Finale

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Sandra Christmann über die Premiere von „Young Moves“

 

Was für ein Bühnenbild von Brice Asnar!!!! in dem ersten Stück AS IT LEAVES von Brice Asnar. Anfangs dachte ich, als die Puppen in die den Himmel stiegen: Respekt, was für eine Körperspannung, es dauerte also zu realisieren, dass es sich um Puppen handelt. Ein gelungenes Moment.
Und dann ein Pax de deux, mit Wun Sze Chan und Daniel Vizcayo, das mit unglaublicher Präzision, Anmut und Reinheit getanzt wurde, modern und choreografisch mein absolutes Highlight an diesem Abend. Ich habe kaum geatmet, weil ich nicht eine Bewegung verpassen wollte.
Musikauswahl: großartig.
Die beiden haben mich so berührt, dass mir völlig klar war, dass nichts mehr folgen kann, was mich noch mehr begeistert. So war es dann auch, dennoch es folgten noch weitere Highlights, sie reichten nur nicht mehr an die wunderbare Inszenierung von Brice Asnar heran.

UNQUALIFIED von Helen Clare Kinney
Überraschend die Kostüme von LYCS Kollektiv, cool und futuristisch – neu und anders. Ebenso wie die Choreografie: von großer Varianz und reich an Überraschungen.
Möglich, dass, ein Störer die Konzentration der Zuschauer bricht, sie erheitert, sie einfängt – so ein Bruch kann die Atmosphäre in Sekunden verändern – leider in jede Richtung. Dass mir sich nicht erschließende Ikea Intermezzo, hat für kurzzeitige Erheiterung, Befremdung beigetragen, war aber im Gesamtkontext unnötig.
Aber auch hier, tänzerisch war der Auftritt ein Genuss.

Bei OPUS 29 von Michael Foster, Musik die Toteninsel von Rachmaninow, legte sich die Musik auf den Tanz. Die Dramatik der Musik überrannte teilweise die Choreografie, die hervorragend ist.
Starke homogene tänzerische Gruppe, ebenso starke pax de deuxs – die der Musik dann wieder standhalten konnten.
Dass sich die Gruppe dem Publikum stellte, geschlossen, Auge in Auge, hat aufgeweckt.
Fosters Bühnenbild ist großartig – das 2. Bühnenbild an dem Abend, das in diesem Falle akzentuiert einfache, weiße, rechteckige Flächen/Leinwände auf den Punkt inszeniert, einen tollen Raum schafft.
Aber auch hier waren die Einheit von Bühnenbild (sehr sehr toll), Choreografie, tänzerische Leistung, Kostüme (erster Eindruck:  gutsituierte Hampton Strandcocktailgänger) insgesamt eine exzellente, bereichernde Performance.

ROCOCO VARIANTIONS von So-Yeon Kim.
Beim klassischen Finale wurde es auch dann sehr klassisch.
Zurück ins Ballett. Tschaikowsky, Tütüs, perfekter Tanz. Eine schöne Choreografie, insbesondere mit der Aufhebung der klassischen pax de deux Besetzung: Mann / Frau.
Hier hat auch der moderne Tanz zeitweise Einzug gehalten. Gelungen und sehr schön anzusehen.

Der Abend war insgesamt großartig, toll und ich bin besonders dankbar für Brice Asnar.

Voller Qualität, Überraschung, Excellenz und Schönheit. Inhaltlich, choreografisch und optisch hat das Ensemble der Oper mal kurz gezeigt, dass die Welt auf der Bühne unserer deutschen Oper am Rhein zu Hause ist! Variantenreich und sehr sehr kreativ. Bämm! Danke.

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
 Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Sie engagiert sie sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

Besuch sehr empfehlenswert

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Hubert Kolb über die Premiere von „Young Moves“

Der Ballettabend Young Moves gab zwei Tänzerinnen und zwei Tänzern des Düsseldorfer Balletts die Gelegenheit, mit einer eigenen Choreographie ihre Fähigkeiten zur Gestaltung eines Ballettstückes zu erproben. Das Ergebnis war heterogen, und genau darum war es ein sehr anregender Abend!

Brice Asnar hat sich mit AS IT LEAVES der Thematik von Trauer und Verlust gewidmet. Das Anfangsbild mit in die Höhe schwebenden Tänzer-Puppen war eindrucksvoll und symbolisch. Dann folgte ein technisch eindrucksvoller rasanter Paar-Tanz, der für mich seelenlos und nicht berührend wirkte – schade. Das Bühnenlicht war allerdings toll.

Helen Clare Kinney bezog in UNQUALIFIED das Ensemble von sechs Tänzer/innen in die Entwicklung der Choreographie mit ein. Heraus kam ein heterogenes Stück mit vielen Brüchen, welches mich nicht berührte oder anderweitig überzeugte.

Michael Foster hatte mit OPUS 29 bereits zum dritten Male die Gelegenheit zu einer eigenen Choreographie. Die Umsetzung der Musik von Rachmaninoff über Böcklins Bilder der Toteninsel (op.29) gelang den neun Tanzenden großartig, mit eher klassischem Tanz aber moderner Personenregie und Lichteffekten. Zum Schluss gehen alle, zum Teil widerstrebend, sehr langsam in das große Licht – die Ewigkeit.

