So herrlich selbsterklärend

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ Camille Andriot (Odile) FOTO: Gert Weigelt

Alexandra Schiess über die Premiere von Martin Schläpfers ,,Schwanensee“

Die Ballettpremiere Schwanensee von Martin Schläpfer ergreift mich auch knapp zwei Wochen danach, nachhaltig. Für mich ist es ein emotional sehr berührendes Handlungsballett der Sonderklasse.

Die so allseits bekannte, wie tragend, anregende Komposition Tschaikowskys erhält in diesem wundervoll inszenierten Ballett eine völlig neue Interpretation. Musik und Tanz fusionieren derartig schön, aber auch anders, dass das Märchen des Schwanensees auf eine ganz selbstverständliche Art nacherzählt wird. Klar, verständlich werden über den Tanz die Charaktere und die Handlung hervorgehoben. Es braucht weder aufwendiges Bühnenbild, noch auffällige Kostüme. Beides fügt sich wahrhaftig leise in das Gesamtbild ein und spiegelt die Persönlichkeiten in ihrer Stimmung und ihrem Umfeld wieder. Die Solisten als auch das Corps de Ballett haben mich, wirklich jeder in seiner Rolle, begeistert. Jede Tänzerin, jeder Tänzer beweist eine große Darstellungskraft, tänzerisch als auch schauspielerisch.

Bestimmte Stilmomente regten zum Nachdenken an, wie das sekundenlange ‚Nachhallen‘ des Tanzes ohne Musik- ein typischer Moment für Martin Schläpfer. Emotionen wie Freude, Wut und Traurigkeit wirken getanzt so herrlich selbsterklärend. Man taucht ab in dieses Märchen, leidet, hofft und bangt mit Siegfried, wünscht, dass alles gut wird… und so verzweifelt selbst der Betrachter am Ende des Stückes, denn hier heißt es nicht, wie im Märchen gewohnt, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Alexandra Schiess
Modedesignerin

Alexandra Schiess war Opernscout der ersten Stunde: Schon in der Spielzeit 2009/10 lernte sie das Projekt kennen und war sofort begeistert, Teil des Experiments zu sein. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und freut sich, ein zweites Mal – diesmal in Duisburg – dabei sein zu dürfen. Vor allem der Tanz fasziniert die Modedesignerin, die ihre Kollektionen sowohl in Deutschland als auch international, wie zum Beispiel in Paris, Rom und San Francisco vermarktet: Sie erstellte Kostümbilder für Ballettproduktionen in Dortmund und Hannover und pflegt eine enge Beziehung zum Ballett am Rhein. Der Oper begegnet sie mit Respekt und Freude und ist gespannt auf die neue Spielzeit.

 

Bewegende Eindrücke

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg SCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer

Dominik Mustereit über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Die Premiere von Schwanensee in Duisburg war für mich ein besonderer Abend. Zum ersten Mal als Opernscout in der Oper am Rhein in Duisburg und zum ersten Mal durfte ich die bewegenden Eindrücke eines Handlungsballetts erleben.

Rundum war es ein gelungener Abend, der mir sicher noch lange in positiver Erinnerung bleiben wird. Die Erzählweise des Balletts war für mich eine völlig neue, ja fast fremd. Dennoch fühlte ich mich schnell in die Geschichte hineingesogen. Durch den Ausdruck und die Hingabe der Tänzerinnen und Tänzer wurde man in die Stimmung der Szenerie geleitet. Hier zeigte sich eine bedeutende schauspielerische Leistung.

Von einer fröhlichen Stimmung zum Einstieg – hin zu einer tiefen Trauer, Leid und Schmerz am Ende des Stückes zeigten ein so weites emotionales Spektrum auf, welches sich kaum in Worte fassen lässt. Ohne eine nennenswerte Erfahrung mit dem Ballett generell und ohne eine klassische „Schwanensee-Erfahrung“, war die moderne Choreografie für mich eine sehr zugängliche Art und Weise in das Stück zu finden, ganz ohne opulente Bühnenbilder und Ballettröckchen.

