Absolut sehenswert!

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Christiane Hain über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Charles Gounods Oper über Shakespeares Romeo et Juliette  ist eine sehens- und hörenswerte Oper,  die leider viel zu selten auf dem Spielplan steht.
Musikalisch wieder hervorragend von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Marie Jacquot umgesetzt.
Erwähnenswert ist auch wieder einmal der Chor der deutschen Oper am Rhein, der in dieser Oper eine tragend Rolle spielen und singen durfte.

Der junge Regisseur Philipp Westerbarkei legt dieses Stück auf einen Marktplatz in Verona, ein sparsames Bühnenbild, ein schwarzer Kubus mit vielen Stühlen und einen Berg, der bei der Trauung von Romeo und Juliette eine wichtige Rolle spielt, aber schwierig zu bespielen ist.
Dagegen beeindruckend ist das Bühnenbild durch das Lichtspiel eines übergroßen Kreuzes um im letzten Akt die Kirche darzustellen.
Schön auch die Idee das Hochzeitskleid von Juliette aus der vermeintlichen Leiche von Tybalt zu ziehen und den toten Tybalt in der letzten Szene als dämonischer Geist auferstehen und agieren zu lassen. Ein genialer Einfall von Westerbarkei.
Schwierig ist dagegen die Rolle des jungen Liebespaares zu verstehen.
Das junge Mädchen trägt dasselbe silberne Glitzerkleid wie Juliette. So erkennt man den Bezug zu Romeo und Juliette, aber der Sinn erschließt sich mir nicht. Zumal die beiden in den letzten Szenen gar nicht mehr auftreten. Was ist also deren Rolle?

Insbesondere beeindrucken die schauspielerische Leistung der  Sänger, die intensive Ausprägung der Charaktere und das Halten der interaktive Spannung über das ganze Stück hinweg.
Westerbarkei versteht es eine Geschichte auf die Bühne zu bringen.
Sängerisch herausragend sind Sylvia Hamvasi als Juliette und Miriam Albano als Stephano, die so frisch spielt und singt. Eigentlich ist die Rolle für sie zu klein.

Was werden ich meinen Freunden über den Abend erzählen:  Absolut sehenswert!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Christiane Hain
Application Managerin

Christiane Hain arbeitet im IT-Bereich einer Bank in Düsseldorf. Sie ist in der Neckarstraße Duisburg aufgewachsen – in Sichtweise des Theaters, das ein fester Bestandteil im Familienleben war: Die Großmutter, die Eltern, die Schwester und sie selbst – alle waren regelmäßige Theaterbesucher. Ihre Tätigkeit als Opernscout führt dazu, dass sie wieder bewusster ins Theater geht und die Aufführungen als einen wichtigen Ausgleich zum Berufsleben betrachtet.

Eine musikalisch-lyrische Zeitreise

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Annette Hausmann über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Mit dem ersten Auftakt der dramatischen Oper „Roméo et Juliette“, die Charles Gounod 1867 auf der Grundlage von Shakespeares gleichnamiger und weltbekannter Tragödie schuf, begebe ich mich auf eine musikalisch-lyrische Zeitreise quer durch Europa.
Als „Reiseführer“ hätte kein Geeigneterer als der Regisseur Philipp Westerbarkei ausgewählt werden können.
Tiefsinnig und mit der nötigen Portion Provokation ist ihm die Adaption seiner Operninszenierung in die heutige Zeit perfekt gelungen.

Der Vorhang hebt sich und gleich zu Beginn erwartet einen eine Bühnenkulisse, die wenig südländischen Flair „versprüht“ und nur mit viel Phantasie eine italienische Piazza erkennen lässt. Der Bühnenboden ist mit einer Folie überzogen, die Assoziationen von „Glanz und Gloria“, „Kälte und Glätte“ hervorruft und in der sich alle Bewegungshandlungen der Protagonisten widerspiegeln.
Am Ende der Bühne, auf der sich übereinander gestapelte Stühle befinden, ragt ein riesiger Felsen mit einer beleuchteten Madonna hervor.
Schnell wird dieser düster wirkende Bühnenraum durch die hervorragenden Stimmen und schauspielerischen Leistungen des Opernchors mit Leben und Volumen gefüllt.
In ihren bunten, glitzernden Kostümen verkörpern sie in Zeitlupe Macarena tanzend die vermeintlich lustige, ausgelassene Gesellschaft, die Capulet am Abend des Ferragostos anlässlich der bevorstehenden Hochzeit seiner Tochter Juliette mit Pâris zur Party eingeladen hat.
Inmitten dieses Treibens treffen Roméo und Juliette aufeinander und ihr Schicksal durch die gesellschaftliche Vergiftung nimmt schleichend seinen Lauf. Ausdrucksstark wird dies sinnbildlich durch die rauchende und Juliette kreisförmig umschließende Gesellschaft dargestellt.
Juliette, gesungen von Sylvia Hamvasi, strahlt nur äußerlich durch ihr silberfarbenes Glitzerkleid; innerlich sträubt sie sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge.
In ihren anspruchsvollen Arien singt sie von ihrer ersehnten Freiheit und ihrem Wunsch, träumen und leben zu dürfen (-„Je veux vivre dans le rêve, qui m’enivre…“).
Sie bricht regelrecht aus ihrer Rolle aus, steigt auf immer höher aufeinander gestapelte Stühle und verleiht auf diese Weise ihrem Bestreben, „frei zu sein wie ein Vogel, der zum Himmel fliegt“, noch mehr Ausdruckskraft.
Für Roméo, solide dargestellt und gesungen von Gustavo de Gennaro, scheint Juliette von Anfang an unerreichbar zu sein.

