Die Inszenierung ist mehr als einen Besuch wert!

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Michael Menge über die Premiere von „Petruschka/L’enfant Et Les Sortilèges“

Opernscout zu sein ist für mich eine neue Erfahrung die mir ermöglicht die Welt der klassischen Musik, der Oper und des Balletts auf eine persönliche Art zu entdecken, einzuordnen und somit eine neue Sicht auf diese wunderbare Art des Ausdrucks zu gewinnen.
Die Doppel Oper Petruschka und L’enfant et les sortilèges in der Inszenierung von dem Künstler Duo 1927 aus London ist mehr als einen Besuch wert und zeigt mit der zeitgemäßen und außergewöhnlich avantgardistischen Interpretation, dass eine Oper mehr sein kann als ein Tenor in einem hautengen Baumkostüm.
Petruschka berührt durch die detailreichen Animationen, die in einer beeindruckenden Größe auf die Rückwand der Bühne projiziert werden und mit denen die Schauspieler und Artisten in Intelligenter, witziger und überraschender weiße interagieren. Diese Inszenierung von Petruschka ist sehr kurzweilig, da sie den Betrachter sehr schnell in die Geschichte zieht und bis zum Schluss durch imposante Bilder spektakulärer Akrobatik und feinfühlig moderierten Emotionen bannt.
L’enfant et les sortilèges überzeugt durch die Fantasiewelt, die mithilfe der Animationen um die Geschichte des frechen Jungen gesponnen wird. Die sehr einfach erzählte Geschichte um einen verwöhnten Bengel ohne Maß und Respekt bekommt durch die komplexen und wechselnden Welten eine faszinierende und manchmal überfordernde Tiefe.
Beide Aufführungen verbindet mehr als die gewählte Art der Inszenierung durch Animationsfilme des Künstler-Duos. Immer wieder entdeckt man subtile Verbindungen zwischen den Stücken die einen überraschen und neugierig machen. Die Entscheidung eine Vorstellung mit diesen Stücken zu gestalten funktioniert hervorragend und lässt mich sehr neugierig auf die nächsten Premieren des Duisburger Theaters werden.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Michael Menge
Selbstständiger Grafikdesigner

Michael Menge ist Inhaber der Design Agentur „Oppa Franz“ aus Duisburg. Im Dialog mit seinen Kunden schaut der freie Art Direktor und Designer genau hin: „Es geht uns um den ganzheitlichen Charakter eines Unternehmens. Denn interessante Persönlichkeiten sind nicht perfekt – und spannende Marken auch nicht.“ Genau hinschauen möchte er jetzt auch als Scout für Oper und Ballett in Duisburg. Er ist sehr neugierig auf das Projekt, da er bisher wenig Berührung mit Oper oder Ballett hatte und freut sich darauf, diese Art der Darstellung und des Ausdruckes besser verstehen zu lernen.

Verschmelzung von Akrobatik mit Animation – einzigartig!

Petruschka_LEnfant_05_FOTO_HansJoergMichelMoritz Besel über den Doppelabend ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Wer bereits die Zauberflöte in der Inszenierung der Theatergruppe „1927“ gesehen hat, denkt, er wüsste, worauf er sich bei PETRUSCHKA einließe – doch weit gefehlt. Die Geschwindigkeit der Animation, das Ideenfeuerwerk und die Verschmelzung von Akrobatik mit Animation sind einzigartig. Gut, dass es hier keinen Gesang gibt, sondern nur Musik. Sonst wäre der Kopf vollends überfordert. Doch der hektische Jahrmarkttrubel überdeckt nicht das tieftraurige Motiv, an dessen Ende der Selbstmord Petruschkas steht. Das Hektische und Abgründige eines Jahrmarktes saugt einen ein, wirbelt einen herum und spuckt einen genauso schnell wieder aus.

Dagegen ist das Motiv von L’ENFANT ET LES SORTILÈGES sehr simpel. Ein unartiger Junge zerstört wütend seine Zimmereinrichtung, worauf, wie in einem Alptraum, die von ihm beschädigten Objekte lebendig werden. Selbst die Natur im Garten setzt ihm zu, worauf er schließlich zur Räson kommt und artig seine Hausaufgaben macht. So schön die Umsetzung von Gesang und Orchester im Zusammenspiel mit den Darstellern und Animationen ist, bleibt es auf einer lieblichen Ebene, die, zumindest mich, nicht so zu packen vermag, wie PETRUSCHKA.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Moritz Besel

Inhaber ,,Der Farbklecks – Einrahmungen, Künstlerbedarf, Geschenke‘‘

Seit nunmehr zwölf Jahren arbeitet Moritz Besel im „Farbklecks“, der Duisburger Adresse für Künstlerbedarf und Einrahmungen. Nebenbei studierte er Medien- und Kommunikations­management und bereitete sich auf die Übernahme des Geschäfts vor: Seit 1. Januar 2018 ist er dessen Inhaber. Berührung mit dem Theater hatte Moritz Besel schon früh durch seinen Onkel Rainer Besel, Gründer des Duisburger Theaters „kreuz & quer“.

