Isabell Boyer über „Turandot“

Wie man einer Oper die Krone aufsetzt

Als ich am Donnerstag das Opernhaus betrat und mich mit hohen Erwartungen in den Saal setzte, hätte ich so gut wie alles erwartet, außer Bilder des Regenschirm-Protests von Hongkong. Für einen Moment war ich gefesselt von den Schwarz-Weiß-Aufnahmen, genoss den modernen Touch und das Unwetter, das daraufhin auftrat. Die Regenschirme, die die Sänger der Chöre mit sich trugen, unterstützten diese Atmosphäre ebenso wie die Polizei-Streitkräfte im Hintergrund mit ihren Schlagstöcken. Allerdings änderte sich dieses Bild sehr schnell, als die Antlitze der Masse sich unter den Schirmen offenbarten: Verzerrte Masken, zahlreiche, verschiedenste Kostüme und pechschwarzes, langes Haar.
Mir fiel es schwer, Moderne und Altertum in diesem Stück direkt zusammenzubringen; ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich den modernen Strang als erstrebenswerter gefunden hätte oder ob gerade die Mischung die Inszenierung interessant machte. Auf jeden Fall gefiel mir die optische Ausarbeitung des Stücks, die sowohl mit massiven Kulissen, als auch mit Projektionen auf Leinwänden arbeitete, um die Atmosphäre zu erschaffen, die für die Geschichte angemessen war.
Wie nun schon häufiger fühlte ich in „Turandot“ eher mit den Nebencharakteren, als den Protagonisten. Liù und ihr Meister erwärmten mein Herz schon zu Beginn, besonders durch ihre liebevolle Art zueinander, auch wenn Liùs Loyalität nicht nur Timur, sondern auch (gerade) Kalaf galt, wie sich auch im Finale noch einmal bestätigte. Kalafs Liebe zu Turandot, oder eher sein plötzlicher Sinneswechsel aufgrund ihrer Schönheit, erschien mir ein wenig zu schnell, aber ich konnte verstehen, dass dies der Geschichte nur zuträglich war.
Während die ersten beiden Akte für mich nicht den gewünschten „Wow“-Effekt hatten, riss mich der dritte Akt sofort mit. Nachdem Turandots Rätsel gelöst worden waren, stellte Kalaf seines und eröffnete mit „Nessun Dorma“ das letzte Drittel dieser Oper. Mit meinen Sitznachbarn fieberte ich dem Höhepunkt des Liedes entgegen und merkte, wie zufrieden und glücklich ich mit dem Fortlauf des Stücks war, sobald das Lied sein Ende gefunden hatte. Liùs Tod sorgte anschließend nicht nur bei mir für feuchte Augen. Timur und sie waren herzzerreißend und ich muss Brigitta Kele als Liù und Günes Gürle als Timur hierfür ein großes Kompliment aussprechen. Sie haben das Publikum mit ihrer Vorstellung bezaubert. Musikalisch und gesanglich war es – wie immer – hervorragend. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Oper und bin gespannt, ob das Kommende an den Zauber dieses Finales anknüpfen kann.

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Isabell Boyer
Studentin
Auf Isabell Boyer sind wir durch einen Text aufmerksam geworden, den sie als „Operntester“ über Prokofjews Oper „Der feurige Engel“ geschrieben hat. Die eingehende Beschäftigung mit dem Stück hat uns neugierig gemacht auf mehr. Isabell Boyer studiert Germanistik und Anglistik in Essen. Sie singt selbst in Pop- und Rockbands und hat 6 Jahre lang Theater in einer Laiengruppe gespielt. Die Opern- und Ballett-Erlebnisse in ihrer ersten Spielzeit als Opernscout inspirierten sie dazu, freier zu denken und ihren Horizont zu erweitern.

Marion Hörsken über „Turandot“

Turandot – Zwischen Traum und Realität

Das Drama um die kaltherzige chinesische Prinzessin, die ihre Verehrer gnadenlos köpfen lässt, wenn sie das ihnen auferlegte Rätsel nicht lösen, hat mich sehr angesprochen.
Am beeindruckendsten fand ich den koreanischen Tenor Yonghoon Lee als Prinz Kalaf, wunderbar und voller Seele gestaltete Anke Krabbe die Sopran-Partie der Liù. Der Chor der Deutschen Oper am Rhein singt nicht nur atemberaubend schön, auch in Massen-Choreografien hat er eine große Präsenz. Beeindruckend.
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Prunkkostüme und das teilweise scherenschnittartige Bühnenbild – all das hat mich sehr begeistert. Ich würde mir sehr gerne die Kostüme und Hutkreationen von Nahem anschauen, denn da hat der Bühnenbildner zusammen mit den Schneidern großartige Arbeit geleistet. Auch die Farben der prächtigen Kostüme von Turandot selber waren toll!
Immer wieder präsent war eine junge Frau im weißen Kleid, die – so fand ich später heraus – einen Traum hat. Um diesen Wechsel zwischen Traum und Realität zu ermöglichen, setzte der Regisseur Stilmittel ein, die Bezüge zur Gegenwart herstellen: Regenschirme erinnern an die „Umbrella Revolution“ 2014 in Hongkong. Das regte in der Tat zum Nachdenken an, über das, was derzeit in der Welt passiert – nicht nur in China.
Spannend fand ich auch, dass die Inszenierung in Taiwan aufgeführt werden wird, wenn das neue Kulturzentrum der Hafenmetropole Kaohsiung im Süden des Landes eröffnet wird. Ein gigantisches Gebilde aus Oper, Theater, Konzerthaus und Kongresshalle für 6000 Menschen!