Im Verlauf der Inszenierung wird das Bühnenbild (Tatjana Ivschina) und die Lichttechnik (Volker Weinhart) zunehmend beeindruckender.
Die quadratisch angeordnete Beleuchtung wird abgesenkt und erscheint wie ein abgegrenztes Lichtermeer oder gar Lichterlabyrinth, in dem Roméo und Juliette im unruhigen Schein der „süßen Nacht der Liebe“ ihre innige Verbundenheit besingen und gleichzeitig ihrer „Gedankenflut“ freien Lauf lassen. Einfach genial!
Gleichzeitig wird die Bühne zum Kirchenraum, in dem die Hochzeitszeremonie stattfindet, zu der ein gewaltiges Orgelpräludium erklingt und der Chor einen weiteren starken Auftritt hat, der „unter die Haut“ geht.
Parallel zum tragischen Ende der Oper hebt sich langsam ein Bühnenelement, unter dem „love is a losing game“ zu lesen ist. Anfänglich irritiert es mich, doch es entspricht genau Westerbarkeis Fazit von einer sich selbst und andere vergiftenden Gesellschaft, in der das „individuelle Glück“ und das „Andersdenken“ nicht akzeptiert wird, sodass nur der Freitod der einzige Ausweg zur ersehnten Freiheit ist.

Mit „Roméo et Juliette“ schafft Westerbarkei eine großartige, vielschichtige und sehenswerte Oper.
Dabei besitzt er den Mut, das Rädchen der traditionellen Operntragödie zeitgemäß weiterzudrehen, sodass die Geschichte von „Romeo und Julia“ weiterhin unsterblich bleibt.

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an einer Montessori-Grundschule in Duisburg-Bissingheim, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Der Austausch zwischen den Opernscouts schaffe „eine andere Wahrnehmung von Oper und Ballett“. In ihrer ersten Spielzeit begeistert sie ganz besonders  Martin Schläpfers Ballett „Schwanensee“: „Mit seiner Kraft und Ausdrucksstärke war es eine der genialsten Vorstellungen meines Lebens“.

Nicht nur für Shakespeare-Fans!

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Isabel Fedrizzi über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Die Liebesgeschichte von Romeo und Julia erzählt die wohl  berühmteste Tragödie der Literaturgeschichte… auch der französische Romantiker Charles Gounod hat sich des Sujets angenommen und das Libretto von Jules Barbier und Michel Carré als Grundlage für seine lyrische, dreistündige epische Oper gewählt.
Bei der Premiere in Duisburg war seine romantische Musik bei den hervorragenden Duisburger Philharmonikern in besten Händen – maßgeblich dafür verantwortlich war auch die neue erste Kapellmeisterin der Oper Marie Jacquot, unter deren wacher und engagierter musikalischer Leitung sich das Orchester in Bestform zeigte und den Facetten- und Farbenreichtum der Partitur wunderschön zum Klingen brachte.
Auch der Chor, der eine größere Rolle in der Oper spielte, glänzte mit epischen Chören und homogenem Ton.

Die Kulissen auf der Bühne, ein großer Felsen mit beleuchteter Madonnenfigur, erwiesen sich als wandelbar und einfallsreich. Mit wenigen aber effektiven Mitteln (Regen) und passenden Requisiten bot der Bühnenaufbau den Sängern einen ebenso passenden wie auch herausfordernden Hintergrund (auf Stuhlberge steigen, im Liegen und Bücken singen) für ihre dramatisch-tragische Geschichte.
Viel Atmosphäre schuf auch das oft fahle, schummrige Licht, das ebenso als Spiegelbild des „düsteren Innenlebens“ der Akteure wie auch als Nacht-Stimmung zu sehen sein konnte.
Die Regie der Oper führte Philipp Westerbarkei, ebenfalls an der Rheinoper mit La Bohème zu sehen.
Er taucht seine Love story in ein schrilles, zeitgenössisch geprägtes Licht: bunte Kostüme von Mini-Mode, leuchtfarbigen Anzügen  bis zu Glitzer- und Pailettenkleidern, Zigaretten rauchende Akteure sowie ein Macarena-tanzender Chor… assoziativ und mutig ist seine Herangehensweise in jedem Fall – passend oder stimmig erschien manches aber nicht.
Geteilter Meinung darf man vor allem über seine Quintessenz „LOVE IS A LOSING GAME“ sein, die am Ende der Oper als Leuchtschrift auf der Unterseite einer Wand erscheint, die ins Bühnenhaus hochgezogen wird… für mich kein schlüssiges Fazit der Aufführung.
Einen wesentlichen Bruch mit der Geschichte führt Philipp Westerbarkeit am Ende sowieso herbei: Juliette tötet sich nicht selbst, nachdem sie Roméos Sterben miterleben musste, sondern wird resigniert zu ihrer bevorstehenden „Zwangs-Hochzeit“ mit Paris getragen.
Hier gefiele mir eine Vorlagentreue besser… Die Sänger darf man loben: Sylvia Hamvasi als Juliette sang sich nach kleiner Anlaufphase gut in ihre Rolle hinein, überzeugte mit einer gut geführten Stimme bis in die Koloraturen hinein. Von ihrer lodernden Liebesglut zu Roméo konnte sie das Publikum allerdings weniger überzeugen.
Gustavo de Gennaro bot einen solide gesungenen und gespielten Roméo.
Vor allem aus musikalischer Sicht ein wirklich genussvoller Abend (denn Gounods üppiger romantischer und harmonieseliger Tonfall funktioniert im Ernstfall kurzzeitig auch mit geschlossenen Augen).
Trotz Meinungsverschiedenheiten über einzelne Regieideen ist diese Oper unbedingt lohnend – nicht nur für Shakespeare-Fans!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Isabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Nach den Premieren schätzt sie die Gespräche mit den anderen Scouts, die den eigenen Blickwinkel erweitern.

Kultverdächtig!

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Mila Langbehn über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Das Ende, das nehme ich gleich vorweg, das Ende finde ich richtig gut. Juliette will sich erdolchen, als ihr geliebter Roméo tot vor ihr liegt. Aber es kommt ganz anders: Ein starker Mann, Pâris, trägt sie von Roméo weg – zur Trauung!
Ich finde, das ist eine interessante Variante, die gute Denkanstöße gibt.

Leider ist der Rest der Inszenierung weniger erfreulich, denn leider wird an diesem Abend nicht nur Juliette zwangsvermählt.