 

 

Eine zauberhaft-naiv wirkende Kulisse

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Annette Hausmann über den Doppelabend ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Der Vorhang öffnete sich und sogleich „entpuppte“ sich das Bühnenbild als computeranimierter Zeichentrickfilm, der uns Zuschauer in die Welt des russischen Jahrmarkttreibens zu Beginn des letzten Jahrhunderts entführte. Inmitten dieser zauberhaft-naiv wirkenden Kulisse werden die drei Spielpuppen von ihrem bösen Meister zum Leben erweckt und verwandeln sich wie von Zauberhand in drei menschliche Artisten, die ihre darstellende Kunst in Form von Gestik, Mimik und Akrobatik auf non-verbale Art exzellent beherrschen. Durch ihr anmutigen Bewegungen und Kunststücke, die immer absolut punktgenau-synchron zum Filmabschnitt und zur schnellen, ausdrucksstarken Musik Strawinskys passen, entsteht aus dieser Dreierkonstellation eine Art Symbiose, die mich während des 50-minütigen Verlaufes in ihren Bann zog. Besonders verbunden gefühlt habe ich mich mit dem Leidensweg des Clowns „Petruschka“ (Tiago Alexandre Fonseca), der am Ende nur noch seinen Tod als einzigen Ausweg ansieht, um sich aus den Fängen seines despotischen Meisters zu befreien und zur erhofften, grenzenlosen Freiheit zu gelangen.

Der zweite Teil des Abends „L’enfant et les Sortilèges“ von Ravel sprach mich weit weniger an als „Petruschka“. Obwohl die Art der Film- und Musikdarbietung vergleichbar mit „Petruschka“ ist und hervorragende Opernsänger der Deutschen Oper am Rhein in die Rolle der Schausteller „schlüpfen“, blieb ich mit der Geschichte und der Figur des ungehorsamen, scheinbar bösen und faulen Jungen, der in einem Albtraum, den er in all seinen Facetten durchleben muss, zum Umdenken erzogen wird, auf Distanz. Das abrupte „Happy-End“ erinnerte einen unschwer an den „Struwwelliese – und Struwwelpeter-Mythos“ aus vergangenen Kindheitstagen.
Ravels Musik – sicherlich geprägt von seinen Erlebnissen im ersten Weltkrieg – empfand ich als zu unruhig, hart und impulsiv. Auch die teilweise sehr finstere und brutale Bildanimation des zweiten Teils war meiner Meinung nach wenig geeignet für eine Kinderoper.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

 

 

 

Tolles Zusammenspiel zwischen Menschen, Musik und Animation

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Petruschka – FOTO: Hans Jörg Michel

Christiane Hain über den Doppelabend ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Nachdem mich nun die Inszenierung der Zauberflöte durch die Bühne 1927 schon mehrfach begeistert hat, war ich gespannt, wie diese beiden Stücke, die ich gar nicht kenne, interpretiert werden und wie hier das Zusammenspiel zwischen Menschen, Musik und Computeranimation umgesetzt werden.

Man fühlte sich bei Petruschka von Anfang an in den Trubel eines Jahrmarktes hineingezogen. Die vielen bunten Bilder, die für einen Jahrmarkt schrägen Typen und Tiere werden perfekt durch die Animation umgesetzt. Die Idee Akrobaten, die Rolle der Jahrmarkt Puppen übernehmen zu lassen, ist überraschend, aber perfekt. Es entstehen hierdurch wunderschöne Bilder und Interaktionen mit dem animierten Film. Beeindruckend fand ich die Szenen mit dem Trampolin bei dem Petruschka scheinbar zeitgleich mit den Hunden auf dem Jahrmarkt springt, in der Tasche einer Jahrmarktbesucherin Karussell fährt oder mit einer Rakete abhebt. Die Geschwindigkeit der Musik wird exakt auf den Film und die Bühne übertragen. Tolle Verschmelzung von Orchester und Bildern.