Auch So-Yeon Kim lieferte mit ROCOCO VARIATIONS bereits ihre dritte Arbeit ab. Alles war klassisch gefällig, mit dem Cellokonzert von Tschaikowski als Leitmusik. Was ist hier neu und modern, fragte ich mich – bis ein Zwischenspiel mit einem erotischen Tanz von zwei Tänzerinnen, und danach von zwei Tänzern ein aktuelles Thema aufnahm. Beim schnellen Schlusssatz des Musikstückes mit allen sechs Tanzenden ging diese gesellschaftspolitische Spannung wieder verloren.

Das war für uns Opernscouts die letzte Premiere der Saison. Rückblickend dominiert die Wahrnehmung, dass hier Oper und Ballett auf hohem, oft höchstem Niveau präsentiert wurde, mit großem Aufwand für zum Teil nur wenige Vorstellungen, und in einer enormen kulturellen Breite. Es ist großartig, dass es sich unsere Gesellschaft (noch) leisten kann, Hochkultur in diesem Umfang zu ermöglichen.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt

 

 

Gisela Miller-Kipp über „Young Moves“

Sechs kleine Meisterwerke

Sechs Uraufführungen – sechs kleine Meisterwerke, zusammen ein Kosmos des modernen Balletts: von faszinierenden Bewegungsstudien, dabei auch Slow Motion, über expressive Gefühlssprache – insbesondere anrührend: Trauer – bis zur rhythmischen Ekstase – alles immer konzentriert auf die Musik; Tanz und Musik fügen sich in den unterschiedlichsten Bewegungssituationen passend zusammen. Deshalb fand ich den Abend trotz der Zusammensetzung aus gleich sechs Stücken auch nicht zu lang oder anstrengend, keines der Stücke wollte ich missen, auch keine Minute der Musik. Die ist überdies ihrerseits ein Kosmos: Klavier- und Gesangsklassiker, Trommelorchester und Swing-Jazz – es wurde Shimmy getanzt –, Bassgewummer, knisternde Klangteppichen, berstende Akkorde, Atemgeräusche und Stille – ja: Stille! – Das konzentrierte Anschauen und Anhören des Tanz-und Klanggeschehens wird vom Bühnenraum ungemein gefördert: Er ist durchgängig ruhig-abstrakt und in Grautönen gehalten, hier und da mit farbig glühenden Flächen belegt, er ist aber auch einmal gänzlich leer, und manchmal gibt es Eigenbewegung: ein riesiges Leintuch fällt vom Bühnenhimmel und umhüllt einen Körper, ein Leichentuch also, später ist es das übergroße Flügelhemd, in dem der Verstorbene wieder erscheint; an der Rampe werden mir geheimnisvolle asiatische Schriftzeichen gemalt und als Video auf den Bühnenhintergrund übertragen; ein weißes Quadrat schwenkt sich schwebend über der Bühne – kurzum: eleganter Purismus, mit einer komischen Ausnahme auch in der Bekleidung.
Mein Favorit unter den Sechsen: „edge of reason“ (am Rande der Vernunft) von Chidozie Nzerem, ein Bravourstück afrikanisch-karibischer Tanzdynamik, Marlucia do Amaral legt als absolute Spitzenleistung den Zittertanz einer Geisterseherin hin – umwerfend. – Ich will die sechs kleinen Ballette (Wun Sze Chan, Michael Foster, So-Yeon Kim, Sonny Locsin, Chidozie Nzerem, Boris Randzio) aber gar nicht einzeln und im Einzelnen beschreiben, man muss hingehen und sie sich ansehen, will man ihre jeweilige Eigenart in Tanzsprache und Stimmung erfassen und, vor allem, genießen. Dazu man muss nicht einmal tiefsinnige „Bedeutungen“ kennen oder suchen, wie etwa im Programmheft zugeschrieben, wo Aussagen beabsichtigt sind, erschließen sie sich von selbst, so eindringlich wird hier getanzt. – Eine bravouröse Gesamtleistung der „Schläpfer-Truppe“, an der man auch sehen kann, welch großes choreographisches und bühnenbildnerisches Können in ihr steckt.

Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

„Young Moves“ mit Choreographien/Uraufführungen von vier Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein steht in der kommenden Spielzeit wieder auf dem Programm: https://operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves-2017-18.1123482

Susanne Freyling-Hein über „Young Moves“

Kurzweilig, erfrischend, beeindruckend

Das Format „Young Moves“, das sechs kurze Ballette junger Choreographen auf die Bühne bringt, hat mir sehr gut gefallen. Durch die Kürze der Stücke ist es ein kurzweiliger, erfrischender Abend und doch erhält man einen guten Eindruck von der Arbeit und den Ideen der Nachwuchs-Talente. Einzelne Sequenzen wirken auf mich nicht so reif wie die Schläpfer-Choreographien der b-Reihe, dafür empfinde ich einen Großteil der Stücke als recht plakativ, was mir sehr gut gefallen hat.
Am stärksten bleibt mir das Stück 49 von So-Yeon Kim in Erinnerung: der getanzte Verlust des Partners und alle Phasen des Abschieds mit Bezug auf religiöse Trauerrituale. Super plakativ – hat mich zu Tränen gerührt!
Ebenfalls total beeindruckend: Edge of Reason von Chidozie Nzerem, der mir schon in einigen anderen Balletten als extrem charismatischer Tänzer aufgefallen ist. Die Trommel-Musik erinnert an ein Voodoo-Ritual und geht unter die Haut. Dazu passend der Tanz – instinktive Bewegungen, eine mystische Stimmung, archaisch und existenziell.
Viele frische Ideen und Momente auch in den anderen Stücken: ein sich veränderndes Bühnenbild durch projiziertes Live-Painting in No Destination oder Ballett zu Jazz-Klängen in East Coasting.
Das nächste „Young Moves“-Programm steht für 2018 fest auf meiner Liste!

Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.


„Young Moves“ mit Choreographien/Uraufführungen von vier Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein steht in der kommenden Spielzeit wieder auf dem Programm: https://operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves-2017-18.1123482

Uwe Schwäch über „Young Moves“

Inspirierende Ballettmosaiken

Der letzte Ballettabend in dieser Spielzeit bietet vielseitige, bunte und sehr inspirierende Ballettmosaiken. Die sechs Uraufführungen vermitteln sich insgesamt sehr unterschiedlich, jedes Stück verfügt über einen eigenständigen Charakter und setzt unverwechselbare Akzente. Alle gemeinsam verfügen sie über eine spürbare Intensität, die von der Bühne ins Publikum getragen wird. Dazu trägt sicher bei, dass die Choreografien von Tänzerinnen und Tänzern aus der Kompanie stammen. Dies führt zu einer gegenseitigen Befruchtung, die sowohl in der tänzerischen Qualität als auch in der mentalen Aussteuerung erlebbar wird.
„No Destination“ von Wun Sze Chan wird durch den experimentellen Charakter des Stückes geprägt. Das Bühnenbild verändert sich fortlaufend durch ein Live-Painting, das auf die Bühnenrückwand projeziert wird. Sphärische, stellenweise sehr dissonante Klangkörper ersetzen eine musikalische Begleitung. Der Tanz ist archaisch, wild, kraftvoll und energetisch. Auch die Kostüme passen sich dem dynamisch-expressiven Auftritt an, wir sehen bei den Tänzerinnen viel Tüll, die Tänzer tragen halblange Gewänder. Sicher ein kreatives Tanzformat mit begrenzter Begeisterungsfähigkeit.
„Fourmis“ von Sonny Locsin entführt uns in die Welt der Ameisen. Der ständige Bewegungsfluss ist somit das zentrale charakteristische Merkmal. Im Verlauf des Stückes verändert sich diese Struktur in zunehmend statische Bewegungsmuster und es entstehen Figuren, die an Yoga erinnern. Trotz individueller Tanzbewegungen der sechs Protagonisten ist deren Harmonie spürbar.
„Andante Sostenuto“ von Boris Randzio bietet einen Tanztraum und vielleicht das klassischste Ballettstück dieses Abends. Hellblaue Kostüme in Organza, in das auch die Tänzer gehüllt sind, sowie kontemplative Klaviermusik von Schubert schaffen den Rahmen für eine verhältnismäßig leichte, anmutige Performance. Geprägt von einem hohen Maß an Intimität verschmelzen die sechs Tänzerinnen und Tänzer und bestechen durch ihr Einfühlungsvermögen.
„Edge of Reason“ von Chidozie Nzerem entführt den Zuschauer in einen Ort der Ekstase. Die temporeiche Bongo- und Trommelmusik entfacht eine dynamische und kraftvolle Entfaltung auf der Bühne. Die Tänzerinnen in Bustier-Badeanzüge kommen daher wie Amazonen und zeigen sich selbstbewusst und stark. Im zweiten Teil des Stückes sehen wir zwei Paare (w/m + m/m!) mit einem wilden, ekstatischen, aufgewühlten und auch erotischen Tanz, der die Zuschauer aus ihren Sitzen reißt. Man spürt Afrika und hat das Gefühl inmitten eines Urwaldes zu stehen. Für mich das Highlight dieses Abends.
„49“ von Se-Yeon Kim setzt auf ein Handlungsballett mit melancholischen Zügen. Tod, Abschied nehmen, Trauer, Fürsorge und Hoffnung werden einfühlsam offenbart. Zu Beginn mit einem filmischen Musikcharakter, erleben wir die Auferstehung zum Engel mit barocker Musik von J.S. Bach. Nirgendwo werden an diesem Abend menschliche Emotionen so nahe und anschaulich vermittelt wie in diesem Stück. Allerdings ist der Verlauf vorhersehbar und die Theatralik verdrängt das tänzerische Momentum.
„East Coasting“ von Michael Foster ist eine gesellschaftliche Sozialstudie und zeigt Szenen aus dem Amerika der 50er und 60er Jahre. Kostüme und Musik (die Trompeten sind unüberhörbar) sind in einen schwungvollen Tanz eingebettet und vermitteln oberflächliche Heiterkeit, die durch die gesamte Tanztruppe auf der Bühne vermittelt wird. Doch das Stück reflektiert auch psychologische Tiefen. So zieht sich ein Mann vor einer Frau aus und wird von dieser ausgelacht. Auch hier sehen wir über den Tanz eine gelungene Wiedergabe menschlicher Gefühle und sozialer Verhaltensmuster.
Bei diesem „Nachwuchs“ muss man sich über die glänzenden Perspektiven des Düsseldorfer Balletts keine Sorgen machen.