Auf der einen Seite ist da die Oper von Charles Gounod.
Ich kannte Gounods Werke noch nicht und bin überrascht wie sehr er mich begeistert! Die neue Dirigentin, Marie Jacquot, hat diese Oper mit den Duisburger Philharmonikern großartig umgesetzt. Das ist Samt und Seide für die Ohren!
Ich bin hin und weg, wiege mich in Wohlklängen und genieße dank der Übersetzung in den Übertiteln feinste Lyrik der Extraklasse.
Die Stimmen der Solist*innen gefallen mir alle sehr.
Und der Chor! Gänsehaut pur.

Auf der anderen Seite ist da die Inszenierung von Westerbarkei.
Nun ja, für meine Ohren war’s wunderschön. Für meine Augen war’s schön, als der Schmerz nachließ.
Im Nachklang allerdings, da wurde mir klar: Das Stück ist schwer kultverdächtig!
Es enthält einfach alles, was ein echtes B-Movie ausmacht, das etwa 20 Jahre später Kult wird: billige Pappmaché-Kulissen (großer Felsen auf Rädern), Zaunpfähle, die nicht winken, sondern erschlagen (eine monströse Leuchtschrift), hölzerne Schauspielerei, einen Zombie (der Geist Tybalts), böse Beleuchtung in Liebesszenen (OP-Tisch-tauglich), übles Outfit (Julia in den ersten Akten), sinnlose Gewalt (zu den Morden musste noch eine Vergewaltigung mit rein), plumpe Kopien und peinliche Zitate … ja, und zwischendrin vereinzelt – quasi als das Salz in der Suppe – wirklich gute Szenen!

Diese unglaubliche Mischung, das muss ihm mal einer nachmachen, diesem Westerbarkei.
Das ist kultverdächtig!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Mila Langbehn
Landart-Künstlerin

Die selbstständige Landart-Künstlerin hat als Amateur-Tänzerin mit klassischer Ausbildung selbst öfter auf der Bühne gestanden. Heute beschäftigt sie sich mit Landschaftskunst. Kunstaustellungen. Beim Theatererlebnis fasziniert sie insbesondere das Zusammenspiel aus den verschiedenen Komponenten Musik, Kostüm, Bühnenbild und Gesang. Besuche im Theater sind für sie ein angenehmer Gegensatz zum alltäglichen Leben und aus den Vorstellungen zieht sie oft auch Inspiration und Vergleicht diese mit ihrer eigenen Arbeit.

Jugendlicher Leichtsinn und Übermut

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Jürgen Ingenhaag über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Shakespeares „Romeo und Julia“ als Musiktheater kenne ich nur als „Westside Story“ von Leonard Bernstein, deshalb freut es mich ganz besonders, an der Rheinoper Charles Gounods selten gespieltes Musikdrama „Roméo et Juliette“ erleben zu dürfen.
Philipp Westerbarkei inszeniert hier einen „Sommernachtsalbtraum“ mit der (nur aus dem Parkett heraus lesbaren) Schlusserkenntnis „love is a loosing game“.
Da lässt sich „too much love will kill you“ hinzufügen oder die große traurige Erkenntnis, dass es „keine Liebe mehr unter den Menschen gibt“.

Roméo verfällt der Liebe auf den ersten Blick, und ihn kümmert es auch nicht, als „Feigling“ bezeichnet zu werden solange er seiner „Flamme“ nah sein darf.
Juliette kommt Roméos Flirt sehr entgegen, will sie doch ihrer strengen Familie entfliehen und singt ihre Freiheits-Arie auf einem Berg aus Stühlen (wo man als Sicherheitsfreund kaum hinschauen mag).
Auch die Trauungszeremonie wird szenisch und optisch auf einem künstlichen Felsen in die Höhe getrieben, ehe das Paar zu Klippenspringern wird und den „Sprung ins kalte Wasser“ einer verbotenen Ehe wagt. Das ist doch mal eine gelungene Darstellung von jugendlichem Leichtsinn und Übermut!

Neben Roméo und Juliette brilliert der Chor als dritter „Hauptdarsteller“.
Der darf als Partygesellschaft tanzen und zanken, als lästige Nachbarn rauchen, saufen und Juliette Capulet bloßstellen.
Das ist großes Theater, und vor allem die Schluss-Szene des dritten Akts mit „Tag der Trauer…“ ist rührselig und mit dem einsetzenden Regen passend und beeindruckend inszeniert.
An dieser Stelle muss ich vor allem die Blechbläser der Duisburger Philharmoniker loben, die wohlklingend eine feierliche Atmosphäre erzeugen und wunderschöne Musik spielen.

Teilweise empfinde ich Szene und Text als nicht ganz stimmig (die Erscheinung des toten Tybalt im vierten Akt ist viel zu lang und lästig).
Gerne werde ich diese Oper ein weiteres Mal besuchen, um weitere Inszenierungsdetails zu entdecken und Gounods schöne Melodien zu genießen!

Duisburg, Opernscouts
© Norbert Prümen

Jürgen Ingenhaag
Fachkraft für Arbeitssicherheit

Als Vorstandsmitglied der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg organisiert Jürgen Ingenhaag klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Als Opernscout versteht er sich als „Botschafter für das Theater Duisburg“. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge“. Seine Leidenschaft für Rock- und Popmusik hat ihn nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden.

Eine Fülle von Augen-und Ohrenreizen

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Dagmar Ohlwein über die Premiere von „Roméo et Juliette“

„Roméo et Juliette“ von Charles Gounod ist ein Meisterwerk der französischen Opernromantik.
Um Romantik und das Schwelgen in berührenden, leidenschaftlichen Gesangsszenen geht es Philipp Westerbarkai in dieser Inszenierung in erster Linie, meiner Einschätzung nach, nicht.
Wie schon in anderen Opernaufführungen gelingt es ihm „Roméo et Juliette“, diese dramatische Liebesgeschichte zunächst von William Shakespeare auf die Bühne gebracht, in hervorragender Weise so modern und zeitgemäß zu gestalten, dass dieser Opernabend einmal mehr spannend, nachdenkenswert und inspirierend für mich wurde.

