Finale

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Sandra Christmann über die Premiere von „Young Moves“

 

Was für ein Bühnenbild von Brice Asnar!!!! in dem ersten Stück AS IT LEAVES von Brice Asnar. Anfangs dachte ich, als die Puppen in die den Himmel stiegen: Respekt, was für eine Körperspannung, es dauerte also zu realisieren, dass es sich um Puppen handelt. Ein gelungenes Moment.
Und dann ein Pax de deux, mit Wun Sze Chan und Daniel Vizcayo, das mit unglaublicher Präzision, Anmut und Reinheit getanzt wurde, modern und choreografisch mein absolutes Highlight an diesem Abend. Ich habe kaum geatmet, weil ich nicht eine Bewegung verpassen wollte.
Musikauswahl: großartig.
Die beiden haben mich so berührt, dass mir völlig klar war, dass nichts mehr folgen kann, was mich noch mehr begeistert. So war es dann auch, dennoch es folgten noch weitere Highlights, sie reichten nur nicht mehr an die wunderbare Inszenierung von Brice Asnar heran.

UNQUALIFIED von Helen Clare Kinney
Überraschend die Kostüme von LYCS Kollektiv, cool und futuristisch – neu und anders. Ebenso wie die Choreografie: von großer Varianz und reich an Überraschungen.
Möglich, dass, ein Störer die Konzentration der Zuschauer bricht, sie erheitert, sie einfängt – so ein Bruch kann die Atmosphäre in Sekunden verändern – leider in jede Richtung. Dass mir sich nicht erschließende Ikea Intermezzo, hat für kurzzeitige Erheiterung, Befremdung beigetragen, war aber im Gesamtkontext unnötig.
Aber auch hier, tänzerisch war der Auftritt ein Genuss.

Bei OPUS 29 von Michael Foster, Musik die Toteninsel von Rachmaninow, legte sich die Musik auf den Tanz. Die Dramatik der Musik überrannte teilweise die Choreografie, die hervorragend ist.
Starke homogene tänzerische Gruppe, ebenso starke pax de deuxs – die der Musik dann wieder standhalten konnten.
Dass sich die Gruppe dem Publikum stellte, geschlossen, Auge in Auge, hat aufgeweckt.
Fosters Bühnenbild ist großartig – das 2. Bühnenbild an dem Abend, das in diesem Falle akzentuiert einfache, weiße, rechteckige Flächen/Leinwände auf den Punkt inszeniert, einen tollen Raum schafft.
Aber auch hier waren die Einheit von Bühnenbild (sehr sehr toll), Choreografie, tänzerische Leistung, Kostüme (erster Eindruck:  gutsituierte Hampton Strandcocktailgänger) insgesamt eine exzellente, bereichernde Performance.

ROCOCO VARIANTIONS von So-Yeon Kim.
Beim klassischen Finale wurde es auch dann sehr klassisch.
Zurück ins Ballett. Tschaikowsky, Tütüs, perfekter Tanz. Eine schöne Choreografie, insbesondere mit der Aufhebung der klassischen pax de deux Besetzung: Mann / Frau.
Hier hat auch der moderne Tanz zeitweise Einzug gehalten. Gelungen und sehr schön anzusehen.

Der Abend war insgesamt großartig, toll und ich bin besonders dankbar für Brice Asnar.

Voller Qualität, Überraschung, Excellenz und Schönheit. Inhaltlich, choreografisch und optisch hat das Ensemble der Oper mal kurz gezeigt, dass die Welt auf der Bühne unserer deutschen Oper am Rhein zu Hause ist! Variantenreich und sehr sehr kreativ. Bämm! Danke.

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
 Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Sie engagiert sie sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

Besuch sehr empfehlenswert

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Hubert Kolb über die Premiere von „Young Moves“

Der Ballettabend Young Moves gab zwei Tänzerinnen und zwei Tänzern des Düsseldorfer Balletts die Gelegenheit, mit einer eigenen Choreographie ihre Fähigkeiten zur Gestaltung eines Ballettstückes zu erproben. Das Ergebnis war heterogen, und genau darum war es ein sehr anregender Abend!