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Marion Hörsken
IHK Düsseldorf
Als Geschäftsführerin der Abteilung Industrie, Innovation und Umwelt bei der IHK Düsseldorf will Marion Hörsken dazu beitragen, dass Düsseldorf und die Region ein attraktiver Wirtschafts- und Industriestandort bleibt. Mit der „Langen Nacht der Industrie“ brachte sie – damals als Geschäftsführerin der Gesellschafts­initiative Zukunft durch Industrie e. V. – ein Leuchtturmprojekt in Sachen Industrieakzeptanz auf den Weg. Jetzt wird die Industrie- auch zur Kultur-Botschafterin und startet mit großem Ballett-Interesse und Neugier auf die Oper in unser Projekt.

Uwe Schwäch über „Turandot“

Phänomenale Besetzung

Puccini’s letzte Oper „Turandot“ ist ein musikalischer Hochgenuss, wenngleich die erzählte Geschichte für viele Operngänger wenig zugänglich ist. In der Inszenierung von Huan-Hsiung Li wird auf einen authentischen Charakter Wert gelegt. Neben Li’s Regiekonzept stammen auch Bühnenbild, die Kostüme und das Videodesign von taiwanesischen Künstlern. Das spürt man und das macht „Turandot“ an der Deutschen Oper am Rhein mit hohem Erlebnischarakter sehenswert.
Der Kaiserpalast als Scherenschnitt vor fernöstlichen Videoprojektionen – so eröffnet sich das reduzierte Bühnenbild ganz ohne Requisite dem Zuschauer und schafft Raum für Chor und Sänger. Sowohl die Wahl des aus China stammenden Scherenschnitts, die Han-Chinesische Kleidung als auch kunstvolle elektronische Effekte, die an chinesische Kalligrafien erinnern, versetzen uns in eine andere, fremde Epoche. Moderne Stilmittel beleben die Szenerie, die aufgrund einer ungemeinen Chorstärke oftmals etwas statisch wirkt.
Das gesamt Ensemble glänzt in einer phänomenalen Besetzung, angeführt von dem südkoreanischen Tenor Yonghoon Lee als Kalaf und Linda Watson als Turandot.
Lee brilliert kraftvoll in herausfordernder Pose und betört zu Anfang des dritten Aktes mit „Nessun Dorma“, der bekanntesten Tenorarie überhaupt, mit einem wunderbaren musikalischen Höhepunkt. Watson, ihrer Rolle entsprechend zunächst kühl und mit eiserner Miene, öffnet sich emotional und lässt die Zuschauerherzen besonders im außergewöhnlichen Schlussduett höher schlagen. Auch Anke Krabbe gelingt es von Beginn an, als Liù die fernöstliche Lyrik sanft und feinfühlig zu intonieren. Die Minister Ping, Pang und Pong vermitteln viel Lebendigkeit, dabei sind sie unterhaltsam und komisch mit vortrefflichen Stimmen.
Der extra große Chor füllt die Bühne nahezu vollständig und gemeinsam mit dem Orchester wird eine fulminante musikalische Stahlkraft dargeboten, bei der die Holz- und Blechbläser an ihre Grenzen gehen.
Ein gelungenes, sehens- und hörenswertes Opernwerk. Diese „Turandot“ bietet viel mehr als „Nessun Dorma“.

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Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

Khatuna Ehlen über „Turandot“

Starke Stimmen

Ein aufregender und sehr emotionaler Abend. Eine sehr dramatische und mitreißende Geschichte über die bedienungslose Liebe und kompromisslosen „Kampf“, bis diese Liebe bei dem Anderen die gewünschte Anerkennung findet. Und das Ganze kombiniert mit sehr schönen, interessanten Bühneneffekten, grellen Farben und vor allem einer wahnsinnig starken Stimme von Yonghoon Lee (Kalaf). Zunächst dachte ich er singe mit einem Mikrofon… als ich dann aber erfuhr, dass das seine Originalstimme war, war ich vollkommen überwältigt. Wahnsinn! Ganz süß fand ich auch den Kinderchor. Sehr tapfer vor so einem große Publikum aufzutreten und gleich die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. “

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Khatuna Ehlen
Sozialarbeiterin
Sicher war es ein großer Schritt, mit 20 Jahren die Heimat Georgien zu verlassen, um in Deutschland zu studieren und heute als Sozialarbeiterin in der Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf zu arbeiten. Ein kleiner dagegen, die Einladung zum Projekt „erlebte Oper…erlebter Tanz…“ anzunehmen und Opernscout zu werden. Nach ihrer ersten Spielzeit als Opernscout ist sie glücklich, weiter als Scout aktiv sein zu dürfen. Bisher sind die Aufführungen des Balletts am Rhein ihr klarer Favorit im Spielplan, so dass sie sich auch in der neuen Spielzeit auf mitreißende Choreographien freut.