Schon mit den Kostümen, die im Stil der 50er Jahre gestaltet sind, bietet sich dem Zuschauer ein buntes, aufregendes Bild auf einer nächtlichen Piazza von Verona.
Das Bühnenbild und der großartige Gesang des Chores der Deutschen Oper am Rhein lässt den Zuschauer eintauchen in eine heiße Sommernacht und in die Partygesellschaft der Familie Capulet.
Es ist Ferragosto, die Protagonisten, Juliette dargestellt von Sylvia Hamvasi und Gustavo de Gennaro als Roméo, der Sohn der verfeindeten Familie Montague, begegnen sich. Sowohl die Schauspielkunst als auch die gesangliche Leistung des Chores sind hervorragend.
Die Stimmen von Sylvia Hamvasi und auch Gustavo de Gennaro stechen für mich nicht besonders hervor.

Das Liebesdrama nimmt in bekannter Weise seinen Lauf.
Dabei wurde mein Blick mehr auf die einzelnen Darsteller gelenkt.
Da ist Juliette, die in meinen Augen um Freiheit, im weitesten Sinn Emanzipation kämpft.
Will Roméo vielleicht den Schmerz um eine verlorene Liebe mit einer neuen, der vermeintlich größten Liebe seines Lebens, Juliette, vergessen? Wie tief und innig die Liebe dieses weltberühmten Liebespaares während eines langen Lebens sich entwickelt hätte, bleibt für immer und ewig, typisch für solche Liebesdramen, offen.
Tybalt, der Cousin Juliettes, wird zum Mörder und durch Roméo zum Gemordeten.
Er bleibt auch als schon Getöteter präsent auf der Bühne. Sein durchgehender Auftritt als Gemordeter hat mich hin und wieder ein wenig irritiert .
Er, wie auch Mercutio, der ermordete Freund Roméos, und das berühmteste Liebespaar aller Zeiten sind Opfer einer hasserfüllten, blutigen Feindschaft zweier Familien.

Diese Tragödie hat Philipp Westerbarkei in großartiger Weise neu auf die Bühne gebracht. Applaus und große Anerkennung für die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Anspielungen, Hinweise und Andeutungen zu Westerbarkais und vielleicht auch Gounods Gedanken zu dem Thema sind zahlreich in der Inszenierung zu finden: eine „instabile“ Stuhlkonstruktion auf der sich die Juliette häufig bewegt, die eventuell aufzeigen möchte, dass nichts im Leben stabil ist, wir uns immer auf unsicherem Grund bewegen.
„Je veux vivre“ singt sie in einer Arie, löst ihre bis dahin aufgesteckten Haare, entledigt sich ihrer Schuhe. Sie möchte raus aus ihren Familienzwängen, frei leben und entscheiden.

Ein Schauspiel/Ballettpaar, Maria Sauckel-Plock und Egor Reider, das in den Pausen zwischen dem 1. und 2., 2. und 3. Akt auftritt, soll vielleicht auf sehr subtile, feine Weise den Fokus auf die Befindlichkeiten zweier frisch verliebter Menschen richten. Eine Fülle von Augen-und Ohrenreizen.
Nicht unerwähnt möchte ich noch das phantastische Dirigat von Marie Jacquot lassen. Mein Fazit: Ein interessanter, belebender, erfrischender Opernabend.

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Dagmar Ohlwein
Rentnerin

Die Physiotherapeutin ist gerade im Ruhestand angekommen und widmet nun einen großen Teil ihrer Zeit der Kultur. Das heißt für sie regelmäßig diverse Kulturangebote warzunehmen. Als Jugendliche hat sie „direkt um die Ecke“ vom Theater Duisburg gelebt und so schon immer viel Kontakt zur Kunst gehabt. Sie ist sehr gespannt auf ihr erstes Jahr als Duisburger Opern- und Ballettscout und freut sich auf die Saison 2019/20.

Vorhang auf und Voilá.

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Sandra Christmann über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Erst einmal nur Glitzer. Toll. Die Kostüme funkeln, spiegeln, glitzern und auch das Bühnenbild sitzt. Es ist ein direktes Eintauchen in das Romeo und Julia, das man kennt, wissentlich, dass dieses eine neue, moderne Inszenierung ist, aber nicht so verfremdend, dass man Angst bekommt enttäuscht zu werden.

Interessanterweise – und auch leider –  sind aber die starken Gefühle des Paares nur spürbar in dem jungen tanzenden Paar, das nicht singt. Pathetisch genug und auch gesanglich ist das „singende“ Paar hervorragend. Super Besetzung, ganz großartige Stimmen und auch die Komposition gefällt durchgängig.

Der Handlungsstrang ist etwas schräg, künstlerische Freiheit willkommen, dass aber am Ende Julia kein Gift nimmt, ihr armer Romeo verstirbt und sie doch mit einem anderen abhaut. Bedauerlich. Warum haben wir nur immer selbst im Drama den Wunsch, ja selbst im Tod, dass die Liebe Erfüllung findet. Vielleicht war das schon spürbar und deshalb erfasste einen die emotionale Welle nicht.

Ich finde es dennoch eine sehr interessante, junge und durchgängig qualitätsvolle Inszenierung. Ein bißchen Rocky Horror ist der Cousin.
Philipp Westerbarkei merke ich mir, sehr sehr interessante, unterhaltsame Inszenierung, die im Gefüge mit Tatjana Ivschinas Kostümen und einem gelungenen Bühnenbild und erfrischend in der französischen Sprache direkt einfängt.

Gesanglich ist Luiza Fatyol wie gewünscht raumfüllend, mir für eine Julia mit meiner romantisch verklärten Vorstellung fast zu stark, aber deshalb nicht weniger großartig.
Also Vorhang zu und Danke!

Christmann_Sandra_Foto2_Andreas_EndermannSandra Christmann
 Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf, ihre Wahlheimat, und die Kunst. Sie engagiert sie sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben dieser Arbeit hat sie ein Hilfsprojekt in Kenia ins Leben gerufen. Ihr Netzwerktalent, die Liebe zur Kunst und zum Schreiben nutzt sie jetzt auch als Opernscout.