Bei der Kinderoper vom bösen, unartigen Kind wird Animation, Mensch und Musik auch wieder phantasievoll verbunden, aber das Stück zieht an einem wie ein böser Traum vorbei ohne die Wirkung des ersten Stückes zu entfalten. Das Lesen der Untertitel bzw. Übertitel, da diese an der oberen Seite der Bühnen erscheinen, empfand ich als schwierig und es störte ein wenig den Gesamteindruck.

Wenn man sich diese Aufführung anschaut, sollte man Plätze weiter hinten wählen, um einen umfassenden Eindruck zu erhalten.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.


Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Köln. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Mit einigem Abstand nähert sich die Duisburgerin jetzt wieder der Oper und dem Ballett und freut sich auf ihre neue Aufgabe als Opernscout

 

 

Jedes Bild ein Kunstwerk

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Petruschka FOTO: Hans Jörg Michel

Alexandra Schiess über die Premiere von ,,Petruschka/L’Enfant Et les Sortilèges“

Das unglaubliche Gefühl Teil eines Gesamtkunstwerkes gewesen zu sein hält immer noch an. Ohne mich vorher einzulesen, ließ ich mich auf den bevorstehenden Opernpremierenabend ein. Ich wusste nur es beginnt mit Igor Strawinsky’s ,,Petruschka“.

Was dann erfolgt ist wahrlich schwer in Worte zu fassen…es braucht nur wenige Sekunden mich in den Bann zu ziehen. Das Zusammenspiel von der Musik Strawinskys, einer sagenhaften Animation, welche sich über die gesamte Bühnenrückwand erstreckt, außergewöhnlich starker Artistik und Pantomimik, ein auf das Wichtigste reduzierte Kostüm-und Bühnenbild zaubert mich selbst in diese bizarre Szenerie des Jahrmarktes hinein. Inmitten des Jahrmarktes lerne ich Petruschka, Ptitscka und Parat kennen, Puppen, die aus der Animation heraus, auf der Bühne menschliche Gestalt annahmen. Das ständige Spiel zwischen Illusion und Realität steigert sich in eine wahrhaftige Verschmelzung von Bühnenbild und Animation, durch kaum merkliche Öffnungen in der Bühnenwand.

Immer wieder entstehen vor meinem Auge Szenen, die man sich kaum besser ausdenken könnte. Ein anschauliche Beispiel: Der Clown Petruschka (Vollendete Pantomimik, dargestellt von Tiago Alexandre Fonseca) steigt auf der Bühne in eine überdimensionierte Handtasche um seinem sadistischen Meister zu entkommen, dann geht das Hintergrundbild der Bühnenrückwand über in die Animation, dort gehen die Besucher rufend umher- die eben noch auf der Bühne stehende Handtasche wird kleiner, ist nun in der Animation zu sehen, eine Frau greift sie und steigt auf ein Riesenrad, weiter jauchzend hält sie ihre Tasche fest und kreist auf dem Rad, an einer Stelle der Wand ist eine Öffnung und so nimmt die Illusion ihren Lauf. Der Clown schaut somit aus der schmal geöffneten Tasche heraus und hält sich den Hut im Sturme fest….

Die Animation-für mich, jedes Bild ein Kunstwerk….. Dann fällt der Vorhang….Tosender Applaus. Eine Oper ohne Gesang?- bestimmt eine neue, aber bestimmt positive Erfahrung für Jemanden der Stravinsky’s Petruschka ganz anders kennt und liebt.

Man wird durch die Inszenierung des Künstlerteams 1927 so wunderbar geleitet, dass man auch das relativ unbekannte Stück von Maurice Ravel, L’enfant et les Sortilèges ,spielend versteht und erlernt. Auch hier bleibt sich das Team 1927 treu, verwendet das wunderbare Stilmittel der Animation, Realität und Illusion verschmelzen. Auch hier entstehen überraschende Momente. Dieses Mal, tatsächlich eine Oper mit Gesang, stehen die Solisten und der Chor größtenteils, für den Besucher nicht zu sehen, im Orchestergraben, die Illusion wird verstärkt.

Für mich eröffnete dieser Abend ein neues Kapitel in der Opern-und Musikgeschichte. Die Künstler des Teams 1927 sind für mich wahrlich Revolutionäre in ihrem Bereich….

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Alexandra Schiess
Modedesignerin

Alexandra Schiess war Opernscout der ersten Stunde: Schon in der Spielzeit 2009/10 lernte sie das Projekt kennen und war sofort begeistert, Teil des Experiments zu sein. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und freut sich, ein zweites Mal – diesmal in Duisburg – dabei sein zu dürfen. Vor allem der Tanz fasziniert die Modedesignerin, die ihre Kollektionen sowohl in Deutschland als auch international, wie zum Beispiel in Paris, Rom und San Francisco vermarktet: Sie erstellte Kostümbilder für Ballettproduktionen in Dortmund und Hannover und pflegt eine enge Beziehung zum Ballett am Rhein. Der Oper begegnet sie mit Respekt und Freude und ist gespannt auf die neue Spielzeit.

