie von Remus Şucheană hat mit diesen Parametern nur wenig zu tun. Er inszeniert Mutternatur durch eine in den Mittelpunkt gestellte Weiblichkeit der Tänzerinnen neben denen die männlichen Künstler nur eine schüchterne Nebenrolle spielen. Die Musik von Anna Thorvaldsdottir beginnt sehr vorsichtig und sanft und steigert sich im Laufe der Inszenierung zu einem komplexen und dramatischen Klanggebäude was die Tänzer*innen für Ihre Bewegungen nutzen.

Das Spiel mit nicht definierten oder vertauschten Geschlechterrollen, der Kampf um Individualität und die bedrohliche Kraft der Masse in einem leeren Raum bestimmen die Dramatik des Stückes von Martin Schläpfer. Man bekommt den Eindruck, dass es nicht um den Ausdruck und die Bewegung geht, aus denen die Choreografie besteht, sondern dass Martin Schläpfer sein Ballett von der Reduktion auf die körperliche Kraft der Tänzer*innen befreit und dadurch einen Schritt weiter geht als die beiden anderen Inszenierungen. Damit bildet diese Choreografie zu der komplexen und vielfältigen Musik von Mendelssohn einen grandiosen Abschluss.

Die kuratierte Abfolge der drei Ballettchoreografien macht diesen Abend zu etwas Großartigem.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Michael Menge
Selbstständiger Grafikdesigner

Michael Menge ist Inhaber der Designagentur „Oppa Franz“ aus Duisburg. Im Dialog mit seinen Kunden schaut der Art Direktor und Designer genau hin: „Es geht uns um den ganzheitlichen Charakter eines Unternehmens. Denn interessante Persönlichkeiten sind nicht perfekt – und spannende Marken auch nicht.“ Als Opernneuling gestartet, hat er an dieser Kunstform großen Gefallen gefunden: „Duisburg bietet vielschichtiges, modernes Musiktheater und kann auf dieses Angebot sehr stolz sein.“

Sehr gelungener Abend!

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Christiane Hain über die Premiere von „b.42“

Ein dreiteiliger Ballettabend, der so unterschiedlich ist und doch die Lust und Kunst an der Umsetzung des Tanzes zur Musik vereint.

Den Auftakt macht George Balanchines ‚Square Dance‘ – Eine Mischung von bekannter barocker Musik von Vivaldi und Corelli, des akademischen, klassischen Balletts, einem amerikanischen Volkstanz und einer schlichten blauen Bühne. Die Duisburger Balletcompanie setzt hervorragend die technisch sehr anspruchsvolle Choreografie bei hohem Tempo um. Man muss sich bei der New York City Ballett Stiftung bewerben, und nur wenn man technisch gut genug ist, werden die Stücke mit einem Ex Tänzer des Balletts – in diesem Falle ist es Bart Cook – einstudiert. Dies allein spricht schon für sich. Neoklassisistische Ballette von Balanchine stehen für reines Ballett, nur auf das Notwendigste reduziert, d.h. kein Bühnenbild und einfache, aber wirkungsvolle Kostüme der Tänzer, bei denen man jedem Muskel bewundern kann. Vom amerikanischen Square Dance erkennt man gewisse Strukturen, die Solisten übernehmen teilweise die Funktion des Callers und so vermischen sich Soli und Tanz des Corps de Ballett sehr harmonisch. Im Gegensatz zum klassischen Ballett werden die einzelnen Bewegungen nicht ganz bis zum letzten Präzision ausgeführt oder es werden Figuren aus dem Volkstanz in klassische Bewegungen umgesetzt.

Im Gegensatz dazu steht die Uraufführungvon ‚Symphonic Poem‘ der Choreografie des Ballettdirektors Remus Sucheana (ein ehemaliger Tänzer der Companie) bei seiner Inszenierung einer isländischen zeitgenössischen Musik von Anna Thorvaldsdottir. Die Bühne ist effektvoll mit Licht ausgeleuchtet. Die Tänzer und Musiker teilen sich auf drei Ebenden auf. Drei Schlagzeuger schweben auf der Bühne, die anderen Musiker sind im Orcherstergraben und in der Mitte befinden sich die Tänzer. Diese tragen erdfarbende Kostüme wobei die Männer eher schlichte Kutten tragen und die Frauen – märchenhafte, aufwendige geschnittene Kleidung und somit scheinen eher Wesen als Menschen auf der Bühne zu tanzen. Der Beginn ist schon sehr ungewöhnlich, da die Tänzer minutenlang ohne Musik tanzen und beim Zuschauer sich die Spannung auf die Musik, den ersten Ton erhöht. Dieses Stück ist eher ausdruckstänzerisch geprägt. Der Tanz ist anfänglich leicht und beschwingt und steigert sich im Lauf des Stückes. Die Musik ist bei weitem nicht so harmonisch wie die barocke Musik, aber sehr außergewöhnlich und so gegensätzlich und gewaltig, wie die Natur in Island.