Less is more!

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Benedikt Stahl über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Zwei Liebende in Badekleidung stürzen sich lustvoll umarmend von einem Sprungbrett und werden im Moment des Absprungs von der Fotografin Tatyana Druz für immer dort festgehalten. Dieses Foto mit dem Titel „The point of no return“ entdecke ich am Abend der Premiere von Roméo und Juliette auf den ersten Seiten des schönen Begleitheftes und bin immer noch ergriffen von dessen Ausdruckskraft, die Shakespeares Drama nahezu in einem Bild erzählt. Weniger überzeugt bin ich von den Bildern der Oper selbst. Der Kunstfelsen mitsamt Madonna erinnert eher an die Grotte von Lourdes als an eine italienische Piazza und der zappelnde, rauchende Chor braucht diese Übertreibung ebenso wenig, wie Juliette ihre Akrobatikeinlagen auf dem Stuhlstapel.

Nach der Pause wird die Bühne stärker. Der Lichterhimmel hat sich auf den Boden gesenkt und Roméo und Juliette kommen ihrem tragischen Ende mit jedem ihrer hinreißenden Duette unaufhörlich näher. Auch wenn ihre Liebe zueinander kaum sichtbar wird, so dringt ihre Liebessehnsucht wie auch die damit verbundene Verzweiflung, ihr Schmerz, mit jedem Ton bis tief ins Innerste. Das ist Oper pur!

Das Ganze ist lebendig, experimentierfreudig und vor allem als Musiktheater mehr als sehenswert. Aber am Ende frage ich mich, ob diese Inszenierung nicht einfach nur zu viel auf einmal will. Das Drama, die große Erzählung, das Neue, das Andere, das Besondere, das Ausprobieren, die Zeitcollage, das Glitzern, Farbenrausch, Lichtbilder, Herzklopfen… Lauter aneinandergereihte Übertreibungen, die alle etwas sagen wollen und doch unter der gesammelten Ideenfülle leiden. Warum eigentlich? Wo das, was wesentlich ist, schon mit nur einem Bild gesagt werden kann? Less is more!

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Benedikt Stahl
Architekt und Professor an der Alanus Hochschule

Als selbständiger Architekt und Partner im Düsseldorfer Atelier Fritschi & Stahl hat Benedikt Stahl eine große Nähe zur Kunst: Was macht Stadtraum, was macht die Choreographie, die Dramatik der Räume aus? Zur Oper ist es da nicht weit: Wie Bild, Musik und Darstellung hier zusammen wirken, fasziniert ihn. Als interdisziplinär denkender Grenzgänger ist er auch an der Alanus Hochschule Bonn-Alfter tätig: Was  Architektur mit Schauspiel, Wirtschaft mit Kunst zu hat – diese Fragestellungen interessieren ihn auch in der Lehre. Nicht nur die Oberfläche, sondern die spannenden Zusammenhänge will er nun als Scout für Oper und Ballett entdecken.

 

Eine sehr ungewöhnliche Adaption des klassischen Shakespeare-Dramas

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Stefan Pütz über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Eine sehr ungewöhnliche Adaption des klassischen Shakespeare Dramas von Charles Gounod:
Roméo (Ovidiu Purcel) stirbt (wie gehabt) durch Gift, Juliette (Luiza Fatyol) verzichtet auf die Einnahme des „echten“ Giftes und erwählt dann doch lieber den vom „Dandy-Vater“ vorgeschlagenen Ehemann Paris.

Der junge Regisseur Philipp Westerbarkei verzichtete auf eine Verortung der Handlung in Italien.
Alles wirkt stark reduziert   – ein großer Felsen; ansonsten sehr, sehr viele Stühle, die auch teilweise in immense Höhen aufgetürmt wurden. Auch auf „unnötige“(?!) Romantik wurde verzichtet, der Hauptaugenmerk lag eher auf einer diffusen Gesellschaftskritik: Die Hervorhebung der Bedeutung der verfeindeten Familien war ihm wichtiger – sie wirkten wie Jugendgangs!
Das Orchester unter der musikalische Leitung von David Crescenzi, die Chöre und Kostüme waren wieder einmal hervorragend.

Alles in Allem ein sehr gelungener, aber teilweise anstrengender Abend!
Puetz_Stefan_Foto2_Andreas_Endermann Stefan Pütz
Inhaber von „Buch in Bilk“

Den Namen Stefan Pütz verbindet man mit „Buch in Bilk“, einer Buchhandlung, die es mittlerweile sogar an zwei Standorten in Unterbilk gibt. Bei Kulturveranstaltungen ist er auch gern mit einem Büchertisch präsent, denn der direkte Kontakt zu den Kunden und die persönliche Beratung ist ihm wichtig. Wichtig ist ihm jetzt – nach langer Abstinenz – auch wieder die Begegnung mit Oper und Ballett: Früher war er oft mit seinen Eltern in der Oper – heute ist er wieder neugierig darauf und offen für die kritische Auseinandersetzung mit den Düsseldorfer Scouts für Oper und Ballett.

Love is a losing game

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Markus Wendel über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Noch bevor am Ende der Vorhang gefallen ist, wissen wir, dass es nicht gut ausgehen wird. Und ja, so wird es auch an diesem Abend sein. In den letzten Minuten des Unvermeidlichen hebt sich lautlos ein Kulissenteil. An der Unterseite leuchtet der Schriftzug ‚Love is a losing game‘.

Nachdem klar war, dass ich es nicht in die Opernwerkstatt schaffen würde, habe ich beschlossen, mich überraschen zu lassen, von dieser mir bis dato unbekannten Oper. Lediglich die Einführung vor der Vorstellung habe ich besucht. Und das Vorspiel gehört. Zweimal, im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Die Geschichte ist mir jedoch, wie wahrscheinlich den meisten von uns, nicht völlig unbekannt. Und heute beginnt sie mit einem Herzschlag.