Mit Hochachtung vor der künstlerischen Leistung, einer fesselnden Geschichte, die durch eine bewegende musikalische Begleitung noch weiter überzeugen konnte, kann ich nur sagen, dass mich Schwanensee und die Choreografie von Martin Schläpfer noch sicher weiter beschäftigen wird.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Dominik Mustereit
Gymnasiallehrer in Dinslaken

Dominik Mustereit unterrichtet Biologie und Evangelische Religion am Otto-Hahn-Gymnasium Dinslaken. Als Opernscout möchte er die Welt der Oper und des Balletts näher kennen lernen und „sprachfähig“ werden, das heißt durch die regelmäßigen Opern- und Ballettbesuche, das genaue  Betrachten, Besprechen und Beschreiben der Aufführungen die eigene Meinung zu bilden und auszudrücken

 

 

Martin Schläpfer und ein Erzählballett

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg SCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer

Myriam Kasten über die Premiere von Martin Schläpfers ,,Schwanensee“

Das Herr Schläpfer sich an Schwanensee „heranwagt“ erstaunte mich, wo er so etwas zuvor noch nie gemacht hatte. Dieser Abend war für mich mit sehr gegensätzlichen Emotionen gefüllt, da ich Schwanensee bisher nur in klassischen Inszenierungen gesehen hatte.  Schläpfer hat es geschafft eine unheimliche Spannung aufzubauen und das Publikum in seinen Bann zu ziehen.  Alle Tänzer, allen voran Odette und Siegfried haben eine unfassbare Leistung gezeigt. Durch den Tanz und die Gestik konnte man auch ohne die klassischen Kostüme sehr gut die einzelnen Charaktere erkennen. Es gibt mutige und unerwartete Passagen deren Choreographie mich begeistert hat. Das Odette und Odile zwei verschiedene Tänzerinnen sind hat mir hingegen nicht gefallen. Gerade diese Tänzerische Leistung, beide zu verkörpern, ist es die mich bei Schwanensee besonders fasziniert.  Und sprechen wir über die angewinkelten Füße die sich inzwischen etabliert zu haben scheinen. Es gab einige wenige Passagen wo es tatsächlich passte, aber an einigen Stellen störte es das zauberhafte Gesamtbild.  Die Musik von Tschaikowsky ist dramatisch und genau so dramatisch war oft auch die Choreographie. Es passte einfach. Schauen Sie es sich an.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Myriam Kasten
Projektmanagerin Tourismus bei Duisburg Kontor GmbH

Die gelernte Fotografin hat die Liebe zu ihrer Heimatstadt zum Beruf gemacht: Als Projektmanagerin im Bereich Tourismus gibt sie ihre eigene Begeisterung für die Stadt an Besuchergruppen weiter. Für sie ist das Theater Duisburg einer der großen Anziehungspunkte der Stadt. Hier hat sie schon als Kind viel Zeit verbracht – häufig nahmen sie die Eltern ins Theater mit. Ballettunterricht und das eigene Tanzen verstärkten die  Begeisterung für Musik und Tanz, besonders für die Choreographien von Youri Vàmos.

 

 

Eine absolute Meisterleistung!

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
Marlúcia do Amaral (Odette) und Marcos Menha (Siegfried) FOTO: Gert Weigelt

Annette Hausmann über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Bereits vor Beginn der Premiere von Martin Schläpfers ,,Schwanensee“- Aufführung war mir bewusst, dass sich diese Inszenierung von den mir bisher bekannten klassischen Schwanensee- Interpretationen unterscheiden wird. Doch was Martin Schläpfer mit seiner meisterhaft- modernen und zugleich anmutig-zauberhaften Choreographie geschaffen hat, übertraf meine Erwartungen – der Abend war ein Traum!!!

Dazu die wunderbare Musik von Tschaikowsky: mal dramatisch-packend und im nächsten Moment leicht und verträumt, aber immer im Einklang mit der jeweiligen Balletthandlung – exzellent von den Duisburger Symphonikern umgesetzt. Besonders gelungen empfand ich die Musikpausen im ersten Akt. Sie gaben mir Zeit, aufgebaute Spannung abzubauen und mich ganz auf die Tänzer und ihre expressiven Gefühle und Gedanken einzulassen. Das gesamte Tänzerensemble – mit anderen Worten: Die Hauptpersonen des Abends überzeugten durch ihre tänzerischen Qualitäten und zogen alle Zuschauer mit ihrer dynamisch-lustvollen und zugleich anmutig-verspielten Art des Ausdruckballetts in ihren Bann.