Den Schlusspunkt bildet Martin Schläpfers zeitgenössische Interpretation von Mendelsohns Reformationsymphonie –eine geistliche, tragende Musik, die nicht so eingängig ist, wie Corelli oder Vivaldi. Die Tänzer sind in schwarze Trikots gekleidet. Ein Bühnenbild gibt es nicht. Als Zuschauer kann man sich ganz auf die Tänzer und deren Bewegungen zur Musik konzentrieren. Die Bewegungen, die Schläpfer seine Tänzer ausüben lässt, sind teilweise sehr ungewöhnlich, überraschend für ein Ballett, passen aber hervorragend zur Musik und sind ein Markenzeichen des Choreographen. Es ist ungewöhnlich Männer in Frauen Posen zu sehen und auch Frauen, die in schwarzen Spitzenschuhen tanzen, diese aber nicht zart und leise nutzen, sondern hart in den Boden rammen. Frauen übernehmen scheinbar die Männerrolle.  Ein Stück voller Gegensätze.

Sehr gelungener Abend!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Düsseldorf. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Ihre Tätigkeit als Opernscout führt dazu, dass sie wieder bewusster ins Theater geht und die Aufführungen als einen wichtigen Ausgleich zum Berufsleben betrachtet.

Eine Empfehlung – „b.42“!

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Dagmar Ohlwein über die Premiere von „b.42“

Dieser Ballettabend hat bei mir, eine wenig erfahrene Ballett-Zuschauerin, einen tiefen Eindruck hinterlassen. Bis auf Martin Schläpfer waren mir die beiden weiteren Choreographen des Ballettabends unbekannt.

Im ersten Stück des Abends „Square Dance“ von George Balanchine wurde die Musik von Antonio Vivaldi und Arcangelo Corelli vertanzt. Die Künstler erschienen in transparenten, weissen/grauen Kostümen auf der Bühne. Der Tanz wirkte leicht und unangestrengt, mehr im klassischen Ballettstil angesiedelt als im modernen Ballett. Erst im weiteren Verlauf der tänzerischen Darbietungen wurde mir die Verbindung zum amerikanischen Square Dance deutlicher. Die rechteckige Anordnung der Tanzpaare, die im schnellen Wechsel stattfindenden Neuformationen rechtfertigten den Titel dieser Choreographie. Am Schluss der Aufführung erschienen die 4 Soloviolinisten auf der Bühne, wie es bei einem typischen amerikanischen Square Dance Abend üblich ist. Dieses Angleichen eines volkstümlichen Tanzes in die Ballettwelt ist großartig. Sowohl die TänzerInnen als auch die Musiker waren hervorragend in der gesamten Umsetzung dieses Stückes.

Das zweite Ballett „Symphonic Poem“ unter der Choreographie  von Remus Şucheană beeindruckte mich mit seiner Musik und den Kostümen der TänzerInnen besonders. Metacosmos von Anna Thorvaldsdottir war nicht „atonal“, wie ich es befürchtet hatte, sondern eine für mich sehr eindringliche, emotionale Musik. Die Komposition allein ruft Bilder einer wilden Natur und elementarer Gewalten wach. Sie wurde durch den Tanz und durch die starken Farben der Kostüme noch lebendiger. Die Verkörperung der Elemente, die aus vermeintlich tiefem Schlaf in wilde, ungebändigte Bewegungen aufbrechen, war phantastisch. Die optischen Effekte dieses Balletts im Zusammenhang mit dem über der Bühne freischwebenden Schlagzeugensemble bildeten für mich eine Einheit mit dem Können und den Darbietungen der TänzerInnen. Das tänzerische Können aller Protagonisten war im ersten Stück des Abends deutlich sichtbarer, für mich bei Symphonic Poem allerdings nicht weniger großartig.