Die Inszenierung ist gewaltig. Es bleibt durchgängig düster und neblig, die Bilder sind kraftvoll, intensiv, und spannungsgeladen. Nur selten ist es dabei ebenso hochromantisch, wie Gounods wunderbare Musik es vorgibt. Es geht vielmehr um die dramatischen Momente, die ihren Raum bekommen, und bis zum Zerreißen verstärkt werden. Die Handlung wird immer wieder gebrochen, bis zum Schluss gibt es fordernd-unerwartete Wandlungen. Die Beziehung zwischen Roméo und Juliette erscheint hochfragil. In ihrem Umgang wird wahre Nähe scheinbar kaum zugelassen. Immer wieder lösen sich beide, wenden sich ab, erstarren die Blicke. Es ist wie ein Traum, und voller Zweifel.

Das Ende überrascht, und macht nachdenklich. Das Publikum hält für einen kurzen Moment inne, dann bricht großer Applaus durch die ausverkauften Reihen.

Diese Inszenierung verlangt nach kontroverser Diskussion. Mich hat sie völlig umgehauen, und ist wahrscheinlich das Beste, was ich in Düsseldorf bislang erlebt habe.

Ein großes Bravi an alle Beteiligten! Und an alle, die dieses mutige Konzept geschaffen und ermöglicht haben!

Wendel_Markus_Foto_Andreas_EndermannMarkus Wendel
Feuerwehrmann in Düsseldorf

Als neuer Scout folgt Markus Wendel in der Spielzeit 2018/19 frühen Spuren seiner Opernbegeisterung: Seine erste Begegnung mit Richard Wagners „Götterdämmerung“ hatte er 2003/04 im Düsseldorfer Opernhaus, und schon damals begeisterte ihn Linda Watson als Brünnhilde. Als Feuerwehrmann der Landeshauptstadt Düsseldorf kümmert sich Markus Wendel um die strategische Planung und Einsatzorganisation. Ganz besonders schätzt er seine Dienste im Opernhaus: Als Brandsicherheitswache beobachtet er die Aufführung dann von der Seitenbühne aus. „Ich mag das Gewusel hinter den Kulissen“, sagt der 39-Jährige. Was ihn aus dieser Perspektive besonders anspricht, schaut er sich gern noch einmal mit Freunden oder der Familie aus dem Zuschauerraum an.

 

 

So muss man es machen

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Michael Langenberger über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Das erste Lob gehört dem Generalintendanten der Düsseldorfer Oper. Prof. Christoph Meyer vertraut die Inszenierung dieses großen Werkes Philipp Westerbarkei an, ein Eigengewächs der Düsseldorfer Oper. Der wiederum kooperiert mit Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühne und Kostüme, im besten Sinne wie ein Start-Up in agiler Arbeitsweise, indem beide Ihr Know-How so verzahnen, das ein grandioses Bühnenwerk entsteht. Wer sehen will, welche Special-Effects eine renovierungsbedürftige Operntechnik in der Lage ist zu liefern, der sollte sich diese Oper ansehen und genießen.

Es sind diese Lichteffekte, die beispielsweise Luiza Fatyol als Juliette im silbern glitzernden Kleid zu einem grandiosen Auftritt erheben oder die Bühne in Sekundenschnelle zu einem Kirchenraum wandeln. Oder habe Sie schon einmal minutenlangen Regen auf der Bühne erlebt? Ja, es war wirklich nasser Regen. So ist dann auch ein steinerner Fels eben nicht nur Bühnenbild, sondern hilft auch bei der Visualisierung der bizarren Formen von Gewitterblitzen.

Immer wieder mal erscheinen Maria Sauckel-Plock und Egor Reider als ihr jeweils jüngeres Ich von Roméo und Juliette. Man hört – intoniert – deren Herzen höher schlagen. Die beiden zwar nicht singend, doch als blutjunge Mimen, die Liebe und Verrücktheiten junger, frischer Verliebter verkörpernd, quasi pantomimisch darstellend. So geht das Schauspiel vor dem abgesenkten Vorhang während des Bühnenumbaus kurzweilig weiter, hält den Zuschauer emotional gefangen und löst sich fließend, schauspielerisch im folgenden Bühnenbild wieder auf.

Übrigens, wer einmal einen riesigen Chor tanzen sehen will oder ebenso viele Anregungen zu fantasievollen Kleidern und Kostümen, wie der Chor Mitglieder hat, sehen will, sollte die vielen unterschiedlichen Auftritte des Chors nicht versäumen.

Gerade zu Beginn verbinde ich mit dem Auftritt des Chors einige Szenen mit Leonard Bernsteins “West Side Story”. Wenn dieses Musical damals als die moderne Form des Dramas Romeo und Julia galt, dann haben wir jetzt bei der Premiere von „Roméo et Juliette“ die Fusion von spektakulärem Opern-Schauspiel mit highly sophisticated Animation gesehen.

War das jetzt z.B. auch die Bewerbung der Oper Düsseldorf für einen Opernhaus-Neubau auf Weltniveau? In Zeiten, wo Opernhaus-Neubau zur bloßen Auseinandersetzung auf Standort und Geld reduziert wird, ist es gerade jetzt wichtig mit dem oft gespielten Stück „Roméo et Juliette“ durch performative Leistung zu glänzen, auch Grenzen auszutesten. Denn welches Opernhaus kann schon mit einem Sänger (und Tänzer-) Ensemble glänzen, das selbst bei komplexen Besetzungen, nahezu alle Rollen selbst besetzen kann und damit gleichzeitig Talentschmiede der internationalen Opern- und Ballettwelt ist? Welches Opernhaus ermöglicht eigenen, jungen Talenten die Verantwortung für Regie und Ausstattung zu übernehmen? Welch anderes Opernhaus liefert in steter Regelmäßigkeit Award-Qualitäten ab? Hätte es ein solches Opernhaus nicht auch verdient, mit perfekter Technik – einschließlich der für Liveübertragungen – den Rest der Welt an seinen Ideenreichtum und moderner Arbeits- und Management-Leistung teilhaben zu lassen?