 

 

Eine fesselnde Dynamik

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Dominik Mustereit über die Premiere von ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Die Inszenierungen von Petruschka und L’Enfant et les Sortilèges haben mich beide in ihrer besonderen Darstellungsweise überzeugt. Die wahrlich zauberhafte Arbeit der Bühnentechnik und der Darstellerinnen und Darsteller in der Interaktion mit der Projektion können nur als begeisternd und ergreifend beschrieben werden.

Die bildhafte Vorstellung von Petruschka ist mir besonders in Erinnerung geblieben, denn die Bildhaftigkeit wirkte wie ein Sog in das Geschehen. Förmlich hineingeworfen in die Szenerie eines Jahrmarktes – mit allen fröhlichen, aber auch zum Teil abschreckenden Bildern und Schauplätzen- bot die Geschichte des Puppenspielers und der drei Figuren, die zum Leben erweckt wurden, eine fesselnde Dynamik. Zauberhafte Szenen wechselten sich augenblicklich, mit zum Teil verstörenden Blicken und traurigen Ereignissen, ab.

Die Kombination aus Akrobatik und Animation, die Interaktion der Darstellerinnen und Darsteller, sowie die Geschichte, machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis.

L’Enfant et les Sortilèges bot hier ein anderes, aber dennoch passendes Gegenstück zu Petruschka. In einer ähnlichen Art und Weise sind die beiden Geschichten stimmig und voll von Emotionen. In dem grundsätzlich eher kindlichen Schema zeigte L’Enfant et les Sortilèges eine Geschichte, die durch moralisierende Elemente und eine beeindruckende Leistung der Darstellerinnen und Darsteller, die den Abend in der Oper abrundete.

Auch L’Enfant et les Sortilèges beeindruckte mich, dennoch muss ich zugestehen, dass Petruschka mich persönlich an diesem Abend mehr bewegte und überzeugen konnte.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Dominik Mustereit
Gymnasiallehrer in Dinslaken

Dominik Mustereit unterrichtet Biologie und Evangelische Religion am Otto-Hahn-Gymnasium Dinslaken. Als Opernscout möchte er die Welt der Oper und des Balletts näher kennen lernen und „sprachfähig“ werden, das heißt durch die regelmäßigen Opern- und Ballettbesuche, das genaue  Betrachten, Besprechen und Beschreiben der Aufführungen die eigene Meinung zu bilden und auszudrücken.

 

 

Eine phantastische Welt an der Leinwand

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L’Enfant et les Sortilèges FOTO: Hans Jörg Michel

Kerstin Hein-Flügel über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Die britische Theatergruppe „1927“ hat mir nach Mozarts „Die Zauberflöte“ ein weiteres Mal zwar eine recht kurze aber phantastische Premiere im Duisburger Theater an die Wand geworfen.

Der Doppel-Leinwandabend hebt ab mit „Petruschka“ und setzt den Zuschauer ins Karussel der Jahrmarkt Eindrücke. Die stilistisch ins letzte Jahrhundert inszenierte Trickfilmwelt  ist mir sonderbar, die Menschen darin steril, gemein, hässlich, ganz zu schweigen vom fiesen Puppenspieler. In seiner Kiste piesackt er mit überdimensionalen Nadeln den Clown Petruschka, die Tänzerin und den Muskelmann. Das geheime Reich der Puppen mit ihren menschlichen Zügen spielt in der perfekt animierten Trickfilmkiste. Im Verlauf entwickeln sich die tragisch einseitige Liebesgeschichte Petruschkas und sein Drang nach Freiheit. Ihm gelingt die Flucht durch ein Loch in der Leinwand, aber nach kurzem Ausflug durch cineastische Abenteuerwelten wieder gefangen und zurück findet er den Tot. In einer 40 Minütigen Inszenierung verschmelzen vor meinen Augen und Ohren atemberaubende Kunststücke der drei Darsteller eingebunden in einem Trickfilm fein abgestimmt auf Stravinskis Musik. Das Lächeln des Clowns und seine akrobatischen Einlagen sind grandios gespielt und bleiben dem Zuschauer sicherlich noch länger in Erinnerung.

