Ein bunter Abend

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„Petruschka“ FOTO: Hans Jörg Michel

Anja Spelsberg über die Premiere „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Ein wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, bunter Abend wurde uns hier geboten. Sowohl „Petruschka“, als auch „L’Enfant et les Sortilèges“ wurden durch ein grafisch animiertes Bühnenbild unterstützt. Auch, wenn besonders der Inhalt des zweiten Stücks zuweilen doch etwas düster und die Animationen in beiden Stücken teilweise bizarr erscheinen, kann ich mir vorstellen, dass das Programm auch für Kinder und Opernneulinge interessant sein könnte. Durch die Animationen wird der Zuschauer durch die Stücke getragen, ohne den Text der Stücke verstehen oder lesen zu müssen, es ist selbsterklärend. Dazu kommt natürlich das großartige Orchester – und in „Petruschka“ besonders hervorzuheben: die wunderschöne Akrobatik.

Opernscouts 2017

Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Jetzt freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren.

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Neue Wege

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Petruschka – FOTO: Hans Jörg Michel

Georg Hess über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

„Bin ich tatsächlich in der Oper?“ mag sich der ein oder andere der Besucher an diesem Premierenabend verwundert  gedacht haben. Der Vorhang öffnet sich zunächst für eine Art Zeichentrickfilm, welcher den Zuschauer in eine russische Jahrmarktatmosphäre zu Anfang des letzten Jahrhunderts versetzt. Nach einigen Minuten werden drei leibhaftige Akteure, keine Opernsänger sondern vielmehr Artisten, in die Handlung eingeflochten. Jeder Schritt, jede Bewegung von ihnen ist genau einstudiert und passt sekundengenau zum Animationsfilm, so dass sich die handgezeichneten Bilder mit ihrem Spiel und ihren artistisch und manchmal waghalsigen Kunststücken verbinden, alles untermalt von der fabelhaften Musik Strawinskys, vorgetragen im verborgenen Orchestergraben von den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Marc Piollet. Den Bühnenkünstlern nimmt man sowohl optisch als auch schauspielerisch ihre jeweiligen (wort- und gesanglosen) Rollen als clownesker Petruschka (überragend ausdrucksvoll Tiago Alexandre Fonseca), als zauberhafte, akrobatische Ptitschka (Pauliina Räsänen) und als Kraftprotz Patap (Slava Volkov) ab. Es passt alles wunderbar zusammen. Mal lustig, mal romantisch, mal beängstigend, mal traurig, mal temporeich, mal beschwingt und schließlich mit der Botschaft über das große Gut der Freiheit, die Petruschka am Ende leider nur im Tod findet. Der zweite Teil des Abends ist eine ähnliche Arbeit. Wieder treffen sich Trickfilm und Akteure, diesmal allerdings in größerer Zahl und mit viel Gesang, sogar der Chor der Deutschen Oper nimmt teil. Die Szenerie findet diesmal in einem Kinderzimmer statt, in welchem ein Kind (dargestellt durch Kimberley Boettger-Soller) zunächst seine Umgebung (insbesondere Gegenstände und Tiere) malträtiert, die sich dann wehrt und schließlich das Kind zur Räson bringt. Auch hier fasziniert der perfekt aufeinander abgestimmte Ablauf des Films mit den tatsächlichen Aktionen der Bühnenspieler. Jede Mimik stimmt zur Animation, wenngleich die Handlung im Vergleich zum überragenden ersten Stück nach meiner Einschätzung zurückbleibt und die Kostüme zwar sehr ideenreich aber teilweise verspielt und gelegentlich bieder wirken. Dennoch ist auch „L’Enfant et les Sortilèges“ ein künstlerisches Highlight. An diesem Abend habe ich mächtig gestaunt über die Verwebung von Film, Varieté, Komik und klassischer Musik um am Ende vollauf begeistert zu sein von der Konzeption der britischen Theatergruppe „1927“.
Eine wirkliche Empfehlung für alle, die Oper für verstaubt und altbacken halten.

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Ein Abend in der K I N O P E R….

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L’Enfant et les Sortilèges FOTO: Hans Jörg Michel

Henning Jüngst-Warmbier zur Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Als sich der Vorhang öffnete hätte man denken können, in einem Kino im Zeitalter der russischen Avantgarde zu sein. Ein Jahrmarkt in all seinen Facetten bot sich uns Zuschauern in seiner üppigen Fülle als Zeichentrick, dadaistisch anmutend, auf der Leinwand dar. Drei großartige Artisten verschmolzen mit der imaginären Zeichentrickanimation und entführten die Zuschauer in die traurige, vom heiteren Jahrmarktstrubel überdeckte Welt Petruschkas. Begleitet von der berührenden Musik Strawinskys war es ein großartiges Erlebnis und zog mich über die ganze Länge in seinen Bann. Ob es in dieser speziellen Form auf eine Opernbühne gehört sei dahingestellt. Dies zu beurteilen möchte ich den Profi-Kritikern überlassen. Im Gegensatz zu einigen anderen Zuschauern beantworte ich jedoch die Frage mit einem klaren ‚Ja, warum nicht‘?
„L’Enfant et les Sortilèges“ war von der Art der Präsentation ähnlich angelegt wie „Petruschka“, da auch hier eine Animation die Sänger nicht nur begleitete sondern unterstützte. Die Musik Ravels schien mir nicht so eingängig wie die von Strawinsky. Die Stimmen und der Chor beeindruckten mich sehr und die „Struwwelpeter“ Botschaft war auch typisch für die Zeit, in der das Stück geschrieben und komponiert wurde.
Strawinsky machte mich glücklich, Ravel erreichte mich dagegen nicht mit der gleichen Intensität, obwohl es alles in allem ein beeindruckender und opulenter Abend war. Apropos Abend. Kino- oder Opernabend? Das muss jeder für sich entscheiden…
Ein lautes ‚Bravo‘ von mir für ein erneut beeindruckendes Werk, das die britische Theatergruppe „1927“ geschaffen hat.