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

 

Isabell Boyer über „Young Moves“

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Meisterwerke

Die sechs Uraufführungen in „Young Moves“ sind in ihrer Einzigartigkeit und ihrem Ideenreichtum kaum in wenige Worte zu fassen. Ich war höchst beeindruckt von jedem der sechs Stücke. Meine beiden Favoriten, was Choreographie und Spannung betrifft, sind „Edge of Reason“ von Chidozie Nzerem und „No Destination“ von Wun Sze Chan. Die eingängige, an die Jagd erinnernde, Musik in „Edge of Reason“ gepaart mit den Tänzern, die in ihrer Gemeinschaft Jagd und Paarung, Gemeinschaftsgefühl und Machtverhältnisse vertanzten, blieben mir lange im Gedächtnis. „No Destination“ erzielte eine surreale, futuristische Wirkung. Der faszinierende Einsatz von Kulisse und Geräuschen waren unwahrscheinlich intensiv, ebenso wie der gezielte Einsatz von Stops in den Bewegungen und der Konkurrenz eines organischen (Gruppen-)Körpers mit dem Individuum. Beide Stück bewegten etwas in mir und hinterließen einen starken Bewegungsdrang.
„Fourmis“ und „Andante Sostenuto“ waren beide ruhiger, aber dafür umso schöner. Man wollte sich nicht aus ihren Fängen lösen, so sehr hüllten sie einen in ihre Atmosphäre ein und ließen mich wünschen, noch etwas länger in ihrer behütenden Wirkung verweilen zu können.
„49“ und „East Coasting“ waren die beiden Stücke, die mich am meisten erschütterten. „49“, das von Tod, Leben und Trauerbewältigung erzählt, traf mich genau ins Herz, berührte mich sehr tief. Die Bilder, die die Tänzer dort erzeugten, wühlten Erinnerungen auf, die mich so schnell nicht mehr losließen. Definitiv ein intensives Stück, aber auch eines, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. „East Coasting“ wirkte für mich wie ein Kontrast in sich. Wer hier die fröhliche Darstellung der 50er Jahre in New York erwartet, irrt sich. Hier geht es um weitaus ernsteres. Allerdings war die Darstellung für mich an manchen Stellen konfus. So saß ich am Ende der Vorstellung mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn da und versuchte, alles in Einklang miteinander zu bringen. Vielleicht sollte das gar nicht möglich sein. Vielleicht ging es um genau diese Verwirrung, um genau diesen Verlust der Orientierung, bis man hilflos in seine Komfortzone zurückkehrt…
Alles in allem war es ein genialer, sehr vielseitiger Ballettabend. Ich bin beeindruckt von der Leistung der Choreographen und hoffe, bald Neues von ihnen zu sehen. Ich verabschiede mich also mit einem großen Lob an diese Meisterwerke und empfehle von ganzem Herzen, die verbliebenen Vorstellungen zu besuchen – es lohnt sich.

Weitere Informationen zu „Young Moves“

Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Khatuna Ehlen über „Young Moves“

 

 

 

 

 

 

 

Klingende Bilder

Der Ballettabend inspirierte in seiner Vielfalt körperlichen Ausdrucks und Themen sowie seinem wunderbar musikalischem breiten Spektrum von Klassik über Jazz bis hin moderner Musik.
Jedes Stück ein kleines Meisterwerk!
Mein Favorit war die Choreografie von Chidozie Nzerem „Edge of Reason“. Die Übereinstimmung von Tanz und der gewählten Percussion-Musik überzeugte vollends!
Es war ein an nachhaltiger Ballettabend, dessen einzelne Bilder nachklingen.

Weitere Informationen zu „Young Moves“

Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Gisela Miller-Kipp über „Das Rheingold“