Marcos Menha in der Rolle des ,,Siegfrieds“ und Marlúcia do Amaral als ,,Odette“ waren ein zauberhaftes Paar, das nicht nur in der Geschichte, sondern auch tänzerisch füreinander bestimmt war. Durch ihre gegenseitige Zuneigung und Liebe tanzten sich beide immer wieder ,,frei“, wollten sich nicht den gesellschaftlichen Zwängen oder gar der bösen Zaubermacht unterwerfen. So dramatisch der ,,Liebesverrat“ in Schwanensee auch endet, so genial wurde er umgesetzt: Siegfried trägt voller Trauer und körperlicher Anspannung, aber dennoch mit einer gewissen Zuversicht und Leichtigkeit seine geliebte Odette als sterbenden Schwan von der Bühne.

Durch die Reduktion auf das Wesentliche – einschließlich der Bühnenbilder und Kostüme der Tänzer – ist es Martin Schläpfer gelungen, die ,, Schwanensee“- Handlung als Zuschauer auch ohne Worte in ihrer ganzen Vielfalt und Gegensätzlichkeit zu verstehen und sie wie einen wunderbaren Traum in sich ,,aufzusaugen“

Kurz und gut: eine absolute Meisterleistung!

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

Eine gelungene zeitgenössische Version

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg SCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer

Christiane Hain über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Zu Anfang war ich sehr skeptisch und konnte mir gar nicht vorstellen, was mich bei einer Schwanensee Aufführung in Kombination mit der Choreographie von Martin Schläpfer erwartet.

Mich hat seit langem mal wieder ein Ballett und seine zeitgenössische Umsetzung fasziniert. Diese Inszenierung hat mich richtig berührt. Die Entscheidung sich an dem Orginal Libretto zu halten, die Kleidung und das Bühnenbild sehr einfach zu gestalten, führte dazu dass man sich komplett mit der Geschichte und der Musik auseinander setzt. Gut empfand ich auch die gute und die böse Seite durch die Farbgestaltung der Kleidung schwarz und weiß zu unterstreichen.

Als besonders gelungen empfand ich die kurzen Pausen bei der Musik in denen aber die Künstler weiter ihre Rolle spielten oder tanzten. Es führte dazu, dass sich der Zuschauer der Musik noch nachhängen kann, überrascht wurde und aber zeitgleich sich auf die neue Szene neu konzentrierte. Die dann neu einsetzende Musik wurde viel intensiver empfunden.

Die Musik und den Tanz habe ich als eine Symbiose, als eine Einheit empfunden. Eigentlich möchte ich keine einzelne künstlerische Leistung hervorheben, da ich alle Tänzer auf der Bühne gut fand. Aber das letzte Pas de deux von Siegfried und Odette war noch einmal ein Höhepunkt zum Ende des Balletts.

Ich empfehle allen in das Ballett zu gehen und sich eine, wie ich finde, gelungene zeitgenössische Version des Klassikers Schwanensee anzuschauen.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout.

 

Mit großer Theatralik erzählt..

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ Marcos Menha, Marúcia do Amaral FOTO: Gert Weigelt