Opernscouts 2018 / 2019

Michael Langenberger
Wirtschaftsmediator und Coach

Michael Langenberger arbeitet freiberuflich als Wirtschafsmediator und Führungskräftecoach in Haan. Musik und Tanz spielen eine große Rolle in seinem Leben: Er spielt Klavier, sang im Chor und tanzt: Auf Standard und Latein folgten Salsa und Modern Contemporary Dance im Tanzhaus NRW, wo er auch an öffentlichen Performances mit Profis und Laien mitwirkte. Er liebt die Vielfalt des kreativen Ausdrucks – sei es als Geschichtenerzähler, Musiker, Tänzer oder Opernscout – und macht sich diese auch im beruflichen Kontext zu Nutze.

 

 

Quintessenz der Liebesgeschichte

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Hilli Hassemer über die Premiere von „Roméo et Juliette“

love is a losing game

erscheint in Leuchtschrift  (nach einem tollen Song von Amy Winehouse), als Quintessenz der Liebesgeschichte zwischen Roméo und Juliette.

Um es vorweg zu nehmen, Juliette verliert zwar auch irgendwie das Spiel, aber sie stirbt nicht. Nach dem Motto der Stadtmusikanten „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“  entscheidet sie sich für das Leben und dies dann eben mit dem ungeliebten
Paris.
Luiza Fatyol und Ovidiu Purcel, als Roméo und Juliette glänzen gesanglich und es ist ergötzend, den beiden zu lauschen. Genauso beglückt mich der Opernchor, der zudem noch Tanzeinlagen zum Besten gibt, welche schweißtreibendes
Training erahnen lassen.
Maria Boikos Auftritte als Stéphano, so kurz sie sind, finde ich sehr stark. Sie groovt in hippen schlaksigen Bewegungen über die Bühne und überrascht mich aus dieser Lässigkeit heraus umso mehr mit ihrer wunderbaren Stimme.
Auf die Düsseldorfer Sänger und Musiker ist einfach Verlass, denke ich immer wieder, nicht ohne Stolz.
Ein Lob an das Licht! Dramatisch gut beleuchtet, sind besonders die großen Chor-Tanzszenen. Die singenden Akteure sind mit rot-grün Spots angestrahlt und man möchte eigentlich an diesen 2-Kanal Licht-Stellen eine 3 D Brille zu Hand haben, um die räumliche Tiefenwirkung noch zu verstärken.
Mich strapazieren die Szenen, in denen Juliette auf rätselhafte Stuhlstapeltürme klettern und aus überhöhter Position ihre Arien singen muss. Sicher sind diese Gebilde gut fixiert und stabiler, als sie aussehen, aber was ist, wenn es Juliette schwindelt oder sich ihr langes Kleid verfängt oder … meine Sorge um die Sängerin überwiegt und überschattet den Genuss der musikalischen Darbietung.
Was die Inszenierung betrifft, so spricht Westerbarkei für mich in Rätseln. Da gibt es dieses jüngere stumme alter Ego Roméo-und-Juliette Paar, welches von Szene zu Szene auftaucht und sich in übertriebenen Gesten liebt und rauft und liebt und rauft. Sind sie ein Traum, oder vielleicht die echten und
zeitgenössischen Romeo und Julia Akteure?
Dann die seltsame Grotte im Hintergrund, – auch als Kletterfelsen für gewagte Stunts genutzt, – sie ist der Hort für eine an Lourdes erinnernde Muttergottes Statue. Sie leuchtet still und irgendwie religiös und erschließt sich mir nicht. Die schwarzwelligen Bühnenelemente in den letzten Akten, sind sie Meeresküste?
Nachtschattengewächse?
Zum Kern aber: die Verbundenheit, diese weltberühmte tragische große LIEBE zwischen den beiden Hauptdarstellern, die sich gegen ihre Familien, gegen die Gesellschaft und den Rest der Welt stellen, – sie erschließt sich mir aus diesem Spiel nicht. Auch bei den innigen Liebesarien agieren die beiden auf Distanz, – besonders, wenn Julia auf einem ihrer, bereits erwähnten,  Stuhltürme steht, kniet, sich windet (und ich Blut und Wasser schwitze) .

So ist es fast eine logische Konsequenz, dass Juliette ihrem fernen Roméo nicht in den Tod folgt.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Hessemer_Hilli_Foto2_Andreas_EndermannHilli Hassemer
Bildende Künstlerin

Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Klassische und auch Opernmusik sind elementare Einflüsse in ihrer Arbeit. Das erste Jahr als Opernscout hat sie mit heller Freude erlebt. Die Vielfalt und Qualität der Düsseldorfer Opern und Ballettkultur zu erleben, war für sie eine neu prägende Seh- und Hörschule. Eine Sinn-schärfende Bereicherung, die sie nicht mehr missen möchte. So freut sie sich auf die zweite Spielzeit, auf die neuen Ballett und Opernwelten, die sich ihr eröffnen werden und für die sie Worte finden muss. Der Bleistift ist gespitzt….

 

Liebt Juliette ihren Roméo wirklich?