Eine überwiegend biedere Inszenierung, großartig gesungen und gespielt

Bei Wagners „Ring“ bin ich gespalten: die Musik finde ich zum Niederknien, die angestrengt stabreimelnde Sprache zum Davonspringen; unabhängig aber von der sprachlichen Fassung ist der „Ring“ in Text und Musik eine gewaltige mythologische Erzählung; im „Rheingold“ nimmt sie ihren Anfang. Alle Handlungselemente des „Ring“ – Liebe und Tod, Neid, Hass, Besitz- und Machtgier, Lug und Trug und Mord und Totschlag, dazu die musikalischen Leitmotive der nachfolgenden drei Teile des „Ring“ sind hier schon angelegt – dem wird die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf nicht gerecht. Sie ist realistisch im Halbweltmilieu angesiedelt, das treibt dem Musikdrama die Fantasie aus und verniedlicht es; ich habe mich streckenweise gelangweilt. Dabei beginnt die Aufführung hinreichend spannend und mit einer hübschen Anspielung auf den Rhein und auf den Aufführungsort Düsseldorf: Vor blutrotem Vorhang, die Bühne eingerahmt von bunten Glühbirnen, zitiert ein Mann – später stellt sich heraus: es ist Loge, der listige Sohn Wotans, als solcher steckt er passend in einem dunkelrot-gleißenden Anzug – die erste Zeile von Heinrich Heines Loreley: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten …“. Zum berühmten Auftaktakkord – Es-Dur (!) –, wunderbar zart-schwebend gespielt, entzündet er dann zwei Lichter, hernach schenkt er sich ein feurig-rot funkelndes Glas Wein ein. Das fand ich einen viel versprechenden Anfang. Dann hebt sich der Vorhang, und ich bin enttäuscht. Man blickt in einen wenig inspiriert gebauten, spärlich ausgestatteten Spielsalon – 19. Jahrhundert oder auch ein Western-Saloon; dafür spricht die steile Feuertreppe links ins Nirgendwo, die man im europäischen Spielsalon nicht findet, in allen Western aber führt eine Treppe in die Gast- und Hurenzimmer; freilich fehlte bei dieser Sicht des Bühnenraums die typische Bar – egal.
Dieser langweilige Salon (Bühne: Dieter Richter) ist der Hauptort des Geschehens; dort passiert nicht viel. An seinen drei mit grünem Samt beschlagenen Rundtischen wird je nach dem posiert, geschlafen oder auch nur herumgehockt, gebechert, Karten gespielt und Butterbrot verzehrt. Dazu läuft als optische Bereicherung im Bühnenhintergrund diffus ein Film, der entweder das Bühnengeschehen zeitversetzt wiedergibt oder Himmel mit weißen Wolken und ganz zuletzt Walhalla, die Götterburg, um deren Bezahlung sich das Ganze dreht. – Die realistische Rauminszenierung bringt manche Ungereimtheit, manches Unverträgliche oder mir Unverständlichemit sich. Im 1. Bild etwa hasten die drei Rheintöchter (Anke Krabbe, Maria Kataeva, Ramona Zaharia) als verführerische – mäßig obszöne Posen – und, nebenbei, sehr attraktive Kokotten (Kostüme: Renate Schmitzer) von anno dazumal die besagte Feuertreppe rauf und runter, singen dabei aber glücklicherweise unangestrengt und ‚lupenrein‘ – der sportlichen Leistung ist eigens Respekt zu zollen. Alberich, der bösartige Zwerg vom Volk der Nibelungen, stolpert ihnen als lüsterner Tölpel hinterher. Dass es um Gier, um Gold geht, erfährt man durch wabernden Goldnebel, wozu die Rheintöchter singen: „Sieh wie selig im Glanze wir gleiten“; sie sitzen dabei jedoch gut gelaunt am Salontisch und prosten sich zu! – Im 2. Bild wird Wotan von seiner Gemahlin Fricka im Rollstuhl unter einem Schleier sitzend hereingeschoben, den Schleier hebt sie zu dem Ruf „Wotan, erwache!“ auf – fand ich eher komisch. Und wenig, eigentlich gar nicht beeindruckend treten Fasolt und Fafner auf, die beiden Riesen, die die Götterburg erbaut haben. Sie tragen Zimmermannskluft, doch untypisch für diese mit schwarzem Zylinder – das macht die Figuren größer, irritiert aber, ich dachte an Schornsteinfeger. So kostümiert, sind die Riesen irdisch-harmlos, nicht sagenhaft gewaltig, zumal sie ausführlich und bis zum Finale tun, was Handwerker zu tun pflegen, nämlich vespern: Trinken und Brot verzehren.
Eine beeindruckende Rauminszenierung ist das 3. Bild: Nibelheim, die Unterwelt, das Reich der Nibelungen, wird als Bergwerksstollen auf die Bühne gebracht. Dorthin sind Wotan und Loge laut Texteinblendung durch einen „Schwefelspalt“ gelangt, hier aber dadurch, dass sie sich mühsam unter einen der Salontische zwängen – nun ja. Dafür springt beim Orchesterdonner das Holzpaneel des Salons krachend auf – schönes Erschrecken! Das gibt es noch einmal und wieder kongenial zur Musik, als unter Blechgetöse Gesteinsbrocken von der Decke fallen – dort bricht die Tatze des Drachen durch, in den sich Alberich verwandelte, es ist aber auch ein Schlagwetter, wir sind ja in einem Kohlebergwerk. Schweißglänzende Hauer, „der Nibelungen mächtiges Heer“, schieben zur stampfenden Musik mühsam Loren herein, die Bühne glüht rot, Alberich wütet jetzt als Einpeitscher herum – für mich wird „Das Rheingold“ hier überzeugend in Szene gesetzt. Die Loren sind bis über den Rand mit dampfendem Koks beladen, er stellt sich später, da ist er erkaltet, als Gold heraus – Kohle, das Gold des Ruhrgebiets! Das ist eine weitere feinsinnige Anspielung auf die beiden Aufführungsorte, fand ich klasse. – Der Schlussakt (4. Bild) spielt wieder im Salon, der jetzt um eine Lore mit Goldbrocken bereichert ist. Die haben Wotan und Loge dem Alberich abgeluchst, und nun wird der Streit blutig, die Inszenierung gewinnt an Dramatik. Mit seinem Schwert haut Wotan dem Alberich die Hand mit dem „maßlose Macht“ verleihenden Goldring ab, man sieht das blutige Gewebe baumeln und bei Fasolt einen gräsigen Armstumpf – schön scheußlich. Von der prophetischen Erdmutter Erda – sie kommt und verschwindet durch einen der Salontische! – gewarnt: „Ein düsterer Tag dämmert den Göttern!“, tritt Wotan den Riesen den fatalen Ring ab, und alsbald erschlägt Fafner seinen Bruder im Streit um das Gold. – Zuletzt machen sich Wotan und Fricka auf gen Walhalla, dazu erscheint im Bühnenhintergrund „die glänzende Burg in prächtiger Glut“ als goldene Projektion – ein schönes Schlussbild. – Was mich an dieser Aufführung aber ganz und gar begeisterte: Es wurde in allen Partien glänzend gesungen, dazu auch noch hervorragend agiert, allen voran von Michael Kraus als Alberich. Die Musik war ein Genuss für sich. Unter dem Bayreuth erfahrenen Axel Kober brachten die Düsys „Das Rheingold“ prächtig zu Gehör, vom zartesten Geigenflirren über süße Flötentöne und wohllautende Hörner bis zu donnernden Trommeln und berstenden Beckenklängen, vom romantischem Schwingen bis zum rhythmischen Stampfen – Wagner pur. Wunderbar.