Dann geht es weiter mit „L’Enfant et les Sortilèges“ oder einfach „Das Kind und der Zauberspuk„.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Das böse Kind macht alles kaputt, quält Katzen, hasst seine Mama und am Ende wird alles gut. Doch der Weg dahin wird zur Kinderzimmer Horror Picture Show. Jetzt wird es unruhiger an der Leinwand und ich muss mich konzentrieren, um die vielen Details zu verstehen.  Nach der Fusion aus Film, Musik und Darsteller zuvor bei Petruschka kommt bei dieser Alptraum-Oper jetzt noch der Gesang hinzu, obgleich die Sänger und der Chor für den Zuschauer größtenteils unsichtbar bleiben. Sehr schön ins Bild gesetzt die phantasievoll zum Leben erweckten Gegenstände auf der Leinwand und insbesondere für mich die Gesangseinlagen der Sonne. Der cineastische Anteil überwiegt bei dieser Inszenierung. Wer zwischendurch auch mal die musikalischen Momente Ravels genießen möchte sollte dann die Augen schließen, was aber schwer  gelingen wird.

Mein Fazit: Eine phantastische Welt an der Leinwand  und Musik aus dem Orchestergraben meines geliebten Theaters in Duisburg, wieder genial für den Moment, den ich mir noch ein weiteres Mal gönnen werde. Ob sich aber mit dieser Art der Inszenierung nachhaltig eine neuartige Kunstform auftut ist ungewiss. Und so könnte es beim nächsten Mal auch schon eng werden  für die Theatergruppe „1927“ oder mögliche Nachahmer nochmal einen drauf zu setzten. Warten wir´s ab.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Kerstin Hein-Flügel
Inhaberin FLORES Duisburg
Die Floristmeisterin und Dekorateurin, die sich mit ihrem Blumenladen „Flores“ in Duisburg selbstständig gemacht hat, ist mit dem Kunsthandwerk groß geworden: Schon ihre Eltern hatten ein Floristikgeschäft. Kerstin Hein-Flügel beschreibt sich als kreativen Charakter, der sich nicht nur von der Natur, sondern auch von Kunst und Musik inspirieren lässt. In ihrer Freizeit geht sie gern und oft in die Oper. Sie möchte auch in ihrer zweiten Spielzeit als Opernscout ihre Gedanken nach außen tragen.

 

 

Ein Fest für alle Sinne!

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„Petruschka“ FOTO: Hans Jörg Michel

Isabel Fedrizzi über die Premiere von ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Als „Opernabend“ angekündigt und doch keine Sänger auf der Bühne (Petruschka), schrill-bunte Bilder, die ein eher schräges Spektakel auf der Bühne verheißen und dazu wenig geläufige Musik von Strawinsky und Ravel… meine Erwartungshaltung an diesen Abend war gering. Ich wurde auf der ganzen Linie positiv überrascht von der bildgewaltigen emotionalen und physischen Qualität dessen, was dieser Abend geboten hat: ein Fest für alle Sinne!

In Strawinskys Kurzoper Petruschka liegt ein Schwerpunkt auf der fantastischen cineastischen Arbeit der Gruppe „1927“, die den Zuschauer allein schon mit ihren starken Bildern in eine Zauberwelt entführen: Die Geschichte eines verliebten Clowns in den Fängen eines bösen Gauklers auf einem lebendig-lustigen Jahrmarkt – viel Material für schöne und lustige Stimmungen, doch mal unterschwellig, mal sehr plakativ durchsetzt mit Zügen des Bösen. Das zweite Standbein des Abends sind die drei beeindruckenden Artisten (Clown, Artistin und Kraftprotz). Sie interagieren mit den Bildern des Films auf der riesigen Leinwand so akkurat, dass Bild und Körper verschmilzen, man einen 3-D-Effekt erlebt. Dabei ist der mimische und physische Ausdruck der drei Artisten großartig: man (er)lebt ihr Schicksal geradezu mit. Dazu als drittes Standbein Strawinskys kapriziöse und gleichzeitig diabolische Musik… man ist schlichtweg hingerissen.