Jürgen Ingenhaag über die Premiere von Martin Schläpfers  „Schwanensee“

Mittlerweise weiß das Publikum, dass es beim Choreographen Martin Schläpfer keine kitschig-bunten Ballettabende erwarten darf. Die 36. Ballettproduktion, Tschaikowskys „Schwanensee“-Märchen, wird von Menschen in dezenten Kostümen, aber mit großer Theatralik erzählt.
Die Fest-Szene des 1. Akts erinnerte mich ein wenig an ein Oktoberfest, da gab es für Mann und Frau viel zu schauen. Die Bühnenbilder sollten nicht ablenken und alle Aufmerksamkeit den Tänzern gelten. Hier wird nicht immer alles „auf die Spitze getrieben/getanzt“ und trotz der Musik auch kein klassischer Walzer getanzt. Schläpfers Choreographie überrascht immer wieder mit starken beeindruckenden Figuren. Grandios fand ich den hin- und hergerissenen Prinzen Siegfried (Marcos Menha), der von Anfang bis Ende präsent war. Der Zusammenbruch von Siegfrieds Mutter, der Königin (Virginia Segarra Vidal), am Ende des 3. Akts hat mich sehr berührt. Dramatischer Höhepunkt war zweifellos nach verratener Liebe Odettes „Schwanentod“ (Marlúcia do Amaral).
Irritierend empfand ich die vielen Unterbrechungen in der Musik, doch bei all der Stille verhielt sich das Premierenpublikum diszipliniert ruhig. Den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Aziz Shokhakimov gilt Dank und Lob, hervorzuheben die Harfensoli von Verena Plettner. Die großartige Orchestermusik von Peter Tschaikowsky hat nicht nur mir den Zugang in den Konzertsaal oder ins Theater eröffnet, deshalb kann ich nur empfehlen: Rein ins Stadttheater, Handy aus, Licht aus, Vorhang auf, das Spiel beginnt – ganz ohne Gesang…

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

Das Ende ist der Tod der Liebe an sich

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ FOTO: Gert Weigelt

Moritz Besel über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Die Musik setzt ein, der eiserne Vorhang bleibt geschlossen. Die Musik spielt weiter, der Vorhang bleibt zu. Schließlich öffnet er sich und die Feierlichkeiten zum Geburtstag des Prinzen sind im vollen Gange. Das Bühnenbild ist opulent, fast romantisch, erinnert ans Musical und bricht mit der Erwartung einer modernen Inszenierung. Ab dem zweiten Akt wird die Handlung stilisierter, ebenso das Bühnenbild. Das entspricht schon eher den Erwartungen, zwei Würfel, die den Himmel darstellen und einige Leuchtstreifen als Horizont im Hintergrund. Hier kann sich der Tanz, die Musik und die Geschichte entfalten, ohne in Opulenz unterzugehen.

Die Musik hört auf, nun geht der Tanz weiter. Diese Sequenzen wirken zu Beginn verwirrend, da die Musik so perfekt zum Tanz zu passen scheint, doch später sind sie als Stilmittel erkennbar. Der Geist kommt zur Ruhe, kann das Gesehene verarbeiten. Schon Orson Welles fand, dass man sich auf Reisen verliert – Die Seele brauche Zeit um nachzukommen. Diese kleinen musikfreien Intermezzos scheinen genau diesen Zweck zu erfüllen. Das Ende dagegen ist abrupt und wirkt nach. Odette stirbt , der eiserne Vorhang knallt zu. So leicht wie ein Märchen begonnen ist das Ende der Tod der Liebe an sich.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Moritz Besel
Inhaber ,,Der Farbklecks – Einrahmungen, Künstlerbedarf, Geschenke‘‘

Seit nunmehr zwölf Jahren arbeitet Moritz Besel im „Farbklecks“, der Duisburger Adresse für Künstlerbedarf und Einrahmungen. Nebenbei studierte er Medien- und Kommunikations­management und bereitete sich auf die Übernahme des Geschäfts vor: Seit 1. Januar 2018 ist er dessen Inhaber. Berührung mit dem Theater hatte Moritz Besel schon früh durch seinen Onkel Rainer Besel, Gründer des Duisburger Theaters „kreuz & quer“.

 

 

So neu, so schön, so gut verständlich

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ FOTO: Gert Weigelt

Isabel Fedrizzi über die Premiere von Martin Schläpfers „Schwanensee“

Märchen werden so lang lebendig bleiben, wie es Erzähler gibt. Und wenn der Erzähler wie in diesem Fall der aktuellen Premiere des „Schwanensee“-Balletts in Duisburg Martin Schläpfer heißt und die vermeintlich altbekannte und vertraute „Schwanengeschichte“ so neu, so schön, so gut verständlich und so berührend erzählt, sollte es auch immer Zuhörer/Zuschauer geben. Die Fassungen und Varianten des Schwanensee  dürften zahllos sein und wirklich Jedermann bewahrt doch vor seinem inneren Auge die Bilder romantischer weißer Schwäne mit wippendem Tutu. Um zu erleben, wie ein Schwanensee im Jahr 2018 ohne aufwendige Staffage „funktionieren“ kann, einfach als getanzt-erzählte Geschichte, ist der Besuch dieses faszinierenden, überraschenden, fesselnden und bewegenden Abends ein Muss!