Martin Schläpfers Reformationssymphonie war insgesamt für mich gesehen der Höhepunkt des Abends. Die in meinen Augen unübertroffene Kunst Herrn Schläpfers in einem Ballett so viel Emotionalität, so viel Tiefe und Eindringlichkeit zu schaffen, kam auch hier wieder zum Ausdruck. In der Schläpfer Kompanie wirkt jeder Tänzer, sich seiner Verantwortung zeitgenössische und ausdrucksstarke Tanzkunst zu zeigen, sehr bewusst. Kerstin Feig und Julie Thirault verstanden es, das in dieser Einstudierung herauszuarbeiten. Durch die tänzerische Darbietung wurde mir die Felix Mendelsohn Bartholdy Sinfonie näher gebracht. Wie viel in einer Ballettaufführung steckt und welch hohe Kunst es ist, tänzerisch Themen darzustellen, ist mir an diesem Ballettabend  in großartiger Weise klar geworden. Eine Empfehlung – „b.42“!

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Dagmar Ohlwein
Rentnerin

Die Physiotherapeutin ist gerade im Ruhestand angekommen und widmet nun einen großen Teil ihrer Zeit der Kultur. Das heißt für sie regelmäßig diverse Kulturangebote warzunehmen. Als Jugendliche hat sie „direkt um die Ecke“ vom Theater Duisburg gelebt und so schon immer viel Kontakt zur Kunst gehabt. Sie ist sehr gespannt auf ihr erstes Jahr als Duisburger Opern- und Ballettscout und freut sich auf die Saison 2019/20.

Einfach genial!

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Vinuar Amuka über die Premiere von „b.42“

Die Aufführung „b.42“ vereint drei einzelne Ballettstücke, die von unterschiedlichen Richtungen geprägt sind.

Zu Beginn wird das Ballettstück „Square Dance“ von George Balanchine aufgeführt.
Es ist klassisch geprägt, mit schlichter Kostümierung, die die Körper der Tänzer in den Vordergrund stellen soll.
Die Licht- und Schattenspiele betonen die Proportionen der darstellenden Tänzer, die anmutig und adrett eine fröhliche und idealisierte Welt dem Zuschauer präsentieren.
Die Leichtigkeit, der teils schwebende Anblick der Tänzer, setzt eine Präzision der Darbietung voraus und spricht für eine hohe tänzerische Fähigkeit des Ensembles.

Darauf folgend wird das Ballettstück „Symphonic Poem“ von Remus Şucheană aufgeführt.
Die ersten Minuten werden musikalisch nicht begleitet und sind von Stille geprägt.
Gespannt wartet man auf den Anfang der Musik und versucht gleichzeitig im Dunkeln der Bühne die Silhouetten der Tänzer zu erkennen.
Überraschend zeigen sich Bewegungen aus dem Bühnenbild heraus, die dann als Tänzer hervortreten.
Die Kostümierung der Tänzerinnen sind in Naturtönen gehalten, entfalten sich organisch und in sich verschlungen nach außen.
Die Kostümierung der Tänzer sind ebenfalls in Naturtönen gehalten, sind aber entlang des Körpers geschnitten.
Die Musik von Anna Thorvaldsdottir nimmt die Tänzer auf, umhüllt sie und trägt sie mit sich. Ähnlich einer Welle, die aufwirbelt und mitträgt, entwickelt sich im fließenden Übergang der Tanz der Darsteller hin zu einer aufbrausenden Brandung ins Finale.
Von Anfang an dominiert die Weiblichkeit durch die kraftvolle und maskuline Darstellung der Tänzerinnen.
Die Darbietung erzeugt Spannung, fesselt und macht neugierig auf die Entwicklung der Handlung.

Zuletzt wird das Ballettstück „Reformationssymphonie“ von Martin Schläpfer aufgeführt.
Zu Beginn führen männliche Tänzer im Duett eine weiblich anmutende Choreografie auf. Das Duett erweitert sich bis hin zum Ensemble.
Die Tänzer sind schwarz kostümiert, sogar die Spitzenschuhe der Tänzerinnen sind in schwarz gehalten. Das Bühnenbild ist ebenfalls in schwarz gehalten.
Die Rollen der Tänzer werden durch Lichteffekte betont. Hierbei dominiert zuerst die Weiblichkeit, die sich durch das Auftippen der Ballettschläppchen hörbar macht, militärisch ähnlich.
Die Tanzgruppe wird im Verlauf der Handlung zunehmend homogener im Ausdruck und geschlechtsunspezifischer in der Darstellung, fokussierend auf ein Tanzpaar, das im Tanz auseinander driftet.
Während die Frau nach dem Ablösen vom Mann in der Gruppe aufgeht, verzweifelt der Mann und geht von der Masse ausgestoßen zugrunde.
Es bleibt unbeantwortet, ob der Mann durch die Ablösung der Frau oder durch die bestimmende und abweisende Masse verzweifelt und zugrunde geht.
Gerade diese letzte Szene wirkt verstörend sowie aufregend auf den Zuschauer und hinterlässt die Erwartung an einer Lösung. Dieses Ballettstück ist einfach genial und exzellent!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Vinuar Amuka
Sozialpädagogische Familienhelferin