Ravels Musik hingegen erfüllt gar nicht die Erwartungshaltung, die man an die sonst so romantischen, melodisch-poetischen Klänge des Franzosen hat. Hier bleibt die musikalische Idee einfach, schlicht, nicht neu und mit vielen Wiederholungen. Allerdings tritt hier die wenig inspirierende Musik in den Hintergrund der umso bild- und märchenhafter erzählten Geschichte. Inhaltlich ist das Geschehen um das unartige und böse Mädchen, das durch unerklärliche, magische oder zauberhafte Vorgänge am Ende geläutert hervorgeht, vom erhobenen Zeigefinger begleitet und scheint kaum bühnentauglich. Gerade deshalb ist es faszinierend, was „1927“ filmisch daraus gemacht hat und wie geschickt und kunstvoll die Sänger in die Bildwelt aus engem Kinderzimmer, Naturschauplätzen, Tier- und Unterwelt sowie chinesische Phantasiewelt eingewoben werden. Wieder ist das präzise und unscheinbare Verschmelzen von Akteuren und Bildern so packend: Türen und Löcher in der Leinwand, aus denen gesungen wird, Hilfsmittel, die vor die Leinwand geschoben oder von oben heruntergehängt werden und für einen Moment Teil der Geschichte werden. „1927“ versteht es, das Publikum restlos in Bann zu ziehen und man taucht vollends ein in diese zauberhafte, fantastische Bildwelt – das ist Oper ganz anders, ganz neu, aber es bleibt im wörtlichen Sinn eine Oper: ein WERK. Und dieses hier MUSS man gesehen haben!

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Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

Der Traum von Liebe und Freiheit

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Petruschka – FOTO: Hans Jörg Michel

Jürgen Ingenhaag über die Premiere von ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Igor Strawinskys „Petruschka“ habe ich zumindest schon mal im Philharmonischen Konzert gehört. Damals lieferten die Duisburger Philharmoniker die Musik zum Kopfkino. Und heute gibt es großes Kino – ja, nein, Musiktheater! Das Team „1927“ hat sich nach der weltberühmten „Zauberflöte“ nun zwei seltener gespielte Stücke vorgenommen, denn wie viele Andere fragte ich mich: „Lonfohn wat“?

„Das Kind und der Zauberspuk“ des „Bolero“-Komponisten Maurice Ravel ist eine Mini-Oper, genauer eine lyrische Phantasie. Anders als bei Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ wird hier ein „bitterböser Friedrich“ im Wunderland zum Guten bekehrt. Das Stück von 1925 ist bestens für Film und Animation geeignet, denn wie lassen sich sonst sprechende Uhren, Teetassen oder Katzen und Frösche auf die Bühne bringen? Beeindruckt hat mich die Szene, wo die beiden Katzen übergroß und so zur Bedrohung des Jungen werden. Fabelhaft ist die Stimme des Froschs. Rheinoper-Tenor Florian Simson singt diese Partie und steckt auch in der Science-Fiction-mäßigen Maske des „Dr. Mathe“. Wie die anderen Opernscouts bin auch ich überrascht, wie viele Mitwirkende zum Schlussapplaus auf der Bühne stehen.

Ganz anders beim halbstündigen Werk „Petruschka“, welches leichter zugänglich ist und mit drei Darstellern auskommt. Auf einem russischen Jahrmarkt werden drei Marionetten zum Leben erweckt und zeigen sympathische menschliche Züge wie den Traum von Liebe und Freiheit. Doch der Clown Petruschka kann dem „Master of puppets“ nur durch seinen eigenen Tod entkommen. Bedrückende Bilder von übergroßen Händen und hässlichen Fratzen wechseln mit beschwingten Bildern bzw. artistischen Einlagen ab. Hut ab vor diesen drei Künstlern.

Gute Kinofilme sind nur gut durch eine großartige Orchestermusik. Vielleicht lässt sich ja der eine oder andere Kinogänger auf das Live-Experiment „Oper“ ein…

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

 

Ein bunter Abend

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„Petruschka“ FOTO: Hans Jörg Michel

Anja Spelsberg über die Premiere „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Ein wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, bunter Abend wurde uns hier geboten. Sowohl „Petruschka“, als auch „L’Enfant et les Sortilèges“ wurden durch ein grafisch animiertes Bühnenbild unterstützt. Auch, wenn besonders der Inhalt des zweiten Stücks zuweilen doch etwas düster und die Animationen in beiden Stücken teilweise bizarr erscheinen, kann ich mir vorstellen, dass das Programm auch für Kinder und Opernneulinge interessant sein könnte. Durch die Animationen wird der Zuschauer durch die Stücke getragen, ohne den Text der Stücke verstehen oder lesen zu müssen, es ist selbsterklärend. Dazu kommt natürlich das großartige Orchester – und in „Petruschka“ besonders hervorzuheben: die wunderschöne Akrobatik.

Opernscouts 2017

Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Jetzt freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren.