Es hat 36 Ballette lang (b.36) gedauert, bis sich der in seinem Denken und Choreografieren der Jetztzeit verhaftete Choreograph Martin Schläpfer dieses „alten“ Märchens angenommen und als Ergebnis dieses packende Tanz-Kunstwerk in Form eines Handlungsballetts auf die Bühne gebracht hat. Gespickt mit Symbolen beim Bühnenbild und den Kostümen (goldene Bilderrahmen für das adelige Ambiente, Hosenträger und Westen für das Volk, Farbspiel mit Weiß und Schwarz für Gut und Böse, Stein und Wolken für die freie Natur, Säulen für den Tanzsaal) kommen eben diese Symbole alle modernisiert zum Einsatz (stilisierte, eckige Säulen, leere Bilderrahmen, vor denen der Tanz selbst zum „Bild“ wird, schlicht-schöne weiße Kleider und Kostüme, die dem Handlungsfluss untergeordnet sind). Überraschend sind Schläpfers Momente der Stille im 2 Akt – ohne Musik, nur Tanz, manchmal in Zeitlupe: Ein Effekt, der den Fokus wieder ganz aufs Weitererzählen richtet und Raum fürs Auge lässt, fürs Detail und das Sammeln der Konzentration. Dieses Wort beschreibt diesen Abend treffend: die Handlung ist konzentriert, gekürzt,  der Musik hier nicht untergeordnet, sondern gleichberechtigt erzählt. Die Musik wurde durch ein paar Striche konzentriert auf die Teile, die die Geschichte vorantreiben, das Bühnenbild reduziert sich auf wesentliche Versatzstücke, das Licht konzentriert sich auf das Notwendige (obwohl auch im Schatten manchmal Wichtiges geschieht). Vor der Konzentration der Akteure – also  der tänzerischen Leistung und dem schauspielerischen und körperlichen Ausdruck, der „sprechender“ nicht hätte sein können, kann man nur niederknien.

Diese geballte Konzentration springt aufs Publikum über, bündelt unmerklich die Aufmerksamkeit und hält die Spannung hoch – bis zum schmerzvollen Ende, bei dem sie sich in Form von Emotionen und echtem Mitfühlen mit den Charakteren entlädt. Sicher ist es diese in jedem Detail hohe Qualität und durchdachte Konsequenz der Choreographie und Inszenierung, die am Ende generationenübergreifend für Ovationen gesorgt hat. Man verlässt den Saal bewegt, begeistert und nimmt diese faszinierende Gefühlswelt mit nach Hause. Größtes Lob: so fesselnd muss ein Ballett heute erst einmal gelingen… Unbedingt ansehen und sich verzaubern lassen!

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Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

 

 

 

 

Ein gelungener, wenn nicht sogar grandioser Schwanensee

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ FOTO: Gert Weigelt

Katrin Gehlen über die Ballettpremiere „Schwanensee“

Er war mir nicht mehr in Erinnerung, mein letzter „Schwanensee“, zu lange war es her. Aber wenn doch, dann stelle ich ihn mir eher klassisch vor. Da mich die letzten, gerade die modernen Ballettvorführungen sehr begeistert hatten, war ich nun sehr gespannt, was denn nun kommt. Wirklich modern, oder doch eher klassisch?
Modern! Dieser „Schwanensee“ war auf fantastische Art und Weise choreographiert, ganz nach Martin Schläpfer, mit den grandiosen Tänzern des Ensembles und zu der traumhaften Musik von Peter I. Tschaikowsky. Der Abend war ein Traum. Die Krönung waren eindeutig die Kostüme der Schwanenfrauen: Tagsüber tragen die Schwäne, die im Bann der bösen Stiefmutter gefangen sind, einen wunderbar leichten, optisch schwebenden Federrock, den sie nachts ablegen, wenn sie sich für kurze Zeit in Frauen zurück verwandeln. Einziger Störfaktor für mich persönlich war am Ende der etwas zu dramatische Gesichtsausdruck des sterbenden weißen Schwans. Das ganze Stück war für sich so wunderbar reduziert, tänzerisch so kraftvoll und ausdrucksstark, dass ich mir persönlich weniger Mimik der Tänzerin gewünscht hätte.