Gisela Miller-Kipp über „Turandot“

Rätselvolle Inszenierung, großartig anzuhören und sehr schön anzusehen

Turandot, das ist das altorientalische Märchen von jener Prinzessin, die sich, um eine geschändete Ahnin zu rächen, keinem Manne hingeben wollte, es sei denn, er löse drei ihrer schier unlösbaren Rätsel; wenn nicht, verlor der Freier seinen Kopf. So hatte denn der Henker in ihrem Reich – hier in China – alle Hände voll zu tun, bis Prinz Kalaf kam und mit todesmutiger Liebe die Rätsel zu hören begehrte – und nun nimmt das (Opern)Drama seinen Lauf. Es ist natürlich mehrdeutig; in der Deutschen Oper am Rhein wird es jetzt als politisch verrätselte Traumerzählung inszeniert (Huan-Hsiung Li, Taiwan). Diese Doppelbödigkeit überzeugt mich, weil man dergestalt das Spiel von Liebes-Macht und Hingabe, von Herrschaft und Unterwerfung, nicht nur als persönliches, sondern auch als gesellschaftliches Geschehen lesen und hoch aktuelle Momente darin erkennen kann. Überdies hat mich die Inszenierung ästhetisch fasziniert mit ihrem Wechselspiel von altchinesischer Kulisse und modernen Videoprojektionen, all dies in glühendem Farbspiel – fand ich richtig gehend „märchenhaft“.
Ouvertüre: Man sieht im Bühnenhintergrund das gewaltige Halbrund einer chinesischen Palastmauer: die begehbare Silhouette der alten Kaiserstadt Peking, darauf projiziert ein alter Filmstreifen von einer demonstrierenden Menschenmenge sowie düsteres Wolkengebräu und strömender Gewitterregen, dann eine Einblendung: „Disperse or we fire“ (!). Heraufbeschworen werden damit die revolutionären Aufbrüche in China, hier der „Boxeraufstand“ 1900/01 (Filmmaterial), vielleicht auch die niedergewalzte Studentendemonstration auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ in Peking 1989, gewiss aber die „Regenschirm-Revolution“ in Hongkong 2014; denn alsbald tritt der Chor bewaffnet mit schwarzen Stockschirmen auf. Durch das Bild schwebt im weißen Nachthemd eine junge chinesische Frau, sie landet und schlafwandelt auf der Bühne, was wohl bedeutet: hier wird ein Traum erzählt. Die Figur ist eine Erfindung des Regisseurs; sie taucht im Verlauf der Oper immer wieder einmal tanzend oder stolpernd auf der Bühne auf, dient mithin als Bindeglied zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen politischem und persönlichem Drama. Das wird nun großartig gesungen.
In den beiden Titelpartien legten Linda Watson als Prinzessin Turandot in blutrotem kaiserlichen Prunkgewand und Yonghoon Lee als Prinz Kalaf in Tartaren-Kluft gesangliche Glanzleistungen und stimmliche Kraftakte hin. Gesungen wurde anhaltend forte und, Yonghoon Lee nicht ohne Presser, gelegentlich fortissimo. Dazu spielten denn auch die Düsys unter Wen-Pin Chien (Taiwan) Puccini „volle Pulle“, souverän mit Pauken und Trompeten und großer Trommel. Das war ein Ohrenschmaus, schont aber die Sänger wenig; die meisterten das mit Stimmpracht bis zum finalen Liebes-Duett. Da fällt dann Goldregen auf das Tor des „himmlischen Palastes“ – Ende gut, alles gut und sehr schön. – Die Bravourarie übrigens des Kalaf: „nessun dorma“ („keiner schlafe“), schmetterte Yonghoon Lee mit metallischer Stimme geradezu heraus, meine Sitznachbarn riss es aus den Sesseln, mich nicht so arg. Ich hatte dazu Luciano Pavarotti im Ohr, dessen „nessun dorma“– eine seiner Glanzpartien – im Spitzenton dahin schmilzt. Solche Töne brachte Anke Krabbe. Sie sang die liebende Dienerin des Prinzessen bezaubernd: innig-süß und auch in höchster Stimmlage noch voll und weich – Balsam in meinen Ohren, ich applaudierte begeistert mit. – Vergleichbar klar und lieblich sang auch der Kinderchor, überhaupt sind die Auftritte des Chors – ein Riesenensemble – sehr beeindruckend. Ebenfalls prima sang und klang das Trio der drei Weisen Ping, Pang und Pong (Dmitri Vargin, Johannes Preißinger, Luis Fernando Piedra); leider, fand ich, mussten sie leicht albern herumhantieren. – Beschäftigt haben mich noch die großen Pergamente, die aus dem Bühnenhimmel herunter rollten. Auf sie wurde allerlei projiziert: Gegenstände, z.B. Stühle (was soll‘s?), Symbole, verhuschte chinesische Schriftzeichen in dicker Tusche, satt platzende Blasen (Tinte? Blut?) – blieb mir rätselhaft. Darüber zu spekulieren macht aber Spaß, die inszenatorischen Rätsel müssen ja nicht vollends aufgehen. Und so empfehle ich, sich selbst daran zu versuchen und diese fabelhafte Turandot zu besuchen.

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Gisela Miller-Kipp
Emeritierte Professorin für Allgemeine und Historische Pädagogik
„Die sinnliche Erfahrung von Oper und Ballett öffnet einen immer wieder neu“, sagt die emeritierte Professorin, die schon mit 14 Jahren ihre erste Vorstellung besuchte. Was sie sieht, vergleicht sie mit ihren persönlichen Kulturerlebnissen aus vielen Jahrzehnten und ist beglückt darüber, dass sich dabei immer wieder neue Sichtweisen erschließen. Sie engagiert sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und wird im Goethe-Museum und im Museum Kunstpalast auf ihre Erlebnisse als Opern- und Ballettscout angesprochen.

Susanne Freyling-Hein über „Turandot“

Eine opulente Inszenierung

Die Vorfreude auf die märchenhafte Oper mit einer grausamen, in sich gefangenen Prinzessin war groß, ebenso meine Begeisterung über die Inszenierung am Ende der Vorstellung.
Alles an diesem Abend war opulent, die Kostüme und das Bühnenbild aufwändig, die integrierten Video-Installationen haben mir ästhetisch gut gefallen.
Die Musik enorm kraftvoll und insbesondere Yonghoon Lee als Kalaf so stimmgewaltig, dass es nach dem bekanntesten Thema der Oper lauten Beifall gab – ein Gänsehautmoment.
Viele Details im Bühnenbild, z.B. projizierte Stühle oder Regenschirme bleiben für mich rätselhaft. Ebenso die Bezüge zum heutigen China, mit der Zeit in der die Oper spielt verbunden durch das taumelnde, träumende Mädchen, die sich mir nicht erschlossen haben.
Meinen ersten Gedanken zu dem Mädchen, dass es sich um die junge Turandot ohne ihren Schutzpanzer aus Grausamkeit handelt, habe ich schnell wieder verworfen.
Turandot selber, auf die man ja relativ lange gespannt wartet, hat mich darstellerisch nicht komplett überzeugt. Zum einen erschien sie mir so kühl und abweisend, dass ich die Begeisterung von Kalaf nicht nachvollziehen konnte. Das Durchbrechen dieser Kühle und ihr Aufbruch waren für mich ebenfalls nicht erlebbar.