Die 37 jährige Irakerin lebt seit ihrer Jugend in Deutschland und arbeitet als sozialpädagogische Familienhelferin. Sie hegt eine starke Begeisterung für Oper und Ballett. Um Inszenierungen besser bewerten und nachvollziehen zu können nimmt sie Gesangs- und Klavierunterricht. Als Scout erhofft sie sich die Oper noch intensiver zu erleben und wahrzunehmen. Sie findet, dass man in der Oper „vielem aus dem realen Leben begegnet, aber ganz anders damit umgeht“.

Es darf gestaunt, geschmunzelt und applaudiert werden

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Ballett der Staatsoper Hannover „Daphnis / Lost Love“ ein Ballettabend von Jörg Mannes

Jürgen Ingenhaag über die Premiere von „b.42“

„b.42“ hat das, was einen kurzweiligen Ballettabend ausmacht: mal klassisch-schön oder experimentell, mal bunt oder schwarz-weiß. Es darf gestaunt, zwischendurch applaudiert und sogar geschmunzelt werden.

Großartige Tanzkunst und vollkommene Körper gibt es bei „Square Dance“ von George Balanchine zu bestaunen. Das Wechselspiel von Ensemble- und Solo-Tanz zu den schnellen und langsamen Sätzen der Barockmusik ist stimmig.

Beim „Symphonic Poem“ von Remus Şucheană wird Neuland zwischen Feuer und Eis betreten. Nach langer Stille setzt die experimentelle Musik der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir ein. Die Tänzer in ihren futuristischen und farbigen Kostümen sind eine Augenweide, allen voran Marlúcia do Amaral. Auch das Bühnenbild beeindruckt, und ganz toll finde ich die Idee der drei Podeste mit den „Schießbuden“ der drei Schlagwerker um Kersten Stahlbaum & Co.

Nach der zweiten Pause folgt Martin Schläpfers Choreographie „Reformationssymphonie“, die man vielleicht bald zu seinen Klassikern zählen darf. Es ist faszinierend, dass sich die Tänzer sowohl leicht als auch kraftvoll auf Zehenspitzen bewegen können. Diese Inszenierung lebt auch durch den Schwarz-Weiß-Kontrast – „aus dem Licht ins Dunkel“ oder umgekehrt?

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Jürgen Ingenhaag
Fachkraft für Arbeitssicherheit

Als Vorstandsmitglied der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg organisiert Jürgen Ingenhaag klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Als Opernscout versteht er sich als „Botschafter für das Theater Duisburg“. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge“. Seine Leidenschaft für Rock- und Popmusik hat ihn nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden.

Größte Vielfalt für Auge und Ohr

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von „b.42“

Der neue Ballettabend „b.42“ ist ein beeindruckendes ästhetisches Erlebnis. Dreiteilig angelegt bietet der Abend größte Vielfalt für Auge und Ohr, spannende musikalische und tänzerische Variation. Den Anfang macht George Balanchines Ballett Square Dance: 1957 in New York uraufgeführt, im Ablauf und Kostümen aber bis heute unverändert, ist es in seiner schlichten, tänzerisch reinen und reduzierten Art ein wunderbarer Auftakt. Die freie, ganz undekorierte und nur sanft-fahl beleuchtete Bühne ist der Schauplatz für sechs Tänzerpaare, die in weißen hautengen Anzügen/Trikots und Spitzenschuhen eine vierteilige Tanz-„Revue“ zeigen. Nach „klassischem Ballett“ sieht es aus und einen Moment lang unerwartet und überraschend wirkt dazu die barocke Musik von Vivaldi und Corelli. Balanchines Devise „ein Ballett mag eine Handlung haben, aber das visuelle Spiel, nicht die Handlung ist wesentlich“ wird sichtbar: Die vier Teile des Balletts, bestehend aus Ensembles in verschiedenen Variationen, Pas de Deux sowie auch Soli, entführen in eine Welt, in der es weniger um das Erzählen einer Geschichte geht, sondern um das Wahrnehmen von Bildern und die Freude an der geordneten künstlerisch gestalteten Bewegung.