Opernscouts 2017Katrin Gehlen
Modedesignerin

Katrin Gehlen ist als Modedesignerin spezialisiert auf individuelle Maßanfertigungen. Menschen, die wie sie selbst künstlerisch tätig sind, lädt sie in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit ihrem Mann zum Kreativtreff „Rheingold“ ein. Dann wird das eigene Haus zu einem inspirierenden Kunstsalon. Mit ihrem besonderen Interesse am Ballett freut sie sich jetzt auf die Auseinandersetzung mit den Aufführungen im Opernhaus. 

Schläpfer – Menha – Kober: Magisches Dreigestirn!

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ Marcos Menha, Marúcia do Amaral FOTO: Gert Weigelt

In meinen zwei Jahren als Opern-Scout wurde ich ein absoluter Fan des Choreographen Martin Schläpfer und habe „Schwanensee“ als Handlungsballett voller Vorfreude erwartet. Und ja, es war wieder typisch Schläpfer, mit dieser dunklen, metallischen Aura, die ohne weiße Ballettröckchen und opulente Kulissen auskommt.
Der als Siegfried ausgewählte Tänzer Marcos Menha ist schon lange mein Favorit der ohnehin großartigen Düsseldorfer Compagnie. Ein vollkommener Ballett-Schauspieler, der seine Körperspannung immer hält, aber nie angestrengt wirkt und in Marlúcia do Amaral als Odette an diesem Abend eine kongeniale und bezaubernde Partnerin hat. Auch die Musik war wunderbar und besonders in ihren dramatischen Teilen ungemein packend. Düsseldorf darf sich glücklich schätzen, den äußerst bescheiden wirkenden Axel Kober als Chefdirigenten der Düsys aufbieten zu können.
Mein Fazit: Spannend erzählt. Virtuos getanzt. Meisterhaft dirigiert und gespielt. Absolute Besuchsempfehlung!

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent

Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an die  Freunde, Kollegen, Klienten und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

 

Beim Speed-Dating danebengelegen

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ FOTO: Gert Weigelt

Roland Schüren über die Ballettpremiere „Schwanensee“

Ist es nicht einfach viel, viel besser mit den Freunden locker-lustig durch die Lande zu ziehen, als sich in unglückliche oder glückliche Liebschaften zu stürzen?

Vorab: Die „Schwanensee“ – Uraufführung von Martin Schläpfer ist ein grandioser Augen- und Ohrenschmaus. – Wunderbar! So kurzweilig! So perfekt umgesetzt! So etwas Schönes! Das war kein klassisches Ballett, das war ganz großes kreatives Tanzkino, das die Handlung von Schwanensee tief- und hintergründig erzählt. – Hammer! Beschwingt, ironisch-humorvoll, traurig, lustvoll, nachdenklich-ruhig, albernd, sportlich-schnell – alle Aspekte kommen vor und sie sind jeweils passend in die verschiedenen Szenen integriert. Die Düsseldorfer Symphoniker um Axel Kober sind wie immer top, 1A, besser ist Tschaikowsky nicht vorstellbar. Die Kostüme sind eine moderne Weiterentwicklung des Antlitzes des Balletts ganz ohne Tutu, nicht aber die Klassik von Schwanensee verleugnend. Ebenso die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer, schon klassisch, dennoch mit passend ballettfremden Elementen ergänzt. Ich will das sofort noch einmal sehen!