Weitere Informationen zu „Das Rheingold“

Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

Rouven Kasten über „Young Moves“

Rachedi_Fieldwork_01_FOTO_GertWeigeltBereits seit vielen Jahren gehe ich gern ins Ballett, umso mehr freute ich mich junge Nachwuchskünstler auf den Brettern die die Welt bedeutet in Duisburg sehen zu können. Als Opernscout der Oper am Rhein konnte ich mir die Premiere der Young Moves ansehen und war wirklich begeistert! Jeder Künstler hat in seinem Leben sicher einmal das Bedürfnis selbst eine Show oder einen Abend zu gestalten. Die Deutsche Oper am Rhein gibt Ihrem Nachwuchs diesen Raum. Young Moves nennt sich das ganze und besteht aus einem kurzweiligen Abend. Je sechs Künstler hatten die Möglichkeit mit oder ohne Hilfe Ihres großen Mentors Martin Schläpfer sich einmal selbst zu verwirklichen.

Young Moves – Einmal selbst sein

Jeder Teilnehmer der Company konnte sich bewerben und seine eigenen Ideen vorstellen, sechs von Ihnen wurden dann ausgewählt und konnten unter Zuhilfenahme des gesamten Ensembles der Deutschen Oper am Rhein zeigen was in Ihnen steckt. Und so bescheren uns Alban Pinet, Wun Sze Chan, Louisa Rachedi, Boris Randzio, So-Yeon Kim und Michael Foster einen leichtfüßigen Abend bei dem keine Langeweile aufkommt. Man bemerkt kaum das der „große“ Meister nicht selbst Hand angelegt hat und erfreut sich an jedem Stück auf seine eigene Art und Weise. Tanz, Musik, Licht all das scheint die wirklich große Wertschätzung zu erhalten die man sonst nur von Schläpfer selbst erfährt. Der Nachwuchs wird seines Namens nicht nur gerecht, man könnte eigentlich sagen er ist „flügge“ geworden.

FIELDWORK: \ˈFĒLD-ˌWƏRK\ (URAUFFÜHRUNG) Louisa Rachedi

Ich möchte nicht alle Stücke ausführlich beschreiben, dazu sind diese viel zu verschieden. Ich möchte aber eins hervorheben, weil es mich wirklich besonders berührt hat. FIELDWORK von Louisa Rachedi ist für mich der Inbegriff eines modernen Ballett. Der Tanz sehr ausdrucksstark, und jeder einzelne auf der Bühne hat hier die Möglichkeit seine Stärken zu zeigen. Die Kostüme erinnern an eine Mischung aus Endzeit-Roadmovie und Star Trek. Die Beleuchtung karg bis einfühlsam, bringt eine Stimmung auf die Bühne die dem Raum und der Gruppe dennoch viel Platz lässt.

Die Musik mit einem Stück von Cliff Martinez sehr modern gewählt, die sphärischen Klänge erinnern an Nils Frahm oder Klaus Schulze. Da ich ein sehr musikaffiner Mensch bin hat mich das Stück vom ersten Takt an gefesselt. Louisa Rachedi und Ihr Team hat mich buchstäblich geweckt. Nach einem beruflich sehr anstrengenden Tag, tat ich mich sehr schwer die Augen offen zu halten und die gewollte „Langsamkeit“ der ersten beiden Stücke kostete mich viel Kraft. Aber das Stück FIELDWORK hat mich so fasziniert, dass ich von der ersten Sekunde sofort wieder da war. Das muss man erst einmal schaffen, es ist Ihnen mit Bravur gelungen.

Erstaunt hat mich auch bei diesem Stück, dass mir die einzelnen Tänzer oft nicht bewusst auffallen, schon gar nicht wenn diese keine ausgewiesenen Solo Stücke haben. Die Leistung von Eric White war aber obwohl eine Yuko Kato allein durchs gelbe Outfit und IHren Solo Tanz deutlich in der Vordergrund gestellt wurde, wirklich überwältigend. Seine Bühnenpräsens stach wirklich hervor, dennoch eine tolle Leistung des ganzen Teams.

Young Moves – Das Konzept

Young Moves, das bedeutet sechs Mal Ballett, sechs Mal Musik, sechs Mal Ausdruck, sechs Mal Spiel/Tanzfreude. Der Abend war rundum gelungen und ich kann jedem nur dringlichst empfehlen es sich anzuschauen. Die Kürze der einzelnen Stücke haben genau die richtige Länge, um einmal Ballettluft zu schnuppern. Gerade für Interessenten die mal ganz unterschiedliche Ausführungen erleben möchten. Die Stücke sind von klassisch bis modern und zeigen die vielen Facetten heutigen Tanzes.