Opernscouts 2017 - Henning JŸngst-Warmbier

Henning Jüngst-Warmbier
Freiberuflicher Dozent an der Zukunftswerkstatt Düsseldorf
Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Hoteldirektor in Düsseldorf bringt Henning Jüngst-Warmbier seine berufliche und pädagogische Erfahrung heute ehrenamtlich in der Zukunftswerkstatt Düsseldorf ein: Seit mittlerweile acht Jahren realisiert er dort Projekte für und mit Langzeitarbeitslosen, Migranten und Flüchtlingen. Mit dem Kulturleben der Stadt ist er seit vielen Jahren über Freunde und Bekannte verbunden. Als Opernscout möchte er seine eigene Sichtweise präsentieren, über seine Empfindungen sprechen und erzählen, wie er das Gesehene erlebt hat.

Petruschka in der Oper am Rhein – Strawinsky besonders erleben!

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Petruschka FOTO: Hans Jörg Michel

Katrin Gehlen über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Es war ganz anders als erwartet! Großartig! Normalerweise bin ich es gewohnt, ein solches Programm beim Düsseldorf-Festival zu sehen – dann jedoch nicht Akrobatik in Kombination mit einem solch hervorragenden Orchester, sondern nur mit musikalischer Untermalung vom Band. Hier stimmte alles, allenfalls der klassische Opernbesucher könnte etwas irritiert sein, da er einfach anderes gewohnt ist. Mir persönlich hat das erste Stück des Abends sehr gefallen. Ich liebe Jahrmärkte der Jahrhundertwende (auch wenn ich sie selbst in meinem Leben nie erlebt habe ;-) sie haben so etwas Skurriles. Fettleibige Schausteller, Hau den Lukas, Ganzkörpertattoos, eigenartige Kreaturen und ein gaffendes Publikum. Darunter 3 Figuren eines Schaustellers, die zu Leben erweckt werden, sich ihrer hoffnungslosen Situation in Gefangenschaft bewusst werden und dabei unter ununterbrochener Beobachtung des Publikums stehen.
Das nächste Stück erinnerte mich sehr an Shockheaded Peter, alias Struwwelpeter, welches vor mehr als 10 Jahren im Schauspielhaus hier in Düsseldorf zu sehen war. Ein nerviges Kind, was mit Hilfe von Lektionen lernt, Mitgefühl und Dankbarkeit zu entwickeln. Und das alles auf sehr außergewöhnliche Art und Weise präsentiert, als eine Mixtur aus Comic, realen Darstellern und fantastischer Musik.

Opernscouts 2017Katrin Gehlen
Modedesignerin
Katrin Gehlen ist als Modedesignerin spezialisiert auf individuelle Maßanfertigungen. Menschen, die wie sie selbst künstlerisch tätig sind, lädt sie in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit ihrem Mann zum Kreativtreff „Rheingold“ ein. Dann wird das eigene Haus zu einem inspirierenden Kunstsalon. Mit ihrem besonderen Interesse am Ballett freut sie sich jetzt auf die Auseinandersetzung mit den Aufführungen im Opernhaus.

Der Zirkus auf der Bühne als Computeranimation?

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Petruschka – FOTO: Hans Jörg Michel

Jenny Ritter über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Petruschka – Strawinsky
Mich störte die Art, wie die Stücke dargestellt wurden,  sehr: Die computererstellten Bilder, die ganz mühelos Tiere zerreißen können siehe „Tom und Jerry“; die überdimensionalen Vögel, die ungelenkig über die Bühne fliegen; die überdimensionalen Menschen, die einfach immer nur mit den Augen rollen – was soll das? Mir sind solche Bilder zu starr und zu steif. Die Artisten waren gut, doch wenn ich Zirkusartisten sehen will, gehe ich in den Zirkus –  der reizt mich aber nicht wirklich.

L’Enfant et les Sortilèges – Ravel
Hier waren immerhin schon mal mehr Menschen auf der Bühne, was mir besser gefallen hat. Aber auch hier: Was sollen die computererstellten Bilder? Traut man dem Publikum keine Phantasie mehr zu? Dieser Premierenabend entsprach nicht meinem Geschmack.

Opernscouts 2017

Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin
Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und ist gespannt, wie es weitergeht.