Musikalisch neu und fremd kommt das zweite Ballett daher: das Werk Metacosmos der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir, ein Klang- und Geräuschwirrwarr mit übereinandergeschichteten Tönen, Klangfetzen Melodiefragmenten dient Remus Șucheană für sein ästhetisch aufregendes Ballett Symphonic Poem, das hier uraufgeführt wurde. Aufwendige Kostüme mit weiten Trompetenärmeln, unkonventionellen Hüten fesseln das Auge und laden zum wilden Assoziieren ein… Eine ideenreiche Bewegungswelt eröffnet Remus Șucheană über die ersten 10 Minuten des Werkes hinweg, in denen sich von einem einzigen leisen tiefen Ton ausgehend eine groß angelegte vielfach dissonante Steigerung aufbaut. Nach dem wüsten Höhepunkt, auf dem sich die Welle gebrochen hat (in einem nach erlösenden großen Unisono des Orchesters), ebbt die Welle langsam ab und kommt in kleinen Bewegungen zur Ruhe.

Martin Schläpfers puristische Reformationssymphonie vollendet die Trias des Abends. Zum dritten Mal wählt er ein symphonisches Werk für eine Choreographie und sagt: Eine Sinfonie als Ballett funktioniert nur, wenn alle Tänzerinnen und Tänzer realisieren, wie wesentlich ihre Energie, ihr Geist ist, sich alle wie die einzelnen Stimmen im Orchester zu einem Ganzen fügen…“. Und sein Anspruch, „sich dem orchestralen Klang entgegenzustellen – ihm zu begegnen durch Präsenz, Magie, Fokus und nicht allein durch körperliche Kraft“, ist vollends erfüllt, die Compagnie setzt das präzise und überzeugend um. In schwarze, enge Anzüge gekleidet verschwindet der Unterschied zwischen Männern und Frauen, die Tänzerschar bildet eine Einheit, formiert sich ständig neu, stetig auf der Suche nach den tieferen Fragen des Menschseins… Ein einzelnes Solo kurz vor Ende, intensiv und eindringlich wie ein Gebet getanzt, lässt auch die sakrale Komponente der Reformationssymphonie augenfällig werden. Die schlicht blau beleuchtete Bühne, die Tänzer in schwarzem Kostüm und eine bis ins Detail ausgefeilte und nach dem Gehalt der  Musik horchende Choreographie: das ist tief beeindruckend und gibt reichlich zum Nachdenken und „Heraus- bzw. Hineinlesen“ mit auf den Weg… Eine große Bereicherung.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Nach den Premieren schätzt sie die Gespräche mit den anderen Scouts, die den eigenen Blickwinkel erweitern.

Der ganze Abend ein Gesamtkunstwerk

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Mila Langbehn über die Premiere von „b.42“

Was für eine faszinierende Komposition diese drei Werke miteinander ergeben, ein zutiefst berührendes Gesamtkunstwerk!

Im Licht der blauen Stunde beginnt der Abend mit einer sinnlich-locker-lässig-eleganten Variante des klassischen Balletts. Der Tanz als Verbildlichung von Klang, zeigt sich hier ganz im Dienste der lyrischen Musik: in vielen Sprüngen, scheinbar von Schwerkraft befreit und in langen Armen, die weiche Wellen in den Raum zeichnen. Die Kostüme sind wie eine zweite Haut, hell pastellfarben, den Körper umschmeichelnd. Das weiche Licht auf den geschmeidig Tanzenden wird durch das strahlende Türkisblau der Kulisse gesteigert.

Danach wird es dunkel, aber farbenreicher: wesenhaft, fast animalisch bevölkern die Tanzenden die Bühne. Das kunstvoll gemalte Bühnenbild erinnert mich an Astwerk im Wind. In diesem stark die Phantasie anregenden Stück erscheinen die Tanzenden in ihren aufwendigen Kostümen teils wie Fische oder Vögel, teils wie rollende Findlinge oder Wellen. Die abstrakte Musik nehme ich kaum wahr, wie eine gelungene Filmmusik verschmilzt sie einfach mit dem Geschehen. Und das, obwohl drei Musiker äußerst präsent über dem Geschehen schweben.