Neue Wege

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Petruschka – FOTO: Hans Jörg Michel

Georg Hess über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

„Bin ich tatsächlich in der Oper?“ mag sich der ein oder andere der Besucher an diesem Premierenabend verwundert  gedacht haben. Der Vorhang öffnet sich zunächst für eine Art Zeichentrickfilm, welcher den Zuschauer in eine russische Jahrmarktatmosphäre zu Anfang des letzten Jahrhunderts versetzt. Nach einigen Minuten werden drei leibhaftige Akteure, keine Opernsänger sondern vielmehr Artisten, in die Handlung eingeflochten. Jeder Schritt, jede Bewegung von ihnen ist genau einstudiert und passt sekundengenau zum Animationsfilm, so dass sich die handgezeichneten Bilder mit ihrem Spiel und ihren artistisch und manchmal waghalsigen Kunststücken verbinden, alles untermalt von der fabelhaften Musik Strawinskys, vorgetragen im verborgenen Orchestergraben von den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Marc Piollet. Den Bühnenkünstlern nimmt man sowohl optisch als auch schauspielerisch ihre jeweiligen (wort- und gesanglosen) Rollen als clownesker Petruschka (überragend ausdrucksvoll Tiago Alexandre Fonseca), als zauberhafte, akrobatische Ptitschka (Pauliina Räsänen) und als Kraftprotz Patap (Slava Volkov) ab. Es passt alles wunderbar zusammen. Mal lustig, mal romantisch, mal beängstigend, mal traurig, mal temporeich, mal beschwingt und schließlich mit der Botschaft über das große Gut der Freiheit, die Petruschka am Ende leider nur im Tod findet. Der zweite Teil des Abends ist eine ähnliche Arbeit. Wieder treffen sich Trickfilm und Akteure, diesmal allerdings in größerer Zahl und mit viel Gesang, sogar der Chor der Deutschen Oper nimmt teil. Die Szenerie findet diesmal in einem Kinderzimmer statt, in welchem ein Kind (dargestellt durch Kimberley Boettger-Soller) zunächst seine Umgebung (insbesondere Gegenstände und Tiere) malträtiert, die sich dann wehrt und schließlich das Kind zur Räson bringt. Auch hier fasziniert der perfekt aufeinander abgestimmte Ablauf des Films mit den tatsächlichen Aktionen der Bühnenspieler. Jede Mimik stimmt zur Animation, wenngleich die Handlung im Vergleich zum überragenden ersten Stück nach meiner Einschätzung zurückbleibt und die Kostüme zwar sehr ideenreich aber teilweise verspielt und gelegentlich bieder wirken. Dennoch ist auch „L’Enfant et les Sortilèges“ ein künstlerisches Highlight. An diesem Abend habe ich mächtig gestaunt über die Verwebung von Film, Varieté, Komik und klassischer Musik um am Ende vollauf begeistert zu sein von der Konzeption der britischen Theatergruppe „1927“.
Eine wirkliche Empfehlung für alle, die Oper für verstaubt und altbacken halten.

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Ein Abend in der K I N O P E R….

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L’Enfant et les Sortilèges FOTO: Hans Jörg Michel

Henning Jüngst-Warmbier zur Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Als sich der Vorhang öffnete hätte man denken können, in einem Kino im Zeitalter der russischen Avantgarde zu sein. Ein Jahrmarkt in all seinen Facetten bot sich uns Zuschauern in seiner üppigen Fülle als Zeichentrick, dadaistisch anmutend, auf der Leinwand dar. Drei großartige Artisten verschmolzen mit der imaginären Zeichentrickanimation und entführten die Zuschauer in die traurige, vom heiteren Jahrmarktstrubel überdeckte Welt Petruschkas. Begleitet von der berührenden Musik Strawinskys war es ein großartiges Erlebnis und zog mich über die ganze Länge in seinen Bann. Ob es in dieser speziellen Form auf eine Opernbühne gehört sei dahingestellt. Dies zu beurteilen möchte ich den Profi-Kritikern überlassen. Im Gegensatz zu einigen anderen Zuschauern beantworte ich jedoch die Frage mit einem klaren ‚Ja, warum nicht‘?
„L’Enfant et les Sortilèges“ war von der Art der Präsentation ähnlich angelegt wie „Petruschka“, da auch hier eine Animation die Sänger nicht nur begleitete sondern unterstützte. Die Musik Ravels schien mir nicht so eingängig wie die von Strawinsky. Die Stimmen und der Chor beeindruckten mich sehr und die „Struwwelpeter“ Botschaft war auch typisch für die Zeit, in der das Stück geschrieben und komponiert wurde.
Strawinsky machte mich glücklich, Ravel erreichte mich dagegen nicht mit der gleichen Intensität, obwohl es alles in allem ein beeindruckender und opulenter Abend war. Apropos Abend. Kino- oder Opernabend? Das muss jeder für sich entscheiden…
Ein lautes ‚Bravo‘ von mir für ein erneut beeindruckendes Werk, das die britische Theatergruppe „1927“ geschaffen hat.