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Susanne Bunka über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Ein musikalisch wunderbarer Abend mit tollen Stimmen; besonders Ovidiu Purcel mit seinem strahlenden, mühelosen Sopran hat mich begeistert. Auch Luiza Fatyol als Juliette und Bogdan Talos in der Rolle des Bruder Laurent
überzeugten stimmlich!
Der Chor sang wunderbar; das Orchester tat, was es tuen soll…..es begleitete Solisten und Chorsänger professionell wohlklingend.
Das Bühnenbild erschien zeitweise deprimierend dunkel, aber das passte zum wirklich nicht lustigen Thema…..ein liebendes Paar darf nicht zueinander finden, denn dies würde alten, festgezurrten Regeln und Bestimmungen widersprechen.
Philipp Westerbarkei hat in dieser Inszenierung mehr das Verlogene, Patriachaische, Konservative der Gesellschaft herausgestellt, als die Liebesgeschichte selbst……denn liebt Juliette ihren Roméo wirklich? Oder ist er mehr eine Option ihrem goldenen Käfig zu entfliehen.
In dieser Aufführung scheint Roméo der große und einzige wirkliche Verlierer zu sein; seine Liebe erscheint echt und tief….er ist ja auch derjenige, der am Ende stirbt. Juliette entscheidet sich doch für ihren Käfig und folgt Paris; diese Möglichkeit scheint doch angenehmer zu sein als der Tod. Sie ist halt doch die Tochter ihres „Dandyvaters“ und Anhängerin des opulenten, angenehmen Lebens; einen Versuch war es aber wohl wert…..
Ein wenig verwirrend erschien mir das „verliebte Paar“, das stimmlos seine verspielte, jugendliche Zuneigung zeigte. Waren es die Protagonisten in ihrer Jugend oder Wunschträume, die nicht ausgelebt werden durften? Für mich waren sie überflüssig!
Überflüssig erschien mir auch das Stuhlkonstrukt, auf dem Juliette mehrmals akrobatisch bewundernswert singen musste. Dass es ggfs. der berühmte Balkon sein sollte, wurde mir erst später klar; ein italienischer Brauch, Bräute auf Stühle zu stellen, existiert auch. Ich hätte auf diesen „Nervenkitzel“ verzichten können.

Romeo und Julia sind hier also nicht nur das liebende, sich nacheinander verzehrende Paar, sondern zwei Menschen, die versuchen, bestmöglich ihr Leben zu leben, auch auf die Gefahr hin, durch Egoismus zu verletzen.

Bunka_Susanne_Foto2_Andreas_EndermannSusanne Bunka
Inhaberin des Angercafés in Urdenbach

Vor drei Jahren hat sich die ehemalige Kinderkrankenschwester Susanne Bunka einen Traum erfüllt: Zusammen mit ihrer Tochter betreibt sie das Angercafé in Urdenbach – ein Treffpunkt für alle Generationen, in dem auch Lesungen und kleine Konzerte und Chorproben stattfinden. Sie liebt die großen Opernklassiker, ist gleichermaßen offen für zeitgenössisches Musiktheater und Ballett und freut sich darauf, Ihre Eindrücke auch in ihrer zweiten Spielzeit als Opernscout im Gespräch zu vertiefen.

Was für ein Schauspiel-Spektakel, zu lyrischer Musik!

Romeo_et_Juliette_01_FOTO_Hans_Joerg_MichelHubert Kolb über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Die erste große Arbeit des Jung-Regisseurs Philipp Westerbarkei, zusammen mit Tatjana Ivschina (Bühne und Kostüme): Sie wollen es uns zeigen: so gehört eine alte Oper auf modern! Abgesehen von einigen Übertreibungen der Regiearbeit war es ein Abend, der in Erinnerung bleibt.
Zum Vorspiel gibt es gleich eine Ballett-artige Choreographie für den Chor, das bedurfte sicher einiger Übung. Dann teilt er sich sinnbildhaft in die beiden feindlichen Familien auf. Die Emotion wird durch leisen Herzschlag aus Lautsprechern zwischen den Bildern verstärkt, wie auch durch eine stumm tanzende, eher Shakespeare entsprechende junge Version des Liebespaares. Fast immer sind alle Protagonisten in Bewegung, oder singen im Dunkeln hinter der Festgesellschaft in Glitzerkostümen. Mal rauchen viele auf der Bühne. Spezielle Lichteffekte. Es gibt so vieles Ungewohntes auf der Bühne zu sehen, manches verpasst man, da oft mehrere Handlungen an verschiedenen Orten der Bühne parallel laufen, manches versteht man nicht. Eine tolle Idee, das Brautkleid der Juliette als scheintoter Körper wirken zu lassen, während Juliette als Geist im Hintergrund der Bühne die Vorgänge beobachtet. Man bleibt wach, um nichts zu verpassen.

Für mich unbefriedigend war der gewollt ungewöhnliche Schluss: Juliette überlebt (oder ist es ihr Geist?) und vermählt sich mit dem zuvor abgelehnten Grafen Pâris. Der tote Roméo bleibt als letztlich Betrogener zurück. So ist das Leben…

Die Musik ist lyrisch-schön. Roméo (Ovidiu Purcel) und Juliette (Luiza Fatyol) sind am Anfang etwas laut-hart in der Stimme, dann setzt sich aber der italienische Schmelz beim Tenor und das Lyrische beim Sopran herrlich durch. Mehrere weitere Stimmen waren überzeugend, einige aber nicht. Gegenüber der Probe bei der Opernwerkstatt hatte der Dirigent David Crescenzi die Düsseldorfer Symphoniker wesentlich besser im Griff.

Vielleicht sollte ich eine weitere Vorführung besuchen, um noch mehr von dieser Inszenierung wahrzunehmen.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_EndermannDr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt

 

 

 

 

Roméo stirbt ohne Juliette

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Jenny Ritter über die Premiere von „Roméo et Juliette“

Ein tolles Bühnenbild mit sehr stimmiger Beleuchtung, wunderschöne Kostüme, herrliche Bilder, eine dynamische Inszenierung – doch der Schluss war dann doch für mich unverständlich: Juliette verlässt mit Paris die Bühne, nachdem Roméo ganz für sich alleine gestorben ist. Verwundert hat mich auch der „Balkon“, den ich als solches gar nicht erkannt habe, da er aus Stühlen bestand und kunstvoll
aufgebaut wurde.
Interessant waren die Szenen, die Roméo et Juliette als „double“ darstellten und die Kennenlernphase  darstellten. Gesanglich war die Liebe ja schon nach zwei Worten entflammt, doch das „Spiel“ der „Kinder“ (sie waren ja erst 15 Jahre) war dann doch erfrischend.
„Love is a losing game“ wird zum Schluss behauptet, doch scheinbar nur für Roméo, der alleine stirbt ohne Juliette.
Die Musik ist wunderbar und auch wieder von den Düsys wunderbar gespielt. Diese Inszenierung ist auf jeden Fall sehens- und hörenswert.

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Jenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.