Im letzten Stück befinden wir uns wiederum in einer sehr handfesten Welt der Körperkraft, menschlicher Leidenschaft und hartem Schwarz-Weiß. Sehr spannungsreich lösen sich die weißen Körper aus dem tiefen Schatten der Kulisse und verschwinden wieder darin. Die Grenzen zum Tanztheater werden überschritten, große Gesten knallen ins grelle Streiflicht. Hier erleben wir Muskelmacht und Kraft! Dieses Stück ist so wuchtig wie das erste zart ist, so laut wie das zweite leise ist.

Vieles gäbe es noch zu sagen über diesen sinnesbetörenden Abend mit Standing Ovations. Ein Detail nur zum Schluss: In der Dichte sinnlicher Eleganz und dramatischer Düsternis war dennoch Platz für Humor, für drollig-trollhaft Marschierende oder eine freche Primaballerina, die X-Beine macht. Perfekt!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Mila Langbehn
Landart-Künstlerin

Die selbstständige Landart-Künstlerin hat als Amateur-Tänzerin mit klassischer Ausbildung selbst öfter auf der Bühne gestanden. Heute beschäftigt sie sich mit Landschaftskunst. Kunstaustellungen. Beim Theatererlebnis fasziniert sie insbesondere das Zusammenspiel aus den verschiedenen Komponenten Musik, Kostüm, Bühnenbild und Gesang. Besuche im Theater sind für sie ein angenehmer Gegensatz zum alltäglichen Leben und aus den Vorstellungen zieht sie oft auch Inspiration und Vergleicht diese mit ihrer eigenen Arbeit.

Eine wundervolle Komposition

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Miriam Kasten über die Premiere von „b.42“

Als eingefleischter Ballett-Fan habe ich mich sehr auf „b.42“ gefreut. Choreographien von Balanchine haben mich schon als Kind begeistert und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Balanchine ist Ballett in Perfektion. Den Tänzern wird alles abverlangt. Es ist eine perfekte Mischung aus Leichtigkeit und Eleganz gepaart mit großen Gesten und Stärke. Durchweg sind die Tänzer hoch Konzentriert und strahlen dennoch sehr die Freude aus die sie bei diesem Stück haben. Das Bühnenbild ist lediglich eine blaue Wand und sonst nur die nackte Bühne. Es wird sich auf das wesentliche konzentriert was ich für perfekt halte. Die Kostüme sind ein transparenter Hauch von nichts damit die Körper perfekt zur Geltung kommen. Der Applaus und die Bravo rufe am Ende dieses Teils sprechen für sich.

Der zweite Teil des Abends von Remus Sucheana startet düster und still. Lediglich Umrisse von einigen wenigen Tänzern sind auf der Bühne zu erkennen. Es bleibt sehr lange still, ein mutiger Zug von Sucheana, eine schwere Aufgabe für das Publikum. Nur ganz langsam werden einige Lichtstreifen auf der Bühne hell und dazu startet eine Klangwelt der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir. Ebenso langsam steigert sich der Tanz von vorsichtigen Bewegungen bis hin zu einem Vulkanausbruch. Island ist allgegenwärtig, ebenso im Bühnenbild bei dem man an Schnee und schwarzes Vulkangestein denken muss. Eine wundervolle Komposition in der Musk und Tanz Eins werden.

Den Abschluss macht Martin Schläpfers Reformationssymphonie. Von Beginn an eine sehr kraftvolle Choreographie. Die Tänzer allesamt in den gleichen schwarzen Trikots. Die Herren tanzen filigran, die Damen poltern schweren Schrittes in schwarzen Spitzenschuhen auf die Bühne. Die Geschlechterrolle ist getauscht und verschwimmt schließlich. Lediglich die unkoordinierte Darstellung des verzweifelten Luthers passt mir nicht ins Bild und lenkt mich vom restlichen Tanz ab. Auf der Bühne sucht man vergeblich ein Bühnenbild. Es gibt keins. Auch hier steht der Tanz absolut im Vordergrund.

Über den kompletten Abend bringen alle Tänzer eine tief beeindruckende Leistung. Scheinbar Minuten lang stehen sie unbewegt auf den Spitzen. Das Gesamtbild ist wunderschön und durch die hervorragende Leistung der Philharmoniker wird es zu einem echten Erlebnis. Von mir eine ganz klare Empfehlung.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Als großer Ballettfan hat sie Martin Schläpfers „Schwanensee“ in der Spielzeit 2018/19 positiv überrascht und die „Götterdämmerung“ in der Mercatorhalle vollkommen begeistert.