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Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

Georg Hess über „Turandot“

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Hoffnung – Blut – Turandot = Kalaf

Am Samstagabend stand Puccini’s Oper „Turandot“ in einer Inszenierung von Huan-Hsiung Li auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein.
Die hartherzige Prinzessin Turandot, eine Märchengestalt aus 1001 Tag, einer persischen Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert, gibt den Bewerbern um ihre Hand drei Rätsel auf und lässt diese töten, falls sie die richtigen Antworten nicht kennen. Schließlich verliebt sich Turandot aber doch noch in einen der Verehrer, den Prinzen Kalaf, der auch alle Rätsel zu lösen weiß und ihr schließlich ebenfalls eine Prüfung aufgibt.
Begeistert bin ich vom Bühnenbild, welches aus einer Silhouette (ähnlich einem Scherenschnitt) einer im alten asiatischen Stil errichteten Stadt mit vordergründiger Stadtmauer mit mittigem Tor besteht, vor der sich wiederum ein breiter geschwungener Mittelgang befindet. Prima wie es gelungen ist, auf der begrenzten Fläche Tiefe und Weite darzustellen. Die intensiv farbigen, aber nie bunten Ausleuchtungen geben den Szenen zudem die erforderliche Atmosphäre. Eine Augenweide sind die prächtigen, historischen Kostüme und Masken der zahlreichen Darsteller.
Der das Volk darstellende Opernchor ist häufig auf der Bühne vertreten und verleiht den Szenen nicht nur musikalisch sondern auch durch sein optisches Volumen Intensität.
Die Düsseldorfer Symphoniker, unter der Leitung von Wen-Pin Chien, schaffen den wohltuenden Balanceakt, nie mit ihrer Musik die Spielhandlung oder die Sänger in den Hintergrund zu verdrängen, aber dennoch stets präsent zu sein.
Spielerisch und musikalisch liegen die Hauptrollen bei der Prinzessin Turandot (Linda Watson), dem Prinzen Kalaf (Yonghoon Lee) und der in Kalaf verliebten Sklavin Liù (Anke Krabbe). Das Spiel des smarten jungen Prinzen und auch der hübschen Sklavin, welche für Kalaf den Tod wählt statt ihn zu verraten, ist sehr überzeugend. Überwältigend und für mich der den gesamten Abend überstrahlende Höhepunkt ist die gesangliche Darbietung des koreanischen Tenors Yonghoon Lee – besonders brilliant ist seine Wiedergabe der berühmten Arie „Nessun dorma“.
Zu Beginn der jeweiligen Akte versucht der Regisseur durch Filmeinspielungen aktuelle politische Bezüge zu setzen. Diese Verknüpfung hat mich nicht überzeugen können. Die Phantasie um zwischen der jahrhundertealten Märchenhandlung und den „Regenschirm-Protesten“ von 2014 in Hongkong einen Bogen zu schlagen, findet sich bei mir nicht. Auch die verschiedenen schmalen Projektionsflächen, die sich während des Stücks immer wieder vom Schürboden auf die Bühne herabsenken, auf denen dann fließende Tintebilder ohne erkennbaren Handlungsbezug dargestellt werden, wirken auf mich eher überflüssig und störend.
Dennoch – dieser Opernabend hat mich sehr gut unterhalten und meinen kulturellen Horizont ein gutes Stück erweitert. Der Stärke und der Dauer des Beifalls nach zu urteilen, war es auch nach Ansicht des übrigen Publikums ein gelungener Premierenabend.

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Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

Rouven Kasten über „Turandot“

TURANDOT_06_FOTO_Hans_Joerg_MichelTurandot auf Speed

Es war mal wieder soweit, im Rahmen meiner Tätigkeit als Opernscout für die aktuelle Spielzeit der Deutschen Oper am Rhein, konnte ich mir die Premiere des Klassikers Turandot von Giacomo Puccini ansehen. Die Oper die seit Jahren von Ihrer Arie „Nessun Dorma“ durch die Kulturszene getragen wird. Ich war sehr gespannt! Die Premiere der Puccini-Oper im Theater der Stadt Duisburg stieß auf Zustimmung, aber auch auf Kritik.

Turandot die Geschichte einer chinesischen Prinzessin, die komische Fragen stellt um geheiratet zu werden. Wer es nicht schafft „Kopf ab“.

Als chinesische Prinzessin ist sie bekannt, die schöne und unnahbare Turandot, deren Legende vermutlich persischen Ursprungs ist. Drei Rätsel muss derjenige lösen, der, kopflos vom Anblick ihrer Schönheit, sie zur Frau begehrt. Wahrhaft kopflos endet der Wagemutige, wenn ihm die Lösung der Rätsel nicht glückt. Doch die Todesgefahr kann die jungen Freier nicht schrecken. Je grausamer die Prinzessin ihr Spiel mit ihnen treibt, umso stärker erstrahlt sie in einer Aura, die sie vor jeglicher Inbesitznahme durch einen Mann schützen soll. So wollen es alle Turandot-Märchen. Doch die Rätselprinzessin gehört nicht zur Gattung der männerfeindlichen Amazonen und Zauberinnen. Ihr Wesen ist archaischer Natur, rückbezogen auf den gewaltsamen Tod einer Urahnin, den sie im Glauben an die Wiedergeburt rächen will. Der Preis für diese selbst auferlegte Passion ist die Einsamkeit, unter der Turandot, ohne es zuzugeben, am meisten leidet.

