Stabreim im Boudoir

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FOTO: Hans Jörg Michel

Astrid Klooth über die Premiere von „Das Rheingold“

Zweieinhalb Stunden Wagner ohne Pause – von früheren Inszenierungen wusste ich, dass aus dramaturgischen Gründen das „Rheingold“ ohne Pause gespielt wird; allerdings fiel es mir diesmal besonders schwer, mich über den gesamten Zeitraum zu konzentrieren. Dies mag der mangelnden Frischluftzufuhr im vollbesetzten  Parkett geschuldet gewesen sein, aber vor allem aufführungsspezifische Gründe gehaben haben: Auch wenn mir in der Einführung nahegebracht worden war, dass Wagner als Zeitgenosse der Revolution von 1848 in der Figur des Siegfried einen genuin deutschen Sozialrevolutionär erschaffen wollte, erschloss sich mir nicht, warum, in Anlehnung an den naturalistischen und gesellschaftskritischen französischen Schriftsteller Emile Zola, die Handlung, besonders im ersten Bild, in ein Boudoir-Bordell mit Pariser Flair eingebettet sein musste. So geriet, für meinen Geschmack, die ohnehin schon „Alberiche“ Handlung des ‚Rheingolds‘ zur komischen Groteske, von Loge als Conferencier – Entertainer moderiert. Wohlweislich war dem Werk dann auch das Heine Zitat „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten …“ (Achtung: Anspielung Loreley – Rheintöchter, für die Eingeweihten: Es-Dur Akkord) vorangestellt worden. Nichtsdestotrotz hat mich die Duisburger Aufführung überzeugt, und das lag vor allem an den vorzüglichen Sängern, allen voran James Rutherford (Wotan), Stefan Heidemann (Alberich), Ramona Zaharia (Erda) und den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Axel Kober.

Opernscouts

Astrid Klooth
Oberstudienrätin im Hochschuldienst
Langjähriges Mitglied im Philharmonischer Chor, Mitwirkende im Theaterring Duisburg und Abonnentin des Opernabos – Astrid Klooth ist dem Orchester und Theater seit vielen Jahren verbunden. Besonders wichtig bei der Rolle als Opernscout ist ihr der Meinungsaustausch mit den anderen Scouts über die Premieren. Die Uni-Dozentin hat fast täglich mit jungen Menschen zu tun und hofft, durch ihre Beiträge ihr Interesse am Musiktheater einer breiteren Schicht zugänglich machen zu können.