Brice Asnar hat sich mit AS IT LEAVES der Thematik von Trauer und Verlust gewidmet. Das Anfangsbild mit in die Höhe schwebenden Tänzer-Puppen war eindrucksvoll und symbolisch. Dann folgte ein technisch eindrucksvoller rasanter Paar-Tanz, der für mich seelenlos und nicht berührend wirkte – schade. Das Bühnenlicht war allerdings toll.

Helen Clare Kinney bezog in UNQUALIFIED das Ensemble von sechs Tänzer/innen in die Entwicklung der Choreographie mit ein. Heraus kam ein heterogenes Stück mit vielen Brüchen, welches mich nicht berührte oder anderweitig überzeugte.

Michael Foster hatte mit OPUS 29 bereits zum dritten Male die Gelegenheit zu einer eigenen Choreographie. Die Umsetzung der Musik von Rachmaninoff über Böcklins Bilder der Toteninsel (op.29) gelang den neun Tanzenden großartig, mit eher klassischem Tanz aber moderner Personenregie und Lichteffekten. Zum Schluss gehen alle, zum Teil widerstrebend, sehr langsam in das große Licht – die Ewigkeit.

Auch So-Yeon Kim lieferte mit ROCOCO VARIATIONS bereits ihre dritte Arbeit ab. Alles war klassisch gefällig, mit dem Cellokonzert von Tschaikowski als Leitmusik. Was ist hier neu und modern, fragte ich mich – bis ein Zwischenspiel mit einem erotischen Tanz von zwei Tänzerinnen, und danach von zwei Tänzern ein aktuelles Thema aufnahm. Beim schnellen Schlusssatz des Musikstückes mit allen sechs Tanzenden ging diese gesellschaftspolitische Spannung wieder verloren.

Das war für uns Opernscouts die letzte Premiere der Saison. Rückblickend dominiert die Wahrnehmung, dass hier Oper und Ballett auf hohem, oft höchstem Niveau präsentiert wurde, mit großem Aufwand für zum Teil nur wenige Vorstellungen, und in einer enormen kulturellen Breite. Es ist großartig, dass es sich unsere Gesellschaft (noch) leisten kann, Hochkultur in diesem Umfang zu ermöglichen.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt

 

 