Als nach der Aufführung der Vorhang fiel, gab es vom Publikum im ausverkauften Duisburger Stadttheater viel Beifall. Für die Rheinoper war die Premiere der berühmten Puccini-Oper Turandot, die in Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying, Taiwan, produziert wurde, durchaus ein Erfolg. Allerdings hörte man auch vereinzelte Buhs. Die Opernscouts, die auf Einladung der Rheinoper und der Rheinischen Post, ebenfalls bei der Premiere dabei waren, spiegelten die unterschiedlichen Meinungen des Turandot-Premieren-Publikums wider.*

Turandot auf Speed?

Allerdings! Ich hab mich wirklich schwer getan diesmal. Die Szenerie hat mich verwirrt, es gab auf der Bühne obwohl simpel aufgebaut wie ein Scherenschnitt viel zu entdecken. Zuviel wie ich fand. Ein ständiges Gewusel rund um die statisch wie angewurzelt stehenden Hauptdarsteller. Dann plötzlich ein Mädchen im Nachthemd, danach eine Schulklasse mit verbundenen Augen. Dazu ständig moderne und völlig grundlose Videoanimationen. Was soll das, was haben die sich dabei gedacht? Die ganze Zeit war ich mit solchen Gedankengängen beschäftigt. Nach der Pause wusste ich, gleich kommt „die“ Arie. Die Arie die uns so bekannt vorkommt, die Arie welche wie keine andere uns an Oper erinnert. Die Arie die uns allen spätestens seit Paul Potts zum Heulen bringt. Tut Sie das? Ich hoffte. Sie tat es nicht! Wieder überschlug sich eine schlecht gemachte Video Animation farblich über den angestrengten Tenor. Sehr Schade. Na vielleicht hätte ich diesmal zur Vorbesprechung gehen sollen, aber ich will einfach nur ins Theater. Ich muss nicht immer alles verstehen.

Der Rheinischen Post gegenüber sagte ich: Eine solche Begeisterung konnte Rouven Kasten überhaupt nicht teilen. Er fand die Inszenierung überladen. Alles sei „viel zu viel gewesen“ und sei oftmals rätselhaft geblieben. Die Computer-Animationen fand er „einfach schlecht“. Die gesamte Aufführung sei in sich nicht stimmig gewesen. Immer habe er sich gefragt: „Was hat sich das Regieteam dabei nur gedacht?“

Fazit: Das Ensemble der Duisburger Oper hat im punkto musikalischer Leistung alles gegeben, herausragend war aber die Stimme von Brigitta Kele die eine zauberhafte und sicher unterschätzte Liù abgab. Turandot selbst hatte obwohl stimmlich gut besetzt, dennoch mit Ihrer „Erscheinung“ zu kämpfen. Stimme braucht sicher Volumen aber eine chin. Prinzessin war sie optisch nicht. Zoran Todorovich hat einen soliden Kalaf gegeben, der aber in seinem leicht dahingesungenem Nessun Dorma nicht wirklich mitreißen konnte. Geschuldet war das ganze sicher der überladenen Inszenierung des Teams der Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts (Weiwuying), Taiwan. Die z.t. schlechten Grafiken erinnerten mich an eine chin. Ausstellung im NRW Forum. Ich gehe davon aus das ein hiesiger Theaterkünstler solch schulklassenartige Projektionen nicht verwenden würde.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Rouven Kasten-1Rouven Kasten
Social Media Experte

Rouven Kasten ist in Duisburg aufgewachsen, mit Raider und Pink Floyd. Er bloggt, twittert, facebookt, schießt Fotos und jagt alles in die Wolke. Die Möglichkeit zur grenzenlosen Interaktion gefällt ihm. Nach einigen Agenturstationen und einer intensiven Zeit der Selbstständigkeit ergänzt er nun das Team der GLS Bank im Bereich digitale Kommunikation. Die Begeisterung für das Musikhören und -machen brachte ihn zur Oper und zum Ballett. Die Erfahrungsberichte als Opernscout schreibt er auch in seinen privaten Blog: http://www.gestalterhuette.de oder auf twitter und facebook, direkt aus dem Theater mit dem Hashtag #opernscout.

Jessica Gerhold über „Turandot“

TURANDOT_02_FOTO_Hans_Joerg_MichelMit riesiger Neugierde ging ich in diese deutsch-taiwanesische Kooperation zu Puccinis letzter, unvollendeter Oper. Wie können uns wohl Künstler mit asiatischem Hintergrund helfen noch tiefer in dieses Märchen hinein zu tauchen? Die ersten Szenen der Oper ließ ich auch noch unkritisch über mich ergehen, war gespannt was mir geboten würde und wartete in den Bann des Stückes gezogen zu werden. Um es vorweg zu nehmen: Dies gelang bis zum Ende des Stückes nicht.

Woran das lag? Ich kann hier nur wenige Aspekte nennen. Insgesamt wollten die Inszenierenden wohl zu viel und setzten eine Häufung an symbolhaften Ideen höchstens mittelmäßig professionell um. Da ist zum einen das Ringen einen aktuellen Bezug zu China herzustellen: Die Regenschirmrevolution 2014 und am Ende eine Mega-Stadtnachtaufnahme (warum explodiert hier am Ende eine Bombe?). Zum anderen die nicht einmal mittelmäßigen Projektionen, die drehende Schwerter, asiatische Ranken und Kalligraphien zeigen, aber die auf jeder Schulaufführung professioneller  präsentiert würden. Hier bin ich von vorherigen Vorstellungen ein sehr viel höheres Niveau gewohnt. Des Weiteren wirkten die Akteure zeitweise ungewohnt statisch in ihrer Präsentation und nutzen den gegebenen Bühnenraum nicht aus, die schauspielerische Leistung wirkte selten authentisch, bzw. in den Bann ziehend. Noch nicht einmal die Arie „Nessun Dorma“ berührte mich emotional. Dabei sind die Stimmen einwandfrei gewesen und alle Künstler haben unglaubliche Kraftakte in dieser Oper gelassen und stimmlich einwandfrei präsentiert. Vielleicht waren die Künstler selber zu unsicher wie diese Inszenierung ankommen würde. Gute Stimmen ohne Relevanz. Jedoch, eine Einschränkung muss ich machen: Liù und der Chor fesselten mich bei jedem Einsatz sofort.