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Heranführung an Wagner

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FOTO: Hans Jörg Michel

Alexandra Schiess über die Premiere von „Das Rheingold“

Ganz ehrlich…? Mit gemischten Gefühlen fuhr ich über die Autobahnbrücke der A42 von Rheinberg Richtung Duisburg, zur dortigen Premiere der Deutschen Oper am Rhein. Das erste Mal nach acht Jahren, denn damals hatte ich schon das Glück, die Premieren in Düsseldorf begleiten zu dürfen. Mal wieder Stau, das Gedankenkarussell startet… Wie sehr ich mich freue auf meine Aufgabe als Opernscout steht außer Frage. Aber zu Richard Wagner, seinem Ring der Nibelungen, verbindet mich nicht viel. Vorher habe ich mich eingelesen, aber reicht das aus, um nach der Aufführung meine Meinung kund zu tun? Im Opernhaus angekommen, das erste Treffen mit den anderen Scouts. Einige haben schon richtige Erfahrungen mit Wagners Ring und Rheingold – Oh weh! Nun wird es dunkel. Der Vorhang öffnet sich… Das Bühnenbild zeigt einen möblierten Raum in Anlehnung an die Zeit Richard Wagners, aber viele kleine Details, technische Raffinessen, lassen diesen einen Raum immer wieder und auch während der Aufführung verändern. Spannende und überraschende Momente ziehen mich von Beginn an in den Bann und meine Augen wandern in jeden Winkel der Bühne, es gibt sehr viel zu entdecken. Zum Beispiel wird das Geschehen auf der Bühne zeitversetzt an die Rückwand projiziert. Die Bühne erscheint umso größer. Es lenkt von der Handlung nicht ab. Die Kostüme überzeugen mich ebenfalls. Durch ihre Gestaltung untermalen sie die verschiedenen Persönlichkeiten und Charaktere sehr gut. Ich lerne während des Stückes die Charaktere kennen und zuzuordnen. Dabei hilft, dass das Kostümbild generell der Kostümgeschichte angepasst ist, jedoch in einigen Momenten überspitzt dargestellt wird. Die Rheintöchter wirken in ihren pastellfarbenen Negligékleidchen wie gewollt, arg frivol. Dann gibt es einen Moment, in dem ich kurz darüber nachdenke, warum Herr Wagner keine Möglichkeit der Pause in seiner Komposition zuließ… Ein wenig egoistisch, finde ich, da ich schon den Wunsch verspüre einmal kurz Luft zu holen oder die Beine zu vertreten. Denn die fantastische Bild- Orchester und Stimmgewalt (durchweg alle Sänger-und Sängerinnen, sowie die Duisburger Philharmoniker überzeugten durch ihr Können) will sich in mir ein wenig setzen. Doch dieses kleine, gedankliche Tief verschwindet alsbald die rechte Bühnenseite unter lautem Grollen gesprengt wird und eine Lore, beladen mit Kohle, von Bergbauarbeitern über die Bühne geschoben wird. Ungläubig schaue ich in das riesige Loch in der Seitenwand und bin fasziniert von der Idee, das ‚Rheingold‘ als das Gold des Ruhrpotts darzustellen. Wie passend transformiert! Vielleicht runzelt manch Wagner-Liebhaber bei dieser Inszenierung die Stirn… Mich hat es dem Ring jedoch näher gebracht!

OpernscoutsAlexandra Schiess
Modedesignerin
Alexandra Schiess war Opernscout der ersten Stunde: Schon in der Spielzeit 2009/10 lernte sie das Projekt kennen und war sofort begeistert, Teil des Experiments zu sein. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und freut sich, ein zweites Mal – diesmal in Duisburg – dabei sein zu dürfen. Vor allem der Tanz fasziniert die Modedesignerin, die ihre Kollektionen sowohl in Deutschland als auch international, wie zum Beispiel in Paris, Rom und San Francisco vermarktet: Sie erstellte Kostümbilder für Ballettproduktionen in Dortmund und Hannover und pflegt eine enge Beziehung zum Ballett am Rhein. Der Oper begegnet sie mit Respekt und Freude und ist gespannt auf die neue Spielzeit.

Überraschung für Wagner-Kenner

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FOTO: Hans Jörg Michel

Sabine Josten über die Premiere von „Das Rheingold“

Der Gesang und die Musik der Philharmoniker sind grandios. Hier kommen die Zuhörer voll auf ihre Kosten und werden nicht enttäuscht. Wagner-Kenner werden überrascht sein: Als Zuschauer erleben wir eine bunte und moderne Kulisse mit Szenen die aus einer anderen Zeit kommen und die Besucher so einen vollkommen anderen Weg in das Stück finden. Man ist überrascht von dem Burlesque und dem wilden Treiben zu Beginn des Stücks und erschrocken über die Brutalität zum Ende des Stücks, wenn die Hand von Alberich abgetrennt wird. In der Zwischenzeit erlebt man etwas Ruhrgebietsromantik wenn die Loren eingefahren kommen. Insofern offenbart sich immer etwas Überraschendes und man versucht die Zusammenhänge zu finden, was des Öfteren schwerfällt. Am Ende weiß man auch, was das Zitat ganz am Anfang mit Wagner und Rheingold zu tun hat. Dieses ist nämlich von Heine und lautet: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten?“

OpernscoutsSabine Josten
Immobilienökonomin und Mediatorin
Als engagierte Bürgerin setzt sich Sabine Josten für die Zukunft Duisburgs ein. Unter anderem ist sie Mitglied der Zeitzeugenbörse Duisburg e.V. und verfasst ab und an einen Artikel für den „Lokalkompass“. Sie stand fünf Jahre lang als Statistin bei der Deutschen Oper am Rhein auf der Bühne und durfte zum Beispiel im Rheingold das Gold tragen. Nach wie vor ist sie begeistert vom Kulturgut Oper. Gerne möchte sie auch andere Menschen dafür begeistern.