Zurück zur Frage „Spaß mit Freunden versus Liebschaften“. Schaut man sich den 1. Akt an, muss die Antwort auf die eingangs gestellte Frage wohl pro „Spaß mit Freunden“ ausfallen. Der 2. Akt spricht inhaltlich eindeutig für den Zauber einer frischen, jungen Liebe. Und der 3. Akt? Mega-Kino: Er spielt in einem für Prinz Siegfried von der eigenen Mutter organisierten Speed-Dating-Event. Spannung. Ich klebe an der Story. Wer ist denn jetzt die Chimäre, diese geheimnisvolle Fake-News-Braut? Ist es die Weinrote, die Blaue oder die gar die Schwarze? Alle tanzen so, so schön, so grandios, so anmutig-begehrenswert. Ist es vielleicht die Große, die zwischendurch niveauvoll und humoristisch daher kommt? Für welche Braut wird sich Siegfried entscheiden? (Bin ich hier etwas im Ballett?) – Ja, sie ist es! Camille Andriot bezaubert als die Chimäre Odile auch mich im Publikum. Klar, dass Siegfried auf sie hereinfallen muss. Der 4. Akt bringt mir dann ganz eindeutig die Antwort auf die Frage, die mich in dieser Uraufführung seit dem 1. Akt verfolgt: Im Zweifelsfall entscheide ich mich besser für die Freiheit und das unbeschwerte Leben mit Freunden anstatt für riskante Liebschaften. Diese führen in den Tod. Hier zumindest in den doppelten Bühnentod.

Ich feiere meinen baldigen, nicht runden Geburtstag jetzt doch etwas größer und lade gleich morgen meine alten Kumpels ein. Martin Schläpfer sei Dank.

Opernscouts 2017 - Roland SchürenRoland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“

Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unserem Opern- und Ballettproduktionen …

Ein echter „Schwanensee“ – ein echter Schläpfer – bravo

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ Camille Andriot (Odile) FOTO: Gert Weigelt

Jenny Ritter über die Ballettpremiere „b.36 – Schwanensee“

Glückwünsch Herr Schläpfer – so muss der Schwanensee sein: klar strukturiert und doch voller Poesie. Axel Kober, der mit seinem „Zauberstab“ den Düsys die schönsten Töne entlockte, hat  uns alle verzaubert. Die sehnsuchtsvolle Musik von Tschaikowsky – sehr bewegend und schön. Ein Genuss. Die Kostüme haben mir gut gefallen, schlicht und zeitlos  – die Schwäne gaben ein schönes Bild ab und auch in den Bewegungen konnte man sie als Schwäne  erkennen, hinreißende Bilder. Alle Tänzer waren wie immer hervorragend und jeder in seiner Rolle gut besetzt. Das Bühnenbild im ersten Akt war schlicht und unterstrich die Situation: schwarze Bilderrahmen ohne Bilder – ohne Zukunft?  Das schlichte Bühnenbild hat die Inszenierung in ihrer Klarheit unterstrichen. Die eingebauten Musikpausen im zweiten Akt – es wurde nur getanzt ohne Musik – erhöhten die Spannung noch. Erlösend, wenn die Musik dann wieder einsetzte. Siegfried  (Marcos Menha) und Odette (Marlúcia do Amaral) gaben ein harmonisches Paar ab. Bewegend war vor allem der Abgang: Siegfried trägt den toten Schwan, der wirklich wie tot in seinen Armen hing, von der Bühne! Eine sehr bewegende berührende Inszenierung ohne Kitsch  – Danke.

Opernscouts 2017Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und ist gespannt, wie es weitergeht.

Eine Ode an den Tanz

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
Marlúcia do Amaral (Odette) und Marcos Menha (Siegfried) FOTO: Gert Weigelt