Aber musste man sich schließlich für dieses (für mich) wirklich nicht zum Stück passende Happy End entscheiden? Das konnte der mit Melone bekleidete Puccini auf der Bühne nicht für seine beste Oper im Sinn haben.

Insgesamt wäre hier weniger viel mehr gewesen.

Fazit: Ich freue mich wahnsinnig auf die nächste „Turandot“- Aufführung!

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Jessica Gerhold-1Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin

Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.

Ralf Kreiten über „Turandot“

TURANDOT_14_FOTO_Hans_Joerg_MichelNessun dorma – ‚Keiner schlafe‘ – ist die Arie des Prinzen Kalaf (sehr gut dargestellt von Zoran Todorovich) zu Beginn des 3. Aktes der Oper Turandot von Giacomo Puccini. Beim begeisterten Premierenpublikum am vergangenen Samstag bedurfte es dieser Ermahnung nicht.

In der Oper, deren Handlung vor 3000 Jahren im chinesischen Reich spielt, löst der fremde Prinz Kalaf das Rätsel der Prinzessin Turandot und gewinnt sie damit als Gemahlin. Er stellt der Prinzessin jedoch in Aussicht, sie von ihrem Heiratsversprechen zu entbinden, wenn sie bis Sonnenaufgang seinen Namen herausfinden würde. Daraufhin befiehlt Turandot, dass niemand in Peking schlafen dürfe, alle sollten nach dem Namen des unbekannten Prinzen fahnden. Die Untertanen werden mit der Todesstrafe bedroht, falls sie den Namen nicht herausfinden sollten.

Boten verkünden: Questa notte nessun dorma in Pechino – ‚Diese Nacht soll niemand schlafen in Peking‘. Daraufhin wiederholt der Chor die Worte Nessun dorma. Auch Kalaf greift diese Worte zu Beginn der Arie auf und zeigt sich standhaft und gewiss, dass die Prinzessin das Geheimnis seines Namens nicht lösen wird.

Die Inszenierung des taiwanesischen Theatermachers und seines Teams ist spannend und durch die Videoinstallationen sehr abwechslungsreich; obwohl ich persönlich, gerade mit den moderneren Einspielungen, nicht so viel anfangen konnte. Aber die Idee, das Geschehen als Traum, besser als Alptraum einer jungen Frau darzustellen, kommt der Handlung zu gute und lässt viele Ungereimtheiten besser verstehen.

Musikalisch hat mich der Abend voll überzeugt. Chor, Extrachor und Kinderchor der DOR  sind stimmgewaltig und machen Gänsehaut; sie können sich aber auch ganz auf das Singen konzentrieren, da die Inszenierung doch eher statisch ist. Ergreifend ist Brigitta Kele in der Rolle der Liù; Linda Watson meistert die stimmlichen Anforderungen der Turandot ebenfalls sehr gut. Das traurige, ja oft grausame Geschehen wird durch die leicht komödiantischen Auftritte der drei Minister Ping –ausgezeichnet Bogdan Baciu -, Pang und Pong für den Zuschauer erträglich.

Die Musik Puccinis, von den Philharmonikern unter Leitung von Axel Kober hervorragend gespielt, ist leicht, eingängig, hat mich berührt und Gänsehaut verursacht. Warum sollten Sie sich das entgehen lassen? Nessun dorma -‚Keiner schlafe‘ -, auch Sie werden diese Ermahnung nicht brauchen; das verspreche ich.#

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld

Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

Birgit Idelberger über „Turandot“

TURANDOT_13_FOTO_Hans_Joerg_MichelPremierenabend in Duisburg am Samstag im Advent. Ausverkauft und prall gefüllt das Foyer in der Erwartung einer Neuinszenierung der Oper Turandot von Giacomo Puccini.

Es ist die Alte, den vielen Märchen der Vorzeit angelehnte Geschichte von der kaltherzigen, schönen Prinzessin. Der seit ihrem Anblick unsterblich verliebte Prinz löst drei Rätsel und gewinnt ihre Liebe letztlich durch einen Kuss, der ihr Herz erweicht.

Die Spannung fiel sichtbar von den Künstlern ab, als der Beifall ertönte.

Wenn man sich auf das Dargebotene einließ, konnte man an diesem Abend nicht nur Musikalisches genießen.

Vollkommen neu und anders als gewohnt ist diese Inszenierung durch den Taiwanesischen Künstler Huan-Hsiung Li, der mit weiteren Taiwanesischen Mitarbeitern ( Video/ Media Design, Bühne, Kostüme, musikalische Leitung ) den Spagat zwischen diesem Märchen und dem Hier und Heute versucht.Er versteht und präsentiert das Werk als Parabel auf das China von heute, verkörpert von Turandot.

Videoinstallationen auf Leinwänden zeigen Bilder der modernen Großstadt, Regen, Farbeffekte. Eine gelungene Idee.

Alle Sänger boten eine gute Leistung, jedoch darf man die Sklavin Liu und die drei Minister Ping, Pang,Pong besonders positiv hervorheben. Lediglich Turandot klang zum Finale etwas zu laut und schrill, es passte aber insgesamt stimmlich zu der Figur der kaltherzigen Prinzessin.