 

 

Enttäuschende Inszenierung, großartige Musik

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FOTO: Hans Jörg Michel

Stephanie Küthe über die Premiere von „Das Rheingold“

So genial ich bisher jede Inszenierung von Dietrich Hilsdorf fand – der „Ring“ durch die Brille von Zola gesehen und in den bürgerlichen Salon des 19. Jahrhunderts verlegt, hat mich leider enttäuscht. Zu sehr vermisse ich die Welt der Götter und Riesen, die düstere Unterwelt Nibelheims und die Unterwasserwelt des Rheins, die Wagner für sein „Rheingold“ vorgesehen hat und die sich in seiner Musik so wunderbar deutlich wiederspiegelt. Hier stattdessen verlegt auf eine Varietébühne mit Loge als Conférencier – als Zuschauer fühle ich mich da schon fast auf den Arm genommen. Für die Nibelungensage, die schon ohne großartige szenische Deutung großen Raum für das eigene Kopfkino lässt, ist mir Hilsdorfs Interpretation zu eng abgesteckt. Die Allgemeingültigkeit und Zeitlosigkeit – meiner Meinung nach die größte Stärke des Rings – geht mir hier zu sehr verloren. So sehr mich die Inszenierung auch enttäuscht, Axel Kober macht es am Pult doppelt wieder gut: was für ein musikalisch grandioser Abend! Sowohl die Duisburger Philharmoniker als auch das gesamte Sängerensemble überzeugen vom ersten bis zum letzten Ton und liefern Wagner vom Feinsten – schon allein dafür lohnt sich der Besuch im Duisburger Opernhaus allemal: „Das Rheingold“ macht trotz Allem Lust auf die Fortsetzung!

OpernscoutsStephanie Küthe
Eventmanagerin
Sie sei in der Oper aufgewachsen, sagt Stephanie Küthe, die von klein auf bis zum Ende ihres Studiums im Kinderchor der Deutschen Oper sang. Ihre Leidenschaft fürs Musiktheater führte sie bereits zu Jobs in der Dramaturgie, beim Bonner Opernmagazin und, nach einem Studium der Musikwissenschaften, in die Musicalbranche. Als „Wagner-Frau“ hat sie die Inszenierung vom „Rheingold“ schon in Düsseldorf gesehen und freut sich, im Rahmen des Opernscout-Projekts, die weiteren Teile des „Rings“ in Duisburg zu sehen.

Zukunftsgestaltung mit Wagner

 

 