Gisela Miller-Kipp über „Young Moves“

Sechs kleine Meisterwerke

Sechs Uraufführungen – sechs kleine Meisterwerke, zusammen ein Kosmos des modernen Balletts: von faszinierenden Bewegungsstudien, dabei auch Slow Motion, über expressive Gefühlssprache – insbesondere anrührend: Trauer – bis zur rhythmischen Ekstase – alles immer konzentriert auf die Musik; Tanz und Musik fügen sich in den unterschiedlichsten Bewegungssituationen passend zusammen. Deshalb fand ich den Abend trotz der Zusammensetzung aus gleich sechs Stücken auch nicht zu lang oder anstrengend, keines der Stücke wollte ich missen, auch keine Minute der Musik. Die ist überdies ihrerseits ein Kosmos: Klavier- und Gesangsklassiker, Trommelorchester und Swing-Jazz – es wurde Shimmy getanzt –, Bassgewummer, knisternde Klangteppichen, berstende Akkorde, Atemgeräusche und Stille – ja: Stille! – Das konzentrierte Anschauen und Anhören des Tanz-und Klanggeschehens wird vom Bühnenraum ungemein gefördert: Er ist durchgängig ruhig-abstrakt und in Grautönen gehalten, hier und da mit farbig glühenden Flächen belegt, er ist aber auch einmal gänzlich leer, und manchmal gibt es Eigenbewegung: ein riesiges Leintuch fällt vom Bühnenhimmel und umhüllt einen Körper, ein Leichentuch also, später ist es das übergroße Flügelhemd, in dem der Verstorbene wieder erscheint; an der Rampe werden mir geheimnisvolle asiatische Schriftzeichen gemalt und als Video auf den Bühnenhintergrund übertragen; ein weißes Quadrat schwenkt sich schwebend über der Bühne – kurzum: eleganter Purismus, mit einer komischen Ausnahme auch in der Bekleidung.
Mein Favorit unter den Sechsen: „edge of reason“ (am Rande der Vernunft) von Chidozie Nzerem, ein Bravourstück afrikanisch-karibischer Tanzdynamik, Marlucia do Amaral legt als absolute Spitzenleistung den Zittertanz einer Geisterseherin hin – umwerfend. – Ich will die sechs kleinen Ballette (Wun Sze Chan, Michael Foster, So-Yeon Kim, Sonny Locsin, Chidozie Nzerem, Boris Randzio) aber gar nicht einzeln und im Einzelnen beschreiben, man muss hingehen und sie sich ansehen, will man ihre jeweilige Eigenart in Tanzsprache und Stimmung erfassen und, vor allem, genießen. Dazu man muss nicht einmal tiefsinnige „Bedeutungen“ kennen oder suchen, wie etwa im Programmheft zugeschrieben, wo Aussagen beabsichtigt sind, erschließen sie sich von selbst, so eindringlich wird hier getanzt. – Eine bravouröse Gesamtleistung der „Schläpfer-Truppe“, an der man auch sehen kann, welch großes choreographisches und bühnenbildnerisches Können in ihr steckt.

Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

„Young Moves“ mit Choreographien/Uraufführungen von vier Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein steht in der kommenden Spielzeit wieder auf dem Programm: https://operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves-2017-18.1123482

Susanne Freyling-Hein über „Young Moves“

Kurzweilig, erfrischend, beeindruckend

Das Format „Young Moves“, das sechs kurze Ballette junger Choreographen auf die Bühne bringt, hat mir sehr gut gefallen. Durch die Kürze der Stücke ist es ein kurzweiliger, erfrischender Abend und doch erhält man einen guten Eindruck von der Arbeit und den Ideen der Nachwuchs-Talente. Einzelne Sequenzen wirken auf mich nicht so reif wie die Schläpfer-Choreographien der b-Reihe, dafür empfinde ich einen Großteil der Stücke als recht plakativ, was mir sehr gut gefallen hat.
Am stärksten bleibt mir das Stück 49 von So-Yeon Kim in Erinnerung: der getanzte Verlust des Partners und alle Phasen des Abschieds mit Bezug auf religiöse Trauerrituale. Super plakativ – hat mich zu Tränen gerührt!
Ebenfalls total beeindruckend: Edge of Reason von Chidozie Nzerem, der mir schon in einigen anderen Balletten als extrem charismatischer Tänzer aufgefallen ist. Die Trommel-Musik erinnert an ein Voodoo-Ritual und geht unter die Haut. Dazu passend der Tanz – instinktive Bewegungen, eine mystische Stimmung, archaisch und existenziell.
Viele frische Ideen und Momente auch in den anderen Stücken: ein sich veränderndes Bühnenbild durch projiziertes Live-Painting in No Destination oder Ballett zu Jazz-Klängen in East Coasting.
Das nächste „Young Moves“-Programm steht für 2018 fest auf meiner Liste!

Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.