Trotz aller öffentlichen Kritik war der Abend für mich ein Genuss durch die Verbindung verschiedener Stile, die die Aufführung erst interessant machten. Dies mag für manche verstörend gewirkt haben. Der Besuch im Foyer zur Einführung war dieses Mal besonders hilfreich für das spätere Verstehen.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Birgit Idelberger-1Birgit Idelberger
Frauenärztin

Birgit Idelberger ist in Duisburg aufgewachsen und seit 10 Jahren als Frauenärztin in Duisburg-Walsum niedergelassen. Sie geht gern ins Kino und besucht Kunstausstellungen, doch Bezug zum Theater hatte sie kaum – zur Oper schon gar nicht. Das ist jetzt anders: Offen und neugierig ließ sie sich auf ihre erste Saison als Opernscout ein. Auch ohne Theatererfahrung empfindet sie die Opern- und Ballettabende als persönliche Bereicherung und positive Erfahrung. Sie hofft, dass viele Menschen durch die Kommentare der Scouts neugierig werden und den Weg ins Theater finden.

Julia Kulig über „Turandot“

TURANDOT_10_FOTO_Hans_Joerg_MichelPuccinis Oper Turandot dreht sich um das gern aufgegriffene Thema Liebe. Kalaf verliebt sich in die chinesische Prinzessin Turandot, die jedem bisherigen Werbenden durch das Stellen von Rätseln (die bei Nichtlösen mit dem Scharfrichter beantwortet werden) abwehren konnte. Turandot tritt hart auf, versucht auch Kalafs Werben zu entgehen. Als er jedoch die von ihr vorgegebenen Rätsel löst, zeigt sie weiterhin den Wunsch alleine zu bleiben, da sie die Aspiranten nicht prüfen sondern in eine tödliche Falle locken will. Kalaf stellt ihr im Gegenzug selbst ein Rätsel, gibt ihr hierdurch die Möglichkeit, der Heirat zu entgehen. Am Ende legt er sein Leben in Turandots Hände, um sie von seiner Liebe zu überzeugen.

Inszeniert ist das Stück von Huan-Hsiung Li – einem aus Taiwan stammenden Regisseur. Er setzt hierbei eine Vielzahl unterschiedlicher Symbolebenen ein: Bühnenbild, Videoprojektionen im Hintergrund, die Kleidung der Schauspieler, die Klänge. Als Zuschauer müssen wir zeitweise entscheiden, auf welche Ebene wir gerade achten wollen.

Besonders genossen habe ich an diesem Abend die Musik, immer wieder schloss ich die Augen, um den Klängen zu lauschen. Die Untermalungen des Orchesters, die eindringlichen Stimmen der Sängerinnen und Sänger und der Chor konnten mich nachwirkend begeistern. Auch die Gänsehaut bei einzelnen Arien werde ich nachhaltig in Erinnerung behalten.

Handlung, Chor, Sänger, Orchester, Bühnenbild, die Art der Inszenierung – vieles davon war für mich an diesem Abend besonders und hat mich diesen Abend sehr genießen lassen.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Julia Kulig-2Julia Kulig
Musiktherapeutin

In ihrer Arbeit als Musiktherapeutin setzt sich Julia Kulig mit ihren Patienten therapeutisch und kreativ mit dem Medium Musik auseinander. Daher freut sie sich, seit der Spielzeit 2014/15 als Opernscout Ballett- und Opernstücke besuchen und den Blickwinkel in Richtung anderer musikalischer und tänzerischer Ausdrucksformen erweitern zu können. Sie schätzt den Austausch mit den anderen Scouts sehr und ist gespannt, was sie in der neuen Spielzeit erwartet.

Kathrin Pilger über „Turandot“

TURANDOT_09_FOTO_Hans_Joerg_MichelEin chinesisches Märchen in alten und neuen Gewändern, dazu Musik voller Pathos und Emotionen – dies alles erwartete die Besucher bei der Premiere am vergangenen Samstag im Theater in Duisburg! Giacomo Puccinis letztes großes, unvollendet gebliebenes Werk stand auf dem Programm der Deutschen Oper am Rhein: Turandot.

Die Handlung folgt einem klassischen Muster: Die durch den gewaltsamen Tod einer Vorfahrin im Herzen versteinerte Prinzessin Turandot gibt allen jungen Männern, die um sie werben, drei Rätsel auf. Können diese gelöst werden, so darf der Bewerber die Prinzessin heiraten, versagt der Aspirant, erwartet ihn ein gewaltsamer (auf der Bühne zelebrierter) Tod. Dieses Schicksal erleiden sämtliche Kandidaten, bis Kalaf, der totgeglaubte Sohn des alten Tatarenkönigs Timur, in das Geschehen eingreift. Er gibt auf die drei Fragen Turandots die richtigen Antworten, woraufhin die Prinzessin besiegt ist. Doch Kalaf will ihre wahre Liebe erlangen und gibt ihr die Gelegenheit, bis zum Morgengrauen seinen Namen zu erraten. Dann sei sie frei und er werde sterben. Doch auch durch Bestechung, Folter und einen durch die bösen Umstände verursachten Selbstmord lässt sich der Name nicht in Erfahrung bringen. Erst als Kalaf die Prinzessin leidenschaftlich küsst und ihr seinen Namen verrät, bricht das Eis und die Liebe besiegt die Hartherzigkeit Turandots.

Das in der taiwanesischen Inszenierung etwas bewegungsarm wirkende Spiel der prächtig kostümierten Akteure gewann durch die interessanten Lichtinstallationen an Dynamik. Gleich zu Beginn als tropfender Regen oder später in kalligraphischer Zeichensprache, die einen Bezug zu den Rätseln Turandots herstellen sollte, tanzten die pulsierenden Lichtstrahlen über die Bühne. Sogar ganze Filmsequenzen bildeten manchmal den Hintergrund. Das lockerte auch die recht statischen Massenszenen auf, die durch die Chöre (Erwachsene und Kinder) dargestellt wurden. Solisten wie Chöre waren stimmlich hervorragend; besonders hervorzuheben ist die Leistung der rumänischen Sopranistin Brigitta Kele, die der Figur der Sklavin Liù Persönlichkeit verlieh.