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FOTO: Hans Jörg Michel

Dirk Sander über die Premiere von „Das Rheingold“

Warum kommt mir das Rheingold in den Sinn, gerade hier in Paris auf dem Global Social Business Summit 2017, wo wir uns aus der ganzen Welt versammeln, um über Lösungsansätze für unsere aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu diskutieren und ein Netzwerk von ZukunftsmacherInnen spinnen? Wie war das damals in Deutschland des Jahres 1869? Es war die Zeit des Umbruchs und Aufbruchs in eine neue unbekannte Zukunft. Euphorischer Fortschrittsglaube und romantische Ressentiments, letztere scheinen auch in Wagners Werken durch, waren die antipodischen Antreiber zukunftsgestaltender sozialer Bewegungen in Europa und der westlichen Welt. Heute bin ich in Paris umringt von Menschen aus Bangladesch, Kolumbien, Afrika und vielen anderen Staaten dieser Erde. Sie verstehen sich als ZukunftsmacherInnen einer neuen sozialen Bewegung, die nichts weniger zum Ziel hat, als die Rettung des Planeten. Unser Planet ist bedroht, weil sich die wohlfahrtsfördernde Ökonomisierung und Rationalisierung  in den westlichen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert auch in den Ländern des Globalen Südens durchsetzt und damit die Nachfrage von bald 10 Milliarden Menschen bedienen muss. Das geht nicht ohne soziale und ökologische Kosten, wie wir seit Beginn der Industrialisierung und heute durch die Digitalisierung leidlich erfahren. Das ahnten auch schon die romantischen Intellektuellen des „Fin de siecle“ und dämonisierten die ökonomischen und technologischen Fortschrittskräfte. Wohin das im 20. Jahrhundert führte, wissen wir. Heute hier in Paris erscheinen mir Wagners Riesen als die Erbauer eines irdischen Walhallas, eine Trutzburg gegen die zunehmend unwirtlich werdende Natur, die den Menschen vor den lebensbedrohlichen Folgen seiner Handlungen abschirmt und ihn unsensibel macht, für seine eigenen Daseinsbedingungen. Die Technisierung der Welt im Namen des Humanismus führte im 20. Jahrhundert zu einem Transhumanismus, der in dialektischer Umkehrung die Entmachtung des Menschen und den Verlust der Liebe zeitigte. Hier auf dem Global Social Business Summit gestalten wir konkrete Lösungen im Namen eines neuen revitalisierten Humanismus:  die Wiederermächtigung des Menschen durch die empathische Einsicht, dass uns keine Burg vor der Natur schützen kann. Meine allegorische Schlüsselfigur des Rheingolds und des gesamten Rings lautet daher: Brünnhilde als die Inkarnation der Liebe.

Opernscouts

Dirk Sander
Inkubator Manager Social Impact Lab
„Break up the concrete“ lautet das Motto des gebürtigen Duisburgers, der früher schon als Regiehospitant an der Deutschen Oper am Rhein tätig war und seitdem auf viele verschiedene Rollen in seinem Lebenstheater zurückblickt. Ob als Banker, Entwicklungshelfer in Afrika oder Inkubator beim Social Impact Lab in Duisburg – Dirk Sander möchte mit seinen Fragen und Ideen etwas für eine gerechtere Gesellschaft bewirken. Durch das Scout-Projekt kann er nun seine Verbundenheit mit der Oper wieder aufleben lassen – statt hinter der Bühne nun im Zuschauersaal.

Anja Spelsberg über die Premiere von „Wozzeck“

Wozzeck_18_FOTO_Karl_ForsterWer mit der Vorstellung, sich berieseln zu lassen und sanft durch den Opernabend getragen zu werden den Saal betritt, wird enttäuscht werden. Alban Bergs Wozzeck lässt den Opernbesucher nicht einfach konsumieren, er wird vielmehr eingefangen und mitgerissen, leidet mit dem Protagonisten und wird zeitweise mit ins Geschehen integriert. Wozzeck ist dramatisch, aufwühlend und nicht zuletzt auch in gewissem Maße anstrengend für den Besucher. In fast zwei Stunden Spielzeit ohne Unterbrechung – welche ich mir an manchen Stellen sehnlichst herbei gewünscht hätte – erlebt der Besucher die Hinrichtung Wozzecks hautnah mit, blickt in seine Abgründe und die seiner Widersacher und vielleicht auch manchmal in seine eigenen.
Besonders schwierig für mich war der Stilbruch zwischen dem grandiosen und modernen Bühnenbild und der atonalen Musik, gepaart mit den alten Texten der Stücke.
Wenn mich Wozzeck eines gelehrt hat, dann dass Oper zum Denken, zum Fühlen, zum Streiten anregt.