Alles nur eine Frage der Kommunikation…

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Benedikt Stahl über die Premiere von „I puritani“

Zwischen den Jahren. Irgendwo in Nordholland. Nach einem ausgiebigen Strandspaziergang bei dem der Blick bis zum Horizont und vielleicht auch ein wenig in das Dahinter die Stimmung prägt. Ein leckeres Abendessen mit einem guten Glas Wein.

„Hast Du eigentlich Deinen Operntext zu I Puritani schon geschrieben?“

„Nein, ehrlich gesagt noch nicht. Mit dem Weihnachtsfest und den vielen schönen und fröhlichen Begegnungen mit der Familie und Freunden gab es einfach noch keine Zeit dafür. Aber wo Du mich gerade fragst, was würdest Du denn so im Nachhinein sagen?“

„Na, ich würde zum Beispiel etwas über die sehr gute Musik schreiben. Die sehr schönen Arien und Duette. Adela Zaharia als Elvira, sie ist wunderbar! Bogdan Taloş als Sir Giorgio, der vom ersten Moment an so präsent ist. Günes Gürle als Lord Gualtiero Valton mit unglaublicher Tiefe. Der Chor und das Orchester, richtig stark!“

„Ja, das war wirklich eine beeindruckende Inszenierung und die Musik von Bellini zieht einen im Laufe des Abends immer mehr in ihren Bann, verzaubert geradezu!“

„Die Bühne fand ich auch toll! Die einfache Szene, das Licht, die Raumideen.“

„Nicht unbedingt ganz mein Höhepunkt und über die Plastikgewehre sehe ich mal lieber großzügig hinweg, das war überflüssiges Zeug. Das Schlichte aber und sowohl die düsteren Farben wie auch die Kostüme fand ich ganz stimmig.“

„Du hast Recht, die Musik war wirklich wunderschön. Die Handlung jedoch ziemlich verdreht, vor allem die Texte.“

„Allerdings, ziemlich verworrenes Zeug. Ähnlich abstrus wie die Wagnerschen Wortfantastereien. Als wir nach der Pause ganz vorne am Orchestergraben saßen, konnte man die Übertitelung ohnehin kaum noch lesen. Das war im Grunde auch vollkommen unnötig, die Dramatik der Klänge und die Bilder auf der Bühne sprechen für sich. Wenn man dann noch die Gelegenheit hat den Dirigenten Antonio Fogliano zu beobachten, mit welcher Hingabe und Inbrunst er das Stück leitet, dann ist jedes Wort überflüssig. Und was den Inhalt betrifft: Du würdest wahrscheinlich sagen, alles nur eine Frage der Kommunikation. Hätten die alle mal vernünftig miteinander geredet, hätte es mit Sicherheit kein solches Drama gegeben.“

„Das stimmt. Nur, was ist schon eine Oper ohne ein richtiges Drama?“

„In der Tat und ein wunderbarer Abend war es auch!“

In diesem Sinne, und passend zum Jahreswechsel, ein ganz großes Dankeschön an alle Beteiligten, insbesondere an Tanja Brill und ihre Mitarbeiter, die uns immer so nett betreuen, die Sänger, die Musiker, das Personal, die Opernleitung, allen, die dazu beitragen, dass so etwas möglich ist!

Von Herzen auch ein Dank an Judith, mit der ich schon so viele schöne Opernabende erleben durfte und deren Begleitung jede Aufführung einzigartig macht!

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit. Wenn in einer Inszenierung alle komponenten gut zusammenkommen dann entsteht „ein großes Kunstwerk“ und in der Deutschen Oper am Rhein ist „immer was für einen dabei“. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit von Oper und Ballett.

Ein beeindruckender Abend

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Karolina Wais über die Premiere von „I puritani“

Der Anfang der Oper wird durch ein stilles Schauspiel vollzogen, so dass ich mich komplett in das Bühnenbild verlieren kann. Das Bühnenbild ist fantastisch. Die Wände sind erstmal holzvertäfelt und von einem Klinker umrahmt. In der Mitte ist eine runde Öffnung. Es ist unverkennbar, dass hier gleichzeitig die Kirche und das Parlament repräsentiert wird.

Im Laufe des Stücks wird ersichtlich wie sehr das Bühnenbild durch Lichtspiele wandelbar ist. Die Lichteffekte unterstreichen gekonnt die Stimmung, die gerade auf der Bühne herrscht. Je nachdem ob es Trauer, Verzweiflung oder Freude ist.

Im zweiten Akt wird die Holvertäfelung von den Wänden entfernt, die Atmosphäre, die dadurch entsteht, unterstreicht Elviras Wahnsinn perfekt.