Young Moves – Das sagt der Opernscout

Der Rheinischen Post gegenüber, die mit der Oper am Rhein kooperiert sagte ich dazu: Ich finde das Konzept des Abends mit den sechs kurzen, kontrastreichen Stücken unheimlich gut. In ihrer Kraft und Energie waren „FIELDWORK“, „ZAHIR“ und „RAPTURE“ für mich die stärksten Stücke des Abends, absolut überragend fand ich Louisa Rachedis „FIELDWORK“, das mich mit seiner Musik, dem Soundtrack zu Steven Soderberghs TV-Serie „The Knick“, sofort elektrisiert hat. Viel mehr als etwa das zweite Stück ganz ohne Musik und „ZAHIR“ mit den sehr bekannten und als Ballettmusik vielleicht etwas abgegriffenen Cello-Suiten von Bach.

Weitere Informationen zu „Young Moves“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves.1047789

Opernscout Rouven Kasten-1Rouven Kasten
Social Media Experte

Rouven Kasten ist in Duisburg aufgewachsen, mit Raider und Pink Floyd. Er bloggt, twittert, facebookt, schießt Fotos und jagt alles in die Wolke. Die Möglichkeit zur grenzenlosen Interaktion gefällt ihm. Nach einigen Agenturstationen und einer intensiven Zeit der Selbstständigkeit ergänzt er nun das Team der GLS Bank im Bereich digitale Kommunikation. Die Begeisterung für das Musikhören und -machen brachte ihn zur Oper und zum Ballett. Die Erfahrungsberichte als Opernscout schreibt er auch in seinen privaten Blog: http://www.gestalterhuette.de oder auf twitter und facebook, direkt aus dem Theater mit dem Hashtag #opernscout.

 

Martin Breil über „Young Moves“

Vielfalt im Ballett: Deutsche Oper am Rhein gibt Ensemblemitgliedern eine Chance

Pinet_Odnalro_02_FOTO_GertWeigeltNach der Vorankündigung des Projektes „Young Moves“, in dem Mitglieder des Ballettensembles die Choreographie eigener Produktionen übernehmen durften und ihnen dafür das gesamte `Equipment` der DOR zur Verfügung stand, war meine Erwartungshaltung an diesem Abend besonders hoch.

Junge Choreographen, neue Ideen, junges Publikum…nur zu !

Sechs Produktionen standen auf dem Programm, die, wie ich nach dem letzten Vorhang feststellte, nicht abwechslungsreicher hätten sein können. Dabei möchte ich keinen Beitrag bewerten oder besonders hervorheben. Sie alle hatten ihren eigenen, besonderen Charme und möchte sie der Bewertung des Betrachters überlassen.

Die Auswahl der Musik und die Originalität der Kostüme fiel mir besonders auf. Das Spektrum der entfalteten Emotionen ist groß. So gesehen kann ich den Besuch dieser Veranstaltung nur empfehlen!

Den Mut der einzelnen Ensemblemitglieder, aus der Riege der Company hervor zu treten und sich selbst zu versuchen, finde ich toll und verdient größten Respekt, genauso wie das in sie gesetzte Vertrauen. Das Ergebnis ist beeindruckend und unbedingt sehenswert. Für mich eine Abwechslung und eine Bestätigung dafür, mit welcher Tiefe und Feinstofflichkeit die Produktionen Martin Schläpfers ausgestattet sind.

Weitere Informationen zu „Young Moves“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves.1047789

Opernscout Martin Breil-1Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau

Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

Kathrin Pilger über „Young Moves“

Absolut empfehlenswert

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Das Projekt war ambitioniert und innovativ zugleich: am vergangenen Samstag präsentierten sechs junge Choreografinnen und Choreografen, allesamt Tänzer in der Schläpfer-Compagnie des Balletts am Rhein, zum ersten Mal eigene Choreografen vor einem großen Publikum. Wie schon die Nachwuchsregisseure (Young Directors) vor zwei Wochen, durften auch sie auf das „große“ Ensemble zurückgreifen und professionell besetzen und einstudieren. Diese idealen Rahmenbedingungen brachten ein beachtliches Ergebnis: sechs qualitativ hochwertige und anspruchsvolle Stücke kamen zur Aufführung, alle ganz verschieden, doch jedes für sich ein kleines Kunstwerk. Alle Stücke im Einzelnen zu besprechen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Daher soll im Folgenden auf zwei Choreografien näher eingegangen werden: Vom Verhältnis des Individuums zur Masse handelt das Stück „Fieldwork“, auf Deutsch „Feldforschung“ von Louisa Rachedi. Eine Gruppe von Menschen, die zu Beginn offensichtlich harmoniert bzw. deren Bewegungen im Gleichklang verlaufen, gerät zunehmend außer Kontrolle; einzelne Mitglieder, die versuchen sich zu befreien, werden aus der Gruppe zeitweise „verstoßen“, dann scheinbar wieder integriert. Am Ende scheitert jedoch die Gleichförmigkeit der Masse. Dazu passt die Musik aus der amerikanischen Fernsehserie „The Knick“ von Cliff Martinez bestens. Besonders beeindruckend ist auch die Choreografie von Michael Foster mit dem Titel „Rapture“. Unterlegt mit den Beats aus dem gleichnamigen Schlagzeugkonzert von Michael Torke werden die Tänzerinnen und Tänzer nahezu in ihren Bewegungen geschüttelt, was an Videos von Michael Jackson („Beat it“) vom Beginn der 1980er Jahre erinnert. Spektakulär ist dabei der Lichteinsatz auf der Bühne. Die ohnehin fahle Beleuchtung wird zeitweise so grell, dass die Protagonisten wie Scherenschnitte vor einem glühenden Hintergrund wirken. Ein großartiges visuelles Erlebnis!