„Young Moves“ mit Choreographien/Uraufführungen von vier Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein steht in der kommenden Spielzeit wieder auf dem Programm: https://operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves-2017-18.1123482

Uwe Schwäch über „Young Moves“

Inspirierende Ballettmosaiken

Der letzte Ballettabend in dieser Spielzeit bietet vielseitige, bunte und sehr inspirierende Ballettmosaiken. Die sechs Uraufführungen vermitteln sich insgesamt sehr unterschiedlich, jedes Stück verfügt über einen eigenständigen Charakter und setzt unverwechselbare Akzente. Alle gemeinsam verfügen sie über eine spürbare Intensität, die von der Bühne ins Publikum getragen wird. Dazu trägt sicher bei, dass die Choreografien von Tänzerinnen und Tänzern aus der Kompanie stammen. Dies führt zu einer gegenseitigen Befruchtung, die sowohl in der tänzerischen Qualität als auch in der mentalen Aussteuerung erlebbar wird.
„No Destination“ von Wun Sze Chan wird durch den experimentellen Charakter des Stückes geprägt. Das Bühnenbild verändert sich fortlaufend durch ein Live-Painting, das auf die Bühnenrückwand projeziert wird. Sphärische, stellenweise sehr dissonante Klangkörper ersetzen eine musikalische Begleitung. Der Tanz ist archaisch, wild, kraftvoll und energetisch. Auch die Kostüme passen sich dem dynamisch-expressiven Auftritt an, wir sehen bei den Tänzerinnen viel Tüll, die Tänzer tragen halblange Gewänder. Sicher ein kreatives Tanzformat mit begrenzter Begeisterungsfähigkeit.
„Fourmis“ von Sonny Locsin entführt uns in die Welt der Ameisen. Der ständige Bewegungsfluss ist somit das zentrale charakteristische Merkmal. Im Verlauf des Stückes verändert sich diese Struktur in zunehmend statische Bewegungsmuster und es entstehen Figuren, die an Yoga erinnern. Trotz individueller Tanzbewegungen der sechs Protagonisten ist deren Harmonie spürbar.
„Andante Sostenuto“ von Boris Randzio bietet einen Tanztraum und vielleicht das klassischste Ballettstück dieses Abends. Hellblaue Kostüme in Organza, in das auch die Tänzer gehüllt sind, sowie kontemplative Klaviermusik von Schubert schaffen den Rahmen für eine verhältnismäßig leichte, anmutige Performance. Geprägt von einem hohen Maß an Intimität verschmelzen die sechs Tänzerinnen und Tänzer und bestechen durch ihr Einfühlungsvermögen.
„Edge of Reason“ von Chidozie Nzerem entführt den Zuschauer in einen Ort der Ekstase. Die temporeiche Bongo- und Trommelmusik entfacht eine dynamische und kraftvolle Entfaltung auf der Bühne. Die Tänzerinnen in Bustier-Badeanzüge kommen daher wie Amazonen und zeigen sich selbstbewusst und stark. Im zweiten Teil des Stückes sehen wir zwei Paare (w/m + m/m!) mit einem wilden, ekstatischen, aufgewühlten und auch erotischen Tanz, der die Zuschauer aus ihren Sitzen reißt. Man spürt Afrika und hat das Gefühl inmitten eines Urwaldes zu stehen. Für mich das Highlight dieses Abends.
„49“ von Se-Yeon Kim setzt auf ein Handlungsballett mit melancholischen Zügen. Tod, Abschied nehmen, Trauer, Fürsorge und Hoffnung werden einfühlsam offenbart. Zu Beginn mit einem filmischen Musikcharakter, erleben wir die Auferstehung zum Engel mit barocker Musik von J.S. Bach. Nirgendwo werden an diesem Abend menschliche Emotionen so nahe und anschaulich vermittelt wie in diesem Stück. Allerdings ist der Verlauf vorhersehbar und die Theatralik verdrängt das tänzerische Momentum.
„East Coasting“ von Michael Foster ist eine gesellschaftliche Sozialstudie und zeigt Szenen aus dem Amerika der 50er und 60er Jahre. Kostüme und Musik (die Trompeten sind unüberhörbar) sind in einen schwungvollen Tanz eingebettet und vermitteln oberflächliche Heiterkeit, die durch die gesamte Tanztruppe auf der Bühne vermittelt wird. Doch das Stück reflektiert auch psychologische Tiefen. So zieht sich ein Mann vor einer Frau aus und wird von dieser ausgelacht. Auch hier sehen wir über den Tanz eine gelungene Wiedergabe menschlicher Gefühle und sozialer Verhaltensmuster.
Bei diesem „Nachwuchs“ muss man sich über die glänzenden Perspektiven des Düsseldorfer Balletts keine Sorgen machen.

