Weltraumdschungelkönige

DieFledermaus_10_FOTO_HansJoergMichel

Sandra Christmann über die Premiere von „Die Fledermaus“

Hatte das Johann Strauss im Sinn?

Ich bin für Blödsinnigkeit durchaus zu haben – diese hat Axel Köhler vollends ausgeschöpft.

Dank Frank Philipp Schlössmann konnten wir doch noch einen Blick in das Wohnzimmer von Gianni Versace werfen – imponierend! Direkt gefolgt von dem „kleinen“ Gatsby Arrangement in der Big Bang Theorie Raketenstation. All das im goldenen Rahmen, wie wir ihn zu Großmutters Zeiten kennen, barock, prunkvoll und nur für Jagdszenen zu verwenden. Das Ganze mit  80er Jahre Lichtinstallationen einer Roller Blade Disco aus Wisconsin verhübscht.

Überraschend, voll ausgetobt, aber exzellent im Detail und somit eine der Disziplinen, die den Abend bereichert haben.

In gleicher Manier die Köstüme. Pornös:
Biene Maja im Weltraumglitzer-Suit, Lack, Plastik-Glamour, Leopardenprints, Negligees, Hotpants, bedruckte Männerslips, Table Dance Schürzen-Outfits – ein Fest.
Ein bunter Mix aus galaktischem Holiday on Ice Trash und Altweiber auf der Ratinger nach 20.00 Uhr.

Gesanglich war ganz klar Adele, gesungen von Lavinia Dames meine Favoritin – raumgreifend, durchdringend und auch schauspielerisch überzeugend. Bezaubernd.
Und natürlich hat Wolfgang Reinbacher den Frosch einverleibt und mit den ihm nun mal vorgegeben textlichen Plattheiten charmant performed.

Soweit: Und doch schmeckt die Inszenierung nach an einem großen Eintopf aus Klimbim, Ohnsorgtheater und Zirkusdirektorenauftritte mit einer Priese Peinlichkeit…
Es tat auch punktuell weh.

Wir haben durchaus viel gelacht, keine Frage, Sie kennen das, wenn es kippt, wenn es so plakativ grotesk schreit, dass man lachen muss.

Die Musik passte tatsächlich, der fröhliche Walzer  –  hätte aber durchaus im österreichischen Kontext bestehen bleiben können – die Inszenierung ins NRW Gefüge , dem Düsseldorfer Politklüngel und der Steigenbergerhäme zu setzen, erinnerte ein bisschen an die Frankenheimkiste der Götterdämmerung vor 1 Jahr. Und war nur angetriggert, somit nicht überzeugend.

Meine erste und letzte Operette?: Absolut Ja!

Sandra_Christmann

Sandra Christmann
Head of Strategic Alliances

Sandra Christmann liebt Düsseldorf und die Kunst. Sie engagiert sich bei ArtFair Internantional GmbH. Strategische Allianzen sind ihr Kernthema. Für die Kunst pflegt sie zahlreiche Kontakte, um mit Partnern aus Wirtschaft, Industrie, Handel und Medien innovative Formate und Kooperationskonzepte zu entwickeln. Neben ihrer Arbeit engagiert sie sich für diverse Hilfsprojekte.
Sie liebt das Ballett und besuchte „just for fun“ manchmal die Oper, nun will sie „auch nach ihrer Zeit als Opernscout der Oper treu bleiben“.

Beschwingte Unterhaltung – aber banal und seicht

DieFledermaus_08_FOTO_HansJoergMichel

Hubert Kolb über die Premiere von „Die Fledermaus“

Operette muss man mögen heißt es, ich mag sie nicht. Klischeehafte Charaktere, oberflächliche Texte die zu banal sind, um wirklich lustig zu sein, und billige Situationskomik. Immerhin kenne ich jetzt dieses früher sehr beliebte Werk.

Was hat mir gefallen? Eine Augenweide waren die von einem barocken Bilderrahmen eingefasste Bühne, die bunten Kostüme, die Personenregie und Choreographie. Da war Schwung drin. Regisseur Axel Köhler versuchte eine Auffrischung des Stückes durch viele aktuelle und lokale Bezüge, und durch eine ironische Überhöhung des Geschehens. Oft war das nicht überzeugend. Die Abfolge weithin bekannte „Wiener“ Melodien regte zunächst an, begann dann aber zu ermüden. Dirigent Benjamin Reiners vermied den schmalzigen Klang und brachte viel erfrischende Dynamik in die Musik. Die Singstimmen waren fast allesamt herrlich anzuhören und passten in der Klangfarbe gut zusammen. Adele (Lavinia Dames) erhielt mit Recht den stärksten Applaus, abgesehen vom Interpreten der Sprechrolle des Gefängniswärters Frosch, dem 81-jährigen Wolfgang Reinbacher vom D’Haus. Leider waren viele seiner Bemerkungen etwas seicht und von vordergründigem Humor. In dieser Phase ging der Schwung der Aufführung verloren, und man wartete auf ein Ende des letzten Aktes. Zum Schlussgeschehen viel dem Regisseur leider nichts Originelles oder wenigstens Belebendes ein.

Fazit: Der schwungvolle Beginn, die Bühne, Kostüme und fröhliche Musik regen an, dann aber geht Vieles in Klamauk, Banalität und spannungsarmer Handlung unter.

Kolb_Hubert_Foto_Andreas_Endermann

Dr. Hubert Kolb
Professor für Immunologie/Diabetologie im Ruhestand

Als Biologe und Immunologe hat Hubert Kolb am Deutschen Diabetes-Zentrum Düsseldorf zu Mechanismen und Therapien des Kinder- und des Erwachsenendiabetes geforscht und gearbeitet. Vorsorge und Umgang mit der Krankheit beschäftigen ihn auch noch im Ruhestand. Den Weg zur Oper fand Hubert Kolb im Studium in München – eine „Zauberflöte“ in Spitzenbesetzung begeisterte ihn nachhaltig. Mittlerweile findet er genügend Zeit, die Oper regelmäßig zu besuchen und Vieles neu kennen zu lernen. Auch das Ballett am Rhein, das ihm unter Martin Schläpfer unerwartet gut gefällt.