Opernscouts 2017

Anja Spelsberg
Sozialpädagogin
Anja Spelsberg ist Sozialpädagogin in der ambulanten Familienhilfe der Landeshauptstadt Düsseldorf. Sie berät und unterstützt Eltern und hilft Familien im Zusammenleben, dabei ist sie besonders in Düsseldorfs sozialen Brennpunkten unterwegs. Das allererste Interesse an der Oper weckte ihre Großmutter mit gemeinsamen Opernbesuchen. Jetzt freut sie sich, ihre Begeisterung mit anderen Besuchern zu teilen und mit den Opernscouts über die Inszenierungen zu diskutieren.

Georg Hess über die Premiere von „Wozzeck“

Wozzeck_13_FOTO_Karl_ForsterWoyzeck oder Wozzeck

In der Regel bereite ich mich auf einen Opernabend vor, indem ich mir zumindest auf Wikipedia oder über andere Quellen die Handlung des anstehenden Stücks anlese um während der Vorstellung zum Einen den Wiedereinstieg zu finden, wenn ich mal den Faden verlieren sollte, oder aber auch um die eine oder andere Spielsequenz inhaltlich besser deuten zu können. Diesmal war ich in der Vorbereitung der Oper Wozzeck von Alban Berg jedoch nachlässig, was sich rächen sollte. Denn es ist unerläßlich die Umstände zu kennen, die sich aus dem von Georg Büchner aufgrund tatsächlicher Begebenheiten festgehaltenen Sozialdrama um den arbeitslosen Soldaten und Perückenmacher Johann Christian Woyzeck (richtig! Büchners Hauptdarsteller hieß Woyzeck und Alban Bergs Opernfigur Wozzeck) ergeben. Dieser tötete nach zahlreichen Demütigungen seine Geliebte und wurde schließlich nach einem jahrelangen Gerichtsprozess um seine Zurechnungsfähigkeit öffentlich hingerichtet. Nur mit dem Wissen der damaligen Abläufe begreift der Opernbesucher den Sinnzusammenhang der vielfach übertrieben und absurd dargestellten Szenen in der aktuellen Inszenierung  von Stefan Herheim. Die vorgetragene Oper spielt nicht authentisch im 19. Jahrhundert, sondern wurde von Herheim in die aktuelle Neuzeit verlagert, in die USA nach Texas, wo die Todesstrafe derzeit noch praktiziert wird. Dem Zuschauer eröffnet sich, als die Bühne freigegeben wird, ein klinischer Raum in dem die Hinrichtung des Protagonisten vollzogen werden soll. Pünktlich, als die zentral installierte Uhr auf  7 geht, wird die Todesspritze gesetzt. In der Folge durchlebt Wozzeck im Wahn seines Sterbens, über die volle 90minütige Spielzeit der Oper, die verschiedenden Stationen und die zahlreichen Personen, welche letztendlich zu seiner Verzweiflungstat und Verurteilung geführt haben, mit all seinen kraftvollen Gefühlszuständen erneut.
Konnte ich der Anfangssequenz noch einiges abgewinnen, so offenbarten sich mir in der Folge leider zu selten die Aussagen des Spielgeschehens. Die atonal vorgetragene Musik der Düsseldorfer Symphoniker und das sehr spezielle Libretto verstärkten an diesem Abend mein Unbehagen, wenngleich es mir in den Folgetagen durch nachträgliches Belesen gelungen ist die gesehenen Bilder besser einzuordnen. An den exzellenten Darstellern, vorneweg Bo Skovhus als Wozzeck und Camilla Nylund als Marie, hat es sicherlich nicht gelegen, dass diese Oper mit ihren vielen verwinkelten sozialkritischen Ansätzen nicht zu meinen persönlichen Favoriten  gehört. Gut möglich, dass ich mir jedoch bei nächster Gelegenheit Woyzeck im Theater, wo der Schwerpunkt auf dem Schauspiel und nicht dem Gesang liegt, ansehen werde um der Figur näher zu kommen.

Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.