Großartig wie immer: die Duisburger Philharmoniker, die Puccinis eingängige Melodien in wunderbare Klangfarben umsetzten. Alles in allem war der Abend sehr gelungen, die Aufführung eindrucksvoll und damit absolut empfehlenswert.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

 

 

 

Christoph Grätz über „Turandot“

TURANDOT_15_FOTO_Hans_Joerg_MichelWenn jemand, der bisher nichts mit der Oper zu tun hatte, mehr als zu Tränen gerührt ist, kann der Abend so schlecht nicht gewesen sein. So geschehen bei der Arie der Liu im ersten Akt, gesungen von der rumänischen Sopranistin Brigitta Kele.

Für mich war diese Aufführung der Turandot aus zwei Gründen eine besondere: Es war der erste Einsatz einer kleinen Sängerin des Kinderchores der Deutschen Oper am Rhein, die mit ihrer Aufregung alle Beteiligten angesteckt hat. Und es war der allererste Opernbesuch für ihre Mutter, die bei dieser Premiere neben mir saß und eben jene war, die – wohl auch zur eigenen Überraschung – vollkommen ergriffen war. Zu Recht, denn die Stimme der Liu war die ergreifendste dieses Opernabends. Eine allerdings auch dankbare Rolle, gut gespielt und vor allem großartig gesungen.

Musikalisch war der Abend mehr als gelungen. Souverän steuerte Axel Kober das Ensemble durch die mit asiatischen Themen angereicherte italienische Oper. Ich fand alle Rollen gut besetzt. Dass die Titelpartie, mit Linda Watson prägnant verkörpert, nun wahrlich keine Sympathierolle ist, ist der Sängerin nicht anzukreiden. Zwar erklärt die eisenharte Prinzessin, deren Todesurteil so manchen hat über die Klinge springen lassen, warum sie so handelt. Nicht erklären kann die Oper aber, warum der kühne und sympathische Prinz Kalaf – sehr gut gesungen von Zoran Todorovich – sich ausgerechnet in diese grausame Frau verliebt. Zumal Turandot auch noch für den Tod der Sklavin Liu verantwortlich ist, die sich ihm zuliebe opfert. Erfrischend, weil komödiantisch und hervorragend gesungen, waren die Drei Minister Ping, Pang und Pong. Schade ist, dass der Kaiser von China, der hier auch den Komponisten Puccini darstellen sollte, eher wie Charlie Chaplin aussah. Dadurch wurde die hübsche Idee, dass Puccini, der das Werk ja nicht mehr vollenden konnte, als Zuschauer gespannt auf die Auflösung sieht, leider verschenkt.

Das Taiwanesische Team, das für die Inszenierung verantwortlich war, hat beim etwas naiv anmutenden Bühnenbild nicht mit Effekten gespart und für meinen Geschmack manchmal etwas übertrieben. Die Bezüge zum heutigen China fand ich gut und nicht überstrapaziert. Die Wirkung der Projektion auf Gazebahnen, die von der Decke heruntergelassen wurden, war zu Beginn sehr schön, nutzte sich aber im Verlauf der Aufführung etwas ab. Durch die vielen Effekte fiel kaum auf, dass die Inszenierung eher statisch war. Wer andere Regiearbeiten der Deutschen Oper am Rhein gesehen hat, weiß, welche „Action“ auf der Bühne möglich ist.

Es ist spannend mal eine Aufführung zu erleben, die so ganz anders ist, nicht Understatement sondern etwas knalliger und poppiger unter Einsatz vieler technischer Mittel. Ich habe den Abend sehr genossen und empfehle jedem, der noch eine Karte ergattern kann, reinzugehen.

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Christoph Grätz-1Christoph Grätz
Referent der Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas

Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik (und umso weniger Sport). Bei der Arbeit als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Oper und Ballett entdeckt er jetzt nach und nach als Opernscout. Wie schön, dass er etwas davon mitteilen kann.

Martin Breil über „Turandot“

TURANDOT_03_FOTO_Hans_Joerg_Michel„Nessun dorma“ die Arie des Kalaf von Zoran Todorovich und „Tu, che di gel sei cinta“ von Brigitta Kele schon beim Haniel Klassik Open Air 2015 in Duisburg so wunderbar interpretiert ließen bereits Monate vor der Premiere meine Erwartungen an den heutigen Abend wachsen.

Als Überraschung erfuhr ich in der Einführung vor Beginn der Vorstellung, dass die Inszenierung in Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts, Weiwuying, Taiwan erfolgt ist. Eine Oper über Chinesen in der Interpretation von Chinesen ? Spannend…

Wer schon einmal in China war, weiß, wie stark alte Traditionen und zunehmend auch wieder die Religion Einfluss auf den Alltag des modernen China ausüben.

So gesehen war der erste Eindruck der Interpretation der Oper erst einmal irritierend für mein westliches Auge. Die scherenschnittartige Silhouette der verbotenen Stadt (Kaiserpalast von Peking) als Projektionsfläche für Videoeinspielungen, im Kontrast zu historischen Kostümen, die Überführung der Handlung in den Traum einer jungen Frau , die diesen Traum heute träumt, übersteigt zunächst meine Vorstellungskraft. Erst nach und nach begreife ich, dass diese Inszenierung gleichzeitig das alte und neue China widerspiegelt. Die Träumerin, die versucht, diese Gegensätze in ihren Träumen zu verarbeiten.

Die Leistung des Chores der DOR und der Duisburger Philharmoniker unter Axel Kober ist besonders hervorzuheben. Linda Watson sang ihre Rolle als die eiskalte Prinzessin Turandot sehr überzeugend, Liu, die ergebene Sklavin Kalafs, hatte dagegen mehr Sympathien im Publikum und Zoran Todorovich merkte man die Freude an der Rolle des Kalaf deutlich an. Eine mutige, aber sehr überzeugende Inszenierung. Deutsche Oper am Rhein macht`s möglich. Sehr zu empfehlen!

Weitere Informationen zu „Turandot“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/turandot.1047784

Opernscout Martin Breil-1Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau

Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.