Opernscouts 2017 - Henning JŸngst-Warmbier

Henning Jüngst-Warmbier
Freiberuflicher Dozent an der Zukunftswerkstatt Düsseldorf
Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Hoteldirektor in Düsseldorf bringt Henning Jüngst-Warmbier seine berufliche und pädagogische Erfahrung heute ehrenamtlich in der Zukunftswerkstatt Düsseldorf ein: Seit mittlerweile acht Jahren realisiert er dort Projekte für und mit Langzeitarbeitslosen, Migranten und Flüchtlingen. Mit dem Kulturleben der Stadt ist er seit vielen Jahren über Freunde und Bekannte verbunden. Als Opernscout möchte er seine eigene Sichtweise präsentieren, über seine Empfindungen sprechen und erzählen, wie er das Gesehene erlebt hat.

Petruschka in der Oper am Rhein – Strawinsky besonders erleben!

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Petruschka FOTO: Hans Jörg Michel

Katrin Gehlen über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Es war ganz anders als erwartet! Großartig! Normalerweise bin ich es gewohnt, ein solches Programm beim Düsseldorf-Festival zu sehen – dann jedoch nicht Akrobatik in Kombination mit einem solch hervorragenden Orchester, sondern nur mit musikalischer Untermalung vom Band. Hier stimmte alles, allenfalls der klassische Opernbesucher könnte etwas irritiert sein, da er einfach anderes gewohnt ist. Mir persönlich hat das erste Stück des Abends sehr gefallen. Ich liebe Jahrmärkte der Jahrhundertwende (auch wenn ich sie selbst in meinem Leben nie erlebt habe ;-) sie haben so etwas Skurriles. Fettleibige Schausteller, Hau den Lukas, Ganzkörpertattoos, eigenartige Kreaturen und ein gaffendes Publikum. Darunter 3 Figuren eines Schaustellers, die zu Leben erweckt werden, sich ihrer hoffnungslosen Situation in Gefangenschaft bewusst werden und dabei unter ununterbrochener Beobachtung des Publikums stehen.
Das nächste Stück erinnerte mich sehr an Shockheaded Peter, alias Struwwelpeter, welches vor mehr als 10 Jahren im Schauspielhaus hier in Düsseldorf zu sehen war. Ein nerviges Kind, was mit Hilfe von Lektionen lernt, Mitgefühl und Dankbarkeit zu entwickeln. Und das alles auf sehr außergewöhnliche Art und Weise präsentiert, als eine Mixtur aus Comic, realen Darstellern und fantastischer Musik.

Opernscouts 2017Katrin Gehlen
Modedesignerin
Katrin Gehlen ist als Modedesignerin spezialisiert auf individuelle Maßanfertigungen. Menschen, die wie sie selbst künstlerisch tätig sind, lädt sie in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit ihrem Mann zum Kreativtreff „Rheingold“ ein. Dann wird das eigene Haus zu einem inspirierenden Kunstsalon. Mit ihrem besonderen Interesse am Ballett freut sie sich jetzt auf die Auseinandersetzung mit den Aufführungen im Opernhaus.

Der Zirkus auf der Bühne als Computeranimation?

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Petruschka – FOTO: Hans Jörg Michel

Jenny Ritter über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Petruschka – Strawinsky
Mich störte die Art, wie die Stücke dargestellt wurden,  sehr: Die computererstellten Bilder, die ganz mühelos Tiere zerreißen können siehe „Tom und Jerry“; die überdimensionalen Vögel, die ungelenkig über die Bühne fliegen; die überdimensionalen Menschen, die einfach immer nur mit den Augen rollen – was soll das? Mir sind solche Bilder zu starr und zu steif. Die Artisten waren gut, doch wenn ich Zirkusartisten sehen will, gehe ich in den Zirkus –  der reizt mich aber nicht wirklich.

L’Enfant et les Sortilèges – Ravel
Hier waren immerhin schon mal mehr Menschen auf der Bühne, was mir besser gefallen hat. Aber auch hier: Was sollen die computererstellten Bilder? Traut man dem Publikum keine Phantasie mehr zu? Dieser Premierenabend entsprach nicht meinem Geschmack.

Opernscouts 2017

Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin
Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und ist gespannt, wie es weitergeht.