Hilli Hassemer zur Ballettpremiere „b.36 – Schwanensee“

Bäte man mich als Malerin, einen Sonnenuntergang am Meer darzustellen,- ich würde müde abwinken. Was gäbe es den tausenden, bereits gemalten Sonnenuntergängen dieser Welt noch hinzu zu fügen? Um wie viel größer ist die Herausforderung, DAS Vorzeigestück des Balletts überhaupt – Tschaikowskys „Schwanensee“ –  neu zu choreografieren. Martin Schläpfer hat es getan: „b.36 Schwanensee“ Uraufführung… Vor leeren überdimensionierten Goldrahmen, einer Petersburger Hängung, gewinnt das Märchen an Fahrt. Mit überbordender Tanzlust und dionysische Freude feiern Siegfried (Marcos Menha) und seine Freunde das Leben. In einfachen, leichten aber eher dunklen Outfits, viele sind barfuß, zeigt die Compagnie ihre phantastische Tanzwucht. In die frischen, weiten Sprünge und rasanten, spannungsreichen Figuren, in heiterste Walzerklänge mischen sich schon dunkle ahnungsvolle Momente. Von Beginn an fügt sich die mir vergessene Schönheit der Musik mit den Tanzenden – Schläpfers choreografische Handschrift ist vertraut und neue Dimension zugleich und fügt sich zu einem starken Ganzen zusammen. Mich begeistert, wie überzeugend und durchgehend die einzelnen Tänzer ihre Rollen verkörpern und uns in dieses hier psychologisch komplex und expressiv dargestellte Märchen entführen. Großes Kino im zweiten Akt: die Begegnung des Liebespaares. Marlúcia do Amaral als Odette und Marcos Menha. Feinste Nuancen der Zärtlichkeit, die Kraft des zurückgenommenen Ausdrucks, des ‚sich-noch-nicht-berühren, im Verlangen zueinander. Gänsehaut und berauschtes Staunen. Mein erster von etlichen folgenden inneren Kniefällen vor diesen beiden großen Künstlern. Ein Kunstgriff Martin Schläpfers, das Orchester immer wieder für wenige Minuten verstummen zu lassen. Es scheint, als dehne sich die Zeit in diesen Stillen. Die Tänzer bewegen sich indes weiter, es entsteht für mich eine irritierende Leere. Dieses Sound-Vakuum verstärkt in mir, wie ein Sog, den Wunsch, die Musik möge wieder erklingen. Sie ist wie ein zu langes Atemholen, bevor die Töne aus dem Orchestergraben wieder aufsteigen und die Tänzer umströmen und ihnen wieder Halt bieten. Die Mutter, dunkle Königin, sie wird von ihrem Zeremonienmeister über den Sohn gehoben und sie wirkt dabei wie ein unheilbringender Albdruck aus einem Gemälde Ferdinand Hodlers. Das sind Tanzgesten, die mich in ihrer Poesie und Kraft beeindrucken. Die Brautschau im 3. Akt, ein Defilé der Eitelkeit und des furiosen tänzerischen Könnens. Wir werden verwöhnt und berauscht von eigensinnigen Tanzpassagen und großartigen Pas de deux. Die drei Prinzessinnen, Sonia Dvorak, Feline van Dijken und Aleksandra Liashenko bestechen in ihren Solotänzen. Odile, der „schwarze Schwan“ erscheint als dunkle Chimäre und blendet nicht nur Siegfried, sondern uns alle, mit ihrem verführerischen, großartigen Tanz. Im letzten Akt, Siegfried hat seinen Irrtum erkannt und sucht Odette auf, zeigen Marcos Menha und Marlúcia do Amaral noch einmal in aller Finesse und Zartheit mimisch und tanzend, fernab jedes Pathos, wie sich dieser berühmte Abschied neu und bewegend darstellen lässt. Es war ein Privileg, diese Uraufführung miterleben zu dürfen und dieser Schwanensee erscheint mir wie eine Ode an den Tanz. Unsere Düsseldorfer Compagnie hat für meine Begriffe dem „Schwanensee“ ein neues Gesicht geschenkt, nie mehr werde ich in Zukunft dabei an Tutus denken. Martin Schläpfer, jedem einzelnen Tänzer, jedem Musiker und allen Mitwirkenden gehören meine Standing Ovations.

Opernscouts 2017

Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin

Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Damals noch fremd in der Stadt und mit einem „Hardcorde-Wagnerfan“ befreundet, wurde die Oper unverhofft Dreh- und Angelpunkt ihres neuen Lebens. Jetzt will sie sich wieder intensiver mit Oper und Ballett befassen – genau hinschauen, zuhören, das Erlebte beschreiben. Sie sagt: „Es ist schön, wenn man sich selbst und seiner Meinung vertraut.“