Eine erfrischende Art Oper zu präsentieren

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Jenny Ritter über die Premiere von Anno Schreiers „Schade, dass sie eine Hure war“

Uraufführung in der Deutschen Oper am Rhein – ich war dabei in „Schade, dass sie eine Hure war“ (Anno Schreier) 16.02.2019.
Da mich der Titel eher abgeschreckt als angelockt hat – noch dazu mit Musik eines
unbekannten Komponisten (Anno Schreier) – habe ich erstmal „probeweise“ die Werkprobe besucht. Das große Thema in dem Stück war die Liebe – doch von welcher Liebe war hier die Rede??? Liebe kennt keine Gewalt, keinen Besitzanspruch! Doch nur darum ging es. Der eigene Zwillingsbruder begehrt seine Zwillingsschwester und will auf gar keinen Fall von ihr lassen – die Schwester ist auch ihm „verfallen“ – keiner ist fähig umzudenken, auch auf die Gefahr hin, dass das Kind Schaden nehmen wird. Stattdessen wird wegen der zu erwartenden Schande eine Hochzeit initiiert, die natürlich nicht gut ausgehen kann.

Es war eine lebendige, ungewöhnliche und kurzweilige Inszenierung (David Hermann). Wunderbar war auch das Bühnenbild (Jo Schramm) die Kombination von Mittelalter hinein in die Moderne – das gleiche geschah mit den Kostümen (Michaela Barth) hinreißend. Das Stück, der Autor (John Fords) Zeitgenosse Shakespeares – diesen konnte man auch in verschiedenen Bildern erkennen: Annabella mit dem „falschen Romeo“ auf dem Balkon, das Gemetzel von Macbeth – es wurde wahllos gemordet – Gewalt war an der Tagesordnung. Alle Freier wurden dahingemetzelt – und nicht nur die.

Das Libretto (Kerstin Maria Pöhler) hat eine sehr derbe Sprache – dafür aber gut und verständlich gesungen und zum Teil auch zum Lachen, doch meistens blieb einem das Lachen im Halse stecken, da es doch stets um Leben und Tod ging. (Manches hätte doch ein bisschen weniger derb sein können.)

Gestört hat mich der Titel, weil immer die Frau die „Hure“ ist. Doch was ist mit Soranzo – der, kaum hat er sich einer Frau entledigt, sich die nächste nimmt, und nachdem er die „heißersehnte“ Annabella bekommen hat, sich von ihr gewalttätig abwendet da sie schwanger ist. Wenig später sieht man ihn tanzend mit einer anderen Frau – wer ist da die Hure? Es gibt leider bis jetzt noch keine männliche Bezeichnung für Hure.

Dennoch: insgesamt eine erfrischende Art Oper zu präsentieren – ohne Arien und Zwischenapplaus.

Ritter_Jenny_Foto2_Andreas_EndermannJenny Ritter
Tai-Chi-Lehrerin

Jenny Ritter ist Lehrerin für verschiedene Entspannungstechniken und die chinesische Kampfkunst „Tai-Chi Chuan“. In ihrer Arbeit ist ihr der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung besonders wichtig. Schon durch ihren ersten Lehrmeister, der ihr eine sehr tänzerische Art des Tai-Chi vermittelte, entwickelte sich auch ihre Begeisterung für das Ballett. Seitdem  sie in der Spielzeit 2016/17 „Das Rheingold“ gesehen hat, ist Jenny Ritter nun auch ein Fan von Wagners „Ring“ und freut sich diesen als Opernscout in Düsseldorf abschließen zu können.

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