Am besten gefällt mir aber der Augenblick, in dem das Bühnenbild zum Teil hochgefahren wird und ein Wald dahinter zum Vorschein kommt. Wirklich atemberaubend, besonders wenn man nicht darauf vorbereitet ist.

Die Kostüme der Puritaner sind in schlichtem Schwarz gehalten, das Schwarz wird aber durch ebenfalls schwarze Ledereinsätze gebrochen. Die Schlichtheit der Kostüme der Puritaner unterstreicht die pompösen, vorwiegend in lila gehaltenen Kostümen der Royalisten. Die Kostüme fügen sich perfekt in das Bühnenbild ein.

Ich freue mich Adela Zaharia, die Elvira spielt erlebt haben zu dürfen. Ihre Stimme, ihre Körpersprache zeugt von Perfektion. So sehr, dass ich ihren Wahnsinn spüren und nachvollziehen kann, den Wahnsinn von ihrem Geliebten von jetzt auf gleich verlassen worden zu sein.

Das Stück ist für meinen Begriff schauspielerisch und gesangstechnisch tadellos besetzt, von jedem einzelnen Sänger bis hin zu dem Chor.

Das Orchester umrahmt die Vorstellung zusätzlich akustisch hervorragend und macht es zu einem beeindruckenden Opernabend, der zu Recht mit Standing Ovations gehuldigt wird.

Karolina_Wais

Karolina Wais
Steuerfachangestellte bei Selas Wärmetechnik GmbH in Ratingen

Karolina Wais ist großer Schauspielfan und wagt sich nun mit Offenheit und großem Interesse an die Kunstform der Oper heran. Sie lässt sich gerne überraschen und geht deshalb als „unbeschriebenes Blatt“ in Inszenierungen und informiert sich erst im Nachhinein über die tatsächliche Handlung der Stücke.
Jetzt freut sie sich auf ihre erste Spielzeit als Scout und darauf die Kunstformen Oper und Ballett näher kennenzulernen.

Ein genussvoller Abend

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Stefanie Hüber über die Premiere von „I puritani“

Die Premiere von „I puritani“ einer Oper in 3 Akten von Vincenco Bellini hat mir einen sehr genussvollen Abend beschert.  Die Inszenierung von Rolando Villazón war meines Erachtens nach sehr ansprechend und auch das nicht dem Original entsprechende Ende war äußerst gelungen.

Obwohl die Handlung der Oper mit 2 Sätzen erzählt ist und keine spannenden Wendungen bietet ( und das bei einer Länge von 3 Stunden!) habe ich mich keinen Moment gelangweilt.
Die einzelnen Szenen gingen fliessend ineinander über und es waren häufig sehr viele Darsteller auf der Bühne, so dass für den Zuschauer wenig Verschnaufpause blieb.
Jedoch empfand ich diese Tatsache nicht als überfrachtend, sondern dies führte zu einer Dynamik, die die Aufführung aufgrund des schon erwähnten Handlungsmangels sonst leicht als langatmig hätte erscheinen lassen.
Dadurch gab es jedoch viel zu entdecken und zu bestaunen und auch die in die Handlung eingebauten Umbauten geschahen spielerisch und fliessend.

Auch das Bühnenbild von Dieter Richter hat mir gefallen: Minimalistisch und doch nicht ZU cool,es unterstrich den puritanischen Gedanken ebenso wie die schlichten Kostüme, gestaltet von Susanne Hubrich.

Gesanglich überzeugte  die komplette Besetzung, doch vor allem die grandiose Besetzung der Elvira durch Adela Zaharia liess mich noch Tage später schwärmen, WAS FÜR EINE STIMME!!!

Sie besitzt auch viel schauspielerisches Talent und verkörperte dadurch die Rolle der, erst sehr mädchenhaften und später dem Wahnsinn verfallenden Elvira, großartig.

Stefanie_Hüber

Stefanie Hüber
Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin arbeitet überwiegend mit psychisch kranken Menschen und nutzt Musik als Mittel der Therapie. Sie sang im Kammerchor und lernte als Kind Klavier und Blockflöte zu spielen.
Die Oper wurde ihr als Kind von ihren Eltern „vermiest“ aber sie fand einen neuen Zugang zu ihr durch ihre Tochter, die Musik studierte. Inzwischen ist die Oper ebenso wie Rockkonzerte ein spannendes und regelmäßiges Highlight in ihrem Leben.