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

 

Isabell Boyer über „Young Moves“

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Meisterwerke

Die sechs Uraufführungen in „Young Moves“ sind in ihrer Einzigartigkeit und ihrem Ideenreichtum kaum in wenige Worte zu fassen. Ich war höchst beeindruckt von jedem der sechs Stücke. Meine beiden Favoriten, was Choreographie und Spannung betrifft, sind „Edge of Reason“ von Chidozie Nzerem und „No Destination“ von Wun Sze Chan. Die eingängige, an die Jagd erinnernde, Musik in „Edge of Reason“ gepaart mit den Tänzern, die in ihrer Gemeinschaft Jagd und Paarung, Gemeinschaftsgefühl und Machtverhältnisse vertanzten, blieben mir lange im Gedächtnis. „No Destination“ erzielte eine surreale, futuristische Wirkung. Der faszinierende Einsatz von Kulisse und Geräuschen waren unwahrscheinlich intensiv, ebenso wie der gezielte Einsatz von Stops in den Bewegungen und der Konkurrenz eines organischen (Gruppen-)Körpers mit dem Individuum. Beide Stück bewegten etwas in mir und hinterließen einen starken Bewegungsdrang.
„Fourmis“ und „Andante Sostenuto“ waren beide ruhiger, aber dafür umso schöner. Man wollte sich nicht aus ihren Fängen lösen, so sehr hüllten sie einen in ihre Atmosphäre ein und ließen mich wünschen, noch etwas länger in ihrer behütenden Wirkung verweilen zu können.
„49“ und „East Coasting“ waren die beiden Stücke, die mich am meisten erschütterten. „49“, das von Tod, Leben und Trauerbewältigung erzählt, traf mich genau ins Herz, berührte mich sehr tief. Die Bilder, die die Tänzer dort erzeugten, wühlten Erinnerungen auf, die mich so schnell nicht mehr losließen. Definitiv ein intensives Stück, aber auch eines, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. „East Coasting“ wirkte für mich wie ein Kontrast in sich. Wer hier die fröhliche Darstellung der 50er Jahre in New York erwartet, irrt sich. Hier geht es um weitaus ernsteres. Allerdings war die Darstellung für mich an manchen Stellen konfus. So saß ich am Ende der Vorstellung mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn da und versuchte, alles in Einklang miteinander zu bringen. Vielleicht sollte das gar nicht möglich sein. Vielleicht ging es um genau diese Verwirrung, um genau diesen Verlust der Orientierung, bis man hilflos in seine Komfortzone zurückkehrt…
Alles in allem war es ein genialer, sehr vielseitiger Ballettabend. Ich bin beeindruckt von der Leistung der Choreographen und hoffe, bald Neues von ihnen zu sehen. Ich verabschiede mich also mit einem großen Lob an diese Meisterwerke und empfehle von ganzem Herzen, die verbliebenen Vorstellungen zu besuchen – es lohnt sich.

Weitere Informationen zu „Young Moves“

Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Khatuna Ehlen über „Young Moves“

 

 

 

 

 

 

 

Klingende Bilder

Der Ballettabend inspirierte in seiner Vielfalt körperlichen Ausdrucks und Themen sowie seinem wunderbar musikalischem breiten Spektrum von Klassik über Jazz bis hin moderner Musik.
Jedes Stück ein kleines Meisterwerk!
Mein Favorit war die Choreografie von Chidozie Nzerem „Edge of Reason“. Die Übereinstimmung von Tanz und der gewählten Percussion-Musik überzeugte vollends!
Es war ein an nachhaltiger Ballettabend, dessen einzelne Bilder nachklingen.

Weitere Informationen zu „Young Moves“

Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.