Der Besuch des neuen Formats „Young Moves“, das leider nur wenige Aufführungstermine hat, ist absolut empfehlenswert, auch für Menschen, die noch nie ein Ballett besucht haben.

Weitere Informationen zu „Young Moves“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves.1047789

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

Christoph Grätz über „Young Moves“

Getanzte Vielfalt

Rachedi_Fieldwork_02_FOTO_GertWeigeltEs war die Tänzerin Yuko Kato, die mich gerührt hat mit ihrem Solo bei „Fieldwork“, dem dritten Stück von „Young Moves“. Louisa Rachedi hat in Ihrer Choreographie für mich die größte emotionale Tiefe dieses Ballettabends erreicht. Ihr ist es gelungen die Gefühlswelt von Menschen im digitalen Zeitalter unter dem Einfluss von Gruppendruck und der Sehnsucht nach Individualität auszuleuchten. Die Kostüme erinnerten an Fantasy oder Science Fiction Animationen. Irgendwo zwischen Manga und Mollusken, betonten sie die Schwarmhaftigkeit menschlicher Existenz. Das Thema: Der Einzelne in oder gegen die Gruppe, Identitätssuche, punktgenau inszeniert. Dieses Debut stand an Intensität den Arbeiten von Martin Schläpfer in Nichts nach.

Überhaupt war der Abend, an dem es gleich sechs Uraufführungen und Choreographie-Debuts von Mitgliedern der Compagnie gab, für mich voller Überraschungen.

Die emotionale Tiefe bei „Fieldwork“, tänzerisches Storytelling bei „It is passing by“ von Wun Sze Chan, die mit Videosequenzen einer Straßenbahnfahrt gespickt fast ohne Musik auskam. Eine besondere Herausforderung für das Ensemble.

Die Arbeit „Mindrift“ von Boris Randzio bestach durch das perfekte Zusammenspiel der drei Tänzerinnen, die alleine agierten. Wie schwierig muss es wohl sein, die Musik, bei der der Beat stellenweise kaum zu orten war, in Bewegung umzusetzen. Es gehört Mut dazu, sich schon im Debut an eine so schwierige Musik wie „Signs, Games and Messages“ von György Kurtag heranzuwagen, ein mir unbekanntes zeitgenössisches Solostück für Bratsche.

„Zahir“, die Uraufführung der Choreographie von So-Yeon Kim war inspiriert von Gustav Klimts „Der Kuss“, was sich, für mich schlüssig ergab. Die Cellosuiten von Johann Sebastian Bach sind in Musik umgesetzte Emotion. Der Choreographin ist hier gelungen auf diese Musik eine Geschichte von menschlicher Nähe zu erzählen, die mich anrührte.

Erotik und Komik: vielleicht lässt sich mit diesen Attributen die Eröffnung des sechsteiligen Abends am treffendsten beschreiben. „Odnalro“, so der Titel, steht hier als Umkehrung für „Orlando“, einem Roman von Virginia Woolf. Wie in der Geschichte, geht es auch in diesem Tanzstück um Geschlechterverwirrung. Das ist zwar nicht neu, aber komisch vor allem der Eitelkeit der Protagonisten halber. Alban Pinet hat in seiner Arbeit seine Kolleginnen und Kollegen mit wechselnder Garderobe, bisweilen aufreizend in Szene gesetzt.

„Rapture“ (dt. Entrückung), die letzte Arbeit des Abends, bestach durch rhythmische Präsenz. Unter perfekter Lichtregie von Franz Xaver Schaffer hat hier Michael Foster ein Feuerwerk der Bewegung auf die Bühne gebracht. Die Buntheit der Compagnie erinnerte mich stellenweise an Tanzfilme. Gewollt oder nicht? Für mich war „Rapture“ der perfekte Ausklang dieses Ballettabends.

Das Konzept, dem Nachwuchs eine Chance zu geben, überzeugt mich. Hier haben sechs Newcomer gezeigt, dass sie es drauf haben, allesamt Typen, kreative Individualisten, auf dem besten Weg zum eigenen künstlerischen Ausdruck. Vielfalt, die überzeugt.

Empfehlung: Unbedingt reingehen! Dieser Abend bietet Humorvolles, Tiefgründiges, Anrührendes, Temporeiches, Überraschendes, Experimentelles, Klassisches und pure Schönheit – Kurzweile garantiert.

Weitere Informationen zu „Young Moves“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves.1047789

Opernscout Christoph Grätz-1Christoph Grätz
Referent der Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas

Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik (und umso weniger Sport). Bei der Arbeit als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Oper und Ballett entdeckt er jetzt nach und nach als Opernscout. Wie schön, dass er etwas davon mitteilen kann.